Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Dr Biocbs Mocbenscbrttr. Nr. 1 Nachdem eine Interpellation des Herrn Ignaz Klein, betreffend das Leichenbegängnis des verewigten Präsidenten, durch den Vorsitzenden Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Jakob Engel und den Vorsteher der „Chewra-Kadischa" S. Steiner zur Zufriedenheit des Interpellanten beantwortet wurde, erstattet der Vorsitzende den Rechenschaftsbericht. In der Einleitung heißt es: „Wie wir in Allem und Jedem, was den Tempelverein betrifft, auf die überragende Persönlichkeit Max Fleischers stoßen, so gewiß auch in dem Momente, wo wir daran gehen wollen. Ihnen ein Bild unserer Tätigkeit und der Vereinschronik im abgelaufenen Jahre zu entwerfen; Sie alle waren ja gewiß öfters Zeugen, in welcher Weise er diesem spröden Stoff Geist von seinem Geiste, Leben und Bewegung einzuflößen wußte. Auch bei der Abfassung des Jahresberichtes hat er den großen Baukünstler nicht verleugnet, indem er sich von außen nur das Material, die großen Quadern und Bausteine, zutragen ließ und diese Materie mit seinem Gedankenreichtum belebte, ihr mit seinem Sinn für das Schöne eine edle Form zu geben verstand. Und so hat jeder dieser Jahresberichte gleichsam ein monumentales Gepräge, und in ihrer Gesamtheit bilden sie eine unerschöpfliche Quelle, eine reiche Fundgrube für den Chronisten unseres Vereines, sie geben tatsächlich ein vollkommenes Bild seiner Entwicklung seit einem Vicrteljahrbundert. Der Vorstand will es versuchen, in seinem Sinne diese Berichte fortzusctzen, und wir wollen uns in der Anordnung und Behandlung des Stoffes möglichst genau an sein Vorbild halten. Der Bericht gedenkt sodann einer Anzahl Heimgegangener Vereinsmitglieder, vor alleul der Frau Regine Fleischer, der Gattin des verstorbenen Präsidenten, die vor ihm noch das Zeitliche gesegnet hat. Sodann des treuen Mitgliedes Richard Schüller, der an den Jnteresien des Vereines und an allen Humanitätsbestrebungen lebhaften Anteil genommen, und widmet sodann den verstorbenen Vereinsgenossen Bernhard Fried, Wilhelm Meller und Adolf W e l t l e r Worte ehrenden Gedenkens. Redner fährt fort: „Verehrte Versammlung! Wir halten es für unsere Pflicht, an dieser Stelle auch in aufrichtiger Trauer jener namenlosen Helden gedenken zu sollen, die in den letzten Monaten um unseres teuren Glaubens willen ihr Leben ausgehaucht haben; jener unglücklichen Opfer eines der größten Verbrechen aller Zeiten, das nicht nur den tiefsten Abscheu und die herzlichsten Gefühle echten Mitleides überall wo Juden, sondern überhaupt wo menschlich Gefühl noch wohnt, Hervorrufen wird. Kein Lied, kein Buch meldet die Namen dieser Edlen nnd Unglücklichen, aber wir gedenken ihrer in Herzlichkeit und in Brüderlichkeit, und wir hoffen Sie damit einverstanden, daß ihre aufrichtige Teilnahme um unsere Verstorbenen und um diese unglücklichen Glaubentzbrü'er in dem Protokolle der heutigen Generalversammlung eingezeichnet werde. Ueber Anregung des Kultusvorstandes haben wir am >5. November d. I. in unserem Tempel einen würdigen Trauergottesdienst sür die unglücklichen Opfer der Judenverfolgungen in Rußland, veranstaltet, bei welchem Anlasse unser ehrwürdiger Seelsorger, die zahlreiche Zuhörerschaft auf tiefste bewegend, eine treffliche Gedenkrede hielr." Die Vercinschronik notiert gegei wärtig eine Mitgliederzahl von 265 und Redner spricht den Wunsch aus. bald die Ziffer 300 zu erreichen. Der Vorstand bat in 7 Plenar-, 8 Sektions- und Komitee-Sitzungen die Agenden des Vereines beraten und unter anderem über Anregung des Vorstandsmitgliedes Herrn Leopold Bauer ein neues Regulativ für die Abhaltung von Jahrzeitcn ausgearbeitet und ein Widmungsbuch angelegt, in welchem alle dem Vereine