Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 820 Dr. Dlocv s Mocvenscbcttl. Nr. 81 London. Aus Anlaß des zweihundertfünfzigjährigen Jubiläums der Wiederzulaffung der Juden in England hat eine Reihe von hervorragenden Vertretern der Politik und der Wissenschaft Sympathie-Zuschriften an die Redaktion des „Jewish Chronicle“ gerichtet, von denen einige weiteren Kreisen mitgeteilt zu werden verdienen. Der Lordmayor von London äußerte sich wie folgt: „Ich benutze die 250. Jahresfeier, um namens der Bürgerschaft Londons ihre Sympathien und ihre freundliche Gesinnung für die Juden auszudrücken. Die Juden in England haben sich stets durch ihr loyales Verhalten, durch ihre hervorragende Wohltätigkeit und ihre Achtung vor jedem anderen Glauben und jeder fremden Ansicht ausgezeichnet. Die Folge war, daß sie in England sich zu einer einflußreichen Stellung emporgeschwungen haben, welche sie für Gesetzlichkeit, Ordnung und gute Gesinnung gut anwenden. Betrübt über die entsetzliche Behandlung ihrer Glaubensgenossen im Osten, haben sie ihre Stellung niemals mißbraucht, um die fremden, ihrem Volke unfreundlich gesinnten Nationen durch Worte oder Taten zu verletzen." Lord Roseberry schrieb: „Die Feier fällt mit einer der dunkelsten Phasen der furchtbaren Geschichte des jüdischen Volkes zusammen. Von allen Ländern Europas ist es einstweilen England allein, das die Juden ehrlich und loyal behandelt. Anderwärts werden sie entweder geduldet, verhöhnt, herabgesetzt oder gär massakriert. Hier aber sind sie gleichberechtigte Bürger und zugleich die besten Bürger; sie sind gleichgestellt, werden geachtet und geschätzt. Lasset uns daher das Andenken des großen Lord-Protektors gemeinsam feiern, nicht nur von den Juden selbst oder von den mit ihnen Verbundenen oder ihnen Befreundeten, sondern von allen Christen dieses Reiches, welche stolz darauf sind, daß England ein Hort der Freiheit geworden ist." Auch Graf Peel gab seiner Freude über die friedliche und glückliche Lage der Juden in England im Gegensatz zu jenen blutigen und barbarischen Mißhandlungen, denen sie in Rußland unterworfen sind, Ausdruck. Lord Averbury: „Die Juden sind zweifellos eines der bestm Elemente der Bevölkerung Englands. Ich zähle unter ihnen zahlreiche Männer, deren Freundschaft zu genießen ich über alle Maßen glücklich bin. Selber Geschäftsmann, habe ich die Juden auch als Kaufleute kennen und sthatzen"Wernt. Mit einem kühnen Unternehmungsgeist ausgerüstet, sind sie dennoch nicht nur im hohen Grade ehrbar und brav, sondern auch großmütig bei der Durchführung ihrer Unternehmungen. In Kunst und Wissenschaft, speziell aber auf dem Gebiete der Literatur und Musik nehmen die Juden in England geradezu eine führende Stellung ein." Lord Stanley of Alderley schreibt: „Nach 250 Jahren ist es ebenso töricht, noch speziell von Juden zu reden, wie cs lächerlich wäre, zugunsten der französischen Hugenotten demonstrieren zu wollen. Jeder Mensch muß die Vorgänge in Rußland verdammen. Allein dieselben deshalb zu verdammen, weil sie gegen Juden begangen sind, würde den Gedanken aufkommen lassen, als wenn es irgend einen Unterschied zwischen Juden und anderen anständigen Menschen gibt. Ich finde es nicht nötig, irgend einem Mitbürger meine gute Gesinnung zu versichern, und würde es für eine Frechheit halten, irgend eine Klasse von Menschen besonders hervorzuheben." Mr. Holman-Hunt bemerkte: „Seit ihrer Zulassung durch Oliver Cromwell haben die Juden in England stets ein ruhiges, dem Gesetze allezeit willig gehorchendes Volk gebildet und daher niemals zu besonderen Gesetzen Anlaß gegeben. Das einzige Gesetz in bezug auf die Juden war ihre vollständige und ausdrückliche Gleichstellung mit allen britischen Untertanen. Daher erscheint es uns Engländern absolut unverzeihlich, wenn sie. von andern Völkern verfolgt, oder von den Behörden und den Soldaten in dem gottvergeffenen Rußland überaus grausam behandelt werden. Es ist beschämend für uns Christen, zu sehen, wie solche Taten im Namen d er Religion