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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 768 Dr. Llocv's MocvenscvrM. Nr. 48 Berlin. In die Kommission zur Beratung der Petition zwecks Einführung einer Orgel in die Synagoge Nykestraße sind entsandt worden: die Repr. Hirsch, Veit Simon, Friedländer, Sieskind, Dr. Cohn, Löwenthal. vermischtes. Hilfsaktion der „Israelitischen Allianz zu Wien". Das Ergebnis der zugunsten der Opfer der Judenverfolgungen in Rußland veranstalteten Sammlung beträgt bis 28. November 1905 rund 500.000 Kronen. Hievon sind ca. K 400.000 in Wien selbst gesammelt worden. Von den Filialen der „Israelitischen Allianz" und auswärtigen Kultusgemeinden waren bis zum 28. d. folgende in obiger Gesamtsumme enthaltene Sammlungsergebnisse eingegangen: Prag und einige Provinzstädte Böhmens rund K 35.000, Brünn ca. K 17.000, Bielitz K 2200, Gablonz K 2000, Olmütz K 1873, Ungarisch-Brod X 1000, Nikolsburg K 1100, Schüttenhofen K 500, Karolinental K 357, Ujvidek K 220, Tobitschau K 170, Napagedl K 232, Deutsch-Brod K 365, Saybusch K 366 50, Marienbad K 330, Proßnitz K 1000, Brüx K 300, Krakau K 680, Holleschau K 1028, Zwittau K 328, Leipnik K 600, Djakovar K 301*30, Sarajevo K 311, Slatina K 358*93, Cerbanitz K 36, Stanislau K 72. Das Bureau der „I. A." stellt den Herren Rabbinern und Kultusvorstehern oder Vereinsobmännern zum Zwecke der Sammlung Aufrufe, Sammelbogen, Erlagscheine der Postsparkasse bereitwillig zur Verfügung. Wien. Verehrter Herr Redakteur! Während am letzten Sonntag die Juden, leider nur die Juden, eine Protestversammlung abhielten, tagte in Wien auch der Katholikentag. Dort sprach Prinz Liechtenstein und pries die Frauen als die besten, begeistertsten Hilfskräfte der christlichsozialen Bewegung; das bewies auch die Demonstration christlicher Frauen. Frau Therese Ruzicka, die den Vorsitz führte, forderte die Frauen zur Betätigung des praktischen Christentums auf. — Es ist begreiflich. — Weihnachten naht heran und das Wort: „Kaufet nur bei Christen" wird zum Feldgeschrei erhoben. Wo bleiben unsere Frauen und was geschieht bei uns? Daß unsere oberen Zehntausend Weihnachten freudig und festlich begehen, ihre Angehörigen und Bediensteten reichlich beschenken, können wir nicht mehr aus der Welt schaffen; allein nach bewährten Mustern sollten wir um praktische Betätigung des Judentums bitten. Müssen-die von unseren Glaubensgenossen zu Weihnachten ausgegebenen großen Summen, um nur einige Firmen zu nennen, in die Taschen der ohnehin glänzend dastehenden Firmen Förster, Würzl, Hartung, Zacharias, Theyer und Hardtmuth, Lechner und Katzmayer und wie sie sonst alle heißen mögen, fließen? Hatte auch nur eine dieser als liberal bekannten Firmen so viel Derech Eretz aufgebracht, um für die unglückseligen Juden 10 Kronen zu spenden? Wir wagen es ja gar nicht, zu bitten, „Kaufet nur bei Juden", aber die teilweise praktische Betätigung des Judentums dürfen wir fordern, die lautet: „Kaufet auch bei Juden!" Um im vorhinein einem etwaigen Einwurf zu begegnen, erwähne ich, daß es in Wien unzählige große und kleine jüdische Firmen gibt, die sich durch besondere Solidität und Leistungsfähigkeit in all' den angeführten Geschäftszweigen auszeichnen. Man wirft uns Solidarität vor. O, möchten wir endlich diesen Vorwurf rechtfertigen! L. Spende für die Opfer der russischen Jndenversolgung. Sammlung vom Personal der Firma Ludwig Zwieback & Bruder, I., Kärntner st raße 11, für eine verbetene Kranzspende, für die verarmten russischen Juden Kronen 30.—. Wien. Donnerstag den 7. Dezember 1905, präzise halb 8 Uhr Abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag aus jüdischer Geschichte statt. Sprechen wird Herr Dr. M. Grunw a l d über: „Ein jüdischer Ministerpräsident der Königin Christine von Schweden" (Nach neuen archivalischen Materialien). Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei ohne Karten. Wien. (Gemeindetempel Fünfhaus, Turne r g a s s e 22.) Samstag den 2. Dezember d. I., findet anläßlich des Thronbesteigungstages Seiner Majestät des Kaisers wie alljährlich ein Festgottesdienst mit Predigt statt. Die nächste Freitagabendpredigt ist auf Freitag den 15. Dezember d. I. festgesetzt. Wien, XV. Bei der am 22. November a. c. unter dem Vorsitze des Präses Herrn H. Neufeld stattgehabten Ausschußsitzung der „Chewra-Kadischa" Fünfhaus wurden für die russischen Juden K 200. - , für die Bekleidung armer Schulkinder des XII.