Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 48 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 764 Dr. Dlocd's Mlocbenscbrm. Nr. 48 Dr. Hennsch, Kommerzienrat Hesse, Vorsteher des Kollegiums der Gemeinde-Bevollmächtigten, Justizrat Höhl, Bürgermeister F. v. Jäger, Oberregierungsrat Louis, Kommerzienrat Mister, Stadtkaplan Panzer, Rechtsanwalt Graf v. Pestalozza, Kommerzienrat Petri, Magistratsrat Plant, Schulinspektor Rudolf, Oberpostdirektor S ch l e tzlei n, Oberbürgermeister Geh. Hofrat Dr. v. Schuh, Hofrat Dr. S t i ch, Redakteur Dr. T an ne r t u. v. A. Kopenhagen. Aus Anlaß der in Rußland gegen die Juden verübten Greueltaten hat sich auch hier ein Hilfskomitee gebildet, das aus hervorragenden Persönlichkeiten besteht. Neben den Namen vieler bekannter Juden findet man diejenigen des Primas der dänischen Staatskirche und des Kopen- Hagener Oberpräsidenten. Viele Tausende Kronen gingen bereits am ersten Tage als Spenden ein. Brün» im November. Hier fand schon Freitag den 17. d. M. eine Trauerfeier für die Opfer der russischen Greuel statt, bei der Rabbiner Dr. Levy vor dem Sabbathgottesdienstes eine ergreifende Rede über die furchtbaren Schicksale unserer Glaubensbrüder in Rußland hielt, zu ergiebiger Hilfeleistung die Andächtigen aufforderte und mit einem heißen Gebete für die Seelen der Gefallenen, wie für die Rettung der Ueberlebenden dieselbe schloß. Im orthodoxen Bethause der Neutorgasse wird Sonntag, 3. Dezember, 4 Uhr nachmittags, ein Trauer- und Buß-Gottesdienst abgehalten werden. Die vom Kultusvorstande eingeleitete Sammlung ergab den Betrag von 20.000 Kronen, einschließlich 1500 Kronen, die der Vorstand aus Mitteln der Chewra-Kadischa bewilligte. Möge das Mitgefühl und der Opfersinn unserer Glaubensgenossen nicht erlahmen, milde Gaben noch längere Zeit dem edlen Zwecke zuzuwenden. Purgftall. Sonntag den 26. November, 3 Uhr nachmittags fand im israelitischen Bethause zu Purgstall ein Trauergottesdienst zum Gedenken der ermordeten russischen Glaubensgenoffen statt, zu welchem Mitglieder aus verschiedenen zur Kultusgemeinde Amstetten gehörigen Ortschaften, wie auch einige Damen erschienen waren, so daß das Bethaus mit Andächtigen dicht gefüllt war. Nachdem das Mincha-Gebet und der Psalm 49 von dem Religionslehrer Herrn S. Fried vorgetragen wurde, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner D. Rudolfer aus Amstetten eine ergreifende Trauerrede, welche mit inniger Rührung von den Andächtigen angehört wurde. Nach Schluß des Gottesdienstes wurde vom Vorstande Herrn Dr. B. Kohn und ersten Beirat Herrn Emanuel Schulz eine Sammlung für die Hinterbliebenen der ermordeten Glaubensbrüder eingeleitet. . Englisches und russisches Christentum. Vor seiner Sonntag Nachmittags-Predigt in der St. Pauls- Kirche verlas der Erzbischof von London das Gebet, welches alle in geistiger oder leiblicher Not Lebenden dem Schutze Gottes anbefiehlt, und fügte hinzu: „besonders die Bedrängten in Rußland". Im Verlaufe seiner Predigt sagte der Kirchenfürst: Die völlig grundlose Hinmetzelung der Tausende wehrloser Juden haben das Herz eines jeden aufrichtigen Christen mit Schrecken und Abscheu erfüllt. Wenn seine Gemeinde sich über Cbarakter und Sinnesart der Juden unterrichten wolle, so brauche sie nur Whitechapel Higstreet und Birklaue entlang zu gehen oder eine jüdische Schule aufzusuchen. Zumeist seien es gute Menschen, die sich ihren Kinvern widmen, fleißig, intelligent, von einfachen Sitten, das Gesetz beobachten, von unendlicher Dankbarkeit für den Schutz und die Freiheit erfüllt, die England ihnen bietet. Nur wenige Jahre seien verflossen, seitdem diese Leute ebendaher kamen, wo jetzt ihre Glaubensbrüder hingemordet liegen. Ueber die verschiedensten Länder verstreut, seien die Juden ihrem Gotte treu und dem Lande, das sie ausgenommen, aufrichtig ergeben. Ueberall, wo man ihnen das Wohnrecht gewährt, haben sie zu dem Wohlstand der Völker beigetragen. Die Feinde der Juden haben immer den Unwillen des Ewigen erregt. Aus vollem Herzen stimmen die Mttglieder der englischen Landeskirche mit dem weisen, ehrerbietigen Appell des Erzbischofs von Canterburh an die russische Kirche überein. Wenn die Bischöfe uud Priester der großen griechisch-orthodoxen Kirche in ihren schweren Wirren erfahren werden, daß ein Hilferuf um Schutz und Intervention aus jeder Kirchengemeinde Englands ertönt, dann werden sie sich gewiß ermutigt