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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Dlocb's TKHocbenscbrtft, Seite 767 Abgeordneter Ljudevit Schwarz verspricht, im Landtage bei der Budgetverhandlung auf diese Zustände die Aufmerksamkeit der Regierung zu lenken. Oberrabbiner Dr. H. Jacobi wünscht die Schaffung eines Gemeindebundes, welcher Inspektoren für den Religionsunterricht bestellen wird. (Allgemeine Zustimmung.) Dr. Hugo Spitzer erklärt, daß bereits in kurzer Zeit die Einladungen zur Gründung eines jüdischen Gemeindebundes Kroatiens ergehen werden, der auch Wanderlehrer für den Religionsunterricht in den Dörfern anstellen wird. (Beifall.) Damit werde auch die Religionsunterrichtsfrage gelöst werden. Auf das Gesetz über die israelitischen Gemeinden übergehend, bemerkt Dr. Spitzer noch, daß die Anmeldungen der neuen Rabbiner direkt an die Regierung erfolgen möge, während die anderen Meldungen, sowie die Aufsicht über das Matrikel- und Gemeindewesen den Komitatsbehörden zugewiesen werden soll. Alle vorgeschlagenen Aenderungen wurden von der Versammlung einstimmig angenommen. Vorsteher S i e b e n s ch e i n wünscht, es möge im Gesetze ausgesprochen werden, daß, wenn sich 40 selbständige Juden eines besonderen Ritus in einer Kultusgemeinde befinden, für diese ein besonderes Bethaus zu errichten sei. Abgeordneter Dr. Schwarz ist dagegen, daß diese Bestimmung ausgenommen werde. Nach dem Gesetzentwurf sei auf jeden bestehenden zweiten Ritus Rücksicht zu nehmen. Dagegen verpflichtet sich die Zagreber Gemeinde, ein besonders orthodoxes Bethaus und die religiösen Institutionen für die Orthodoxen zu errichten. Schließlich wird ein aus den Herren S i c b e n s ch e i n, Spitzer, P l a ch t e, Dr. G o l d m a n n und Dr. Ljudevit Schwarz bestehendes Komitee zum Ausarbeiten der Resolution gewählt. Die Versammlung spricht noch einstimmig auf Antrag Mavro B r e y e r s den Wunsch aus, daß in allen Gesetzen nur die Bezeichnung Lidov und ^idovski (Jude und jüdisch) nicht aber izraelitski, mojsijevac usw. gebraucht wurden, doch der Beschluß hierüber wird dem geplanten Gemeindebunde überlassen. Oberrabbiner Jacobi stellt den Antrag, wegen der Verfolgung der russischen Juden, die zu Tausenden hingeschlachtet worden sind, die Entrüstung auszusprechen, und für die Verunglückten seitens aller jüdischen Gemeinden des Landes eine Sammlung einzuleiten. Der Antrag wird einstimmig angenommen, ebenso der Beschluß, in allen Tempeln Trauerandachten zu veranstalten. Die Versammlung wurde hierauf, nachdem sie mit einer Mittagspause 7 Stunden gedauert hatte, um 6 Uhr alends geschlossen. Die Zagreber israelitisch-orthodoxe Kultusgemeinde war an dem Gemeindetag nicht beteiligt, begrüßt aber die Gesetzvorlage mit Befriedigung, indem der Autonomie ihrer Kultusgemeinde auch ferner Gewähr geleistet wird. Sie lehnt jedoch den Vorschlag, für die Orthodoxen ein Bethaus zu errichten, ab, da die Orthodoxen sich der israelitischen Zagreber Reformgemeinde nicht anschließen und für ihre Institutionen selbst aufkommen können. 