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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-08 · 49 (8.12.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 786 Lur. JBiocb’s Mocbenscbnn. Nr. 49 Prag. (Bombardierung der Smichorvcr Synagoge.) Vor der Smichower Synagoge (Pilsner Straße) sammelte sich vorige Woche abends ein Trupp Leute, zumeist halbwüchsige Burschen, an und eröffnete mit allerlei Wurfgeschossen ein Bombardement gegen das Bethaus. So oft eine Fensterscheibe klirrend zerschellte, brachen die Exzedenten in ein Freudengeheul aus. Sicherheitswache eilte herbei; ihr Wagemut sollte nicht ungestraft bleiben. Die Tumultuanten ließen eine Weile von der Bombardierung der Synagoge ab, machten Kehrt gegen die Polizisten und überschütteten sie mit einem Steinhagel. Die Wache ließ sich jedoch nicht beirren, drang im Laufschritt vor und jagte die Menge in die Flucht. Böhmisch-Leipa. Sonntag den 3. d. M., halb 5 Uhr Nachmittags, fand auch in unserem Tempel ein Trauergottesdienst unter allgemeiner und zahlreicher Beteiligung der Kultusgemeinde statt. Nach dem vom Oberkantor wirkungsvoll vorgetragenen Psalm 49 und dem mit Orgelbegleitung und Solo gesungenen Choräle : „Was ist der Mensch —", bestieg Herr Rabbiner Dr. Krengl die Kanzel zur Abhaltung der Trauerrede und schilderte mit ergreifenden Worten die Leiden und Drangsale dieser unschuldigen Märtyrer, für die wir nur Tränen haben, Tränen der Teilnahme und des Mitleides. Zum Schlüsse verrichtete der Rabbiner bei offener Bundeslade das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen. — Am 19. d. M. fand die erste Beerdigung auf dem hiesigen neuen israelitischen Friedhofe statt. Es wurde das älteste Gemeindemitglicd Herr Ignaz A l t m a n n, ein Mann von 95 Jahren, unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Krengl hielt die Trauerrede und verband damit gleichzeitig die Einweihungsfeier des nun als Ruhestätte der Entschlafenen geweihten Ortes. Leipnik. Bei der am 5. Dezember 1905 vorgenommcnen Vorstandswahl der Leipniker Kultusgemeinde, wurden, nachdem der bisherige Kultusvorsteher Dr. R a k a t n i tz eine Wiederwahl ablehnte, David Spitzer zum Kultusvorsteher, Sigmund Kornfeld und Jakob Grünberger zu Kultusräten gewählt. Untcr-Kralowitz. Aus Anregung des Kultusvorsteheis Josef Stein hielt der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde einen feierlichen Trauergottesdrer.st ab. Herr Rabbiner Leopold Heim hielt eine ergreifende Trauerrede. Die nach dem Gottesdienste eingeleitete Sammlung ergab den namhaften Betrag von 448 Kronen. Besondere Verdienste erwarben sich Herr Samuel K o r e s, Vorsteher der Cbewra- Kadischa, welcher 200 Kronen spendete, Frau Regine und Therese K o r e f, Vorsitzende des Frauenvereines, welche 100 Kronen spendeten, die Herren Edmund M o r a v e tz, Gutspächter in Lhotitz, und Alois Fuchs, Gutsbesitzer in Martinitz. Jamnitz. Unser Rabbiner Herr Dr. Morgenstern hat einen Ruf nach Leitmeritz erhalten, um die durch die Berufung des dortigen Rabbiners nach Kopenhagen freigewordene Stelle zu besetzen. Er dürfte diese Stelle in wenigen Wochen antreten. Herr Rabbiner Dr. Morgenstern hat insbesondere durch seine seltene Opferwilligkeit und Uneigennützigkeit und seine hervorragenden Charaktereigenschaften in unserer Gemeinde viel Nützliches geschaffen. Wir werden ihn nur mit Wehmut scheiden sehen! Nachod. In der am 26. November d. I. abgehaltenen Sitzung des erweiterten Vorstandes ergriff der Vorsteher Herr Jakob Pick gleich bei Beginn der Sitzung das Wort und hielt eine ergreifende Rede über die furchtbaren Schicksale unserer Glaubensbiüder in Rußland, forderte die Anwesenden zu einer ergiebigen und schnellen Hilfeleistung auf, eröffnete sofort eine Sammlung, die recht ergiebig ausfiel, und beantragte, daß die Sammlung im Orte und Umgebung fortgesetzt werden möge. Es erboten sich hiezu die Herren Jonas Löwith und Leopold Stransky im Orte und die Herren Siegfried Pichl, Ludwig Fanta und Max Pollak in der Umgebuug zu sammeln. Ferner stellte der Vorsteber den Antrag, daß Samstag den 3. d. M., 3 Uhr nachmittags, ein Trauergottesdienst für die unschuldig Dahiugeschlachteten stattfinde. Bei der Trauerandacht hielt unser gewesener Rabbiner Herr Dr. Brody (jetzt in Prag) eine tief empfundene Rede und seine Aufforderung um ausgiebige, schnelle Hilfe war bei der fortgesetzten Sammlung von großem Erfolg gekrönt. Dobkisch. Sonntag den 3. Dezember veranstaltete