Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. JBlocb s MocdenscbrM. Seite 779 daraus hervor, daß sich im Berichtsjahre 6465 Arbeitsnehmer anmeldeten, und da die meisten von ihnen wiederholt an den Schaltern erschienen, die Frequenz weit über 40.000 Besucher aufwies. Bemerkenswert ist auch folgende Stelle des Berichtes: „Unsere Bemühungen gelten naturgemäß in erster Reihe jenen Glaubensgenossen, welche unserem Vaterlande angehören und in Wien ansäßig sind. Im letzten Vereinsjahre sind jedoch zahlreiche jüdische Arbeiter an unseren Schaltern erschienen, welche, durch grausame Anfeindungen aus einem östlichen Nachbarreiche vertrieben, gezwungen wurden, ihre Existenz in der Fremde zu begründen. Unter diesen Bedauernswerten haben wir eine bedeutende Anzahl tüchtiger und williger Arbeiter aller Kategorien, besonders aber Schlosser, Schmiede und Maurer gesunden, deren Handwerke unter unseren österreichischen Glaubensgenossen weniger vertreten sind. Wir haben nicht gezögert, denselben zur Erlangung von Arbeitsgelegenheit unseren Beistand zu leihen und hoffen hiermit dem humanen Sinne unserer Mitglieder entsprochen zu haben. Wir können hinzufügen, daß die Leistungen dieser Arbeiter fast ausnahmslos befriedigt haben. Reicher Beifall lohnte den Bericht und die vom Schriftführer Herrn Dr. L a n g st e i n zur Verlesung gebrachten Tabellen. Der Vertreter der Kultusgemeinde Herr Hofrat T a u s s i g fühlte sich veranlaßt, dem Vereinsvorstande für seine erfolgreiche und aufopfernde Tätigkeit den besonderen Dank des Kultusvorstandes auszusprechen. Herr Rabbiner Dr. David sprach dem Vereinsvorstande ebenfalls seine Anerkennung aus und entwickelte seine Anschauungen über Wohlfahrtspflege. Hierauf wurde der Bericht einstimmig genehmigt. Die nach den Statuten ausgelosten Vorstandsmitglieder Baurat Wilhelm S t i a ß u y, Emannel Winkler und Julius Wolf wurden einstimmig wiedergewählt. Herr Dr. Klemperer ergriff nun das Wort zu einer Schlußansprache. In schwungvollen Worten führte er, die russischen Ereignisse streifend, aus, daß auch hierzulande die armen Juden zumeist nur auf die Hilfe der Glaubensgenossen angewiesen sind, und daß diese Hilfe ihnen nicht besser als durch Verschaffung von Arbeit geboten werden könne. Wien. Samstag den 25. November erschien eine Deputation des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, bestehend aus dem Obmanne Rabbiner Dr. D. Jeuchtwang und der Professoren Doktor A. Weiß und Dr. H. P o l l a k, bei dem neuen Leiter des Ministeriums für Kultus und Unterricht Herrn Baron v. Bienerth, um denselben im Namen des Verbandes zu begrüßen und ihn um die Förderung der Interessen des Religionsunterrichtes und der Religionslehrer zu bitten, zu welchem Behufe eine Abschrift der Petition überreicht wurde, welche schon vor Monaten dem früheren Unterrichtsminister R. v. Härtel übergeben worden war. Der Obmann richtete an Se. Exzellenz eine schöne Ansprache, worauf dieser in sehr freundlichen Worten erwiderte und versprach, den Inhalt der Petition genau zu prüfen und den vorgebrachten Bitten und Wünschen nach Tunlichkeit zu entsprechen. Hierauf begab sich die Deputation zu dem neu ernannten Präsidenten des k. k. niederösterreichischen Landesschulrates Herrn von Marenzeller, um bei demselben in gleichem Sinne vorzusprechen. Der Herr Präsident empfing die Deputation in der freundlichsten Weise, richtete eine Reihe von Fragen an die erschienenen Herren, ließ sich über manche Verhältnisse des Religionsunterrichtes genau Bericht erstatten und versprach, in seinem Wirkungskreise die angestrebten Ziele und Zwecke gerne zu fördern. Montag den 27. November begab sich wieder eine Deputation, bestehend aus dem Obmann-Stellvertreter Professor Dr. Weiß — der Obmann fühlte sich unpäßlich — und dem Schriftführer Professor Dr. H. Pollak zu dem gewesenen Minister für Kultus und Unterricht R. v. Härtel, um demselben anläßlich seines Scheidens aus dem Amte den vollsten Dank des Verbandes zu überbringen und einen heiteren Lebensabend zu wünschen, wobei