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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-24 · 47 (24.11.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 762 Dr. Dlocb's 'Cdocbenscbrlft Nr. 47 ist zum Hofkommandanten ernannt worden und kraft dieser Stellung bleibt er nach wie vor die dem Zaren nächststehende Person. Die Reaktion ist noch stark genug und wird augenscheinlich nicht so leicht den Weg räumen. Witte ist beiweitem nicht so mächtig, wie es aus den allerhöchsten Erlässen zu schließen wäre. Er ist noch immer der seinem Regime parallellaufenden Reaktion, die durch ihre altbewährten Helfershelfer das Volk aufwiegelt, Judenhetzen anstiftet und somit den neuen Kurs untergräbt, gegenüber ohnmächtig! Deshalb flieht Alles, wem es nur die Mittel gestatten, nach dem Auslande. Das ohnehin arme, nunmehr seines letzten Hab und Gutes beraubte, nackte und hungrige Volk aber darbt in den feuchten Kellern und ruft mit herzzerreißender Stimme nach Hilfe. Hierzulande läßt sich nichts machen. Die letzten drei Jahre haben die mittleren Klassen zu Bettlern gemacht, und wenn nicht unsere ausländischen Brüder hilfreich beispringen, find wir verloren! Veranstalten Sie überall Demonstrationen, Protestversammlungen und dergleichen, denn vor dem Auslande haben doch unsere Bureaukraten etwas Respekt. Dort bekommt man manchmal eine Anleihe und dergleichen. Nur das Ausland kann uns retten, wenn überhaupt eine Rettung möglich ist. A. Mirsky. Im heiligen Lande. Jsr. Zangwill teilt in der „Fortnightly Review" Eindrücke über eine Reise im heiligen Lande mit. Er spricht von dem industriellen und landwirtschaftlichen Niedergange dieser einst so fruchtbaren Gebiete. „Der See von Galiläa bietet einen Anblick tiefer Verödung; die Vergangenheit lastet auf ihm wie ein schwerer Alp. In den Zeiten des Evangelismus war da alles lebendig, erfüllt von Schiffen und Boten; heute sind nur noch einige wenige Fahrzeuge da und eine tiefe Stille. Aber ich will durchaus nicht den Anschein erwecken, als ob Palästina ganz verödet und verkommen wäre. Meilenweit um Jerusalem herum ist allerdings eine steinige Einöde, die das Herz mit einer tiefen Traurigkeit erfüllt. Wer selbst in seinen verwildertsten Teilen zeigt das Land noch Spuren einer ehemaligen Fruchtbarkeit, auf den kahlen Hügeln sieht man noch die Stümpfe einstiger Oelbäume. Wo Araber oder Inden eine Kolonie einrichten, da erblüht aus der Wildnis ein reicher Segen und eine üppige Fruchtbarkeit. Eine regelrechte Bewirtschaftung des Bodens, eine Wiederaufforstung, sie würden dem Lande eine neue Bedeutung verleihen. Das Pflanzen von Eukalyptusbäumen wird das Fieber verringern. Während ich dies schreibe, kommt ein weltberühmter Tabakhändler zu mir, der mir mitteilt, daß er in Palästina eine Tabakpflanzung angelegt habe, von der er großen Nutzen erhofft, und daß eine Million armer Juden in Asien und Europa sehnsüchtig darauf wartet, auf dem heiligen Boden arbeiten zu dürfen. Ueberall an den Wegen wachsen wilde Blumen und das Land zeigt so allenthalben noch Zeichen einer verborgenen Fruchtbarkeit, die nur aufgeweckt zu werden braucht, um von neuem herrliche Früchte zu tragen." Zangwill ist tief in das heilige Land hineingezogen, hat häufig in Zelten kampiert und viel Unbill auf der Reise erlitten. „Wenn aber eine solche Reise in den Orient vorüber ist, so kann man sich nur schwer wieder mit der prosaischen Welt Europas und Amerikas aussöhnen. Der Schmutz und die Unbequemlichkeit, die Hitze und Nässe, Bettler und Aussätzige sind vergeffen; unser Auge ist nur noch erfüllt von der phantastischen Schönheit des Ostens, von weißen Zelten und einem sternbesäten Himmel, von strahlendem Sonnenlicht und glühenden Farben, von Menschen, die in wallende Gewänder, in glänzenden Schmuck und tief leuchtende Farben gehüllt sind. Schlanke, feinnervige Männer stehen in der Erinnerung vor uns, und verschleierte, graziös sich biegende Frauen. Wie im Traum denken wir an die Kuppeln und Minaretts, die mit ihrem krausen Mauerwerk in die strahlende Helle ragen, von Menschen erfüllte Basare, in denen der Kaufmann mit überschlagenen Beinen unter seinen Waren sitzt und das Geschäft sich in in