der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde einen Tranergottesdienst für die Opfer der russischen Maffakres. Nach einem einleitenden Psalm hielt unser Prediger Herr Dr. Arje vor der offenen Bundeslade ein innig empfundenes Gebet für die Seelen der Dahingefchiedenen, abschließend mit dem üblichen liskor. Nach einer schwungvollen Rede wurde eine Sammlung eingeleitet, die 500^Kronen ergeben haben dürfte« Gewitsch. Am Sonntag den 3. d. M. wurde im hiesigen Tempel eine Trauerandacht abgehalten, der auch viele auswärtige Gemeindemitglieder — darunter die Repräsentanz des Kultusvereines Mährisch-Trübau — beiwohnten. Der gemischte Tempelchor leitete den Tranergottesdienst mit dem zu diesem Anlasse von unfern Herrn Oberkantor W i l k o w i t s ch komponierten Psalm X: Warum, o Herr, stebsi Du von ferne! ein, worauf Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Keßler eine Trauerrede in sehr rührender Weise hielt. Eine von unseren Herrn Kultusvorsteher Nathan Veit vorgenommene Sammlung ergab eine für unsere Verhältnisse hübsche Summe. Ledeö. Im hiesigen israelitischen Tempel fand eine erhebende Trauerfeier für die Opfer der russischen Judenmassakres statt. Die Funktionen versahen der hiesige Rabbinatsverweser Herr M. Mandl und Herr Kantor Rudolf B l a n n aus der Nachbargemeinde Loötla in exakter Weise. Gleichzeitig wurde auch eine Sammlung für die russischen Juden (auf Grund einer Anregung des Präsidenten der israelitischen Landesjudenschaft in Böhmen) eingeleitet, welche befriedigend ausgefallen sein dürfte. Andrychau. Sonntag nachmittags fand im hiesigen Tempel für die jüdischen Märtyrer in Rußland ein Tranergottesdienst statt, wodei Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. G. Rosen m a n n eine tiefergreifende Trauerrede hielt, Nach Schluß des Gottesdienstes wurde vom I. Vorsteher Herrn Ferdinand Sternberger und II. Vorsteher Herrn Samuel Schnitzer eine Sammlung für die Hinterbliebenen der Opfer eingeleitet. T rnopol. Der 28. November erfüllte die jüdische. Einwohnerschaft unserer Stadt mit wohlbegründeter Furcht Allerlei Gerüchte verbreiteten sich unter der jüdischen Bevölkerung, daß aus Anlaß der sozialistischen Demonstration Bauern aus der Umgebung in die Stadt kommen werden, um zu plündern und nach russischem Muster — zu morden. Aber diese Befürchtungen erwiesen sich gottlob als unnötige, Dank dem taktvollen und energischen Verfahren des hiesigen k. k. Bezirkshauptmannes, Statthaltereirates D y o n i s Ritter von Z aw a d z k i. Alle Vorkehrungen, um jedem Versuche auch nur der geringfügigsten Ruhestörung vorzubeugen, hat er in umsichtsvoüster Weise getroffen. Persönlich leitete er die Veranstaltung aller Vorsichtsmaßregeln, fuhr einigemal durch alle von Juden bewohnten Gassen und Gäßchen; persönlich wandte er sich an den Kultusgemeinderat Herrn Moses R a p p a p o r t, um die jüdischen Geschäftsinhaber vollkommen darüber zu beruhigen, daß sie ohne jegliches Bedenken in offenen Geschäftsräumen ihrem Handel und Gewerbe sorglos sich ergeben, denn er bürge dafür, daß absolut Niemand irgendwie belästigt oder behelligt werde. Der Tag verlief auch ganz normal und das Gefühl vollkommenster Sicherheit und das Bewußtsein des ergiebigsten Rechtsschutzes bemächtigte sich Aller. Unbeschreiblich ist das Dankgefühl der jüdischen Gemeinde, oie in dem Bezirkshauptmanne einen edeldenkenden, hochherzigen, gerechten und energischen Schirmer und Beschützer der bürgerlichen Freiheit und Sicherheit der Gesamtbevölkerung ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Nationalität verehrt. Gott segne seine ersprießliche Amtswirksamkeit. Rabb. Prof. Dr. S. A. T a u b e l e s. Feuilleton. Welkes Karrt». Einnerung aus einem alten Stadtteil, von Felix Brodowski. Autorisierte Uebersetzung aus dem Polnischen von Malwina Blumberg (Schluß.) Ach, laßt uns fortgehen von hier; ein wehmütiger, sehnsuchtsvoller Atem ist über Stadt und Hügel dahingeströmt und hat die Seele mit Unruhe erfüllt. ... In der Straße erwacht auf eine Weile neues Leben. Aus der engen, zum Tempel führenden Gasse kommt ein Haufe schwarzer Gestalten, der rasch zusammenschmilzt und über den ganzen Stadtteil sich zerstreut, nachdem er vorher die schlummernden Häuser mit dem Widerhall seines lauten Sprechens aufgeschreckt. Es blieben nur zwei stumme Schatten, die in der Dämmerung sehr langsam an den Mauern entlang schleichen, und nur wenn sie von den Mondstrahlen beschienen werden oder

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