Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 832 Dr. Dlocb s MocvenscvrM. Nl. 52 in der Vergangenheit geleistete Arbeit vorbildlich für die Zukunft fein möge. Das vor 10 Jahren von ihm aufgestellte Programm, die Schaffung eines würdigen Gotteshaufes für die Brigittenauer Judenschaft, die moderne Ausgestaltung des Gottesdienstes und die intensivste Pflege der Wohltätigkeit in diesem von den ärmsten Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung so zahlreich bewohnten Bezirke, diese drei Grundpfeiler jüdischen Gemeinsinnes und jüdischen Zusammenwirkens sollen auch fernerhin Ziel und Streben des Vorstandes wie der gesamten Mitgliedschaft sein. Unser herrliches Gotteshaus, so führte der Redner weiter aus, wird bald eine Erweiterung seiner Hallen erheischen, um all die Andächtigen, die ihm an Sabbathen und Feiertagen Zuströmen, fasten zu können. Unser musterhafter Gottesdienst ist unvollständig dadurch, daß noch immer eine Persönlichkeit fehlt, die berufen ist, der Gemeinde das Gotteswort zu verkünden; und was die öffentliche Wohltätigkeit anlangt, wird wohl durch die bestehenden Bruder- und Schwestervereine Ersprießliches geleistet, aber immer noch nicht so viel, um der überhandnehmenden Armut wirksam zu steuern. Ein wunder Punkt ist aber auch die mangelhafte Pflege des jüdischen Religionsunterrichts. Trotz der großen Opfer, welche die israelitische Kultusgemeinde für den Religionsunterricht bringt, es werden jährlich 260.000 Kronen hiefür verausgabt, reichen die zwei Stunden Religionsunterricht wöchentlich in der Schule keinesfalls aus, um wahre, das Schrifttum beherrschende Juden heranzuziehen. Redner habe bereits die Konzession für eine Bibelschule in diesem Bezirke erwirkt und werde auch das Jnslebentreten einer solchen ermöglichen. Zum vorliegenden Rechenschaftsbericht bemerkte Redner, daß das Budget per 23.000 gedeckt werden konnte, Dank dem großen Zuspruche, dessen sich unser Tempel an den hohen Feiertagen erfreute, und dem Umstande, daß die löbliche israelitische Kultusgemeinde über seine Intervention von 2000 Kronen in diesem Jahre eine solche von 6000 Kronen bewilligt hat; und er freue sich, konstatieren zu können, daß noch ein Kassastand von ungefähr 8000 Kronen per Saldo resultiere. Was schließlich die aktuelle Rabbinerfrage anlangt, so blieben leider alle bisherigen Bemühungen, die Muttergemeinde zu bestimmen, einen Rabbiner für die Brigittenau zu bestellen, ohne positiven Erfolg. Aber auch diese Schwierigkeit hofft Redner ehebaldigst zu überwinden und diese brennende Frage zu einem allgemein befriedigenden Abschlüsse bringen zu können. In der hierauf durchgeführten Debatte betonten Herr Hermann P l a s ch k e s, insbesondere aber die Herren Doktor Heinrich Schreiber und Dr. Josef K o h n mit eindrucksvollen Worten und überzeugender Kraft die Notwendigkeit eines Seelsorgers in der Brigittenau und die Pflicht der Kultusgemeinde, einen solchen anzustellen. Ueber Antrag des Herrn Philipp Weiß wurde dem Gesamtvorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Auch die beiden Herren Delegierten der Kultusgemeinde drückten ihre Sympathie dem Brigittenauer Tempelvereine aus und versprachen, denselben nach jeder Richtung zu fördern. Schließlich meldete sich noch Herr Leopold Feldermann zum Worte, dessen Ausführungen darin gipfelten, daß das Streben des Vereines dahin gerichtet sein möge, möglichst bald eine Seelsorge zu erhalten. Mit einem Resum6 seitens des Herrn Obmannes schloß der erste Teil der Tagesordnung. Es erfolgte sodann die Neuwahl von vier Verbandsmitgliedern und 12 Vertrauensmännern. Die Herren Hermann E l t b o g e n, Dr. Ernst Rosenthal, Adolf Schreiber, Dr. Max Weißen st ein, deren Mandate erledigt waren, wurden wiedergewählt. Als Vertrauensmänner in den verstärkten Vorstand gingen als gewählt hervor die Herren: Josef Back, Ignatz Baumgarten, Leopold Preßburger, Doktor Joses K o h n, Hermann K o h n, Ignatz Körner, Berthold Kaiser, Dr. Heinrich Schreiber, Heinrich S p i r a, Josef Süß, Philipp Weiß und Jonas Vi gd o r. In vorgerückter Stunde fand die Versammlung ihren Abschluß. