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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-05 · 1 (5.1.1906) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 14 Dr. Dlocv's 'MocoenscvcltL. Nr. 1 er besonders die vorzüglichen Eigenschaften des Jubilars, seine Bescheidenheit, Treue und sein musterhaftes, familiäres Leben hervorhob. Mit der Ueberreichung eines Ehrengeschenkes von der Kultusgemeinde, bestehend in einem silbernen Pokal und einer Besomimbüchse endete diese denkwürdige und weihevolle Feier. Um 7 Uhr abends versammelten sich die Festgäste zum Bankette im Hotel des Herrn Jakob Eisinger, welches unter zahlreichen Trinksprüchen höchst animiert verlief. Tmmau. Am 25. Dezember haben wir unseren alten treuen Freund meä. vr. Alois Reiner zu Grabe getragen. Eine schier unübersehbare Menschenmenge, die nach Tausenden zählte, gab ihm das letzte Geleite. Kein Rang, kein Stand blieb unvertreten, und die Beteiligung aller Notabeln der Stadt und Umgebung, aller Vereine und Korporationen gab nicht weniger Zeugnis von der Wertschätzung des Dahingeschiedenen, wie die Schar der Menschen, denen er ein väterlicher, uneigennütziger Freund gewesen. Dr. Reiner war als Mensch wie als Arzt'ein glänzendes Vorbild seines menschenfreundlichen Berufes; von gleicher Hilfsbereitschaft gegen Reich wie Arm, kannte er während seiner nahezu ein halbes Jahrhundert dauernden Tätigkeit in seinem schweren, humanen Berufe keine Rast und Ruhe. Seine armen Kranken zu verlassen, hätte er nie vermocht, und einzig in der Ausübung seines ärztlichen Wirkens fand er wahre Befriedigung; da war für ihn keine Stunde der Nacht zu spät, kein Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht. Wußte er doch, daß mit seinem Erscheinen ein heller Strahl der Hoffnung in die ärmliche düstere Krankenstube einziehe, daß die Hand des Fiebernden sich nach seiner sanften beruhigenden Berührung sehne, die Blicke der bekümmerten Mutter aus seinen milden Augen Trost schöpfen wollten. Dr. Reiner, der Freund und Helfer der Armen, war ein guter Sohn seines Vaterlandes, er war Jude in wahrer Bedeutung des Wortes, er war ein zärtlicher fürsorglicher Berater seiner Geschwister, die ihm, den Unvermählten, die Familie ersetzten, und noch bevor der alte gute Freund für immer von uns schied, bekundete er in hochherziger Weise seine Anhänglichkeit und Fürsorge für seine treue Gemeinde. Dr. Reiner wurde uns viel zu früh, im 75. Jahre, seines segensreichen Lebens, entriffen. Sein Andenken wird fortbestehen! Straßnrtz. Am 31. Dezember 1905 fand an der deutschen Volksschule der isr. Gemeinde in Straßnitz eine vom Vorstande des Schulkreuzervereines veranstaltete und vom Herrn Oberlehrer Isidor Robitschek arrangierte Makkabäerfeier statt, welche von der Elite der Stadt und Gemeinde, von Freunden und Gönnern der Schüler sehr zahlreich besucht wurde. Mit einer Begrüßung?- und die Bedeutung der Makkabaerhelden behandelnden Festrede vom Herrn Rabbiner Dr. A. Fricdmann wurde die Feier eröffnet, worauf mehrere vom Oberlehrer und Schulleiter Herrn Robitschek gut einstudiertc paffende Deklamationen und Lieder von den talentiertesten Schülern und Schülerinnen exakt vorgetragen wurden, welche sich des ungeteilten Beifalles des zahlreich anwesenden Auditoriums erfreuten. Die Schlußicde hielt Herr Oberlehrer Robitschek, welche in einem begeisternden Hoch auf unfern allverehrten Kaiser Franz Joseph l. ausklang. Nach Absingung der Kaiserhymne wurde mit der Verteilung wertvoller Kieidungs- und Wäschestücke an die armen Schulkinder und eines Paketchens mit Gebäck und Südfrüchten an jedes der schulbesuchenden Kinder die erhebende Makkabäerfeier geschlossen. Ledec. Sonntag den 2-i. Dezember 1905 fand im hiesigen isr. Tempel, verbunden mit dem Abendgottesdienst, eine vom Rabbinatsverweser Herrn Moriz Mandl veranstaltete erhebende Chanukafeier statt, welche, verbunden mit den üblichen hebräischen Festgesängen und Vorträgen in böhmischer und deutscher Sprache von Seiten der Schüler und Schülerinnen, recht wirkungsvoll verlief. Derlei Veranstaltungen tragen hierzulande viel zur Hebung des jüdischen Selbstbetvußtseins bei und die nun alljährlich stattfindende Chanukafeier ist auch das beste Mittel, die israelitische Jugend von der nichtjüdischen Weihnachtsbaumfeier wirksam abzulenken. Nachod. Bei der am 10. v. M. stattgefundenen Wahl der Funktionäre in den Kultusvorstand wurden sämtliche Kandidaten der Opposition gewählt. Vom ersten Wahlkörper wurden die Herren Siegfried Pichl, Hermann