Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Mocb's MocdenscdrM. Seite 781 lichen Opfer menschlicher Bestialität Ausdruck gab und daran die zuversichtliche Hoffnung knüpfte, daß nun endlich Friede und Ruhe für die armen Verfolgten eintreten und derartige schauervolle Ereignisse sich nie mehr ereignen mögen. Der Zentralverein werde, soweit es der Rahmen feiner Statuten zulasse, sich an der Hilfsaktion beteiligen. Seine mit tiefer Bewegung und Ergriffenheit vorgebrachten Aeußerungen wurden von der ganzen Versammlung stehend angehört. Hierauf erstattete der Geschäftsleiter, Herr JUDr. Theodor Weltsch, den umfangreichen Geschäftsbericht. In der Handwerkerfektion, die unter der bewährten und unermüdlichen Leitung des Herrn Siegfried L i e b e r s steht, ist ein Rückgang insofern zu verzeichnen, als der augenblickliche Stand nur 23 Lehrlinge, welche in verschiedenen Handwerken untergebracht sind und in dem vom Vereine erhaltenen Lehrlingsheime wohnen, aufweist. Der Grund hiefür liegt darin, daß die Eltern in irriger Abwägung der Existenzchancen ihrer Söhne nicht dem Handwerk zuführen. Der Ausschuß gedenkt diesbezüglich behufs Belehrung der Eltern einen Aufruf zu veröffentlichen. Die Studentensektion, Leiter Direktor W e r t h e i m e r, hat gleichfalls segensvolle Arbeit geleistet, indem 43 Studierenden lohnende Stellungen verschafft wurden. Einen besonders erfreulichen Aufschwung hat die Sektion zur Heranbildung von Krankenpflegerinnen genommen. JUDr. Theodor W e l t s ch erinnerte am Schluffe seines Berichtes daran, daß es in diesen Tagen, die gerade für jüdische Vereinsjubiläen nicht geeignet sind, 20 Jahre waren, seitdem der Verein ins Leben gerufen wurde, und daß leider noch immer nicht die Voraussetzungen, die zu seiner Entstehung Veranlassung gaben, geschwunden sind, ja sogar in vermehrtem Maße fortbestehen. Der Redner gedachte in dankbarer Erinnerung der großen Verdienste des verewigten Gesa äftsleiters Dr. Friedrich Duschenes, von dem die Initiative zur Vereinsgründung ausgegangen war, und bemerkte, daß von den in der konstituierenden Vollversammlung am 23. November 1885 in den Ausschuß berufenen Männern demselben nur mehr der derzeitige Obmann Herr kais. Rat Philipp Falkowicz und Herr JUDr. Ludwig Pick angehören. Dann streifte der Redner in markigen, bewegten Worten die blutigen Judenhetzen in Rußland und richtete einen flammenden Appell zur Mithilfe an der Wiederaufrichtung dieses noch rauchenden Trümmerhaufens. Der Redner dankt den bis jetzt allerdings wenigen Andersgläubigen, die Mitgefühl bekundet und Hilfe geboten und gedachte dankbarst jener kleinen Schar freundlich Gesinnter, die mit Einsetzung ihres eigenen Lebens gezeigt, daß es noch Menschen gibt im Kampfe gegen wilde Bestien. Die Zeit der Pharaonen neigt ihrem Ende zu. Die Freiheit, so schloß der Redner, sie ist auf dem Marsche, sie schreitet unaufhaltsam weiter und bricht sich trotz aller Hemmungen und Rückstauungen siegreich die Bahn; möge die endliche Befreiung auch für die Bekenner des jüdischen Glaubens nicht allzulange auf sich warten lassen und dem gesamten Judentum zum Heile gereichen! Die Wahlen hatten in den Ausschuß nachstehendes Ergebnis: MUDr. A. B a n d l e r, MUDr. Eman. Brill, Heinrich D e n h o f, kais. Rat Philipp Falkowicz, MUDr. Eduard F i s ch l, Herrn. Freund, Karl Freund, Karl Heller, Phil. Dr. I. H i r s ch, Prof. Dr. Alex. Kisch, Ad. M, Lederer, L. Margolius, JUDr. Lud. P i ck, JUDr. Arnold P o l l a k, Mark. Popper, MUDr. Karl Saar, Heinr. Schwarz, JUDr. Sigm. Stein, MUDr. Mark. T e w e l e s, Wilh. W e r t h e i m e r, als Ersatzmann Herr Alfred Goldschmied, in das Revisionskomitee die Herren: Karl Flammerschein, Gustav Fürth, Richard Karpeles, Sigmund Springer, Michael Wien. Tranerknndgebnngen für die jüdischen Märtyrer in Rußland. Foridsdorf. Sonntag den 3. Dezember fand im Tempel des XXI. Bezirkes (Floridsdorf) eine überaus würdige Trauerfeier statt. Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann hielt eine eindrucksvolle Ansprache, in welche e: die Anwesenden zu Spenden aufforderte und zum Schluffe die Hoffnung anssprach, daß aus dem Blute der Märtyrer die Freiheit für die Israeliten Rußlands hervorgehen möge. Mit dem exakten Absingen der Totengebete durch den I. Kantor Rosenberg in Chorbegleitung schloß die würdige Feier. Die eingeleitete Geldsammlung dürfte einen namhaften Betrag ergeben. St. Pölten. Sonntag nachmittags fand in der Synagoge in Anwesenheit des gesammten Kultusvorstandes, mit dem Präsidenten Herrn Karl Frank an der Spitze, eine Trauerfeier statt. Der Tempel trug Trauerschmuck und war mit Andächtigen von St. Pölten und Umgebung dicht gefüllt, welche mit Rührung den Trauergebeten und der zu Herzen gehenden, tief ergreifenden Rede des Herrn Rabbiners Dr. Schächter folgten. Die nach der Trauerfeier eingeleitete Sammlung ergab den für St. Pölten namhaften Betrag von L 400, welcher der Israelitischen Allianz in Wien eingesandt wurde. Troppau. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat am 23. November l. I. nachstehende Entschließung gefaßt: Von Tag zu Tag dringen aus dem benachbarten russischen Reiche Schreckensnachrichten des Inhalts zu uns, daß dort zahllose Glaubensgenossen auf entsetzliche Weise von rohem Gesindel, oft unter Patronanz der Behörden und öfter sogar direkt von der Polizei und der Soldateska hingemordet werden, daß sich da, wo der größte Teil aller Juden der Welt wohnt, die Judenverfolgungen und Judenmassakres wiederholen, wie sie seit dem finsteren Mittelalter in der Welt nicht vorkamen. Wir wiffen uns einig mit jedem Edeldenkenden, wenn wir unserem Gefühle tiefster Entrüstung, ja des Abscheues und Ekels über solche Bestialität Ausdruck geben und sprechen die Ueberzeugung aus, daß die ganze zivilisierte Welt mit uns diese Verbechen der Russen verdammt. Wir hoffen und erwarten, daß alle jene, die den menschlichen Namen verdienen wollen, in Wort und Tat gegen diese Schande des 20. Jahrhunderts austreten werden. — Sonntag den 3. September dieses Jahres. 11 Uhr vormittags, fand im hiesigen israel. Tempel ein Trauergottesdienst statt, „um derer zu gedenken, welche um ihres Glaubens willen in Rußland ermordet wurden". Zu diesem Gottesdienste erschienen fast sämtliche Mitglieder unserer Gemeinde, an deren Spitze unser verdienstvolle Präses, Herr k. k. Landesschulrat Doktor Theodor Sonnenschein. Herr Oberkantor Singermann unter Assistenz eines verstärkten Damen- und Herrenchores zelebrierte den Gottesdienst und Herr Rabbiner Dr. Blüh hielt die Trauerrede. 8. Mißlitz. Sonntag den 19. November d. I. wurde in der hiesigen Synagoge unter Beteiligung aller Kreise unserer Gemeinde eine weihevolle Trauerfeier abgehalten. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S ch o r st e i n hielt - selbst tief ergriffen — eine ergreifende Trauerrede und verrichtete sodann ein Gebet für das Seelenheil der gefallenen Märtyrer. Eine von Herrn Kultusvorsteher Josef Pollenz und Herrn Beirat Salomon König eingeleitete Sammlung ergab den ansehnlichen Betrag von über 1200 Kronen, welche der Israelitischen Allianz in Wien zur Verwendung übersendet wurden. In der am 26. November d. I. stattgefnndenen Sitzung der Kultusgemeinde-Vertretung wurde einstimmig Protest eingelegt gegen die in Rußland an unseren unglücklichen Glaubensgenossen verübten Greuel. Teltsch. Sonntag, den 3. d. M., um 4 Uhr nachmittags veranstaltete die hiesige Kultusgemeinde einen Trauergottesdienst. Herr Dr. Josef Link schilderte in einer ergreifenden Rede, die furchtbaren Schicksale unserer Glaubensbrüder in Rußland, das Elend der durch die jüngsten Plünderungen brotlos gewordenen Juden und richtete an die Anwesenden einen warmen Appell, die eingeleitete Hilfsaktion nach Kräften zu unterstützen. Mit einem heißen Gebete für die Seelen der Gefallenen schloß die ergreifende Feier. Trebitfch. Sonntag, 3. d. M., halb 3 Uhr nachmittags fand in der hierortigen Synagoge ein Tranergottesdienst statt. Zu demselben erschienen der gesamte Kultnsansschuß unter Führung des Präses Herrn Josef Taussig, die gesammte Vertretung der politischen Gemeinde unter Führung des Bürgermeisters Herrn Ad. Subak, wie nahezu sämtliche Glaubensgenossen unserer Kultusgemeinde. Se. Ehrw. Herr Dr. S. Pollak schilderte in beredten Worten all den Jammer und all das Elend, welches unsere Brüder im Zarenreiche heimsuchte, und schloß seine tiefwirkende Rede mit einem Gebete bei offener Bundeslade. Mit dem rührenden Vortrage des ^V^v-UoraekLwim« durch Herrn Oberkantor Fuchs und der Absingung des „Schewissi“ schloß diese erhebende Feier. Bemerkt sei noch, daß unsere Gemeinde ihren schmerzlichen Gefühlen auch in materieller Hinsicht tatkräftigen Ausdruck verlieh, indem eine eingeleitete Sammlung ein nicht unbedeutendes Resultat ergab. X K. Lobositz. Auch die hiesige israelitische Kultusgemeinde hat am 26. November im Tempel einen solennen Trauergottesdienst abgehalten, zu welchem sich nahezu alle Gemeindemitglieder einfanden. Nach Rezitierung eines für diese Gelegenheit geeigneten Psalms sprach der Rabbiner mit vor Wehmut zitternder Stimme das Seelenheil-Gebet für die unglücklichen Opfer der bestialischen Roheit, worauf eine ergreifende Rede folgte. Der verdienstvolle Tempelvorsteher Herr Max Wilhelm Schiller veranstaltete eine Sammlung für die zurückgebliebenen Witwen und Waisen mit dem Ergebnis von 1000 Kronen.