Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 3 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 Dr. Llocv s Mocbenscvrm. setir. 35 Die jetzigen Einwanderungsgesetze sind bereits so scharf und streng, daß sie höchstens nur noch gemildert, nicht aber verschärft werden können. Wenn die Jmmigrationssrage überhaupt ein Problem ist, so ist sie nicht ein Problem für uns, sondern für die Emigrationsländer. Fürst Bismarck hat es wiederholt betont, daß die Vereinigten Staaten Deutschland das beste Blut abzapfen, um sich damit selber zu mästen. Und Bismarck war ein kluger Mann. Hätte ich über Amerika so zu verfügen, wie ich über mein eigenes Geschäft verfügen kann, ich würde dem Manne in Europa, der sich Geld zur Einwanderung gespart hat, eine Prämie für die Einwanderung gewähren. Ich würde dabei noch ein glänzendes Geschäft machen. Redner rechnet der gespannt aufhorchenden Versammlung vor, welchen Riesennutzen Amerika von der Einwanderung hat. Der Wert des Menschen ist nicht leicht zu berechnen. Der Mensch ist eben keine tote Ware, deren Herstellungskosten aus Heller und Pfennig berechnet werden kann. Nehmen wir jedoch den Wert des Menschen zum Preise eines guten Sklaven an, so ist jeder Einwanderer sagen wir 1000 Dollars wert. Bei einer jährlichen Immigration von nur 400.000 Menschen hat das Land einen jährlichen Gewinn von Vierhundertmillionen Dollars zu verzeichnen. In diesem Jahre hat Amerika sogar eine ganze Milliarde gewonnen. Eine Einnahme von Vierhundertmillionen Dollars, bei einer Ausgabe von Null Dollars ist doch ein glänzendes Geschäft. Verschwendet daher nicht eure Zeit mit einer Frage, die Onkel Sam nicht im mindesten schadet. Es ist lächerlich, sich zu fürchten vor einer Zeit, da die Immigranten die Herren von Amerika sein werden. Seht euch in diesem Kreise um! Ist jemand unter uns da, der nicht entweder selber Immigrant, oder doch Sohn oder Enkel eines Immigranten ist? Die Arbeiter sind töricht, daß sie die Immigration ausschließen wollen. Jedermann verzehrt mindestens 90 Perzent seines Verdienstes und jeder von ihm verzehrte Dollars trägt dazu bei, andere Leute zu beschäftigen. Die Rede Carnegies erregte den Zorn Sam. Gompers, der, obgleich selber eingewanderter Jude, es als Präsident des amerikanischen Arbeiterbundes für seine Pflicht hielt, die Immigration zu erschweren. Er bestreite nicht, daß die Freizügigkeit eines der wichtigsten Grundrechte des Menschen sei. Diesem Grundgesetz aber müssen wir Arbeiter ein anderes Grundgesetz entgegenstellen, nämlich das Recht der Selbsterhaltung. Ich kann wohl begreifen, wenn satte Menschen mit einer gesicherten Lebensstellung die Jmmigrationssrage für unwichtig halten, für diejenigen aber, die von ihrer Hände Arbeit leben, ist die Jmmigrationsfrage eine überaus wichtige Konkurrenzfrage. Es gibt genug Protektionisten bei uns. Allein diese wollen nur die Fabrikanten gegen die Einfuhr aus Europa schützen. Was nützt aber der Schutz gegen Ware ohne Schutz gegen die Menschen, die die billige Ware Herstellen, wenn die europäischen Arbeiter ungehindert nach Amerika kommen und den amerikanischen Arbeitern die Preise verderben. Diese stehen ohnehin auf einem niedrigen Lebensniveau und dürfen nicht erlauben, daß dieses Niveau durch eine schmutzige Konkurrenz noch weiter hinuntcrgedrückt wird. Ihm antwortete Prof. Elliot, Rektor der Harvard University, indem er ausführte: Die Lehre vom Selbstschutz ist längst überholt. Selbstschutz ist gut, er darf jedoch nicht auf Kosten der Gesamtheit stattfinden. Wir brauchen noch massenhaft Kräfte, um unsere reichen Hilfsquellen zu entwickeln. Im Norden und im Süden, im Osten und im Westen werden Arbeiter zu jeder Minute dringend gefordert. Halten sie die Verbrecher und die Kranken zurück, weisen sie aber keine Leute aus, weil sie irgend jemanden durch ihre Arbeit Konkurrenz machen. Es ist auch falsch, zu behaupten, daß der einheimische Arbeiter