Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021658--15077-3039823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1 Dr. Dlocb's Mlocvenscbrln. Sette 5 Versammlung nicht teilnebmen zu können, sich aber bereit erklärt, eine Wiederwahl in den Vereinsvorstand anzunehmen. In warmen und eindringlichen Worten befürwortet der Vorsitzende diese Wiederwahl. Zur Neuwahl stellt sich als Kandidat der Generalversammlung vor Vereinsmitglied Herr K. Kraus und erklärt in wenigen Worten, daß er, von Freunden und Mitgliedern des Vereinsvorstandes ermuntert, sich len Vereinsgenossen zur Verfügung stellt; wenn diese zu ihm Vertrauen hegen, so werde er nach Maßgabe seiner Kräfte bemüht sein, dies Vertrauen zu rechtfertigen. (Lebhafter Beifall.) Für das zweite freigewordene Mandat stellt sich als Kandidat vor Herr Fabrikant Sigmund Hummel, der in gleicher Weise mit wenigen Worten erklärt, über Wunsch von Freunden sich der Generalversammlung zur Verfügung zu stellen, wenn diese auf seine bescheidenen Kräfte reflektieren sollte. (Beifall.) Herr S. Lemberger ergreift das Wort, um sämtliche Kandidaten wärmstens zu empfehlen. Fabrikant Jg. Klein stellt sich ebenfalls über Aufforderung von vielen Vereinsgenossen der Generalversammlung als Kandidat vor und verspricht insbesondere für die Ausbreitung des Vereines, für die Werbung neuer Vereinsmitglieder tätig sein zu wollen. Da viele Vereinsmitglieder auch den Fabrikanten Herrn Heinrich Bäck zur Wahl in den Vereinsvorstand kandidieren wollten, erklärt derselbe, um eine Stimmenzersplitterung zu vermeiden, jede Wahl derzeit ablehnen zu müssen. Das hierauf vorgenommene Skrutinium ergab zunächst das Resultat, daß die Herren Generalkonsul B. Janowitzer. Hermann König und K. Kraus mit großer Majorität gewählt wurden, während zwischen Sigmund Hummel und Ignaz Klein eine engere Wahl erforderlich war, die sofort vorgenommen wurde. Bei derselben erschien Herr Ignaz Klein als gewählt. Nach Proklamicrung dieses Wahlergebnisses erklärt der Vorsitzende die Generalversammlung für geschlossen. Ans Heinrich Heines Jugend,eit 1805—1839! Vortrag, gehalten am 6. November 1905 im Verein zur „Abwehr des Antisemitismus". Von Josef Baron Doblhoff. (Fortsetzung) Neben den Berliner Salons gab es ein Z e n t r u m verschiedener Lebemänner in der W e i n st u b e bei Lutter und W e g e n e r. Dort deklamierte der oft trunkene Devrient seine Rollen und gab dem Champagner den Namen „Sekt" und dort erschien bis 1822 H o f f m a n n, dort verkehrte nach dessen Tode als geistiger Führer G r a b b e neben K ö ch y, U e cht r i tz und Robert, dem Bruder der Rachel. Grabbe war im Salon unmöglich; ja nicht einmal sein Manuskripte wollte die Varnhagen über Nacht im Hause behalten: Er war ein Gewaltmensch, der viele Konflikte herbeiführte. So beleidigte er einmal Heine, der dazu schwieg. Später bereute Grabbe seine Untat mit den Worten: „Heine hätte mich morden sollen". Heine, der ihn einen „betrunkenen Shakespeare" nannte, erklärte, Grabbe's Nekrolog schreiben zu wollen. Am Tage war der Musensohn Heine nicht untätig. Am damaligen akademischen Himmel glänzte Hegel: Eduard Gans, dessen Schüler, führte Heine zu Hennings „Repetitorien". Ihm gefiel die Theorie, daß das „I ch" mehr sei, als die W e l t, aber er gestand später (1846) Lassalle gegenüber dennoch ein, daß er Hegel niemals verstanden habe. Beide (Hegel und Heine) haben gleiche Verdienste um den Sieg des Gei st es; S ch e l l i n g aber stand Heine näher. In Berlin fand Harry mehr Geschmack an den Staatswissenschaften und dem Naturrecht, aber doch nicht auf Kosten der indischen Literatur: Bei Bo pp lernte er Sanskrit, Indisch und vergleichende Sprachwissenschaft, bei Hagen altdeutsche Literatur, Friedrich August Wolf hörte er über Hellenische Dichtung und mit Gans studierte er Rechtswissenschaft, Philosophie (v. Hegel), Naturrecht und Staatswissenschaft. 