40jähriges Lehrerinnen-Jrrbiläum. In Agram fand am 21. November in den Räumen der israelitischen konfessionellen Schule eine seltene erhebende Feier statt. Die an dieser Anstalt seit 40 Jahren in verdienstvollster Weise wirkende Lehrerin für Handarbeiten, Frau Victoria Kürschner, feierte in voller körperlicher und geistiger Frische ihr 40jähriges Dienstjabiläum. Zu dieser Feier hatten sich eingefunden : der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, der Agramer israelitische Frauenverein, ein zahlreiches Damenpubliknm, der Lehrkörper und die gesamte Schuljugend. In Vertretung der Stadtgemeinde war Schulinspektor Tomo Mariceio zur Feier erschienen. Der Turnsaal, in welchem sich diese s^eier abspielte, war mit Guirlanden und nationalen Trikoloren geschmückt; derselbe erwies sich indeß viel zu klein für derlei Festlichkeiten, da ein großer Teil der Gäste in demselben keinen Platz fand. Die Jubilarin wurde von einer Damendeputation in den Saal geleitet, wo sie von den Versammelten mit stürmischen Zivio-Rufen empfangen wurde. Hierauf wurde vom Tempelchor die Jubelhymne angestimmt und nach Absingung derselben richtete Knltusvorsteher Herr Josef Siebenschein eine schöne Ansprache an die Jubilarin, in welcher ihr im Namen der israelitischen Kultusgemeinde gratulierte und ihr mitteilte, daß ihr die Gemeindedeputation in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete des Lehrfaches erworbenen Verdienste von Neujahr ab eine Funktionszulage von jährlich 200 Kronen einstimmig votierte. Gleichzeitig überreichte ihr der Vorsteher die von Sr. Majestät dem König anläßlich des allerhöchsten 50jährigen Negierungsjubiläums für vieljährige treue Dienstleistung gestiftete Ehrenmedaille, welche ihr über Vorschlag des Vorstehers seitens Sr. Excellenz des Banus Grafen Pejacsevich mittelst Dekret vom 10. November d. I. verliehen wurde. — Im Namen der Stadtgemeinde wurde die Jubilarin vom Schulinspektor Mariceio herzlichst begrüßt, welcher seine Freude über die dem ganzen Lehrstande zur Ehre gereichende schöne Feier in begeisterten Ausdruck verlieh. Nun trat Oberrabbiner Dr. tz. Jakobi auf das Podium und hielt eine schwungvolle, der Feier angemessene Ansprache, in welcher er als Rabbiner und Direktor der Schule die Tätigkeit der gefeierten Frau keunzeichnete und zum Schlüsse seiner Rede, welche auf alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck ausübte, den Segen über sie sprach. Hierauf folgte noch eine Reihe von Gratulationen nebst Ueberreichung wertvoller Geschenke, darunter solche vom Lehrkörper und den gewesenen Schülerinnen der Jubilarin. Auch die kleinen Schülerinnen stellten sich mit zahlreichen Blumenbouquets ein, in deren Namen die Schülerin Joka Stöger in herzgewinnender Weise gratulierte. Tie Jubilarin war von den ihr dargebrachten Ovationen tief gerührt und dankte allen Anwesenden für die ihr zu Ehren veranstaltete und in solch glänzender Weise gelungene Feier. Der Chor intonierte die Volkshymne, womit diese seltene und schöne Feier ihren Abschluß fand. Berlin. Dem bisherigen Senior der Berliner Stadtverordnetenversammlung, Sanitätsrat Dr. Neumann, wurde am Montag durch eine Abordnung unter Führung des Stadiverordnetenvorstehers Dr. Langerhans, der Stadtverordneten Gericke und Justizrat Cassel ans Anlaß seines Scheidens ans der Versammlung eine Adresse der Stadtverordneten von Berlin überreicht, worin es u. a. heißt: „Ein halbes Jahrhundert fast sind Sie Mitglied der Stadtverordnetenversammlung zu Berlin und haben in dieser langen Zeit dauernd ihren Fleiß und Ihre reichen geistigen Gaben, Ihre große Erfahrung mit voller Hingebung den Aufgaben der Gemeindevertretung der Stadt Berlin gewidmet. Diese Aufgaben haben sich in den letzten Dezennien