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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 802 Dr. Blocb’s Mocbenscbrltt. Nr. 5 sie nebeneinander auf dem alten aufgelassenen jüdischen Friedhofe, dort, wo jetzt die Zuckerfabrik steht. Mehrere Tage spater kam ein Soldat zum Rav, Neb Jakob Gleiwitz er möge abends neun oder zehn Juivs ins Schloß schicken. Zaghaft fand sich diese Zahl vor dem Schloßtore ein, sie wurden jedoch bald ermutigt, als ein Offizier auf sie zukam und sie mit den Worten: „Spaffiere die Herren wohl weiter, ich habe Jahrzeit und will Kadisch beten" ansprach, und das nicht wenig erstaunte Minjan in einen Saal führte, in welchem er zwei auf einem Tische vorbereitete Kerzen und ein Seelenlicht selbst anzündete, und einen aus der Gesellschaft vorzubeten bat. Auch einer kriegsrechtlichen Hinrichtung hatte mein Vater beigewohnt; ein französischer Soldat, welcher sich angeblich in sittlicher Beziehung gegen irgend eine Frau vergangen haben sollte, wurde mittels Eskorte in die Allee unter dem Schloßparke geführt, zu einem Baume gestellt, von 6 Manu erschossen und sogleich begraben. Herschl Eckstein aber mußte die Ausübung seiner Bürgerpflicht mit dem Leben bezahlen. Unter den fünf hohen Offizieren, welche er nach Zaroschitz führte, befanden sich die Majestäten, Kaiser Franz v. Oesterreich und Kaiser Nikolaus von Rußland, die kleine Schar Reiter sah sich veranlaßt, größere Strecken im Trabe zu reiten und Herschl Eckstein trabte gewissenhaft bis Zaroschitz mit. Zu Hause angelangt erkrankte er und starb 14 Tage spater. Er hinterließ eine Tochter und eine schwangere Frau, namens Hendl, welche einige Monate später einem Knaben das Leben schenkte, welcher nach seinem Vater den Namen Herschel erhielt und später der Schwiegersohn meines Vaters wurde. Hendl, die Witwe nach Herschl Eckstein, erhielt mittelst einem kaiserlichen Gnadenakt durch die kaiserl. königl. Hofkanzlei in Wien bis zu ihrem Lebensende eine jährliche Pension von tO Gulden. Auch dem Sohne Herschls wurde später bei seiner Bewerbung mit besonderer Berücksichtigung eine Familienstelle verliehen. Am 28. Oktober l. I. wurde auf dem Felde der Dreikaiserschlacht von österreichischen, französischen und russischen Patrioten den gefallenen Kriegern ein ehrendes Denkmal errichtet Wollen auch wir jener Juden, welche ihr Blut und Leben für Kaiser und Vaterland hier ließen und deren letzte Bitte es war, unter ihren Glaubensbrüdern sterben zu dürfen, ein ehrendes Andenken bewahren. Literatur. Talmud und Theosophie. In der „Theosophical Review" versucht Rev. I. Abelson den Zusammenhang zwischen der Theosophie und dem Talmud nachzuweisen und aufzuzeigen, in welchem Umfange die beiden Lehren übereinstimmen. Der erste Punkt, den der Verfasser hervorhebt, ist die Lehre von der Einheit Gottes, die beiden, Theosophie und Talmud, gemein ist. Doch meint Rev. Abelson, daß die Uebereinstimmung weit über diesen Punkt hinausreicht. Er gibt zu, daß eine entschiedene Bejahung der Unsterblichkeit der Seele in der Bibel nicht vorkommt, dagegen findet er darin Beweise für das Weiterleben nach der Entkörperung. Die Erschaffung des Menschen nach dem göttlichen Ebenbilde allein wird als Beweis des Weiterlebens hingestellt, denn die Seele kann nicht vergänglich sein, wenn die Ewigkeit ihre Quelle ist. Die Vorgänge beim Ableben Enoch's und Elias werden ebenfalls als Beweise für die Unsterblichkeit erwähnt. Je mehr man sich von der Zeit der Bibel entfernt und der Zeit der Apokryphen und des Talmud nähert, desto entschiedener werden die Erwähnungen über die Unsterblichkeit. Am meisten nähern sich in der Kabbala die Lehren deS Judentums denen der Theosophie. Hier ist die Lehre von Karma zu finden (Reinkarnation), dem Hauptpunkte der Theosophie, der Lehre, daß die Wiedergeburt solange notwendig ist, bis die Persönlichkeit sich von allen von der Welt anhaftenden Unreinheiten gereinigt hat und den Grad von Vervollkommnung erreicht, der sie befähigt, in