fühlen, ihr Aeußeistes zu tun, um diesem verhängnisvollen, schrecklichen Ausbruch eines mörderischen Fanatismus in Zukunft vorzubeugen. Auf das bereits erwähnte Schreiben des Erzbischofs von Canterbury an den Metropoliten von Petersburg ist seitens des letzteren nachstehende Antwort eingegangen: Mein hochwürdiger und geliebter Bruder im Herrn! In Ergänzung meines kurzen Aniworttelegramms, in welchem ich namens der russischen Kirche der englischen für die von christlicher Liebe eingegebenen Gebete und Sympathiekundgebungen Dank sagte, lasse ich dieses Schreiben folgen. Ihre christliche liebevolle Sympathie für unser Vaterland hat mein Herz mit tiefer Dankbarkeit für Sie erfüllt. Wir hoffen zu Gott, daß durch Seine Gnade die Staatsreformen, welche sitzt eingeleitet werden, beziehungsweise bereits begonnen haben, in unser Volksleben den Geist des Friedens und der Liebe bringen werden, und wir glauben, daß durch die Macht des heiligen Geistes und der Gebete der Kirche die christliche Bruderliebe in den Herzen unserer Landsleute gefestigt werden wird. Die'russische Kirche betrauert ihre Kinder, deren Handlungsweise den Geboten des Heilands widerstreitet, welcher Liebe und Wohlwollen für unsere Nebenmenschen vorschreiben, wer immer sie sein mögen, ob Anhänger unseres Glaubens oder die unseren Glauben nicht teckenden Juden. Jeder Haß gegen die letzteren ist stets von unserer Kirche verurteilt worden und wird wegen seiner Gesetzwidrigkeit, seiner Verletzung der Frömmigkeit und der Gebote des bürgerlichen Lebens mit unerschütterlicher Entschiedenheit von ihr verurteilt werden. Deswegen hat sie sich an alle ihre Kinder mit einem Appell gewendet, von dem sie einen glücklichen Erfolg erhofft. Die vereinigten Gebete der englischen Kirche, deren lebhaften Mitleidsausdruck ich als einen persönlichen Trost empfand werde ich nie vergessen." / Die Behauptung, daß „jeder Haß gegen die Juden von der russischen Kirche verurteilt wird", wird durch die Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart hinreichend illustriert. Wie die russischen Minister, so glauben russische Kirchenfürsten dem Ausland jede — noch so dreiste — Lüge bieten zu dürfen.. Proteste in New-Uork. In der Baptisten-Kirche an Madison Ave. und 64. Straße fand kürzlich eine öffentliche Versammlung statt, deren Zweck es war, gegen die in Rußland stattfindenden Niedermetzelungen der Israeliten zu protestieren. Rev. Madison S. Peters, der Pastor der Kirche, leitete die Versammlung und unter den Sprechern befanden sich Rev. Robert Stuor, MacArthur, Rev. Robert Camera von Boston, Rabbi Maurice H. Harris und Rabbi Joseph Silvermann. Rev. Peters begann seine Ansprache also: „Rußland, der böse Geist unter den Völkern der Erde, der Barbar unter den Nationen, ist wieder 'mal gegen die Juden auf dem Kriegsfuß. Es ist augenscheinlich ab und zu ein Bedürfnis für die Russen, die Juden zu massakrieren — nur um normal zu bleiben. Es erhebt sich keine Hand, zu nehmens-ad ml ml ml ml ml ml mll zu machen. Wenn der Zar nur ein Wort sagte, dann würde Gerechtigkeit walten. Aber nein, der Zar schweigt. Trotz der Reformversprechungen ist keine einzige Reformmaßnahme getroffen worden, und nichts ist geschehen, um die Juden zu beschützen." Rev. Peters fügte hinzu, daß die Juden sich die Feindschaft der Russen hauptsächlich dadurch zugezogen, daß sie ihren Glauben und ihre fortschrittliche Gesinnung in anderer Weise äußern. Rev. MacArthur sagte, daß nicht das Judentum auf der Anklagebank sitze, sondern das Christentum. Wenn er überzeugt sei, daß das Christentum, wie es in Rußland geübt wird, die Lehre Christi sei, dann würde er dem Christentum den Rücken wenden. Unter Christentum verstünde man die Bruderliebe. „Hier in Amerika", so fuhr der Redner fort, „sind wir stolz auf unsere Vorväter, die mit der „Mayflower" herüber kommen. Aber wenn ich einen Juden sehe, dann bin ich stolz, einem Mann zu begegnen, in dessen Adern blaues Blut fließt, dessen Geschichte auf Salomon, dem großen König, und David und Jakob und Moses zurückgeht. Wir vergessen, in wie hohem Grade wir den Juden für den Fortschritt in Wissenschaften, Literatur, Kunst und Musik verpflichtet sind. Wir vergessen, daß Jesus ein Jude war, daß der größte aller Apostel ein Jude war. Das Christentum sitzt auf der Anklagebank in diesem Lande. Es ist eine Frage, ob amerikanische Männer und Frauen müßig dabei stehen und zusehen wollen, wie ihre Mit-