zulommenden Widmungen der verschiedensten Art verzeichnet werden und etwaige damit verbundene Pflichten des Vereines ausgewiesen erscheinen. Im Vereinstempel haben 63 Trauungen, 45 Barmizwas und 11 Namengebungen stattgefunden; am l4. Mai wurde die Mädchenkonfirmation und am 18. August die Kaiserfeier in würdiger Weise abgehalten. Das Ergebnis der heurigen Sitze-Vermietung gestaltete sich günstig: 14.466 K gegen 13.027 K im Vorjahre. — einerseits infolge des späten Termins der Feiertage, andererseits wegen Erhöbuna des Mietpreises aller Kategorien von Sitzen um je 2 K. Diese Erhöhung wurde von unseren werten Mitgliedern und Betsitz-Mietern in der opferwilligsten Weise ohne Rckrimination auf sich genommen. Der Ausweis über die Tempelspenden im abgelaufenen Jahre notiert 10.779 K gegen 10.106 K im Vorjahre. An Natural-Spenden sind uns im Laufe dieses Jahres zugekommen : Von Frau Sofie und Herrn Viktor Heim: 2 silberne Girandols zur Benützung bei dem Wochentags-Gottesdienste; von Frau Eöcilie Eisenberger: eine reichgestickte Thoramappe anläßlich der Barmizwa ihres Enkels Erich Georg Eisenberger. Mit Wehmut und inniger Dankbarkeit müssen wir hier der letzten hochherzigen Spenden unseres Heimgegangenen teueren Präsidenten gedenken: es sind dies 4 reich ornamentierte, kostbare Glasmalerei-Fenster an der Längsseite und das große Fenster an der Stirnseite dieses Saales. Der Schönheitssinn des Künstlers hat es schwer empfunden, daß diesem herrlichen Saale dieser Schmuck gefehlt, und da er dem Vereine diese beträchtliche Ausgabe ersparen wollte, opferte er freudigen Herzens die in seinem Heime befindlichen Fenster zur Zierde dieses Raumes und veranlaßte auch unseren verehrten Kollegen und allezeit großmütigen Förderer Herrn kaiserl. Rat Josef Toffler, gleichfalls ein solches Fenster zu widmen. Wir sagen ihm hiefür an dieser Stelle unseren verbindlichsten Dank und bringen den Manen unseres großen Toten den Zoll herzlicher Dankbarkeit dar. In diesem Berichte, der leider von so vielem Traurigen zu erzählen weiß, wollen wir mit Freude und Genugtuung zweier Tatsachen Erwähnung tun, die wahrlich Lichtblicke in unserer diesjährigen Chronik sind. Es sind heute genau 40 Jahre, seitdem unser allverehrter Senior Herr Friedrich Pollak ununterbrochen als Vorstandsmitglied unseres Vereines' fungiert und wie wir mit besonderer Genugtuung hinzusetzen, wirklich sür unseren Verein tätig ist. Wir haben leider keine Ehrenmedaille für 40jährige, treue, au ein und demselben Unternehmen bezeugte Tätigkeit zu vergeben, aber gewiß sprechen wir in Ihrem aller Namen, wenn wir sagen : Gott erhalte uns noch viele Jahre unseren wackeren Senior. Und heute ist es gerade ein Vierteljahrhundert, daß wir einen anderen Herrn Friedrich Pollak mit Stolz den unseren nennen: wir sind glücklich, daß wir, um die Verdienste dieses Mannes für unseren Verein zu kennzeichnen, nicht vieler Worte bedürfen; von ihm sprechen die Ziffern und die Zahlen, die er ja so meisterhaft zu gruppieren und Ihrem Verständnis näher zu rücken versteht, eine deutliche Sprache. Was er uns während dieses langen Zeitraumes gewesen, das ist ja in den Annalen der Geschichte unseres Vereines fast auf jedem Blatte verzeichnet. Wir glauben unsere Glückwünsche anläßlich seines silbernen Vereinsjubiläums nicht besser zum Ausdruck bringen zu können, als indem wir dem herzlichsten Wunsche Ausdruck geben, es möge ihm und uns vergönnt sein, ihn zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum im Mariahilfer Tempelvereine begrüßen zu können. Geehrte Versammlung! Wie wir an der Spitze dieses Berichtes unseres verklärten Führers gedenken mußten, so weilen auch unsere Gedanken jetzt bei ihm, wo wir diesen Bericht zum Abschlüsse bringen. Er hat es nie