Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. JBlocb 3 Moebens. rrrrr. Seite 7 „1. In ihren Staaten das Prinzip zur Geltung bringen, daß alle diejenigen, die in denselben wohnen und in Zukunft wohnen werden, unbehindert ihren Kultus werden ausüben können. 2. Ihrer Regierung als unabänderliche Basis der Gesetzgebung von Marokko die bereits in dem Dekret vom 26. Chaban 1280 (an Sir Moses Montefiore) adoptierte Maxime vorzuschreiben, wonach weder die Religion noch die Rasse jemals ein Grund sein darf, einen Unterschied zwischen muselmanischen und nichtmuselmanischen Untertanen in der Behandlung durch das Gesetz und vor dem Gesetz zu statuieren, noch als Vorwand zu dienen, um den letzteren Erniedrigungen aufzuerlegen, um sie irgend eines bürgerlichen Rechtes zu berauben oder sie an der freien Ausübung aller Gewerbe und Handwerke, die den muselmanischen Untertanen des Reiches gestattet sind, zu hindern." Wohl verlas bald darauf der Bevollmächtigte Marokkos ein Schreiben des Sultans, in welchem dieser allen seinen Untertanen gleiche Rechte und gleiche Behandlung verbürgt. Die Versprechungen sind ohne jeden Wert geblieben bis auf den heutigen Tag. An den Mächten wird es nun sein, bei der nächsten Konferenz durch wirksame Garantien zur Wahrheit zu machen, was sie vor fünfundzwanzig Jahren vergeblich erstr.'bt. * * * Befürchtete Judenhetzen in Moskau. B e r l i n, 3. Jänner. Die „Russische Korrespondenz" meldet aus Petersburg: In Moskau herrscht große Aufregung. Wie aus dem Geschäftsbrief eines dortigen Großkaufmannes zu entnehmen ist, wird behauptet, es stehe eine Hetze gegen die Juden und auch gegen die Fremden bevor. Reisende berichten gleichfalls, es werde auf den Straßen offen davon gesprochen, die Moskauer revolutionäre Partei sei mit jüdischem Gelde hervorgerufen, und man müsse die Juden dafür bestrafen. Die Panik wird dadurch verstärkt, daß mit der Organisation der städtischen Miliz von der Behörde der bekannte Antisemit Schmalow betraut worden sein soll. Schmalow äußerte sich gerade jetzt in der Stadtverordneten-Versammlung in Bezug auf die Freiheiten des Manifestes, daß sie alle nach Knoblauch riechen und die Miliz sei nötig, um gegen die Juden zu kämpfen. Es' kommt hinzu, daß der Generalgouverneur Subatow vor kurzem öffentlich erklärte, man könne nichts gegen die Judenverfolgungen tun, da sie ein Ausfluß aufgeregter patriotischer Gefühle seien. Auch Witte meinte im Privatgespräch wieder, Judenverfolgungen seien nicht ausgeschlossen. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 30. Dezember 1005 unter dem Vorsitze des Herrn I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: Nach kurzer Pause hat wieder der Tod eine klaffende Lücke in unser Kollegium gerissen; Max Fleischer, eines der ältesten Mitglieder des Vorstandes, haben wir, hat die Gemeinde und die ganze Judenschaft verloren. Ein Mann von seltenen Charaktereigenschaften, dessen Seele von feinster Empfindung für alles Gute, Schöne und Edle erfüllt war, bei dem sich Künstlerstolz und Mannesmut mit edler Bescheidenheit harmonisch vereinigten, ist mit Fleischer dahingegangen. Hier an dieser Stelle geziemt es sich in erster Linie, hervorzuheben, was der Verewigte als Jude war, ziemt es sich, die Größe des Verlustes zu ermessen, den unsere Gemeinde durch sein Hinscheiden erlitten hat. Innig verknüpft mit seiner Persönlichkeit, mit seinem Namen ist die Geschichte unserer Gemeinde, deren religiöse und humanitäre Institutionen Fleischer durch seine hohe Kunst gefördert hat: doch nicht allein durch seine Kunst; tiefe aufrichtige Glaubenstreue adelte sein Wirken, seine Künstlerschaft, die er mit oft entsagungsvoller Hingebung, mit