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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-05 · 1 (5.1.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Dr. Blocb s MocvenscdrM. Sir. 1 Interventionen den Dank ausspricht, schließt Redner unter dem Beifalle der Versammlung. Kultusvorsteher Dr. M. Steiner verteidigt gegen Oberfinanzrat Rappaport die Kommissionen als Vereinigung von Fachleuten, die jederzeit Dankenswertes geleistet haben. Das Verlangen der einzelnen Vorstandsmitglieder aus erhöhte Teilnahme an ollen Agenden ist vollauf berechtigt. Die neue Geschäftsordnung führt eine Ueberlastung des Vertreterkollegiums herbei, so daß manche wichtige Beratungsgegenstände, wie z. B. Reform der Armenpflege, Lehrerreferate, seit 5 Jahren unerledigt geblieben sind. Besonders verwundert sei Redner, daß Oberfinanzrat Dr. Rappaport den Uebergang von der doppelten Buchführung zur kaweralistischen Buchhaltung empfohlen hat: mit dem gleichen Fug könnte man die Kassierung der elektrischen Bahn fordern, um zum Stellwagen zu greifen. Kultusvertreter W. K u f f n e r nimmt die neue Geschäftsordnung in Schutz gegen die Bemängelungen der Vorredner. Die Ueberlastung des Vertreterkvllegiums rühre vor Allem von gewissen Wohltätigkeits-Agenden her, für welche ein anderes Organ üeiert werden sollte. Redner weist sodann die abfälligen Bemerkungen des Kollegen Dr. Rappaport über die Beamten zurück und stellt im Allgemeinen den Bureaux ein gutes Zeugnis aus. Was die Herabsetzung des Steuerzensus anlangt, so täuschen sich die. welche sich hievon eine Einnahmsauelle für die Gemeinde versprechen, die fakultative 10 Gulden-Steuer bestehe ja, wie Viele aber hätten freiwillig davon Gebrauch gemacht? Kultusvorsteher Salo Cohn zeigt, daß man in Wien höhere Kultusbeträge als in Budapest und in Berlin hat; in der Opferwilligkeit steht Wien obenan. Die verteuerte Administration hat bestimmte Ursachen. In Berlin z. B. wird die Kultusstener gleichzeitig mit der Staatssteuer von den Staatsorganen eingehoben: bei uns erfordert die Steuereinhebung einen eigenen kostspieligen Apparat. Redner schließt mit Worten der Anerkennung für den musterhaften Beamtenkörper. Kultusvorsteher kaiserl. Rat Jonas Weil spricht zunächst den Wunsch aus, den gedruckten Voranschlag rechtzeitig zu erhalten; es bedarf einiger Tage Zeit, ein solches Kompendium zu studieren. Er konstatiert wesentliche Fortschritte auf allen Gebieten der Verwaltung, er wendet sich in scharfen Worten dagegen, daß ein Mitglied des Vertreterkollegiums in öffentlicher Vorstandssitzung ein solch herbes Urteil über Beamte gesprochen. In eindringlichen Worten mahnt Redner an die Realisierung des längst verheißenen Krankenpflegerin ne n-Jnstituts und betont die Notwendigkeit eines jüdischen Kinder-Spitals. Ein Appell an die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen wird auch hier nicht ohne Erfolg bleiben, der Vorstand habe Gelegenheit, sich ein ehrendes Denkmal zu errichten. Kultusvorsteher Professor S. E h r m a n n bestätigt die ersprießliche Wirksamkeit der Fachkommission. Nicht die Organisation ist entscheidend, sondern die Art der Handhabung. Redner bekenne sich als prinzipieller Freund des allgemeinen Wahlrechtes, kann sich aber der Tatsache nicht verschließen, daß bei dem dermaligen massenhaften Zufluß von Armen die Realisierung mit Gefahren verbunden ist. Redner urgiert angesichts einer sich ausbreitenden Bettelindustrie die Reform der Armenpflege auf Grund des Elberfelder-Systems mit Hilfe der jüdischen Korporationen in den verschiedenen Bezirken. In eingehender Weise erörtert Professor Ehrmann den Plan einer Schule und eines Heims für Krankenpflegerinnen und erklärt, daß dazu am besten ein eigenes Kuratorium berufen sei, welches selbstverständlich vom Vorstand wesentliche Förderung erhalten soll. Der Vorstand selber sei vermöge seiner ganzen Organisation zur Schaffung solcher Institute ein ungeeignetes Organ. Kultusvorsteher S. K a u d e r s bespricht die Mängel des derzeitigen Religionsunterrichtes und empfiehlt zu dessen Erleichterung die Anschaffung hebräischer Vokabelbücher für die unteren Klassen. Kultusvorsteher