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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Dlocb's MlocbenscdrM. Seite 41 es zu Ende mit unserer Mutter Heimat, in Stucke wird sie aerissen von den Polen, Juden, Armeniern und anderen Bösen. Im Namen der Petscherrer Heiligen hat der große Heilige folgende vier Sätze zu erfüllen geboten: 1. Alle sollen sich in ihrer freien Zeit in ihren Kirchengemäuern versammeln zur Beratung, wie man seine Heimat vor den Juden und Polen verteidigen könnte. 2. Juden und Polen nicht töten, sondern nur die von ihnen gesandten Aufrührer jeden nach seiner Art und Weise (seinem Gerichte) abzufertigen. 3. Mit den Juden nichts zu tun zu haben und nichts bei ihnen kaufen. 4. Jeder, der so ein Blatt in die Hand bekommt, ist verpflichtet, nicht weniger als drei Kopien zu schreiben und eine davon in eine andere Stadt oder Dorf zu schicken, und ist verpflichtet, dieses Schreiben anderen Menschen vorzulesen. Derjenige, der das alles in seclis Tagen nicht erfüllt, wird von schweren Krankheiten und Unglück belastet. Wer über mehr als drei solcher Schriften verschickt oder verteilt, wird von einer alten Krankheit befreit und er wird in allem Glück haben. Am Sonntag wird sich das Volk versammeln in der Laura-Sofia-Kirche, Michailow- und Bruderklöstern, und von hier aus wird ein Aufruf an die Russen erlassen wegen ihrer Vereinigung gegen die Juden und Polen. Amen I!" Wie ein derartigrs, unter der Maske der Religiosität auftretendes Hetzblatt auf die rohen, von der russischen Regierung in Unbildung gehaltenen Volksmassen wirken muß, hat man schaudernd erlebt. Ein interessanter Brief der Königin Luise. In einer Zeit der konfessionellen Gegensätze verdient ein Brief der Königin Luise bekannt zu werden, der, obgleich vor mehr als hundert Jahren geschrieben, heute von aktuellem Interesse noch nichts eingebüßt hat. Der Brief Luisens an ihren königlichen Bräutigam war in einer Zeit geschrieben, in der die edle Fürstin das niederdrückende Gefühl der „Demütigung" noch nicht empfunden hatte. Der Brief, den Eduard Rahn in seinem Buche „Die preußischen Fürsten und ihre Frauen" veröffentlicht, hat folgenden Wortlaut: „Des Königs Minister sind hart, sobald es sich um die Juden handelt. Mein Gott, nichts als Witzeleien! O, es ist unnötig, die armen Leute noch weiter zu kränken. Es liegt sehr, sehr viel Demütigendes für den menschlichen Stolz in dem Leben eines Juden. Es schneidet ins Herz, wenn man an den Ton denkt, den sich die Christen oftmals gegen die Juden erlauben. Wir sehen in den Juden auch die Menschheit in ihrem ungeschminkten Zustande. Sie sind eben ihren Völkersitten treu geblieben — und es ist ein trauriger Gedanke um das Bewußtsein, daß wir Christen diesen Zustand verachten und sie zu uns hinüberziehen wollen. Von der grauen Morgendämmerung des Mittelalters bis jetzt war das Judemum eine Kette mit Gesetzen umsäumt. Die ganze heitere Welt, worin wir uns bewegen und vergnügen, machen wir uns voller Fallstricke und Gefahren. Herr Minister, verhärten Sie das Herz meines künftigen Gemahls nicht!" Dieser Brief ist ein Zeugnis für den hohen, edlen Sinn der erhabenen Fürstin, wenn es eines solchen Zeugnisses überhaupt noch bedarf. Zwei neue jüdische Akademiker. Die englische Royal Akademie hat in ihrer Generalversammlung vom 9. d. M. 33 neue Akademik er gewählt, von denen 2 Juden sind. Es sind das Joseph Israels und Solomon I. Solomon. Der Name des greisen Israels, des größten lebenden Meister Hollands, genießt einen Weltruf. Weit jünger und weniger berühmt ist der zweite Akademiker Solomon I. Solomon. Derselbe wurde 1860 in London geboren und hat nach Beendigung der Kunstakademie seiner Vaterstadt die Akademie zu München und die Ecole des Beaux Arts in Paris besucht. Darauf bereiste er Italien, Spanien und Marokko. 