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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-08 · 49 (8.12.1905) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 778 Dr. Dlocb's MlocvenscbrtN. Nr. 49 besorgt vielfach, daß sie von der Masse der anderen Völkerschaften erdrückt werden und ohne Vertretung bleiben könnte-. Wir sind unbedingt und uneingeschränkt Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes und wollen für dasselbe ehrlich mitkämpfen. Ich muß daher sagen: Wie Sie Pflichten haben gegenüber Ihrem Volke, so habe auch ich Pflichten gegenüber meinem Volke, und ich würde mir selbst verächtlich erscheinen, wenn ich nicht den Mut hätte, meiner Ueberzeugung dahin Ausdruck zu geben, daß jeder pflichtgemäß hier im Hause berufen ist, die Interessen seines Volkes, seiner Nation mannhaft zu vertreten, insbesondere dann, wenn dieses Volk bei jeder Gelegenheit mit allen Mitteln, lauteren oder unlauteren, unverdient beschimpft und zurückgesetzt, malträtiert und verfolgt wird. Dann dürfen Sie es den Juden in Ländern, wo sie in großen Massen nebeneinander wohnen, sicherlich nicht verargen, wenn die Bedenken eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung, welche in Angst und Sorge darum ist, daß sie möglicherweise bei Ausgestaltung des Wahlrechtes, bei Schaffung eines wahrhaften Volkshauses unvertreten bleiben könnte, hier vorgebracht werden. Und um dieser Besorgnis von vornherein die Spitze abzubrechen, habe ich die Aufmerksamkeit der Regierung auf die geschilderten Verhältnisse gelenkt. Im übrigen, ich weiß wohl, wir Juden sind ein ohnmächtiger, schwacher und unbedeutender Faktor, allein, wenn schon Recht geschaffen wird, so möge Recht nach allen Seiten hin geschaffen werden — denn aus dem Tore der Kaiserburg prangt die Inschrift: „Justitia regnorum fundamentum.“ (Lebhafter Beifall.) Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 3. Dezember 1905 unter dem Vorsitze des I. Vize- Präsidenten Herrn Dr. Gustav Kohu. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. Zu Beginn der Sitzung berichtet der Vorsitzende, daß das Befinden des erkrankten Präsidenten Dr. Stern sich wohl gebeffert habe, jedoch noch nicht derartig ist, daß es dem Präsidenten gegenwärtig die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit gestatten würde. Im Einlaufe befinden sich Dankschreiben der Herren Dr. Alfred Stern, Professor Dr. E h r m a n n und der Frau Elise G e r s o n für die bekundete Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich von Trauerfällen in ihren Familien. Im Sinne der durch den Vorstand der Chewra-Kadischa vorgenommenen Wahl wird an Stelle des verstorbenen Herrn Tr. Isidor Schnabl Herr kais. Rat Leopold Sachs zum Vorstandsmitgliedc der Chewra-Kadischa einhellig ernannt. Zum Mitgliede der Bezirkskommission für den I. Bezirk wird Herr Eduard Schwarz berufen. Es gelangt die Zuschrift vom 17. Juli d. I. zur Kenntnis, wonach Herr Baron Albert von Rothschild als Universalerbe nach seinem verstorbenen Bruder Herrn Baron Nathaniel von Rothschild aus dem von Letzterem für wohltätige und gemeinnützige Anstalten testierten Betrage von zwei Millionen Kronen folgende Beträge der Kultusgemeinde zugewiesen hat: 250.000 Kronen zu Gunsten eines Fonds für arme Rekonvaleszente des Spitales der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß die Zinsen dieses Fonds unter separater Verrechnung als „Nathaniel Freiherr von Rothschild'scher Nekonvaleszentenfonds" nach Ermessen der Spitalsdirektion im Sinne des von der Spitalsdirektion entworfenen und von Herrn Baron Albert von Rothschild genehmigten Regulativs Verwendung zu finden haben; 100.000 Kronen für das von der israelitischen Kultusgemeinde zu errichtende Kaiserin Elisabeth-Institut für israelit'^cke Pflegerinnen in der Erwartung, daß durch diese Zuwendung das genannte