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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-22 · 51 (22.12.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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'Jtr. 51 Dr. Dlocb's Mocdenscvrm. :ei 819 Abgeordneter Ernst Schneider über die öfterreichischen Richter. Auf dem sogenciuutcn Tischlertag wurde auch eiu Referat (Referent der bekannte Meister Müller) über die „Abschaffung des Besuches der Versammlungen van Lehrlingen" gehalten. In der Debatte ergriff auch der Abgeordnete Schneider das Wart und gab den Tischlern den Rat, daß jeder Meister den Lehrbuben, der Versammlungen besuche, hinausjagen soll : die Behörd en treten deshalb nicht gegen den Mißbrauch der Versammlungsfreiheit aus, weil sie „feig und niederträchtig sind". Dann fuhr Abgeordneter Schneider fort: „Hatte man bei der Statthalterei nicht mit Leuten zu tun, die n la Baron Hock selbst sozialdemokratische Agitatoren sind, würde die Sache anders sein. Es ist traurig, d a ß .Regt e r u n g s- und S t a t t h a l t e r e i o r g a n e mit Juden verlvandt oder denselben verschuldet sind und aus d i e s e m Grunde so sozialdemokratische Agitatoren sind. Wie wäre es sonst denkbar, daß die Statthalterei den Verein jugendlicher Arbeiter gestattet, der überall seine Filialen hat und in welchen Versammlungen und Besprechungen politischer Natur stattsinden, ohne daß die Behörde einschreitet! Wir haben dagegen Stellung genommen. Ich habe mit dem Statthalter und mit dem Minister des Innern gesprochen, allein diese Herren sind zu feige, daß sie einschreiten würden, d e n n s i e sind von d e n I u d e n abhängig. Es muß auch einmal gesagt werden, und ich bitte die Herren Berichterstatter, das genau aufzunehmen: Wir haben die ehrlosesten Gerichte der ganzen Welt Neunzig Perzent der Richter sind bestochen, entweder selbst Juden oder deren Freunde. Hätten wir nicht derartige infame Richter, wären solche Sachen nicht möglich. Dann wird, wenn man die Beseitigung solcher Leute verlangt, gesagt, die Richter sind unabsetzbar. Die Bevölkerung verlangt jetzt schon energisch die Beseitigung solcher Judenrichter, und wenn dies nicht geht, kann der Fall eintreten, daß die Bevölkerung von Wien in ihrer Erregung gegen diese Richter Front macht. Ich werde sehen, ob die k. k. Regierung nicht den Mut hat, gegen die Juden aufzutreten. Das Ganze ist nur eine feige Konzession der Regierung gegenüber den Juden, denen die Minister persönlich Geld schuldig sind. Der eine hat Wechsels ch u l d e n, die anderen sind verschwägert oder verheiratet usw., und dann machen sie, was die Juden wollen." Es ist bemerkenswert, daß das „Deutsche Volksblatt" die Schneidersche Charakteristik des österreichischen Richterstandes, obwohl der Redner ausdrücklich nur genaue Ausnahme dieser Stelle gebeten, in seinem Berichte unterschlägt. So weit der Bericht der „Arbeiter-Zeitung" vom 13. Dezember 1905. Im Morgenblatt vom 14. Dezember antwortet das „Deutsche Volksblatt" mit folgenden bemerkenswerten Ausführungen : „Es ist richtig, daß wir die Bemerkungen des Abgeordneten Schneider nicht gebracht haben, aber dies geschah lediglich ans dem Grunde, weil wir mit Rücksicht auf die Ranmverhältnisse unseres Blattes uns hauptsächlich mit den gewerblichen Ausführungen des Abgeordneten Schneider befassen mußten und weil die Ansichten desselben über die Berjndnng des RichUrstaiides schon öfter erörtert worden sind, also diesmal übergangen werden konnten. Was aber bei den Bemerkungen der „Arbeiter-Zeitung" das Interessanteste ist, ist folgendes: Die Arbeiter-Zeitung" bringt die Ausführungen Schneiders, abgesehen von einigen Üngcrianiskeitcn, z iemlich richtig, sie scheint also ziemlich gut informiert zu sein. Darum ist es sehr interessant, daß die „Arbeiter-Zeitung" gerade jene Aenßerungen Schneiders verschweigt, mit welchen er seine Bemerkungen über die verjndeten Richter begründet hat." Somit wird der Wortlaut der Schneiderschen Rede auch vom „Deutschen Volksblatt" bestätigt. Wir glauben kaum, daß in irgend einem anderen Staate Europas eine solche Rede ungeahndet