Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 47 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seit«. 748 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. 'Jtr. 47 in Rußland. Seit gestern trafen hier dreißig ihrer Habe beraubte, dem Mittelstände angehörende Opfer ein. Das Komitee nahm sich ihrer an. Triest. Eine imposante Trauerfeier veranstaltete im Tempel Via del Monte Herr Rabbiner Dr. Brettholz. Es waren 800 Personen erschienen, darunter alle Notabilitäten. Die Predigt des Herrn Rabbiners in italienischer Sprache war von tiefer Rührung und schloß mit einem eindringlichen Appell für das große Hilfswerk. Der berühmte Tenor Oberkantor Rainer intonierte einen Jiskor. Zahlreiche Spenden sind eingelaufen. Eger. Sonntag den 19. November um 6 Uhr fand im Israel. Tempel zu Eger ein Trauergottesdienst zum Gedenken der ermordeten ruffischen Glaubensgenossen statt. Das in Trauerschmuck gekleidete Gotteshaus war mit Andächtigen dicht gefüllt, welche mit inniger Rührung den erhebenden Trauergesängen des Tempelchores, sowie der ergreifenden Rede des Rabbiners Dr. Schwarz lauschten. Nach Schluß des Gottesdienstes fand eine Vorstandssitzung statt, in welcher die Trauer über die vom ruffischen Pöbel unter den Augen der Regierung an den unglücklichen Glaubensgenossen begangenen Greuel zum Ausdruck gebracht und beschloffen wurde, für die beraubten Glaubensbrüder, sowie für die Hinterbliebenen der Ermordeten eine Sammlung einzuleiten. Straßburg. Der hiesige Gemeinderat hat für die Opfer der Judenmetzeleien in Rußland 5000 Mark aus Gemeindemitteln votiert. Olmütz. Der Ausschuß der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat anläßlich der am 19. November l. I. stattgehabten außerordentlichen Sitzung beschloffen, seiner tiefen Entrüstung und Empörung über die Greueltaten, die an unseren unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland verübt wurden, in einer Protestkundgebung Ausdruck zu verleihen und eine Hilfsaktion einzuleiten. Der Präsident unserer Gemeinde, Herr Dr. Jac. Eben beklagte schmerzlich bewegt die Opfer der russischen Massakres, brandmarkte Las aller Menschlichkeit Hohn sprechende Vorgehen der russischen Behörden gegen die wehrlosen Märtyrer und schloß in wirkungsvoller Weise seine Ansprache in folgenden Worten: „Die erschütternde Wirkung dieser ruchlosen Greueltaten macht es uns zur Pflicht, nicht erst eine Aufforderung zur Hilfe abzuwarten, sondern vielmehr unverzüglich ein Komitee einzusetzen, welches ehestens zugunsten der beklagenswerten Opfer der Katastrophe in den Kreisen der hiesigen Gemeindemitglieder eine wirksame Sammlung veranstalten möge." In dieses Komitee wurden nebst dem Herrn Präsidenten die Herren Max Kaufmann, Jakob Kirschner und Ignatz Zweig gewählt. K 3000 wurden der Israelitischen Allianz zu Wien übermittelt. Die Trauerfeier fand am Freitag den 17. November l. I. im hiesigen Tempel statt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Oppenheim. Auch beim feierlichen Jugendgottesdienst gedachte der Prediger der russischen Märtyrer. Berlin. Aus Anlaß der furchtbaren russischen Judenverfolgungen, die, was die Ausdehnung und Furchtbarkeit der Greuel betrifft, nur mit den Ereignissen der Jahre 1096, 1348, 1391, 1492 und 1648 in Parallele zu stellen sind, wurde hier in den frommen Synagogen der M'in zum nasr rvotfn proklamiert, in der Synagoge der Adaß-Jiffroel-Gemeinde, in der Bachurimsynagoge, im Beth-Hamidrasch und anderen. Es wurden bezügliche mirbr eingeschaltet, usbö uok gesagt und ein dazu verfaßter B'&m vb& *k. Aus Nürnberg wird berichtet: Eine von christlicher Seite einberufene und von allen Konfessionen besuchte Versammlung, in der auch protestantische und katholische Geistliche sprachen, beschloß, eine Sammlung für die russischen Juden zu veranstalten. Am Donnerstag nachmittags fand im Berliner Rathaus eine Sitzung statt, zu der Oberbürgermeister Kirschner und