trägem, stundenlangem Handeln abwickelt. Im Ohre tönen uns noch die klagenden Tonsolgen arabischer Liebesgesänge und das barbarische Gelärm orientalischer Musik, und man wird recht unsicher in dem Bewußtsein, daß das hastende tätige Leben in dem Dunst der westlichen Großstädte ein Fortschritt sei gegen die patriarchalische Ruhe, die in dem biblischen Buche der Schöpfung atmet." Cincinnati. Geehrte Redaktion! In Nr. 42 Ihrer geschätzten Zeitschrift, Seite 666, in einer aus Pohrlitz datierten Korrespondenz heißt es, daß die gegenwärtige Synagoge „auf dem Platze der ehemaligen „Schul", einem der Chronik nach 1500 Jahren alt gewesenen Bau, der zugleich Zeugnis für das Alter unserer Gemeinde ablegt", errichtet worden sei. Diese sogenannte Chronik ist apokryph und reduziert sich auf die törichte Angabe Wolny's in seiner Topographie Mährens, wonach die alte Synagoge in Pohrlitz eine Inschrift enthalten hätte, welche ihre Errichtung in den Anfang des IV. Jahrhunderts verlegte. Wirkliche Geschichtsquellen zeigen Juden in Mähren erst um das Jahr 900, wenn die Zollordnung von Raffelstetten von aus jenen Gegenden kommenden Juden spricht. Jedoch handelt es sich bei diesen wohl auch nicht um Ansässige, sondern um Sklavenhändler, die dort ihre Ware halten. Ansässige Juden scheinen schon im XI. Jahrhundert in den Ländern der böhmischen Krone vorzukommen, wofür Cosmas von Prag wohl als Zeuge gelten darf, obwohl sein blinder Judenhaß ihm auch Märchen eingegeben hat. Von sicherer historischer Bezeugung können wir erst im XII. Jahrhundert sprechen, aus welchem Dokumente vorliegen. Diese im 6oäex äixlomatieus Lloraviae enthaltenen Quellen, sowie Ottokar II. Judenordnung, 1254, und sein Erlaß über die Juden in Brünn sprechen jedoch nur von Juden in den königlichen Städten, Brünn, Znaim, Olmütz und Jglau. Vereinzelt werden im XIV. Jahrhundert Juden in Kremsier erwähnt, als einer bischöflichen Stadt, deren Schirmherr vom Könige das Recht erhielt „Juden zu genießen". Da diese Juden zumeist, wenn nicht ausschließlich Geldverleiher, oder wie man heute sagen müßte, Bankiers waren, konnten sie ja nur in Städten leben. Erst ihre Vertreibung aus den mächtig gewordenen ^Städten, Brünn, Olmütz, Znaim 1454, Jglau schon 1426, Lemberg und Hradisch im XVi. Jahrhundert, zwang sie, sich in kleine Orte unter den Schutz des Großadels zu begeben. Damals sind wohl die Gemeinden in der Nähe der großen Städte entstanden, die seit den letzten 50 Jahren nach dem unabänderlichen ökonomischen Gesetze in diese großen Städte zurückgehen. Zu diesen gehört wohl Pohrlitz, welches ebenso wie Kanitz, Eibenschitz, Raußnitz, Austerlitz usw. von den Brünner Flüchtlingen besiedelt wurde. Die alte „Schul" in Pohrlitz wird demnach wohl im XVI. Jahrhundert erbaut worden sein. Es tut mir leid, den Nimbus meiner alten Nachbarstadt zerstören zu müssen, wo ich als Knabe bei dem jetzigen greisen Rabbiner aus dem Chumesch verhört wurde und später mit dem seligen Reb Jude Brunner über den „merkwürdigen Punkt", den Rambam betreffs ->D-8 by bn ->ic"x aufstellt, disputierte und wo schon mein Vater bei Reb Löb Berlin die Jeschiba besuchte, aber — magis amica veritas, und vielleicht helfen diese Zeilen die Anregung zur Sammlung der Quellen zur Geschichte der mährischen Juden zu geben. Das Geburtsland von Leopold Löw, I. H. Weiß, M. Steinschneider, Nehemias Brüll und David Kaufmann sollte es als eine Ehrenschuld betrachten. Ergebenst Gotthard Deutsch. Cincinnati, 5. November 1905. Oscar Straus plaidirt für die Juden in Rußland. Washington. Oskar Straus von New-Z)ork, ehemals amerikanischer Gesandter in Konstantinopel unter Cleveland und Mac Kinley, war heute beim Präsidenten im Weißen Hause, um Herrn Roosevelt zur Intervention zu Gunsten der russischen Juden, gegeu welche den Zeitungsberichten zufolge in Süd- Rußland neuerdings eine barbarische Verfolgung im Gange war, zu bewegen. Präsident Roosevelt versicherte Herrn Straus, daß er die Vorgänge in den Städten, aus welchen Massakres gemeldet worden, mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt habe, um zu ersehen, ob er nicht etwas tun könne, um diese Schreckens-

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