1881 stellte er sein erstes Bild aus und seitdem ist Solomon auf allen größeren englischen Kunstausstellungen vertreten. Von seinen Bildern sind berühmt Charles I. zu Guild Hall, Herkules, Kassandra, Niobe, Samson, das Urteil des Paris, Ech und Narzissus. Auch als Porträtmaler genießt der junge Akademiker einen großen Ruf. Nebst zahlreichen anderen Berühmtheiten hat er Sir Samuel Montagu, Israel Zangwill, Sir George Faudel-Phillips, Professor Schechter und den Professor Grätz gemalt. Das Bildnis des letzteren schmückt gegenwärtig den Sitzungssaal des jüdischtheologischen Seminars zu New-Iork. Solomon I. Solomon ist auch ein warmfühlender Jude. Er ist Mitbegründer des Makkabäerklubs zu London, dessen Vorsitzender er 10 Jahre lang war. Solomon ist auch Vorstand der jüdisch-territorialistischen Gesellschaft. Uebrigens hat die Royal Akademie zu London schon früher einen jüdischen Akademiker, nämlich den Herrn Solomon Abraham Hart, beseffen. vermischtes. Wien-Mariahilf. Bei der am 15. d. M. erfolgten Konstituierung des Vorstandes des Mariahilfer Tempelvereines wurden einstimmig gewählt: zum Präsidenten: Herr Dr. Jakob Engel, zum Vizepräsidenten: Herr Friedrich Pollak, zum Schriftführer: Herr Hermann Liebermann. Wien. (Vortrag aus jüdischerGeschichte. Donnerstag den 25. Jänner 1906, präzise l/i8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. E. D a v i d statt. Thema: „Buddhismus und Judentum". Eintritt frei. Hochzeitsfeier. Am 14. Jänner 1906 fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Frl. Lily Strakosch, Tochter des Herrn Fabrikanten Rudolf Strakosch, mit Herrn Apotheker Erwin Zifferer, Sohn des Herrn Donat Ziffer er, Gemeinderates der Stadt Wien, statt. Das herrliche, in einem Lichtermeer erstrahlende Gotteshaus, das in Blumenschmuck prangte, war von einem den distinguiertesten Kreisen der Residenz und des Landes angehörigen Publikum überfüllt. Man bemerkte die Herren kaiserl. Rat Hirsch. Vizepräsidenten der israel. Kultusgemeinde. Baron Distray, Generalkonsul, David Ritter von Guttmann. die k. k. Hofschauspieler Lewinsky und Ritter von Sonnenthal, k. k. Kammervirtuosen Alfred Grünfeld, die Gemeinderäte v. Dorn, Almeder, Dr. Oskar Hein, gewesenen Gemeinderat Orel, die Kultusvorsteher Salo Cohn, Salo Landau, Dr. Spitzer, Emil Horner, Prokurist des Hauses Rothschild, Eltbogen, Schriftsteller Dr. S. I. Bloch, Herrn Oberkantor Singer, den Ges.imtvorstand des Bethausvereines im IX. Bezirke unter Führung seines Präsidenten Herrn Gottlieb Bettelheim und des Herrn Vizepräsidenten Chefarzt Dr. M. Schnepp. die Vorstände der Vereine Frauenhort, Ferienhein, der Frauenvereine im VIII. und im XX. Bezirk und anderer Vereine, ferner viele Vertreter der Presse, Advokaten, Künstler und Vertreter der Industrie. Herr Gemeinderabbiner Dr. Geldhaus hielt eine glanzvolle Trauungsrede, in der er mit innigen Worten dem Brautpaare die Bedeutung dieser heiligen Stunde darlegte und dasselbe ermahnte, seinen verdienstvollen Eltern, solch' leuchtenden Vorbildern, nachzueifern. Herr Oberkantor Kläger brachte unter Chor-, Orgel- und Harfenbegleitung die Trauungsrezitative in wirksamer Weise zum Vortrag. Großen und verdienten Beifall fand der gutgeschulte Chor unter Leitung seines bewährten Dirigenten Herrn Kantor Pekarnik. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in der Urania.) Am Samstag den 13. d. M. um 8 Uhr abends eröffnete der Präsident Herr B r o d bei dichtgefülltem Hause den vom Vereine inszenierten Vortragsabend mit einer Ansprache, in welcher er die großen kulturellen Erfolge der Urania rühmte, welche wissenschaftliche Kenntniffe und allgemeine Bildung verbreitet. Im Namen der Urania dankte Regierungsrat Professor Dr. Umlauft. Sodann fanden die beiden ebenso lehrreichen als hochinteressanten Darstellungen unter allgemeinem Beifalle der Versammlung, die sich aus den distinguiertesten Kreisen zusammensetzte, statt. Der Wunsch wurde vielseitig ausgesprochen, daß dieser Abend im Vereine sich bald wiederholen möge. Wohltätigkeitsakademie ves Bereutes zionistischer Frauen und Mädchen „Fünfhaus". Dieser Verein veranstaltet am 31. d. M. in den Verbandssälen (VI., Köniasegggasse 10) unter der artistischen Leitung des Pianisten Theodor Plowitz eine musikalisch-deklamatorische Akademie mit Tanzkränzchen. Der Abend verspricht ein sehr gelungener zu werden da das reichhaltige Programm jedem Geschmack Rechnung trägt. Karten find zu haben bei Frau Minna Baad, XIII., Lainzerstraße 67 und im Theaterkartenbureaux Spielmann, II., Praterstraße 14 (Telephon 19.351). Das R'inerträgnis ist für die russischen Opfer bestimmt. mammsm mMtgiai

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