von der Ausschließung der Fremden viel profitieren werde. Im Gegenteil. Durch die Immigration findet das Kapital Gelegenheit, sich zu betätigen, die Industrie, sich zu vergrößern. Wenn wir die Immigranten zurückweisen, so weisen wir auch zugleich damit das Kapital aus dem Lande und zwingen es, in fremden Ländern Unterkunft zu suchen. Das Kapital ist beweglicher selbst als der beweglichste Mensch. Findet dieses Kapital im Lande keine Hände, die es beschäftigen könnte, so geht es selber ins Ausland, um sich da Arbeitshände zu suchen. Das Ergebnis der 3 tägigen Verhandlungen waren 3 Resolutionen, von denen die erste alles akzeptiert, was Präsident Roosevelt in seiner Botschaft an den Kongreß über die Immigration gesagt hatte. Eine zweite Resolution empfiehlt die Untersuchung der Immigranten schon bei der Einschiffung. Die dritte Resolution fordert eine strenge Kontrolle der in dem stillen Ozean landenden Einwanderer. Aus Heinrich Heines Jugendzeit 1803—1839. Vortrag, gehalten am 6. November 1905 im Verein zur „Abwehr des Antisemitismus". Von Josef Baron Doblhoff. (Fortsetzung.) Die maßlosesten Angriffe in der Jsarstadt erfuhr er von einem gewissen Maßmann. Heine fragte ironisch: „W a s soll aus ihm werden, wenn ich tot bin?" Denn dieser „Teutomane" atmete nur Heinehaß und er verdarb ihm die P r o f e s s u r, zu der er schon vorgeschlagen war. König Ludwig I. wollte nicht unterzeichnen, doch die Rache kam mit der Feder: Im „A t t a Troll („Tendenzbär", „Kein Talent, aber ein Charakter"), verspottet Heine die oft geschraubten Sinnsprüche unter den Büsten der Walhalla und im Nachlaß findet sich eine Stelle: „Auch Rothschild könnte eine Walhalla bauen, — ein Pantheon aller Fürsten, die bei ihm Anlehen gemach t!" Wiewohl Heine mit Minister Schenk, T h i e r s ch Cotta, Baron Tjutscheff und vielen Künstlern verkehrte, also in München angesehen war, standen doch die Träger zweier berühmter Namen im Lager seiner erbitterten Gegner, der „Schwarzen", sie hießen: Pater Döllinger und Graf P l a t e n. Ersterer scheint damals die eigene „Unfehlbarkeit" anerkannt zu haben, obwohl er 40 Jahre später die des Papstes in Rom angriff: P l a t e n, der Hochgeborene, der so vornehm sich herabließ, klassischen Boden zu besingen, der sogenannte „Horaz der Deutschen", haßte den Feuergeist des jungen Polemikers; sie waren Antipoden, umsomehr, als Heine erklärt hatte: „Literarische Tradition ist U nsinn".') Trotzdem hat Heine die deutsche Sprache tatsächlich gehoben und die Kritik nannte ihn einen „denkenden Dichte r". Das mochte wohl Platen empört haben, obgleich er in seiner „Glosse" (an Goethe) 1821 gesungen hatte: „Ein jedes Band, das noch so leise Die Gei st er an einander reihr, Wirkt fort auf seine stille Weise Durch unberechenbare Zeit." Platen aber zerriß das Band sofort, das ihn an Heine hätte fesseln können; der Dichter der formvollendetsten Strophen vergaß die Form so weit, daß er den jungen Kollegen einen „Pindarus vom kleinen Stamme Benjamin" den „Petrarca des Laubhüttenfestes" nannte, seinen „Synagogenstolz" tadelte und einmal die Schwester Heines (Lotte Embden) fragte: „Lesen Sie die Bibel? — Ich meine die Stelle „Bin ich der Hüter meines Bruders?" (was ') In einem Briefe an seinen Freund Moser schrieb Heine, er sei „ein persischer Dichter" und müsse sich mit der „holprigen deutschen Sprache zu Tode martern wie in einem Postwagen". — Die antike Metrik war ihm eben ein Greuel. An Zimmermann schrieb er: Ich gestehe, daß ich im ganzen Leben nicht sechs Zeilen in dieser antiken Versart (Distichon) zu Stande bringen könnte." — Strodtmann erzählt, sein Bruder Max habe den Hexameter geschickt gehandhabt, aber Harry habe einen schrecklichen Traum gehabt, in welchem ein fünffüßiger Hexameter erschien und den vergessenen sechsten Fuß begehet habe, ganz anders als Goethe, der einen mit sieben Füßen schuf und dann dem Schreiber sagte: „Laß die Bestie stehen."