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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 36 Dr. Llocb s MocdenscvrM. Nr. 3 wegen des erstaunten Schweigens der Dame beinahe einen Mißton im Verkehre der Geschwister herbeigeführt hätte). Auch der „Küsse Knoblauchduft" besprach der edle Herr; bei wem sollte man denn Manieren lernen, wenn nicht bei Jenen, welche sich zur „ersten Gesellschaft mit christlicher Färbung" rechneten? Das war noch weniger gebildet, als Döllingers Angriffe; die bajuvarischen Pfaffen sind ja noch heute derb in ihrem Benehmen. Der „Görres Kreis" war der eigentliche Hetzer. Dr. Ignaz Lauterbach gab es zwar dem D ö l l i n g e r in der „Flora" vom 9. September '1828 tüchtig zurück unter dem Titel: „Neueste Inden-Verbrennung im deutschen Athen." Platen kriegte von Zimmermann wohlverdiente Strafe, indem dieser den „im Irrgarten der Metrik herumtaumelnden Kavalier" als Jambenschleuderer verdonnerte, dessen Benehmen als junkerhaft und jesuitisch kennzeichnete. Heine selbst aber antwortete erst im HL Bande der „Reisebilder". Er ließ Hiacynth sagen: „Jeder Dichter sollte, wie der Graf Platen, bei seinen schwierigsten Poesiegedichten die Füße oben drucken und zu den Leuten sagen: Seh't, ich bin ein ehrlicher Mann, ich will euch nicht betrügen, die krummen und die geraden Striche, die ich vor jedes Gedicht setze, sind sozusagen Konto vor jedem Gedicht und ihr könnt nachrechnen, wie viel Mühe es mich gekostet, sie sind sozusagen ein Ellenmaß vor jedem Gedicht und ihr könnt nachmessen und fehlt eine einzige Silbe, nennt mich einen Spitzbuben." Varnhagen fand des Hyacinthus Rede vorzüglich und die „Exekution an Platen" gerecht. 1846 aber erklärte Heine, es sei nur der Kampf gegen die Pfaffen gewesen, die ihr Hauptlager in München hatten und die hinter Platen steckten. Bezüglich dieser wird Heine wohl an den Singhalesenspruch gedacht haben: „Eine Kohle wird nicht weiß, auch wenn man sie mit Milch wäscht", darum wusch er sie mit Essig und dachte von dem Rädelsführer Maßmann: „Ein Hundewedel bleibt krumm nach seiner Art, wenn man ihn auch salbt." Der Rassenangriff beider Gegner war geistlos gewesen, denn die sich desselben bedienen, vergessen, wie viele Kriege im Namen Jesu Christi geführt worden, wie viel Blut geflossen ist für das unblutige Symbol des „Menschenopfers", vergessen, daß eine kämpfende Kirche aufhört, Kirche zu sein und daß die Person des Priesters') Trost und Frieden spenden, nicht aber Haß und Verachtung aussäen sollte. Diese Epoche aus Heines Leben führt uns ein verfrühtes Vorbild der Wiener Sorte von Judenfressern (des 20. Jahrhunderts) vor, jener „ch r i st l i ch e n" Soziologen, welche, die Volksbildung als Phrase gebrauchend, in öffentlichen Versammlungen die Wissenschaft und ehrenwerte Männer, welche für die Freiheit des Unterrichts auf gesetzlicher Basis eintraten und einen geistigen Kinderschutzverein, die „FreieSchule", gründeten, besudelten und damit, anstatt die Volksbildung zu heben, nur Verrohung aussäten. Am Marmor fließt zwar der Unrath ab, jedoch jeder Staat ist zu bedauern, in welchem selbst die berufensten Hüter des Gesetzes keine Energie gegenüber saktiösen, den Geist negierenden Bestrebungen dunkler Parteien zeigen. Aber immer noch besser besudelt, als geliebt und gepriesen von der rücksichtslosen Majorität (1895—1905); das wäre ein schlechter Lohn für die Arbeit des wiedererwachenden Liberalismus! Eine Minorität verträgt nicht das Lob der Feinde, sie geht daran zugrunde. Jener Gesellschaft von Gegnern und 0 Im Jahre 1886 hielt der Dichter Emil Rittershaus in Wien einen Vortrag und kündigte einen solchen in Salzburg über „Heinrich Heine" an. Die drei ersten Reihen, welche die