durch das enorme Wachstum der Stadt, das Erblühen von Industrie und Handel außerordentlich gesteigert. Sie, als anerkannter Statistiker, haben uns allezeit mit wohl überlegtem Rate zur Seite gestanden." In der Adresse kommt dann zum Ausdruck, daß der Jubilar, der sein 86. Lebensjahr vollendet hat, stets als erster Streiter für das Recht der Selbstverwalmng eingetreten ist, und daß alle Kollegen mit Bedauern Kenntnis von dem durch Alter und Krankheit verursachten Scheiden genommen haben. Zum Schluß wird noch gesagt, daß auch fernerhin sein Rat willkommen sei und die Versammlung ihn mit Stolz stets zu den Ihrigen zählen wird. Dr. Neumann dankte den Erschienenen bewegt für die außergewöhnliche Aufmerksamkeit. -- Am Samstag, den 18. d., wurde Herrn Sanitätsrat Dr. S. Neumann in seiner Wohnung, Kurfürstenstraße 126, eine Ehrengabe seiner Wähler überreicht. Sie besteht aus einer kostbaren, in der Königlichen Porzellanmanufaktur hergestellten Vase mit prächtigem Sockel. Die eine Seite der künstlerisch ausgeführten, reich vergoldeten Porzellauvase zeigt auf blauem Grunde in hellen Tönen das Bild des Berliner Rathauses, umgeben von einem vergoldeten Lorbeerkranz, darüber die städtische Mauerkrone. Auf der anderen Seite trägt sie in kunstvollen goldenen Buchstaben folgende Inschrift: „Herrn Stadtverordneten Dr. Neumann in dankbarer Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um das Wohl der Stadt Berlin. Die Wähler der ersten Abteilung 6. Gemeindebezirks 1859/1005." Eine Abordnung, bestehend aus den Herren Generalkonsul Landau, Rentner M Manheimer und Stadtverordneter H. Plischke, überbrachte die Ehrengabe. Stadtverordneter Plischke, der an den scheidenden Kollegen die Ansprache richtete, hob hervor, daß die Abordnung von den Wählern des Wahlbezirkes, den Sanitätsrat Dr. Neumann zuletzt in seiner siebenundvierzigjährigen Tätigkeit als Stadtverordneter vertreten habe, entsandt worden sei. Sie wolle den Dank für die seltene Hingebung aussprechen, mit dem er sein Mandat ausgeübt habe. Er erinnert daran, wie Neumann an der Seite Virchows Berlin durch Einführung der Kanalisation zu einer der gesundesten Städte gemacht habe. Er hob ferner hervor, daß Dr. Neumann die Aufnahme der Statistik nicht nur über die Bevölkerung, sondern auch über alle Berufsarten der Bevölkerung der Stadt Berlin ins Leben gerufen hat. Wenn er nun auch aus dem Sladtverordnetenkollegium geschieden sei, so werde er doch — das wissen die Abordnung und die, in deren Namen sie gekommen sei, genau — das rege Interesse, das er immer gezeigt, auch in der Folgezeit für das Gedeihen der Stadt Berlin bewahren. Als Zeichen ganz besonderer Anerkennung und Verehrung seiner Wähler möge er diese Vase annehmen. Sanitätsrat Neumann dankte in bewegten Worten für die ihm erwiesene Ehrung; er versicherte, daß er bis zu seinem Lebensende, soweit es seine Kräfte vermögen, für das Gedeihen der Stadt Berlin wirken werde. Sanitätsrat Dr. Neumann hat seine große, zirka 1000 Bände umfassende Bibliothek der jüdischen Gemeinde als Geschenk überwiesen. Dieselbe enthält eine große Zahl Hebraica und Judaica. Berlin. Probepredigten hielten an den letzten beiden Sonnabenden Rabbiner Dr. Berger-Krotoschin und Rabbiner Dr. Hannes-Konstanz. Zu weiteren Probepredigten sind berufen Rabbiner Dr. Kaelter-Potsdam und Rabbiner Dr. Beermann- Jnsterburg.

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