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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-24 · 47 (24.11.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
47 (24.11.1905)
Date
1905-11-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 47 Dr. Dlocb's Mocbenscbrlrr« Seite 747 lauten. Jede Spende und Gabe ist herzlich willkommen, aber die Zeit des bloßen Almosengebens ist vorüber, der Moment praktischer Arbeit ist gekommen. Ich will hoffen, daß die Juden von Wien wie alle anderen Juden der Welt mit ihrem Kultusvorstand an der Spitze bereit sind, mitzuarbeiten für eine bessere, menschliche Zukunft des jüdischen Volkes. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Sekretär Fleischer von der „Union" brachte hierauf folgende Resolution zur Verlesung: Die Wiener Judenfchaft gibt ihrer namenlosen Trauer um die grausam dahingemordeten russischen Glaubens- und Stammesgenossen öffentlich Ausdruck. Es erfüllt uns mit Abscheu und Entsetzen, daß in Rußland infolge der jahrzehntelang geduldeten Judenhetzen Tausende und Abertausende friedlicher Menschen, Männer, Frauen und Kinder, gleich Opfertieren hingeschlachtet wurden, aus keinem anderen Grunde, als weil die Bureaukratie glaubt, die in diesem Reiche aufkeimende und durch Verheißungen der höchsten staatlichen Autorität gewährte Freiheitshoffnung im Blute der Inden ertränken und auf diese Weise sich noch weiterhin an der Macht erhalten zu können. Gegen diese Scheußlichkeiten appellieren wir an das Herz der ganzen zivilisierten Menschheit; wir appellieren an das öffentliche Gewissen aller Kulturnationen, damit in jedem Parlament der Ruf nach einem gemeinsamen Schritt aller Regierungen zur Verhütung der Wiederkehr solcher Greuel erhoben werde. Wir erklären, daß wir uns mit unseren leidenden Brüdern in Rußland eins fühlen und daß wir alle Bestrebungen tatkräftig unterstützen wollen, welche geeignet sind, ihnen eine menschenwürdige Zukunft zu sichern. Die Resolution wurde unter lauten Kundgebungen einstimmig angenommen. . Von den Trauerfeierlichkeiten in den Synagogen der Wiener Bethausvereine verdienen besonders erwähnt zu werden jene im Tempel der Leopoldsgasse, wo Herr Rabbiner Meyersohn die Trauerrede hielt und 2100 Kronen gespendet wurden, und im Tempel IX., Müllnergasse, wo Herr Rabbiner Doktor G e l b h a u s die Rede hielt, die bereits im Drucke erschien. Im isr. Tempel XVI., Ottakring, sprach Herr Rabbiner Dr. Bach, im isr. Tempel VIII., Neudeggergasse, Herr Rabbiner Dr. Bauer, im isr. Tempel XX., Kluckygaffe Herr Professor Dr. P o l l a k. In den Kreisen der Mitglieder des Wiener Schachklub wurde eine Sammlung zugunsten der russischen Juden veranstaltet. Der Präsident des Klubs, Herr L. T r e b i t s ch, hatte als erster für diesen humanitären Zweck einen Betrag von 10.000 Kronen gespendet. Sein Beispiel fand so begeisterte Aufnahme, daß in kurzem eine Summe von 30.000 Kronen aufgebracht wurde. Aus Baden wird gemeldet, daß dort am 20. d. M., 4. Uhr nachmittags, in Anwesenheit des gesamten Kultusvorstandes mit dem Präsidenten Herrn Moriz Lettner an der Spitze, die Trauerfeier stattgefunden. Die Trauerrede hielt Herr- Rabbiner Wilhelm Reich. Eine antirnssische Demonstration im Lemberger Stadttheater. Lemberg. Bei der am 20. November stattgefundenen Aufführung von Tschirikows „Die Juden" im Stadttheater kam es während des dritten Aktes zu einer Demonstration gegen Rußland. In diesem Akt gibt es eine Szene, in der die „schwarzen Hundertschaften", ein Zarenbild vorantragend, gegen die Juden ziehen. In dem Moment, als das Zarenbild auf die Bühne gebracht wurde, ertönten von der dritten Galerie, wo zahlreiche Akademiker sich befanden, stürmische Hanba- und Pfuirufe. Nach Schluß des dritten Aktes sangen die Studenten auf der Galerie nationale und antirussische Lieder und brachen abermals in Schmährufe gegen die russische Regierung aus. Ein Protest im Landtag der Bukowina! Czernowitz. Ueber den Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Straucher, Nikolaj