Institut im Anschlüsse an das Spital der israelitischen Kultusgemeinde nunmehr einer baldigen Aktivierung entgegengehe; 12.000 Kronen zu Gunsten der Altersversorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde in Wien zum Zwecke der Kreierung eines „Nathaniel Freiherr von Rothschild'schen Stiftbettes" an dieser Anstalt. Die Zuwendungen werden mit dem wärmsten Danke zur Kenntnis genommen. Frau Ernestine T h o r s ch hat von jenem Betrage, der anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Philipp Thorsch, für Wien bestimmt wurde, die Summe von 551.000 Kronen der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu verschiedenen Zwecken übergeben. Für diese hochherzige Zuwendung wird der Frau Ernestine Thorsch der wärmste Dank votiert. Die Mitteilung des Vorsitzenden, daß der in der Plenarsitzung vom 5. November 1905 beschlossene Ankauf des neben dem Gemeindehause befindlichen Gebäudes I., Seitenstettengasse Nr. 2 perfekt geworden sei, wird zur Kenntnis genommen. Die Note der Statthalterei, womit der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu einer in der n.w. Statthalterei stattfindenden unverbindlichen Besprechung mit dem Borstande der Floridsdorfer Kultusgemeinde in Angelegenheit der eventuellen Einverleibung der Kultusgemeinde Floridsdorf zur Kultusgemeinde Wien eingeladen wird, wird zur Kenntnis genommen und werden die Herren I. Vize-Präsident Dr. Gustav K o h n, II. Vize-Präsident kais. Rat Moriz Hirsch und Herr Vertreter Wilhelm K u f f n e r zu dieser Besprechung delegiert. Im Sinne des Antrages der Unterrichtskommission wird beschlossen, an das Unterrichtsministerium das Ansuchen zu stellen, für die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes an Mittelschulen im Erkrankungsfalle eines Religionslehrers durch Bestellung von Supplenten Sorge zu tragen. In das Kuratorium der Freiherrlich von Rothschild'schen Künstler-Stiftung werden die Herren Moriz Edler von Kusfner und Baurat Max Fleischer/ in das Kuratorium der Adolf und Therese Ster n'schen Ausstattungsstiftung Herr kais. Rat Moriz Hirsch wiedergewählt. Für die von dem Gelehrten Salomon B u b e r in Lemberg proponierte Raschi-Stiftung, deren jährliche Erträgnisse zur Förderung eines literarischen Zweckes verwendet werden sollen, wird ein Beitrag bewilligt. Nach Erledigung von Personalien und Bewilligung von Subventionen an humanitäre Vereine wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Samstag den 25. v. M. fand die diesjährige Generalversammlung des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis statt. Der Vorsitzende Herr Dr. Alois Klemperer begrüßt die erschienenen Mitglieder und Gäste, namentlich Herrn Hofrat Sigmund T a u s s i g als Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, die Vertreter folgender Vereinigungen: „B'nai- Brith", „Frauenhort", „Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender", „Verein zur Hebung der Gewerbe", die Herren Rabbiner Dr. E. David, Dr. D. Feuchtwang und Dr. A. K a m i n k a, Herrn Emil Horner als Vertreter des Bankhauses S. M. von R o t h^ s ch i l d und die Vertreter der Presse. Die Herren Oberrabbincr Dr. M. Güdemann, Rabbiner Dr. Max Grün Wald und David Ritter von G u t m a n n hatten ihr Fernbleiben entschuldigt. Dann erstattete der Obmann des Exekutiv-Komitees Herr Dr. Bela T a u s s i g den Jahresbericht. Man erfuhr aus demselben, daß der Verein im abgelaufenen Berichtsjahre neuerlich und zwar bedeutende Fortschritte machte. Es wurde eine Vermittlungsziffer von 3013 gegenüber 2524 im vorhergehenden Berichtsjahre, also eine Steigerung von fast 20 Perzent erzielt. Im Ganzen sind seit Gründung des Vereines — vor sechs Jahren — 13.244 Vermittlungen durchgeführt worden. Wie groß der Betrieb und die Arbeitsleistung des Bureaus ist, geht

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