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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 796 Dr. Dlocb's Mocbenscbrm. Nr. 50 dann kaufe ich morgen eine tschechische Grammatik, will kein Deutscher mehr sein. Aber im Grunde — geht's nicht hundert andern, hochehrenwertcn Männern ähnlich wie Ihnen? Lesen Sie doch einmal diese Fachblätter der politischen Verleumdung! Der Künstler wie der Gelehrte, der Minister wie der Richter — jeder, der nicht ins Bockshorn dieser Leute bläst, wird umgebracht." Das sagte Hamerling vor 20 Jahren zu Peter Rosegger, als dieser noch so kindisch war. Hat sich seitdem etwas geändert? Immerhin etwas. Hamerling ist das posthume Malheur passiert, das literarische Idol der Leute zu werden, derentwegen er sich beinahe entschlossen hätte, eine tschechische Grammatik zu kaufen. Und Meister Rosegger, dem Judenknecht und Volksverräter, geht es trotz seines Sträubens und Protestierens ebenso. Vielleicht, weil er heute nicht mehr so kindisch ist und diejenigen ignoriert, die er verachtet. Trauerfeierlichkeiten für die jüdischen Märtyrer in Rußland. Sonntag den 26. November fand die Trauerfeierlichkeit in Bndweis statt, bei welcher Rabbiner-Stellvertreter Herr Dr. Krakauer die Gedenkrede hielt. In Tacha« fand die Trauerfeier am selben Tage statt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Wohl. Am 3. Dezember fand die Trauerandacht in der „Altschulsynagoge" in Nikolsburg statt, wo Herr Rabbiner Dr. L e w i n die Trauerrede, und in Krems, wo Herr Rabbiner Dr. Diamant die Gedenkrede, in Klatta«. wo Herr Rabbiner Dr. B r et die Predigt hielt. Am selben Tage fand die Trauerfeier auch in Pardubitz statt und ergab die erste Sammlung den Betrag von 106 t Kronen, welcher der „Allianz" überwiesen wurde. In Waidhofeu a. d. Thaya fand die Trauerfeier ebenfalls am 3. Dezember statt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Eisenberg; in Groß-Meseritfch hielt Oberkantor Steiner die Rede. In Marienbad fand in gleicher Weise eine Trauerfeier statt. Die Predigt hielt Herr Rabbiner Dr. Goldberger. Am 8. Dezember war die Trauerfeier in Podersam, wo Gemeinderabbiner R. R y ch n o w s k die Rede hielt; am 9. d. M. in Selcan, wo Herr Rabbiner I. Katz, am 10. in der Pinkas-Synagoge in Prag, wo Herr Direktor Dr. B r o d y die Trauerrede hielt.' Dawboritz (Mähren). Hier fand der Trauergottesdienst für die Opfer der ruffischen Judenexzcffe am 18. November statt. Die Predigt hielt Herr Bezirksrabbiner Hahn. Ein Appell an die jüdischen Frauen in Oesterreich. Wiewohl der Gefertigte als schlichter Rabbiner einer Provinzgemeinde wenig bekannt ist und daher wenig Hoffnung hat, daß auf sein Wort etwas gegeben werden dürfte, so wagt er es dennoch, nachstehende Bitte an edle jüdische Frauen in Oesterreich zu richten und ersucht gleichzeitig die löbliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift", seinen Vorschlag durch ihre Autorität zu unterstützen, in welchem Falle der Appell von Erfolg begleitet sein wird! Die entsetzlichen Vorgänge in Rußland stellen an die Wohltätigkeit der westeuropäischen Juden naturgemäß die größten Anforderungen und es strengen sich auch tatsächlich die Gemeinden sowohl, wie auch mehr oder weniger fast jeder Einzelne an, den Brüdern in Rußland in ihrer schweren Lage hilfreich beiznspringen. Nun sollen die Vater- und mutterlosen Waisen, die wie eine versprengte Herde umherirren, nach Hunderten, ja nach Berichten sogar nach Tausenden zählen. Der Gefertigte hat es versucht, maßgebenden Ortes die Gründung von landwirtschaftlichen Instituten für die Waisenkinder im Auslande anzuregen, damit die armen Waisen zur Landwirtschaft erzogen werden und so einer besseren und sicheren Zukunft entgegengehen. Der Gefertigte erhielt auf seine Anregung aus Frankfurt a. M. nachstehendes Schreiben:• „Die von Ihnen vorgeschlagene Gründung eines landwirtschaftlichen Institutes erfordert eine Gründungszeit von einigen Jahren und ein Kapital von mehreren Millionen; denn man muß doch an die Besoldung der definitiv anzustellenden Lehrkräfte und an den Unterhalt und die Bekleidung der im Internat zu erziehenden Zöglinge denken. Die uns dargebotenen Gelder sind uns nur zur Linderung des momentanen Elends gegeben worden und wir haben gar kein Recht, dafür ein Grundstück zu kaufen und ein landwirtschaftliches Institut einzurichten. Wir stehen mit den zuverlässigsten und angesehensten russischen Männern in Verbindung und tragen für zweckmäßige Verwendung der reichlich eingelaufenen Spenden eifrigst Sorge. Von einer hiesigen Dame, die sich durch