der Vorsitzende des Hilfsvereines der deutschen Juden, James Simon, Einladungen ergehen ließen. In dieser Sitzung wurde über die Schritte beraten, die zu ergreifen sind, um neue Hilfsmittel zur Unterstützung der Opfer der russischen Judenhetzen aufzubringen. Die Berliner Zionisten veranstalteten ein massenhaft besuchtes Protestmeeting gegen die Judenmetzeleien in Rußland. Die Haltung der jüdischen Finanziers, die Rußlands Kredit und Autokratie stützen, wurde scharf verurteilt, ebenso der Jndifferentismus der westeuropäischen Staaten. Die Resolutionen, die mit stürmischem Enthusiasmus angenommen wurden, betonten die Solidarität aller Juden und die Notwendigkeit einer Selbstwehr. Amerika für die Opfer der Jndenmetzeleien. B e r l i n. Das „Bert. Tagebl." meldet aus Newyork: Der Newyorker Stadtrat appelliert an Roosevelt, daß er seinen ganzen Einfluß gegen die russischen Judenmetzeleien aufbieten solle. Die israelitische Schutzgesellschaft hat bereits die erste Million nach Rußland abgesendet. Rom, PI. November. Im Saale des Israelitischen Hilfsvereines fand Sonntag eine Versammlung statt, welche gegen die Metzeleien in Rußland im Namen der menschlichen Gesittung feierliche Verwahrung erhob. Die Versammlung verlief sehr stürmisch. Lord Chamberlain über die Judennot. Eine der größten Protestversammlungen, die gegen die russischen Judenverfolgungen abgehalten wurde, war die von Z a n g w i l l einberufene, von 8000 Personen besuchte, der jüdisch-territorialistischen Organisation in London. Sir Robert R e i d, der die Versammlung leitete, sagte u. A.: Wenn er auch nur einen einzigen Tropfen jüdischen Blutes in seinen Adern hätte, so würde er nicht ruhen und rasten, bis Zufluchtsstätten gegründet würden für diese Verfolgten, wie sie ihre Vorfahren in alter Zeit gegründet haben, Zufluchtsstätten, in denen unschuldige Männer, Frauen und Kinder endlich Schutz fänden vor diesem elenden Mordgesindel. Z a n g w i l l, der die Hauptrede des Abends hatte, führte u. A. aus: Die Proteste der englischen Juden gegen diese fürchterlichen Greueltaten hätten sich in drei hergebrachten Formen bewegt: — Appell an die britische Regierung, Geldersammlungen und Totenfeiern unter Tränen und Gebet. — Eine vierte und bessere Form des Protestes wäre von seinen zionistischen Freunden gewählt worden. Die Zionisten beten nicht, ohne zu arbeiten, aber leider böten sie Arbeit ohne Weisheit. Sie wiesen ein Zukunftsland außerhalb Palästinas und seiner Nachbarschaft zurück. Seinen Protest bringe er in nachfolgender Resolution: „Die heutige Massenversammlung von Londoner Juden unter dem Präsidium eines Christen drückt ihren Schauder und ihre Entrüstung aus über die noch nicht dagewesenen Abschlachtungen, denen russische Juden zum Opfer gefallen sind und die Rußland, Europa und dem Christentum zur Schande gereichen. Sie erklärt, daß die Errichtung eines autonomen jüdischen Landes für die allmähliche Aufnahme der unterdrückten Juden die einzige Lösung der russischen Judenfrage sei und hofft, daß solch ein Zufluchtsland baldigst unter britischem Schutz eröffnet werden könnte." Zangwill berichtete sodann, daß am 4 Dezember d. I. in dieser Angelegenheit eine Konferenz mit dem Sekretär für die Kolonien stattfinden werde, zufällig am 250. Jahrestage der ersten Beratung über die Zulassung der Juden in England unter Oliver Cromwell. Sodann brachte Zangwill folgenden Brief Lord C h a mberlains zur Verlesung: „Ich versichere Sie meiner aufrichtigen und anhaltenden Sympathie mit dem jüdischen Volke, das augenblicklich so grausam verfolgt wird, und meiner Bereitwilligkeit, jeden Plan zu unterstützen, der eine praktische Erleichterung ihrer angenblicklichen Leiden gibt. Als ich das erstemal den verstorbenen Dr. H e r z l vor einigen Jahren sah — während ich noch Kolonialsekretär war — machte derselbe einen gewaltigen Eindruck auf mich, nicht nur durch seinen intensiven Enthusiasmus