Professor Dr. Weiß herzliche Worte sprach. Exzellenz v. Härtel erwiderte, daß ihn diese Kundgebung sehr freue, sprach fich bei diesem Anlasse über das Wirken der israelitischen Religionslehrer in höchst anerkennenden Worten aus und bet, seinen Dank und Gruß den anderen Herren zu übermitteln. Die Sonnenthal Vorlesung. Es war eine Art Vorfeier der Wiederkehr seines Geburtstages (13. Dezember 1799), mehr aber noch ein solenner Akt der Pietät und des Gedenkens an unsere unvergeßliche Kaiserin Elisabeth, den die „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" durch den Mund ihres allverehrten Vizepräsidenten Adolf Ritter v. S o n n e n t h a l, am 30. d. M. beging, indem der Meister einige Werke des Lieblingsdichters der erhabenen Monarchin zur Vorlesung brachte, und wahrlich, Heinrich Heine, dem dieser so glänzenden Verlauf gehabte Abend geweiht war, konnte wohl auf dem ganzen Erdenrunde keinen vornehmeren Interpreten finden, als es ja Herr v. Sonne nt hal ist. Den Beginn machte die so finnige Dichtung „Jehuda ben Halevy"; wir sahen vor unserem geistigen Auge die Gestalt dieses großen Gelehrten, jeder Zug, jede einzelne Phase auf dessen Lebenspfaden wurde uns vergegenwärtigt, und wenn nach Beendigung dieses herrlichen Werkes Herr v. Sonnenthal mit nicht endenwollendem Beifall ausgezeichnet wurde, so ist diese Ehrung eine selbstverständliche. Die traurige Lage Belsazars wurde gleichfalls in erhebender Weise vorgeführt, aber namentlich war es die „Prinzeß S a b b a t h", ein Werk, das uns so echt und unverfälscht die derzeit leider vollkommen aufgegebene Sabbatruhe vorführt, die wir aber bei dem Vortrage geradezu verspürten und die jedenfalls in Folge der Schilderung des Ruhetages ebensowohl auf Gemütsstimmung, mehr aber noch auf die Lachmuskeln von größtmöglichster Wirkung war. In „D o n n a Clara", dem spanischen, so antisemitisch angehauchten Mädchen, begab sich Meister Sonnenthal auf pyrenäischen Boden; man kennt ja das Werk, und wie erblickten wir geradezu vor uns die Spanierin verdutzt dastehen, als sich ihr Ritter als — Judenstämmliug und Sohn des Rabbi entpuppt! Die heitere Fabel „Pferd und Esel" sollte den Schluß bilden, allein Herr v. Sonnenthal, der dem Auditorium programmgemäß nur kurze Zeit zur Verfügung stehen sollte, wollte demselben einen längeren, aber — und wir glauben als Dolmetsch s ä m tl i ch e r Anwesenden sprechen zu dürfen — niemals zu langen Genuß bereiten, gab noch die „Grenadiere" und ..Hallelujah" unter besonderer Zustimmung der Hörer zu: in dem ersterwähnten Gedichte sahen wir die Soldaten, sowie den gefallenen Kaiser vor uns, wir hören die Klagen, aber auch die Freude, den Monarchen über das Grab der beiden treuen Diener reiten zu lassen und in „Hallelujah" vernahmen wir die Stimmen der Lobpreiser des Allmächtigen in ernsten, zum Himmel dringenden Akkorden! Herr v. S o n n e n t h a l, die veranstaltende Gesellschaft, der Genius des großen Dichters, 'die zahlreichen, der Elite angehörenden Anwesenden — alle Beteiligten werden mit vollster Freude auf den herrlichen Abend zurückblicken können, der den größten aller Meister uns so nahe brachte. Unter dem Auditorium, das Herrn v. Sonnenthal bejubelte, seien genannt: Baron Albert v. Rothschild mit Sohn Oskar, Gustav Freih rr v. Springer Präsident Theodor Ritter v. T a u s s i g mit Gemalin, der Vizepräsident der Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Hofräte Professor Dr. Adam Politzer und Sigmund T a u s s i g, Baurat Wilhelm S t i a ß n y mit Gemalin, die Maler Profeffor Leopold H o r o w i tz und Isidor Kaufmann, dieUniverfitätsprofessoren Dr. S. Ehrmann und Dr. Leopold K ö n i g st e i n, Landesgerichtsrat Dr. M. S p i tz k o p f, Handelskammerrat S. Steinhüb l, Religionsschulinspektor Professor Dr. M. K a n i tz, die kaiserlichen Räte Dr. Theodor Lieben und Leopold Sachs, Gemeinderat C. M. Mayer, die Oberkantoren Josef Singer und Bela G u t t m a n n, die Rabbiner Dr. David, Dr. Feuchtwan g, Dc. Grunwald und Dr. Rosenmann, die Präsidenten