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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Llocb's Mocvenscbrttt. Seite 831 Deinen süßen Füßen" sehr abgeschmackt). Mit Immermann korrespondierte er von da ab. Heine's Erscheinung wird von den Zeitgenossen folgendermaßen geschildert: „Zart, bleich, mit etwas verzogenem Munde, Ironie und Sarkasmus auf den Lippen." Wer seine „aufleuchtenden Geistesblitze" gehört, vergaß ihn nicht und nicht sein „vornehm distinguiertes, fast mädchenhaft schüchternes, selten lebhaftes Wesen". (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Zur Wahlrechtsfrage. Von zionistischer Seite wird gemeldet: „Wie bereits gemeldet wurde, hat am 3. Dezember eine aus allen Provinzen Oesterreichs beschickte Vertrauensmännerversammluug stattgefunden, welche über die Stellungnahme der Juden zur Wahlrechtsvorlage verhandelte. Die Versammlung stellte als unabweisbare Forderung die Erreichung einer jüdischen Minoritätsvertretung auf. In diesem Sinne wurde eine Reihe von taktischen Beschlüssen gefaßt, zu deren Durchführung ein Komitee eingesetzt wurde. Diesem Komitee gehören Vertrauensmänner in allen Distrikten an. Außerdem hat sich das Komitee vergrößert, indem es Vertreter aller jüdischen Gruppen und Organisationen zu kooptieren bestrebt ist. Diese Bemühungen sind noch nicht zu Ende. Derzeit sind aber im Komitee fast' alle in Betracht kommenden Faktoren vertreten. Ebenso kann die Frage bezüglich der Agitation als bereits gelöst betrachtet werden. Die Vorarbeiten find schon getroffen. Am 17. Dezember fand in Krakau eine Konferenz aller galizischen Distrikte statt. An derselben nahm der Obmann des L. C. Dr. Schallt teil. Es wurde eine vollkommene Einigung erzielt und alle Maßnahmen getroffen, um die Forderung nach cinfcr jüdisch-nationalen Autonomie mit allem Nachdruck zu erheben und die Agitation mit allen Mitteln zu betreiben. Die Herren Adolf Stander, Goldwasser, Dr. Waschitz, Dr. Brande und Dr. Schur sind zur Durchführung der Aktion mit allen notwendigen Vollmachten versehen worden. In Mähren hat der Obmann des L. C. Dr. Schallt mit Hilfe des Proßnitzer Komitees, der Brünner Organisation, der Wiener Studentenvereine und der zionistischen Ferialverbindungen die Agitation eingeleitet. Herr Dr. Kadisch hat sich bereits am 20. Dezember nach Mähren begeben, um eine Reihe von Wandervorträgen zu absolvieren. Ebenso find in Böhmen die Vorarbeiten im Gange und die Agitation hat begonnen. Dr. Schallt sprach bei der Prager Makkabäerfeier am 25. Dezember bereits über die Frage der jüdischen Autonomie. In der ersten Jännerwoche finden in Prag zwei große Volksversammlungen statt. Die Organisation der Provinz trifft das böhmische D.-C., das schon eine Reihe von Versammlungen ausgeschrieben hat. Die tschechischen Abgeordneten beginnen der Frage der jüdischen Autonomie ihre Aufmersamkeit zuzuwenden. Sie nehmen eine wohlwollende Haltung ein. Die Wiener Agitation wird in der ersten Jännerwoche einsetzen. Es werden an einem Tage in allen zur Verfügung stehenden großen Sälen Wiens Massenversammlungen abgehalten werden. Mit dieser Aktion sind die Herren Dr. Margulies und Dr. Waisengrün betraut." Aus Lemberg wird gemeldet: „Die in Lemberg unter Vorsitz des Reichsrats-Abgeordneten Dr. Byk stattgefundene Versammlung der jüdischen Reichsrats¬ und Landtagsabgeordneten, sowie jüdischer Vertrauensmänner aus dem ganzen Lande faßte nach mehrstündiger eingehender Beratung den nachstehenden einmütigen Beschluß: „In Anerkennung der unerläßlichen Notwendigkeit, daß zum Zwecke der Verwirklichung und Verteidigung der wahrhaften und vollständigen Gleichberechtigung der Juden sowohl im Reichsrate als auch im Landtage eine solche Anzahl jüdischer Abgeordneten Sitz und Stimme habe, welche der Bevölkerungsziffer, Intelligenz und Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung entspricht, jedoch auch in Anerkennung dessen, daß der national-jüdische Separatismus sowohl für das Land als auch für die bürgerliche Stellung der polnischen Juden verderblich wäre, werden die jüdischen Abgeordneten beauftragt, alle ihre Sorgfalt darauf zu richten, um bei der Wahlreform für das Abgeordnetenhaus und bezw. für den Landtag die Schaffung der einer Verwirklichung dieses Zweckes entsprechenden Wahlbezirke zu erwirken." Als Demonstration gegen die Beschlüsse dieser Konferenz fand gleichzeitig eine zionistische Versammlung statt, die ebenfalls für vertraulich erklärt wurde und in welcher die entgegengesetzten Forderungen, die Einrichtung einer jüdisch-nationalen Wahlkurie und Schaffung der jüdischen Autonomie, erhoben wurden. Nach der Versammlung rangierten sich die Teilnehmer, Akademiker und Handelsangestellte, zu einem Demonstrationszuge und kamen unter Vorantragung einer Standarte in blau-weißen Farben vor die Gemeindekanzlei." Auch in Rzeszow fand eine Versammlung statt, die gegen die Berufung eines Gemeindetages durch Dr. Byk protestierte. Trauerknndgebnngen für unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen. Für unsere bei den in Rußland stattgehabten Greueln zum Opfer gefallenen unglücklichen Glaubensgenossen hielt bekanntlich die Wiener Kultusgemeinde in ihren Synagogen erhebende Trauerfeiern ab. Der „A llgemeine Oesterreichisch-J sr a e l itischeBund" in Wien wandte sich hierauf an die israelitischen Kultusgemeinden unseres Vaterlandes mit der Einladung, am Sonntag den 3. Dezember d. I. gleichfalls Trauergottesdienste abzuhalten und ihm über den Vollzug Mitteilung zu machen. Aus den nun erhaltenen Berichten, deren Einlauf noch bis in die letzt verwichenen Tage andauerte, ist ersichtlich, daß die Trauerandachten überaus zahlreich, manche auch von andersgläubigen Mitbürgern besucht waren und einen imposant würdevollen, nachhaltig erhebenden Eindruck zurückließen. Die Berichte in großer Zahl über Entrüstungs-Proteste in separaten Trauerfitzungen der Vorstände; über in schwarz umflorten Tempeln dicht gedrängte Andächtige aus Alt und Jung; über Tränen und Schluchzen auslösende Kanzelreden; über rührende und meisterhafte kantvrale Leistungen, deren manche, um die Weihe noch zu erhöhen, vor geöffneter Bundeslade rezitiert wurden; über zugunsten der unglücklich Hinterbliebenen eifrig gesammelte Unterstützungssummen und über noch andere Formen der Trauerkundgebung; alle diese Meldungen wären würdig, ausnahmslos wörtlich veröffentlicht zu werden. Allein wir müssen uns dies, in Anbetracht, daß diese Trauerkundgebungen von nicht weniger als 470 israelitischen Kultusgemeinden unseres Vaterlandes erfolgten, versagen und uns nur damit begnügen, allen Gemeinden, die unsere Anregungen so würdig zur Ausführung brachten, öffentlich unseren glaubensbrüderlichen Dank zu sagen. Der „Allgemeine Oesterreichisch-Jsraelitische Bund." Generalversammlung des Brigittenaner Tempel- Bereines. Montag den 18. d. M. fand in den Räumen des Cafö „Neptun", XX., Mathildenplatz 7, die diesjährige Generalversammlung des Brigittenaner Tempelvereines statt. Präzise 8 Uhr abends eröffnete der Obmann, Herr Kultusvorsteher Hermann E l t b o g e n, die Versammlung, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie die beiden Delegierten der israelitischen Kultusgemeinde, die Vorsteher Herren Sigmund K a u d e r s und Salo Landau aufs Herzlichste und widmete hierauf den in diesem Jahre aus dem Leben geschiedenen Mitgliedern ehrende Worte des Gedenkens, welche von der Versammlung stehend angehört wurden. Hierauf warf Herr Eltbogen einen Rückblick auf das abgelaufene Dezennium, während welchem er an der Spitze des Brigittenauer Tempelvcreines stehe, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die

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