bliebe und auch in Oesterreich genießen nur die Antisemitenhäuptlinge die Immunität für derlei Redeexzesse! Die Eröffnmrasfeier der neuen „jüdischen Toynbeehalle", XX., Othmargasse 46. Unter großer Beteiligung fand Samstag den 16. Dezember die Eröffnung der neuen Lokalitäten der jüdischen Toynbeehalle statt. Fast 300 Personen füllten den geräumigen und anmutig geschmückten Vortragssaal. Von Ehrengästen waren erschienen: der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n, die Kultusvorsteher Professor Dr. E h r m a n n und Prokurist Horner, die Rabbiner Dr. David und Doktor G r u n w a l d, die Präsidenten der israelitischen Humanitätsvereine „Bnei - Brith" Wien und „Eintracht" Dr. Edmund K o h n und Dozent Tr. I. Z a p p e r t, Prof. Dr. L. K ö n i gst e i ii, die Vorstandsmitglieder des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Herr A. W i n t e r b e r g, Dr. Knöpfmacher und Herr Em. Schnabel, Vorsitzender des Fünshauser Lokalkomitees der „Toynbeehalle", u. v. A. Nach Absingung des ,,Ma Town” (Musik von S. Sulzer) durch Herrn Kantor Don Fuchs mit einem Männerquartett und Knabenchor unter Harmonienbegleitung begrüßte der Obmann der „Toynbeehalle" Dr. I. S a m u e l y die Anwesenden mit warmen Worten, dankte vor allem dem Borstande der israel. Kultusgemeinde für seine hochherzige Förderung der Bestrebungen des Vereines, ferner allen Gönnern und Mitarbeitern, Herren, Frauen und Mädchen und bat diese um ihre fernere Mitwirkung bei der beabsichtigten Ausgestaltung und Erweiterung der „Toynbeehalle", die am Tage in naher Zukunft als „Kinderhort" für schulpflichtige arme Kinder benützt werden soll. So möge allmälig aus den kleinen Anfängen der ersten „Toynbeehalle" ein wahres jüdisches Volksheim entstehen. Der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Gustav K o h n dankte für die der Kultusgemeinde gezollte Anerkennung, würdigte die Verdienste, welche sich Professor Kellner durch die Begründung, die derzeitige Leitung, durch den Ausbau und die Erhaltung dieser ethischen, veredelnd und erziehend wirkenden Jnstirution erworben, und wünschte der „Toynbeehalle" ferneres Wachsen und Gedeihen. Nun folgte ein Konzert, das die Klaviervirtuofin Helene L a m p l mit dem Vortrage von Moszkowskis Konzertetude und dem Scherzo von Brüll begann. Frau Juliette Kaufmann rezitierte einige Dichtungen und Kantor Don Fuchs brachte drei Opernarien zum Vortrage. Den zweiten Teil des Programmes bestritt die Virtuosenfamilie T s ch a r n a w s k y aus Odessa, der 13jährige Violinvirtuose Leo, der 11jährige Jano (Klavier) und der 8jährige Cellovirtuose Mischa Tscharnawsky. Den würdigen Abschluß der schönen Feier bildete der von Herrn Kantor Don Fuchs mit dem Tempelchore unter Leitung des Herrn Dirigenten Isidor Port gesungene „Advn Olom". Jede einzelne Vortragsnummer des Programmes wurde stürmisch akklamiert und die Vortragenden, die ihre große Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt hatten, ernteten innigen, herzlichen Dank. Nach Schluß des Konzertes erfolgte die Besichtigung der Nebenräume, der Küche, der Garderoben, Künstlerzimmer zc., die ihrer praktischen Einteilung und Einrichtung wegen allgemeine Befriedigung und Lob erregten. Voitragsprogramm Samstag, 23. Dezember: Konzert. — Sonntag, 24. Dezember: „Hygiene des Alltagslebens." Herr Dr. Heinrich Grün. — Montag, 25. Dezember: „Ueber Volkswirtschaft." Herr Leopold Spitzer. — Dienstag, 26. Dezember: „Der Haushalt des Staates." Herr Sekretär Guido Fuchsgelb. — Mittwoch, 27. Dezember: „Die Lehre vom Menschen. II." Herr Pros. Dr. Joses P oll ak. — Donnerstag, 28. Dezember: „Ueber Milch und deren Verwertung im Haushalte." Herr Agronom S. Abraham. — Freitag. 29. Dezember: „Josef und Juda Maccabi." (Bibelvortrag). Herr H. Löw-Vogl. — Samstag, 30. Dezember: Konzert. Beginn der Vorträge: '/'..8 Uhr abends. Freitag, 22. Dezember hält statt des Bibelvortrages Herr Professor Levison aus Jerusalem einen Bortrag über das Thema: „Menschheit und Gottheit." — Sonntag, 24. Dezember um 3 Uhr nachm, findet eine „Kinderjause" statt.

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