Pick, Leopold Stransky, Jonas Lewith und Otto Pick in den Vorstand, Max Pollak und Jakob Munk als Ersatzmänner, Leo Weißenstein als Revisor, Leopold Hitschmann, Alfred Pick, Simon Holzner, Hronow, Jakob Sommernitz und Adolf Pick als Vertrauensmänner und Josef Kohorn, Braunau, und Jakob Sommernitz in die Umlagekommission gewählt. Der zweite Wahlkörper wählte die Herren Jakob Pick, Moriz Stern, Max Goldschmied, Ludwig Fanta, Max Pick in den Vorstand, Ernst Lewith, Gustav Pick und Wilhelm Lederer als Ersatzmänner, Edmund Fischer als Revisor, Josef Lederer, Dr. M. Brandejsky, Ernst Löwenstamm, Hronow, Emanuel Kohorn, Eipel, Leopold Eisenmann, Kosteletz, als Vertrauensmänner und Julius Löwenbach, Josef Lederer, beide aus Hronow, in die Umlagekommission. Bei der am 17. v. M. stattgefundenen konstituierenden Sitzung des Ausschusses wurde Herr Jakob Pick zum Vorsteher, Max Goldschmied zum Vorsteher-Stellvertreter, Hermann Pick zum Kassier, Siegfried Pichl zum Rechnungsführer, Jonas Lewith zum ersten und Otto Pick zum zweiten Tempelvorsteher gewählt. Die Herren Leopold Stransky, Max Goldschmied, Ludwig Fanta wurden in das Schulkomitee, Leopold Stransky, Jonas Lewith, Max Pick als Armenräte und Hermann Pick, Moriz Stern und Siegfried Pichl in das Baukomitee gewählt. Feuilleton. Eine Hochzeit im Ghetto zu Uew-Uork. Uebersetzt von Amelie Steinhaus. Aus dem Englischen. Nur wenige von denen, die an jenem sternenhellen Februarabcnd zufällig durch die Hauptstraße kamen, haben es empfunden, daß im Ghetto alles im Zeichen des langen Arbeitsmangels und Elends stand. Die kalte Luft war erfrischend und das aus den Kaffeehäusern und Geschäften herausströmende Licht überflutete alles mit dem Scheine der Zufriedenheit und des Wohlbehagens. Auf dem Trottoir bewegten sich Käufer und Spaziergänger, an den Straßenecken standen Hausierer. Doch das schimmernde, betäubende Chaos hätte manche Leidensgeschichte erzählen können. Die meisten der sich hier ergehenden Menschen waren in verzweiflungsvoller Stimmung. Männer und Frauen, die hier verloren umherstreiften, blieben vor den verlockenden Schaufenstern stehen, erfreuten sich an dem einen oder dem anderen Gegenstände, kauften ihn in Gedanken an, um schließlich dieses momentane Vergnügen mit der Qual des Wiedererinnerns an ihre leergewordene Börse zu büßen. Die vielen Hausierer waren auch ein Beweis für die Armut, die im ganzen Viertel herrschte. Einige von ihnen entwickelten eine rege Tätigkeit, indem sie mit der ganzen Verzweiflung des bevorstehenden Ruins ihre Waren mit lauter Stimme ausriefen; andere flehten die Vorübergehenden an, ihnen etwas abzukaufen, als ob sie Almosen verlangen würden; und wieder anderen sah man trotz ihres fieberhaften Anbietens an, daß sie dessen ungewohnt waren und das Martyrium der Demütigung durchmachten: das Hausieren war nicht ihr Beruf und sie fanden es unter ihrer Würde; aber die Hungersnot hatte sie dazu gezwungen, der Arbeitsmangel der Handwerker war hoffnungslos. Zu diesen letzteren gehörte ein untersetzter Bursche von fünf- bis sechsundzwanzig Jahren mit einem ehrlichen, klugen Gesichte. Diesen angeborenen, anziehenden Eigenschaften mag es wohl zuzuschreiben sein, daß seine Ostergeschirre, deren Lob er unaufhörlich pries, mehr Anklang bei den vorübergehenden Frauen fanden als die feiner Konkurrenten. Doch seine Erfolge hatten ihn mit diesem Berufe nicht ausgesöhnt. Er war in fortwährender Angst, daß einer seiner Bekannten vorüberkommen könnte; und wenn einer kam, versteckte er sich, damit er nicht als der Verkäufer der Töpferware erkannt werde. „Kaufet schönes Geschirr für die Feiertage! Billig und dauerhaft! Kaufet Geschirr für Ostern!" Wenn das Geschäft lebhaften Zuspruch hatte, rief er leiser; doch wenn der Zeitraum zwischen der einen und der anderen Kundschaft zu lang war, da klang sein Ausrufen wie ein Kampflied Und dann wieder traurig wie der Psalmengesang bei einem jüdischen Begräbnis. Er war, seinem Handwerk nach, Mützenmacher, und wenn dieses Geschäft eine günstige Saison hatte, konnte er zehn bis fünfzehn Dollars wöchentlich verdienen. Aber in den letzten zwei Jahren hatte er wenig Arbeit finden können und seit drei Monaten war er überhaupt beschäftigungslos. Golde, die Erwählte seines Herzens, verdiente ihren Unterhalt durch Kravattennähen; sie konnte mit Not und Mühe so viel herausschlagen, um Kost und Wohnung zu bezahlen. Nathan hatte sich erst nach langem Zögern zum Hausieren ent-

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