Intelligenz und Tatkraft auszeichnet und auch über retche Mittel gebietet, ist der Gedanke gefaßt worden, es möge jede irgendwie leistungsfähige israelitische Gemeinde eine Anzahl russischer Waisenkinder bei sich aufnehmen und erziehen. Die Propaganda ist im Werk . . . u. s. w." Des Unterzeichneten dringende Bitte an edle jüdische Frauen in Oesterreich geht nun dahin, sie mögen sich zusammentun und ihrer hochherzigen, edlen Glaubensschwester in Frankfurt a. M. nacheifern und auch in Oesterreich dahin wirken, daß jede Gemeinde zwei bis drei solcher unglücklicher, verlassener Kinder aufnehme und erziehe. Der Gefertigte gestattet sich, auch daran zu erinnern, daß nach dem Ringtheaterbrande im Jahre 1881 in Wien sich mehrere Familien gefunden, die Kinder der beim Brande Verunglückten adoptierten und denselben die leiblichen Eltern zu ersetzen trachteten, was ihnen auch vielfach gelang. Der Gefertigte ist überzeugt, daß, im Falle edle Frauen die Angelegenheit tatkräftig in die Hand nehmen werden, auch jetzt zahlreiche Familien Oesterreichs sich finden würden, welche das eine oder andere Kind der gemordeten Eltern annehmen und erziehen möchten. In seiner Gemeinde hat bereits ein Herr namens „Siegmund Urban" sich bereit erklärt, ein männliches Kind im Alter von 3—5 Jahren zu adoptieren und dürften in der Gemeinde auch noch andere dem Beispiele des genannten Herrn folgen. Dr. I. R a b b i n o w i c z Bezirksrabbiner. Mährisch-Weißkirchen, im Dezember 1905. Karlsbad. In die israel. Kultusgemeinde-Repräsentanz von Karlsbad wurden gewählt: Im dritten Wahlkörper: Vorsteher Ludwig Moser, Adolf R o s e n f e l d, Josef Hainsfurth, Gustav L ö b l, Gustav Kolb, Dr. Alfred S a m e l; als Ersatzmänner: Julius Böhm, Hugo H o l z n e r und Heinrich Oesterreicher. Im zweiten Wahlkörper: Josef Goldmann, Robert Epstein, Adolf Grünbaum, Dr. Bernhard L ö w y, Ludwig Zentner, Bernh. Löwenstein; als Ersatzmänner: Wilhelm Adler, Adolf Hahn und Alois Steiner. In die Umlagekommission: Rudolf Mvsauer, Dr. K. Fleischmann und Jacques Regenst r e i f, als Kassarevisor Emil Heller gewählt. Im ersten Wahlkörper wurden gewählt: Josef Steiner, Dr. Samisch, Dr. A r n st e i n, Wilhelm Zentner, Salomon K o h n, Adolf Neubauer; als Ersatzmänner: Philipp Guttenstein, Adolf Maier und Julius K o h n. In die Umlagekommission wurden Wilhelm Lenk, Wilhelm Beck und Adolf E i s n e r, und als Kassarevisor Guglielmo W e i n b e r g e r gewählte — Bei der engeren Wahl wurde Herr Ludwig Moser, Glassabrikant, zum Kultusvorsteher gewählt. Hiebei sei erwähnt, daß es nunmehr das 31. Jahr ist, seitdem derselbe diese Würde ununterbrochen bekleidet. Als Stellvertreter wurde abermals Herr Adolf Rosenseld gewählt; zum Rechnungsführer Herr Josef Heinfurth, als Kassier Herr Josef Goldmann, als I. Beirat Herr Robert Epstein, als II. Beirat Herr Adolf Neubauer. Die von der israelitischen Kultusgemeinde veranstaltete Sammlung -zugunsten der russischen Juden ergab bis jetzt ein Erträgnis von 7015 Kronen. Die israelitische Kultusgemeinde beteiligre sich hieran mit dem Betrage von 1000 Kronen und die Stadtgemeinde Karlsbad mit 500 Kronen; weitere 500 Kronen wurden von der letzteren den Hinterbliebenen der christlichen Ermordeten gewidmet. Marienbad. Bei den hier stattgehabten Wahlen der israel. Kultusgemeinde wurden gewählt: In den Vorstand: B aruch Emil, D u s ch e n e s Moritz, F i s ch l Siegfried, W o l f n e r Otto, JUDr. Steiner, Schneider Pinus, MDr. Horowitz, Beck Franz; Ersatzmänner: Engl Ignaz, Pichl Jakob, G o l d m a n n Heinrich, Hirsch Semi. — In den verstärkten Vorstand: Benisch Friedrich, Fantes Ignaz, Kafka Josef, Kraus Moritz, K r ä u p l Max, L ö w y Rudolf, S t i n g l Oskar, Lettner Gottlieb. — In die Umlagskommission: Stern Eduard, Schneider Sigmund, H o l l u b Adolf, Schwager Emil, S t i n g l Richard, Beck Anton. — Als Kassarevisoren: Seltner Max, Kohn Karl (Adler.) Brünn. Die Vorstandssitzung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde vom 26. November dürfte auch weitere Kreise interessieren, denn sie gewährt einen Einblick in die hier seitens der Christen gegen ihre jüdischen Mitbürger gehegte Gesinnung. Dr. Fialla, der Vorsitzende, berichtet über die Sammlungen für die russischen Juden; das Ergebnis der Sammlungen habe zirka 20.000 Kronen betragen und sei bei dieser Gelegenheit zu bemerken, daß sowohl die Stadtgemeinde wie auch die offiziellen Vertreter sich der ganzen Aktion gegenüber vollständig passiv und gleichgiltig verhallen haben. —

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