1823 schrieb er sogar ein „Historisches Staatsrecht". Wegen einer neuen Methode des Dr. Gans in dessen „Erbrechtsgeschichte" vernichtete er sein eigenes Manuskript. So war der junge Heine schon vor dem 24. Jahre ein gefeierter Dichter, ein eifriger Gelehrter und hatte eine Feder, die seit Goethe nicht dagewesen war; aber Berlin war eine Gefahr für ihn, vor Allem durch die Huldigungen von Seiten „ästhetischer Damen". Uhl and und Rückert hoben den Lyriker wieder empor. Innige Freundschaft band Heine an einen Gast der Varnhagen, den Grafen B r 6 z a, von dem er sagte, er sei der „einzige Mensch, der ihn nicht langweilte". Derselbe Breza gab später (1834 bei Gropius in Berlin) ein Werk über „die ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte" (mit Portraits und Biographien) heraus; er war ein aufgeklärter und vorgeschrittener Mann, dem die Lage der Juden sicherlich nahe ging. 1815 hatte der Wiener Kongreß den Juden alle Rechte wieder genommen und die Frage auf die Schlafmützen des Bundestages übertragen, was so viel war, wie „ad ealendas graecas“ vertagen. In Berlin nun träumte Heine mit Gans und Moser von einer „Regeneration des Judentums" auf modern-philosophischer Grundlage. Im Nachlasse*) des Dichters finden wir verschiedene auf das Judentum bezügliche Notizen, wie: „Der Judenhaß beginnt erst mit der romantischen Schule, mit der Freude am Mittelalter, Katholizismus, Adel, gesteigert durch die Teutomanen". An anderer Stelle: „Die Germanen ergriffen das Christentum aus Wahlverwandtschaft mit dem jüdischen Moralprinzipe, überhaupt dem Judaismus. Die Juden waren die Deutschen des Orients". Weiter unten nennt Heine „Judaea das protest an tische Egypten" und setzt hinzu: „Die Juden waren die Einzigen, die bei der Christianisierung Europas ihreGlaubensfreiheit behaupteten" und wieder hebt er hervor: „Die jüdische Geschichte ist schön» aber die jungen Juden schaden den alten, die man weit über Griechen und Römer setzen würde. Die Geschichte der neuen Juden ist tragisch, und schriebe man darüber, würde man ausgelacht; das ist das Tragischeste". Im „Rabbi von Bacharach" jedoch hat Heine doch dieses tragische Los geschildert, auch hat er in dem von Gans, Moser und Andersen,?. Nov. 1819, gegründeten „Kulturvereine der Glaubensgenossen", vom 24. August 1822 ab gewirkt, sogar in der Vereinsschule Unterricht gegeben (in Geschichte, Literatur und Sprachen) und Moses Moser blieb sein bester Freund. Noch 1899 lebte ein Schüler Heines (wie Karpeles erzählt) der 90jährige Braunhardt aus Schubin, der noch Moser, Auerbach, Schoenberg, Oesterreich, Normann und Heine als Lehrer gekannt und ein Kollege Munks war, t des späteren Orientalisten von Ruf). Aus Schiffs Arbeit „Heine und der Neu-Jsraelitism u s" befaß Strodtmann einen Teil des Manuflriptes, der nicht in Druck gelegt worden ist, und schöpfte daraus. Schon im 25. Lebensjahre kränkelte Heinrich Heine; er war ernstlich nervenleidend, vertrug das Ticken der Wanduhr nicht mehr. Ein Duell, bei dem er verwundet wurde, ferner der Umstand, daß er schon ein „alter Bursch" war, ließ ihn sich „exmatrikulieren". Er fuhr nach Göttingen (1824), ging an den Harz und dann zu seinen (seit 1822) in Lüneburg wohnenden Eltern. In dieser „Residenz der Langweile", wie er sie nennt, hatte er keinen Umgang, als „die Bäume, die „(ihm) alte vergessene Lieder ins Gedächtnis riefen". Seine Gedichte hatten Bestürzung hervorgerufen. Sein Bruder Max bestätigte, daß damals „Alles Goethe war und man mit Vorsicht aufnahm, was nicht vom Meister" kam. Papa Heine klagte: „Wie soll mein Junge aufkommen. wenn man immer von Goethe spricht?" Den „Neuen Frühling" widmete Heine seiner Schwester Lotte, seinen Bruder Max bildete er und Gustav half er, bis dieser in die österreichische Armee eintrat. Er korrespondierte mit Varnhagen, Roberts, Lehmann, Moser, der ihn im Laufenden erhielt und ihm Bücher sandte (Basnage de Beauval, „Utetolre da 1a röligion des jrüks“; Montesquieu „Esprit des lote“, Gibbon „Rise and faU of Roman Empire“; „Corinne“ von Mme. de Stael, ferner italienische *) Strodtman Letzte Gedichte und Gedanke von H. Heine 1869 (Hamburg) (des. pag 195 bis 199).