v. Wassilko und Dr. Skedl, betreffend eine Entrüstungskundgebung über die gegenwärtigen barbarischen Zustände in Rußland, wurde nach dem Referat Dr. Skedls und längeren dem Gegenstände gewidmeten Ausführungen der Abgeordneten Straucher und Nikolaj v. Wassilko einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „Die Landesvertreter der Bukowina ohne Unterschied des Stammes, Glaubens und der politischen Parteirichtnng verurteilen auf das schärfste die in Rußland geschehenen Massenmorde und sprechen über diese barbarische Entwürdigung der Menschheit ihre tiefe Entrüstung und Empörung aus." Kundgebung in Brünn. Die jüdifch-akad. Verbindung „Veritas" veranstaltete am 12. d. im städtischen Redouteniaale angesichts der entsetzlichen Judenmassakres in Rußland eine jüdische Volksversammlung. Der Saal, der an 1500 Personen faßt, erwies sich als zu klein, um alle Erschienenen aufzunehmen. Auch eine große Anzahl Arier wohnte der Versammlung bei. Unter den Anwesenden waren der Präsident der Brünner Kultusgemeinde Dr. H. Fialla, die Vorstandsmitglieder Herdan, Straßer, Dr. Schimmerling, Mitglieder der Benai Brith-Loge. Vertreter sämtlicher jüdischer Vereine. Die Brünner zionistischen Organisationen erschienen vollzählig. Nachdem der Präses der Verbindung die Versammlung eröffnet und die Erschienenen begrüßt hatte, wurde Herr Doktor Schreier zum Vorsitzenden gewählt. Hierauf sprach seitens der Verbindung „Veritas" JUC. Otto A b e l e s, der in seinen Ausführungen namentlich der heldenhaften jüdischen Jugend gedachte, die im Kampfe gegen den plündernden und mordenden Mob gefallen war. Die Versanunlung ehrte das Andenken dieser jungen Helden durch Erheben von den Sitzen. Als zweiter Redner sprach Herr Dr. M a r g u l i e s (Teplitz-Schönau), der darauf hinwies, daß wohl momentan als rasche Hilfe eine organisierte Wohltätigkeitsaktion notwendig sei, den Kernpunkt seiner Darstellungen bildete jedoch die Besprechung jener Mittel und Wege, durch welche in Zukunft derartigen Vorgängen der Boden entrissen tverden könne. Herr Friedrich L ö w, Präsident des mährisch-schlesischen D.-K., legte der Versammlung eine Resolution vor, die samt der Zusatzresolution des Dr. Margulies ohne Widerspruch angenommen wurde. Resolution sH. Friedrich Löw): „Die am 12. November 1905 im städt. Redoutensaale tagende Volksversammlung ersucht die löbliche Knltusvertretung, mit tunlichster Beschleunigung ein aus allen Parteien und Ständen der Brünner Judenschaft zusammengesetztes Komitee zu ernennen, das Sammlungen zur Linderung der durch das Judengemetzel in Rußland entstandenen Not in allen Kreisen der Bevölkerung vorzunehmen hat. Die hiedurch erzielten Beträge sind der Alliance Jsraelite oder einer anderen Zentralstelle für den erwähnten Zweck znzuführen. Gleichzeitig möge die Brünner Kultusgemeinde alle übrigen Kultusgemeinden des Landes für ein ähnliches Vorgehen interessieren." Znsatzresolution (Herr Dr. Margulies): „Die Versammlung spricht gleichzeitig die Erwartung aus, daß jeder Jude in jedem Teile der Welt es als seine Pflicht betrachtet, nicht nur die jedesmaligen Opfer der Judenverfolgungen von Fall zu Fall mit Almosen zu unterstützen, sondern sein ganzes Können in den Dienst des Gedankens zu stellen, daß endlich einmal die Wunde geschlossen werde, aus der immer und immer wieder jüdisches Blut fließt." Als letzter Redner erbat sich der Sozialdemokrat Herr Dr. Freund das Wort. Er zollte in einer kurzen Rede der tapferen Gegenwehr der jüdischen Studenten und Bürger vollste Anerkennung, führte jedoch die Ausschreitungen auf die sozialen russischen Verhältnisse zurück. Der Würde der Versammlung entsprechend, erwiderte ihm Herr Friedrich Löw. Hilfskomitee in Krakau. Krakau, 16. November. Unter dem Vorsitze des Kultuspräsidenten Dr. Samuel T i l l e s bildete sich hier ein Komitee zur Unterstützung und zum Schutze der Opfer der Judenhetzen

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