unterlassen, denselben mit einem herzlichen Appell an den verehrten Delegierten der Kultusgemeinde zu beschließen, mit dem Versprechen, für alle Zeit treue Glieder der großen Muttergemeinde zu sein und zu bleiben. Auch wir wollen dies'tun und bitten ben geehrten Herrn Delegierten, dem Kultusvorstande zu berichten, das wir das heilige t Erbe, das er uns überlassen, in seinem Sinne nnd Geiste fortführen wollen, worin wir uns gewiß einig fühlen mit allen unseren Mitgliedern und mit allen, die sich je an unserem schönen Gottesdienste erhoben und für den Lebenskampf gestärkt haben. Wir schließen mit den Worten eines großen Mannes anläßlich eines traurigen Ereignisses : Der Kurs bleibt der alte! Vorstandsmitglied Herr kais. Rat Adolf Ruzicka erbittet sich das Wort, um der Generalversammlung zur Kenntnis zu bringen, daß er nach 20jähriger Vereinstätigkeit sich genötigt gesehen hat, aus der Vereinsleitung auszutreten und jede Wiederwahl abzulehnen. Der Vorsitzende berichtet, daß der Vereinsvorstand, welcher mit großem Bedauern von diesem Entschlüsse des Herrn kais. Rates Adolf Ruzicka Kenntnis erhielt, vielfache Mühe aufgewendet hat, um Herrn Ruzicka von diesem Entschlüsse abznbringen. Diese Bemühungen blieben leider ohne Erfolg. Der Vereinsvorstand hat sodann Herrn kaiserlichen Rat Ruzicka in einem eigenen Schreiben für seine segensreiche Tätigkeit während zweier Jahrzehnte den tiefgefühlten Dank ausgesprochen. Der Vorsitzende verliest dieses Schreiben, welches dem Protokolle der Generalversammlung einverleibt wird. An Stelle des durch Unwohlsein verhinderten Kasseverwalters kais. Rates Friedrich Pollak referiert kais. Rat Josef Toffler über Kassegebarung, Rechnungsabschluß und Bilanz. Vereinsmitglied Herr Heinrich Gack bespricht die einzelnen Ziffern des Rechnungsabschlusses, wünscht vor allem über die Post „Diverse. Einnahmen 7200 Kronen" nähere Aufschlüsse und erklärt sich sodann mit einer vom kais. Rat Toffler gegebenen Aufklärung für befriedigt. Vereinsmitglied L. G oller st epper bemängelt die Post „Filialbethaus mit 1549 Kronen". Herr S. Steiner verlangt die Erhöhung der Anzahl von Gratissitzen im Filialbethaus. Vereinsmitglied Fabrikant Philipp Weiß spricht den Wunsch aus, daß auch im Filialbethanse für einen würdigen Kantor und einen rabbinischen Funktionär vorgesorgt werde. Er schildert in eindringlichen Worten einige Mißstände Lei der Abhaltung des Gottesdienstes in diesem Filialbethanse und erwartet von der Vereinsleitung, daß sie ihr Augenmerk darauf richte, diese Uebelstände zu beseitigen. An der Debatte beteiligten sich ferner der Delegierte des Kultusvorstandes Herr Salo Cohn und der Vorsitzende, welcher Erhebungen eiuzuleiten und die Ergebnisse der nächsten Generalvers rmmlung vorzulegen verspricht. Ueber Antrag des Herrn Fabrikanten Heinrich Bark wird sodann die Debatte geschlossen und nach Verlesung des Revisorenberichtes durch Herrn Ignaz R e s ch o w s k h der Vereinsleitung das Absolutorium erteilt. Beim 7. Punkt der Tagesordnung: «Wahlen in den Vorstand", spricht der Vorsitzende nochmals Herrn kais. Rat Ruzicka im Namen der Generalversammlung den Dank für sein segensreiches Wirken aus. Das austretende Vorstandsmitglied Hermann König berichtet in kurzen Worten über seine Tätigkeit im Vorstandskollegium und hält sich der Generalversammlung zur Verfügung, wenn die Vereinskollegen von seinem Wirken befriedigt sind und ihn neuerdings mit ihrem Vertrauen anszeichnen. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende Herr Dr. Engel bringt ein Schreiben des Generalkonsuls Herrn B. Janowitzer, aus Hamburg datiert, zur Verlesung, in welchem dieser bedauert, durch dringende Pflichten von Wien ferngehalten zu werden und darum an der diesjährigen General-