seltener Uneigennützigkeit vorwiegend im Dienste unserer heiligen Religion betätigte. Aufrichtige Herzensgüte, allumfassende Menschenliebe vervollständigen sein Bild, das Bild eines edlen, vortrefflichen Menschen. Das Andenken unseres lieben treuen Kollegen Fleischer wird immerdar ein gesegnetes sein. Der Vorsitzende verfügt unter Zustimmung der Versammlung, welche sich zum Zeichen ihrer Trauer von den Sitzen erhoben hat, die Einverleibung dieser Kundgebung in das Protokoll. Im Einlaufe befinden sich: Beileidsschreiben anläßlich des Hinscheidens des Vorstandsmitgliedes Baurat Max Fleischer und zwar von: Dem Vorstande der Kultusgemeinde in Brünn, dem Vorstände der Kultusgemeinde in Proßnitz, dem Bethausvereine Chewra-Beth-Hatfilah und dem Herrn kais. Rat Salomon Kohnberger. Weiters eine Zuschrift des Herrn Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Jakob Engel als Testamentsvollstrecker nach dem seligen Herrn Baurat Max Fleischer mit der Mitteilung, daß derselbe nachstehende Legate der Kultusgemeinde vermacht habe: K 6000.— mit der Widmung, aus dem Erträgnisse dieser Summe die auf dem Zentralfriedhofe befindliche Gruft für immerwährende Zeiten in gutem Zustande zu erhalten. X 2000.— zur Errichtung einer „Regine Fleischer-Ausstattungsstiftung". X 1000. - zur Vergrößerung der bereits bestehenden „Max Fleischer'schen Stiftung für Handels- und Gewerbetreibende." Die in seinem Besitze befindliche Hebraica hinterließ der Verewigte der Bibliothek der Kultusgemeinde. Weiters befinden sich im Einlaufe: Ein Dankschreiben des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann und des Herrn kais. Rates Salomon Buber in Lemberg für den als Beitrag zu einer zu errichtenden Raschi-Stiftung bewilligten Betrag von X 500.—. Ein Dankschreiben der Witwe nach dem verewigten Großrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn, für die bekundete Teilnahme des Kultusvorstandes. Ein Dankschreiben des Herrn Adolf und der Frau Charlotte Steinschneider für die ihnen anläßlich ihrer goldenen Hochzeit ausgesprochenen Glückwünsche des Kultusvorstandes. An Spenden sind eingelaufen: Von Frau Charlotte Hirsch anläßlich der Vermählung ihrer Tochter Margarethe: Für den Waisenverein - K 100.— Fürdie Versorgung-anstatt . . . „ 100.— Für das Blindeninstilut - . ,» 100.— Für das Taubstnmmeninstitut. . „ 100.— K 400-— Von Herrn Ludwig Brettauer zur Errichtung eines „Ludwig Brettauer Armenfonds" .... . . . „ 5000-— Von Herrn Guido Elbogen anläßlich der Vermählung seiner Tochter, zur Beteilnng an Arme . . - „ 1000-— Legat des fei. Herrn Max Löwenthal für israelitische Arme „ 1000-— Von Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern die Präscnzgebühr aus der Pollak Ritter von Rudin-Stiftung zur Verteilung an Arme . .. 200'— Von Herrn Isidor Pollak nach dem letzten Willen seines Vaters, des fei. Herrn Ezechiel Pollak, für das Mannheimer-Asyl . - „ 200-— Von Frau Fanni Kann anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres Gatten, des Herrn Leopold Kann, für die israel. Bersorgungsanstalt . . . . . „ 100'— Von Herrn Siegmund Siebenschein zur Verteilung an arme Männer und Frauen im Spitale der isr. Kultusgemeinde „ 50-— Von Fräulein Clara Lederer für Armenzwecke . - „ 30'— Von Herrn Ignaz Hahn, Tempelinspeklor, Spenden der Herren Jacques, Fischhof und Adolf Aufrichtig für die russischen Juden . . . „ 20* — Von Herr Viktor Koref für die russischen Juden - . . „ 10.— Von G. H. zur Verteilung an jüdische Arme - . „ 10-— Von Herrn F. Ernst für die Brigittenauer Schulküche - „ 5*— Von C. I. für Arme . - . - . . . „ 4* — Von Herrn Ing. Heinrich Socholler für die Brigittena> er Schulküche - . -.. .. 5- -