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Berein Floridsdorf. Anläßlich des 25jährigen Bestandes des israel. Frauenwohltätigkeitsvereines im XXI. Bezirk (Floridsdorf) fand am 21. d. M. in Anwesenheit der Gründerin des Vereines Frau Dr. Laura Bloch, sowie des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Rosenmann, des Gesamtvorstandes des Frauenvereines und des Kultusausschusses eine Festsitzung statt. Nach Eröffnung der Sitzung seitens der Präsidentin Frau Henriette Grünwald erbat sich der Präses der Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob König das Wort und beglückwünschte den Verein im Namen der Kultusgemeinde und dankt demselben für das humanitäre Wirken auf dem Gebiete der Armenpflege, insbesonders sprach er den Dank der Gemeinde der Frau Präsidentin aus, welche während ihrer 11jährigen ununterbrochenen Leitung durch strenge Pflichterfüllung, durch rationelle Gebarung und durch besondere Umsicht den Verein nicht nur finanziell gut fundiert, sondern auch sein Ansehen gehoben hat. Bezirksrabbiner Herr Dr. Rosenmann pries die Gründung des Vereines durch Frau Dr. Laura Bloch, sowie den Wohltätigkeitssinn der Floridsdorfer Frauen und wünschte dem Verein, daß er auch künftighin gedeihe, wachse und blühe. Der Vizepräses Herr Emanuel Grünwald hob die Verdienste des Vereines hervor und beantragte, die Gründerin des Vereines Frau Dr. Bloch zur Ehren-Präsidentin und die gewesenen Präsidentinnen Frau Dr. Julie König und Frau Babette Redlich, sowie Herrn Dr. Rosenmann, durch dessen Initiative der Frauen-Wohltätigkeitsverein sein besonderes Augenmerk den verlassenen Pfleglingen im Bezirke gewidmet und dieselben dem Judentume erhalten hat, zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu ernennen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Frau Dr. Bloch dankte in schlichten Worten für die ihr zu Teil gewordene Auszeichnung und versicherte, auch in Hinkunft ihre Unterstützung dem Vereine angedeihen zu lassen. Herr Dr. Rosenmann dankte sowohl in seinem, als auch üm Namen der anderen Ehrenmitglieder und versprach, zu jeder Zeit die idealen Bestrebungen des Vereines zu fördern. Schließlich verlas der Präses, Herr Dr. König, das von der Kultusgemeinde dem Frauen-Wohltätigkeitsverein gespendete Ehrendiplom, in welchem die Verdienste des Vereines seit seinem Bestände enthalten sind und ein an den Verein gerichtetes Beglückwünschungsschreiben. Mit einer Danksagung seitens der Frau Präsidentin schloß die schöne Feier. Nach der Festsitzung wurden wie alljährlich 40 Kinder mit warmen Kleidern und Schuhen beschenkt, worauf die Frau Präsidentin den armen Kindern eine Jause auf ihre Kosten verabreichen ließ. Am 26. d. fand aus diesem Anlasse ein Festgottesdienst im herrlichen Gotteshause des XXI. Bezirkes statt. Die heiligen Räume waren von einem glänzenden Publikum erfüllt. Der Wiener Kultusvorstand war durch das Vorstandsmitglied Herrn Sigmund K a u d e r s vertreten. Erschienen waren noch der ehrwürdige Herr Dr. G ü d e m a n n, Oberrabbiner, der einstige Seelsorger dieser Gemeinde Herr Dr. Josef Bloch samt Gemahlin, ferner die Herren Dr. F r i e d m a n n, die Brüder Glaser, der Wiener Schriftsteller Herr Professor N a s ch 6 r, zahlreiche Abordnungen von Vereinen und Korporationen, welche von den Vorständen der Floridsdorfer Kultusgemeinde, den Herren Dr. Jakob König und Herrn Emanuel Grünwald in den hellerleuchteten Tempel geleitet und begrüßt wurden. Nach dem Weihegesang des trefflichen Oberkantors Herrn Heinrich Rosenberg und dem Mincha-Gebete wurden die Chanuka-Lichter unter den von Kantor und Chor trefflich exekutierten Weisen angezündet, hierauf betrat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Rosenmann die dekorierte Kanzel, um in einer schwungvollen Rede das segensreiche Wirken des Vereines zu zeichnen. Redner gedachte der ftüheren Leiterinnen dieses Vereines, der Damen Dr. Bloch, Betty Redlich, Frau Doktor König, Frau Dr. R o s en m a n n usw. und endlich der seit einem