Aristokratie und ihr Anhang einnimmt, waren leer, weil diese klerikale „erste Gesellschaft" dort ganz im Banne der Pfaffen steckt. Als ich in Rosenheim von ihm Abschied nahm, sagte ich: „Jedes Land hat die Jesuiten, die es verdient." (Lebhafte Zustimmung auf dem hiezu geeigneten bajuvarischen Boden.) Er eilte damals über München an das Krankenbett Scheffels. nachgeborenen Feinden Heines sollte man Otto Ludwigs Worte (aus den „Makkabäern") zurufen: „Was ein Mann vermag! Und kannst es tragen, daß Du k e i n e r bist?" Jn's Exil (1881). Kein besseres Motto gäbe es für ein Kapitel, in dem Heine's Flucht nach Paris behandelt wird, als das, was Gottfried von Straßburg den „Marke" zu „Tristan" sagen läßt: „Willst Du bei schlechtem Volk „Verhaßt nicht sein, so sing' ihr Lied, Und sei mit ihnen ein Bösewicht, S o nur hassen sie Dich nicht." Heine sang nicht „ihr Lied"; er war „deutschlandmüde" geworden, ein schweres Leid! Wir fragen: „Ging er freiwillig in's Exil?" Antwort: „I a und Nein"; freiwillig, weil er fühlte, daß eine Zeit kommen könnte, in der dies nicht mehr möglich sein könnte; schrieb er doch aus Paris schon nach einem Jahre: „sprang ich nicht schnell genug über den Rhein, der Narr hätte mir mit seiner Pritsche das Haupt zerschlagen."') Als Heine am 27. Dezember 1828, aus Italien zurückkehrend, in Würzburg vom Tode seines Vaters erfuhr, brach er sofort seinen Eid und eilte zur Mutter nach Hamburg; die Mutter- und Sohnesliebe wog Haß und Ingrimm gegen die Hamburger Ritter v. Pfahl und Spieß auf. 1829 in Helgoland für seine Gesundheit, vollendet er den dritten Band seiner „Reisebilder", deren Erfolg schwach war. „Geb't mir ein weites Feld, daß ich bequem verbluten kann; laßt mich nicht ersticken in dieser elendigen Krämerwelt", rief er, denn er galt schon als familiengefährlich, ja staatsgefährlich. S o z i a l e r W i d e r w i l l e, seit München vielfach gesteigert,'') diktierte ihm den Protest gegen die „z a hlungsfähige Moral", (wie er die Heuchelei der Vermöglichen nannte). Zum Manne gereift, vergaß Dr. Heine Verwandte, Kritiker, Universitätsbehörden; der Kosmopolit^) regte sich in ihm, er trat mit dem Fuße auf kleinnationale Bestrebungen; sein höher schwebender Geist sah nur Armseliges in dem Aufblähen der nationalen Wortführer, die jede volksfreundliche Idee im Keime erstickten und Henkerdienste taten an der Aufklärung und den Menschenfreunden. Klagen des Oheims kamen noch dazu. Aus Italien hatte er an Salomon geschrieben: „Meine Klagen sind unberechenbar (Wert der Gedichte). Ihre gingen zusammen alle in einen Geldbeutel hinein"! . . . Heine begann sich zu fühlen. Bis 20. Februar 1829 blieb er in Hamburg, dann ging er nochmals nach Berlin, wo er „Achim v. Armin und seine Frau Bettina" kennen lernte. Einige Zeit blieb er in Potsdam und schrieb. Im April wurde die Rahel krank; Heine erfuhr, daß sie zur Kühlung Rosen auf Gesicht und Hände legen müsse, kaufte die schönsten Centifolien und sandte sie; Rahel aber schrieb in ihr Tagebuch: „Rosen wurden Brücken, sie führten mich ins Leben, Rosen waren Wunder; Heine hat sie mir gegeben." (Fortsetzung folgt.) ') Manuskript, aufgefunden von Professor Geiger im Hamburger Polizeiarchive publiziert in der „Deutschen Dichtung" vom 1. Juni 1903. (v. K. E. Franzos.) 2) „Meine Liebe für Menschengleichheit, mein Haß gegen den Klerus waren nie stärker, wie jetzt" schrieb er aus den Bädern von Lucca 1828. 0 Nach Italien zog es ihn besonders; auch später von Paris aus wollte er Hinreisen. Nach einem Briefe (vom 9. Dezember 1830) an Menzel wollte er von Marseille nach Neapel fahren, aber litt Schiffbruch und blieb in A i x. Rom und Neapel sah er nie

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