begangen werden. Demgegenüber dürfen wir uns nicht mit leeren Sympatbie-Kundgebungen begnügen, sondern müffen Alles aufbieten, um den Flüchtlingen eine sichere Zufluchtsstätte zu schaffen. Die Zeit drängt, und jede verlorene Stunde bringt frische Opfer. Das beste Mittel Ware, den Juden ihre alte Heimat in Syrien wiederzugeben." Das Schreiben schließt mit dem Wunsche, daß den Juden wenigstens ein Land mit autonomer Selbstverwaltung in Afrika gesichert werden möge. vermischtes. Wien. Der zionistische Frauen- und Mädchenverein von Fünfhaus veranstaltet in der letzten Jännerwoche in den Verbandssälen VI., Königseggasse 1 eine Wohltätigkeitsakademie mit anschließendem Tanzkränzchen, und bittet alle Gesinnungsgenossen um zahlreiche Beteiligung. Programm wird rechtzeitig bekanntgegeben. Einzelkarten zu X 2.—, Familienkarten (3 Personen) K 5.— sind zu haben bei: Frau Dr. Laura Krenberger, XIII., Auhofstraße 222, Frau Minna Baad, Xlll., Lainzerstraße 67, Cafs Westend, Mariahilferstraße 126, Caftz Schwenderhof, Mariahilferstraße 191. W'en. (Trauung). Sonntag den 31. Dezember l. I., um 3 Uhr nachmittags, findet im türkisch-israelitischen Tempel, II., Zirkusgasse 22, die Trauung des Fräulein Eveline Allerhand, Tochter des Herrn Adolf Allerhand, mit Herrn Albrecht P a st e r n a k, Sohn des Herrn Carl E. Pastern a k, Ritter des kais.-russ. St. Annen- und St. Stanisl.-Ordens re., Ehrenpräsident des österr.-russ. Hilfsvereines in Wien, statt. Wien. (Trauung.) Montag den 25. Dezember l. I.. um halb 2 Uhr nachmittags findet im II. Bezirk, Tempelgasse, die Trauung des Fräulein Frieda Prager, Tochter des Herrn Siegmund Prager, mit Herrn Samuel Strauß statt. Wien. Die Trauung des Fräulein Auguste Schwager mit Herrn Carl Fuhrmann findet Sonntag den 24. d. M., um halb 3 Uhr nachmittags, im Tempel II., Tempelgasse statt. Wien. (Goldene Hochzeit.) Herr Michael K o h n, I., Fleischmarkt 1, feiert mit seiner Gattin Johanna Montag den 25. d. M. das Fest der goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt im selben Hause seit 45 Jahren. Herr K o h n stammt aus Preßburg, seine Gattin aus Szegedin. Im Jahre 1848 war er Mitglied der Honveds und hat in der Schlacht eine Verwundung erhalten. Wien. Der Vorstand des Tempelbauvereines der Stadt Wien im VIJI. Bezirke, Neudeggergasse 12, veranstaltete unter Vorsitz seines Präses Herrn Hermann Beck am 19. d. M. abends in seinem Sitzungssaale eine Trauerkundgebung für den verstorbenen Baurat Herrn Max Fleischer, bei welcher der einhellige Beschluß gefaßt wurde, sich sowohl korporativ an dem Leichenbegängnisse zu beteiligen, als auch im schriftlichen Wege der Witwe des Verstorbenen, ferner dem Tempelvereine für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau, deren Präsident der Verstorbene war, und der Israel. Kultusgemeinde Wien, deren Vorstand er angehört hatte, das tiefste Beileid auszudrücken. Endlich faßte der Tempelbauverein und zwar auch mit Stimmeneinhelligkeit den Beschluß, in Anerkennung der besonderen Verdienste, die sich der Verstorbene um den Tempelbauverein erworben hat, sein Bildnis im Sitzungssaale anzubringen. Verein znr Ansspeisung armer israelitischer Schulkinder XlI-XY. Freitag den 22. Dezember l. I., präzise 4 Uhr, wird im Tempel, XV., Turnergasse 22, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d zum Eingänge des Chanukafestes eine Ansprache an die Vereinsschützlinge halten. Johanna Stern Regine Landeis Schriftführerin. Präsidentin. „Jahrmarkt für Groß und Klein." Zu einem fröhlichen Feste hatte für Sonntag das Mädchenkomitee „Die Jugend für die Jugend", welches sich die Aufgabe stellt, armen, skrophulosen Kindern den Aufenthalt in einem Jodbade zu ermöglichen, das Wiener Publikum geladen und in Hellen Scharen sind Groß und Klein erschienen, um die in der humorvollen Einladung verheißenen Herrlichkeiten zu schauen und zu genießen. Die Räume des „Hotel Continental" waren für diesen Tag unter der kundigen Leitung des Herrn Oberinspizienten Fried der k. k. Hofoper in einen veritablen