eine höhere Ebene einzugehen. H. L. Eine wichtige Inschrift der griechisch-jüdischen Geschichte ist, wie die Blätter berichten, von dem französischen Orientalisten Clermont-Ganneau nachgewiesen und erschloffen worden. Sie stammt aus der Zeit des Herodes Agrippa II. und berichtet von einem hochgestellten Mann, der sich eine Priesterverwaltungsstelle erschlichen hatte und nun auf alle mögliche Weise ungeheuere Reichtümer, dreihundert Talente Silbers, zusammenscharrte, teils aus dem Tempelgut, teils auf Kosten von Privatleuten, bis endlich der König einschritt und den Mann zur Rückgabe des Raubes zwang. Die Inschrift ward bei Aabrud in der Nähe von Baalbek gefunden. Die Schandtaten des syrischen Verres, sein Name ist wahrscheinlich Sampsigerämos, wahrend ein Helfershelfer Lysanios zu heißen scheint — wurden zum abschreckenden Beispiel in Stein gehauen und bilden nun einen sehr wertvollen Beitrag zur palästinischen Kulturgeschichte. (Die Inschrift wird um einige Jahre älter sein und aus der Zeit der Herrschaft Antiochus Epiphanes stammen, unter dessen Regierung die Hohepriesterwürde käuflich war. Die jüdische Tradition erzählt ebenfalls, daß ein sogenannter Hohepriester den Tempelschatz beraubte, um dem König den hohen Preis für die Würde zu bezahlen.) Neue Bücher. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Hecausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin. l. Jahrgang, Heft 11, November 1905. Inhalt: I. Abhandlungen. 1. Dr. Maurice F i s h b e r g, N e w- N o r k: Beiträge zur physischen Anthropologie der nordafrikanischen Juden. 2. Dr. I. T h o n, B e r l i n: Die jüdische Bevölkerung in Krakau. 3. Dr. Arthur Ruppin, Berlin: Russische Studierende an westeuropäischen Universitäten. 4. Rudolf Wasserm a n n, München: Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Bayern im 19. Jahrhundert. 5. Todesursachen der Juden und Christen in Budapest im Jahre 1902. II. Statistisches Archiv. Militärdienst der jüdischen Studierenden in Preußen. — Frequenz der städtischen Schulen in Mannheim. — Mischehen in München im Jahre 1903. — Zahl der Juden in der Schweiz. — Konfession der wegen Verbrechen Verurteilten in Frankreich. — Mischehen der Juden in Budapest im Jahre 1904. — Verteilung der dänischen Juden auf Stadt und Land. — Schulbesuch in Tunis. — III. Literatur. F. Stähelin: Der Antisemitismus des Altertums in seiner Entstehung und Entwicklung. Professor Dr. Simon Stern. Rabbiner in Saaz: Tolstoi, Zola und das Judentum. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1906. Dr. E. Nagt. Die nachdavidische Königsgeschichte Israels. Großoktav. 355 Seiten, broschiert Mark 8.50 K 10.—. K. u. k. Hof-Buchdruckerei und Hof- Verlagsbuchhandlung Carl Fromme. Dr. Nt. Ntargel. Deutsch-hebräisches Wörterbuch. Vollständig in 40 Heften, Heft 31—34, Preis eines Heftes 50 Heller. Subskriptionspreis 15 Kronen ---15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Kommissionsverlag von Leopold Klein, Pozega 1904. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Redaktion und Administration: Wien, III/2, Untere Viaduktgasse 25. II. Jahrgang. Heft 12, 1905. Inhalt: M.r Makkabäertaze. S.: Ein mißbrauchtes Wort. Ch. N. B i a l i k: Die Morgenwacht. Ernst Müller: M. Z. Feierberg. Leo Goldhammer: Vom jüdischen Drama. Hugo Zuckermann: Abrahams Enkel. I. Rehb erg: Isaak Löb Perez. Buki ben Jogli: Das Lied der Nachtigall. Bücherschau, Korrespondenzen. Oft und ÄVeft. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag O st und W e st, G. m. b. H., B e r l i n, NW. 23, Altonaerstraße 36. V. Jahrg.' Nr. 10—11. Oktober-November 1905. Inhalt: Die Frucht der Freiheit. AbigedorKara: Klage.. — Statistisches zur Judennot. Dr. Franz Oppenheimer, Berlin: Die russischen Judenmorde. Benjamin ben Serach; Klage. — Boris Schatz und das Museum des „Bezalel". D r. I, Thon, Berlin: „Bezalel" Ziele und Wege (mit 16 Illustrationen). Dr. Eduard Glaser, München: Zum alt-

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