—XV. Bezirkes K 200.—, an 2 Witwen K 220.— bewilligt. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Montag den 20. November fand eine zahlreich besuchte Plenar- Versammlung des Vereines unter Vorsitz seines Präsidenten B r o d statt Als ersten Punkt der Tagesordnung besprach der Vorsitzende zu wiederholtenmale die Gewerbe-Novelle und deren schädliche Folgen auf die Entwicklung des Handels und der Gewerbe. Besonders der erstere würde durch die Ausdehnung des Befähigungsnachweises geradezu lahmgelegt werden, denn Handel und Industrie sind nur dann von reichlichem Segen begleitet, wenn dieselben sich frei und unbeengt entwickeln können. Unser Verein hat schon im vorigen Jahre im Komitee des niederösterreichischen Gewerbe-Vereines durch seine Delegierten an den Aenderungen der Novelle mitberaten. Er wird auch im Anschlüsse an diesen einflußreichen Verein rechtzeitig mit einer Resolution, die gegen den Geist der ganzen Novelle ernste Stellung nimmt, an die Regierung unter Einflußnahme geeigneter Volksvertreter herantreten. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung über die Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft (vormals Kredit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte), hielt Herr Alfred Weißberger, Aufsichtsrat dieses Institutes, einen ebenso lehrreichen, als hochinteressanten Vortrag. An der Hand von Daten überzeugte er die Versammlung von der Ersprießlichkeit und den Leistungen dieses Kredit-Vereines für die Gewerbetreibenden und wünscht die Unterstützung derselben. Der Vorsitzende dankt für die ausgezeichneten und grünt lichen Ausführungen und eröffnet hierauf eine Diskussion, an welcher sich die Herren F r i e d m a n n, Dr. Rappaport, Ingenieur Löwen dein, Rosenthal. Hupka 2c. beteiligten. Der Vorsitzende erklärt, daß ein neuer Kreditverein in Entstehung begriffen sei, und zwar soll diese Schöpfung von opferwilligen Persönlichkeiten, Finanziers :c. ausgehen. Unser Verein war der erste, der sich dieser Gründung angeschlossen. Es müsse somit gewartet werden, bevor ein offizieller Anschluß unseres Vereines an irgend einen Kreditverein erfolgt, bis der oben erwähnte, in Entstehung begriffene Verein in die Oeffentlichkeit getreten. Ein Mitglied des Vereines, Herr Pelzwarenfabrikant König, stellt den Antrag, der Präsident möge seinen Einfluß geltend machen, daß eine Fusionierung der Kreditvereine erfolge, wozu die Versammlung zustimmt und der Vorsitzende die Mission übernahm. Die hochinteressante Versammlung wurde um 2 Uhr nachts geschlossen. Einzelverein „Fünfhans" des Verbandes Zion. Mittwoch den 21. November 1905 hielt Herr Baron Ungern von Sternberg im Saale des „Hotel Fuchs" einen Vortrag über „die Juden iu Rußland", der sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Der Referent, der gegenwärtig Redakteur der „Zeit" ist jedoch in Rußland geboren wurde und die dortigen Verhältnisse genau kennt, schilderte in eingehender Weise die dortigen Zustände. Nicht das russische Volk zeugte die jüngsten Ereignisse, sondern Pobedonoszew, Plehwe und Katkow haben das Volk planvoll und systematisch zu den entsetzlichen Greueltaten erzogen. Den Ausführungen des Barons, der doch als Ehrist in höchst objektiver Weise über die Vorkommnisse urteilen konnte, folgte ein lebhafter Beifall. Das Wort ergriff Herr Vizepräses Mobr. In ergreifender, zu Herzen gehender Weise gedachte er der unglücklichen Juden Rußlands. Weinend und schluchzend erhob sich die Versammlung von den Plätzen, als er eine Resolution zur Abstimmung brachte, die alle Juden zum Anschluß an die Partei aufforderte. Hierauf ergriff Herr Sekretär Fleischer das Wort. In schwungvollen Worten legte er sein nunmehriges, auf die letzten russischen Ereignisse gestütztes Bekenntnis ab. Er ist Nationaljude, gegenwärtig aber als zu großer Praktiker noch nicht auf unserem radikalen Standpunkt, weil ihm die Weltgeschichte ein so schwieriges Problem, wie es die Lösung der Judenfrage ist, noch nicht gezeigt hat. Herr Dr. Kahn erwiderte Herrn Sekretär F l e i s ch e r in bekannter kraftvoller Weise und spricht den Wunsch aus, daß jeder Jude

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