Salo Landau bespricht die Fleischsrage. Elf Koscherbänke — deren 4 allein im 11. Bezirk — sind zu wenig für das weitausgedehnte Gemcindegcbiet. Die Steuerträger der entfernteren Bezirke haben daS gleiche Anrecht auf Berücksichtigung. Redner lenkt die Aufmerksamkeit auf den Verein für rituelle Verpflegung jüdischer Kranken in den öffentlichen Krankenanstalten und erzählt einen Fall, daß ein Jude drei Tage nach der Operation ohne Nahrung blieb, weil ihm keine rituelle Kost verabreicht wurde. Er erbittet für diesen Verein eine Erhöhung der Subvention, damit er in der Lage sei, den übernommenen Pflichten nachzukommen. Kultusvorsteher Oskar Marmorek beantragt nach einer eingehenden warmen Begründung eine Resolution zu Gunsten der Herabsetzung des Steuerzensus und Erweiterung des Wahlrechtes. Ferner wünscht Redner eine Erhöhung, bezw. Regulierung der Beamtengehalte. Redner tadelte, daß die Subvention der Lämelschule in Jerusalem gestrichen wurde, und beantragt, die Post wieder einzustellen. Kultusvorsteher kais. Rat Sachs spricht die Hoffnung aus, daß mit der Kreierung der L e h r e r b i l d u n g s a n st a l t, welche von der Wählerschaft nachdrücklich verlangt wird, ernst gemacht wird; die Notwendigkeit gut qualifizierter Religionslehrer wird' immer dringlicher von allen Seiten betont. Endlich verweist der Redner auf die Tunlichkeit, für die Erweiterung des Zentralfriedhofes rechtzeitig Sorge zu tragen. Kultusvorsteher Dr. Alfred Berger bespricht die Situation des Talmud-Thora-Vereines, welcher vor der Notwendigkeit steht, ein neues Schulgebäude errichten zu müssen, und erbittet die wohlwollende Unterstützung für diese schwierige und kostspielige Aufgabe. Nach einem Schlußwort des Finanzreferenten kais. Rat M. Hirsch ergreift der Vorsitzende, erster Vizepräsident Doktor G. K o h n, das Wort, um die vorgebrachten Anregungen sämtlicher Redner der Reihe nach zu würdigen und nimmt Gelegenheit, dem Kollegen Marmorek für seine opferwillige uneigennützige Tätigkeit bei der Renovierung des Leopoldstädter Tempels den Dank auszusprechen. Redner nimmt den Lehrerstand gegen die Bemerkungen des Oberfinanzrotes Dr. Rappaport in Schutz und entwickelt den Plan einer Neuorganisation des Beamtenkörpers. Wenn der Vorstand an den Bau eines Tempel Am Volkert und in Margarethen, eines Kinderspitals und einer Mikwah herantreten soll, müsse man ihm vorerst die Mittel dazu beschaffen. Daß die Kommissionen nicht von Teil- und Einflußnahme ausgeschlossen sind, zeigten die 100 Kommissionssitzungen in diesem Jahre. Insgesamt haben 212 Sitzungen stattgefunden. Die Anregungen Marmoreks bilden ohnehin den Gegenstand der Beratung im Vertreter-Kollegium, welches diesbezüglich Anträge vorbereitet. Auch die Anträge Spitzer und Landau wolle man dem Vertreter-Kollegium zur Vorberatung überweisen. Ueber Antrag des Kultusvorstehers Salo Landau wird sodann dem Finanzreferentcn kais. Rat M. Hirsch für seine große Mühewaltung der Dank votiert und der Voranschlag einstimmig genehmigt. Hilfsaktion der „Israelitischen Allianz zn Wien". Ueber Anregung der „Israelitischen Allianz zu Wien" fand am 4. d. Mts. in Frankfurt a. M. eine internationale Konferenz der großen Hilfsorganisationen statt, bei welcher über die einheitliche Fortführung des Hilfswerkes in Rußland, die Versorgung der Witwen und Waisen, Beschlüsse gefaßt wurden. Als Delegierte der „Israelitischen Allianz zu Wien" sind die Herren Vizepräsident Dr. Sigmund Wahr mann und Vorstandsmitglied Wilhelm Pappenheim nach Frankfurt gereist. Das Ergebnis der Spendensammlung der „Allianz" beträgt derzeit ca. 780.000 X. In dieser Summe sind außer den bereits ausgewiesenen Sammlungen folgende seit dem 19. v. M. eingegangene Beträge enthalten: Prag, durch Dr. Arnold RosenbacherX 18.720.—, zusammen K 66.883.36; Verband der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith für Oesterreich X 990.—, zusammen X 44.600.—; Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen X 629.—, zusammen X 3662.20; Mährisch - Ostrau (I. Rate) X 3350.—; Klattau X 1485.—; Leipa X 1146.—; Podgorze X 1080.—;

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