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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Dlocb's MocvenscbttN. Seite 7^7 heitliches Handeln aller Stände sei notwendig, um diese Zeit der Wirren zu überdauern. „Unsere Stammesgenossen in Russisch- Polen", sagte der Redner, „schenkten den Einflüsterungen des Religions- und Rassenhasses kein Gehör, ihre Hände blieben unbefleckt von den Ausschreitungen, deren barbarische Wildheit bei jedem Polen und Christen Entsetzen erregt." Im Namen der Stadt Krakau drückte der Präsident den Brüdern in Russisch- Polen den Wunsch aus, daß sie Hoffnung, Mut und Ausdauer nicht verlieren sollen. Der Gemeinderat stimmte diesen Ausführungen begeistert bei, und auf Wunsch der Versammelten wurde nach der Rede Dr. Leos die Sitzung geschlossen. Czernowitz Der Kultusrat publiziert folgende Kundgebung: Die aus Rußland kommenden Nachrichten über die furchtbaren Judenmassakres im Czarenreiche haben in der gesamten gesitteten Welt Entsetzen und Abscheu hervorgerufen. In uns Juden aber den tiefsten Schmerz über die entsetzlichen Grausamkeiten, denen unsere unglücklichen Glaubens- und Stammesgenossen nach Tausenden und Abertausenden zum Opfer fallen. Die von der gesamten Presse aller Völker und von aus Rußland eintreffenden Flüchtlingen mitgeteilten Schilderungen beweisen, daß wohlorganisierte Horden, mit Geld und Mordwerkzeugen ausgerüstet, im größten Teile des Czarenreiches rauben, plündern, und tausende von Juden, sowie diesen zur Hilfe eilenden russischen Studenten und Angehörigen der russischen Intelligenz, erbarmungslos hinschlachten. Grauenerregende Greueltaten werden an Frauen, Kindern und Greisen verübt und selbst die hingemordeten unschuldigen Opfer geschändet. In unzähligen Orten Rußlands sind so die Juden nahezu gänzlich vom entfesselten rohen Pöbel in bestialischer Weise ausgerottet. Die ganze gebildete Welt steht unter dem furchtbaren Eindrücke dieser entsetzlichen Greueltaten, die umso schrecklicher sind, da sie von den öffentlichen Organen der staatlichen Gewalt angestiftet, organisiert und ausgeführt werden. Die geschilderten, aller Welt bekannten schrecklichen Greueltaten sind ein Hohn und eine Schande auf die Gesittung. Kultur und Humanität des 20. Jahrhunderts und der Menschheit überhaupt. Im Namen der Bukowinaer Juden ruft der Kultusrat der Czernowitzer Judengemeinde die gesamte Judenschaft zu energischem solidarischen Handeln auf und erhebt gleichzeitig seine Stimme zu flammender Entrüstung; wenn im russischen Reiche alle Bande der Rechtsordnung gelöst sind, Millionen von Staatsbürgern und Bewohnern dieses Reiches barbarischer Vernichtung preisgegeben werden, Massenmorde und Maffenabschlachtungen von Menschen nicht nur unter den Augen der staatlichen Zivil- und Militärbehörden verübt, vielmehr auch von deren Organen geschürt und bewerkstelligt werden, dann stellt sich Rußland außerhalb jeder Rechtsordnung, und gleich wie die europäischen Regierungen in China und in der Türkei deshalb intervenieren, weil Ausschreitungen und Morde gegen Christen verübt wurden, ebenso ist es Pflicht der Regierungen aller zivilisierten Staaten, im Namen der Menschheit, der Kultur, Gesittung und Humanität, die angemessenen Schritte zu unternehmen, damit Eigentum und Leben von Millionen Menschen geschützt werden. Insbesondere erachtet es die Bukowinaer Judenschaft für eine Pflicht, der k. k. österreichischen Regierung im Hinblicke darauf, daß auch viele österreichische Staatsbürger dem Rauben, Plündern und Morden in Rußland preisgegeben sind, sich dieser Unglücklichen anzunehmen. Der Kultusrat der Czernowitzer Judengemeinde hat schmerzlich bewegt in seiner Plenarversammlung vom 12. November einstimmig beschlossen, seiner tiefen Entrüstung und Empörung über die Massenmorde und Greueltaten, die an tausenden Juden in Rußland verübt werden, Ausdruck zu verleihen und die Entrüstung und Protestkundgebung im telegraphischen Wege sowohl dem k. k. österr. auswärtigen Minister Grafen Goluchowski, sowie dem k. k. österr. Ministerpräsidenten Baron Gautsch, im schriftlichen Wege aber dem k. k. Bukowinaer Landespräsidenten von Bleyleben sofort mit der ergebenen Bitte mitzuteilen, den ihnen zustehenden Einfluß für die unglücklichen Juden in Rußland geltend zu machen. Für den Kultusrat der Präses Dr. S t r a u ch e r. Eine Entrüstnngsknndgebung des Bukowinaer Landtages. Czernowitz, 13. November. Im Landtag wurde ein von sämtlichen Parteien gezeichneter Dringlichkeitsantrag eingebracht, welcher ausführt: Entsetzen und Abscheu erfüllt uns, wenn wir das grausame Hinschlachten Tausender unglücklicher Menschen sehen, die nichts verbrochen haben, als daß sie anderer Abstammung, anderen Glaubens, anderer politischer Anschauung sind als die herrschende Klaffe Rußlands. Der entfesselte Fanatismus des Pöbels feiert blutige Orgien, eine beispiellos dastehende Ausrottung ganzer Völkerschaften wird grausam betrieben. Der Genius der Menschheit verhüllt trauernd sein Angesicht. Für die zivilisierten Völker ist es beschämend, daß sie der grausamen russischen Menschenschlächterei zuschen, ohne auf ihr mahnendes Gewissen zu hören. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, einen flammenden Protest zu erheben. Der Landtag wolle daher beschließen: Die Vertreter des Landes Bukowina ohne Unterschied des Stammes, Glaubens und der Partei verurteilen das grausame Hinmorden im Zarenreiche und sprechen über die barbarische Entwürdigung der Menschheit ihre tiefste Empörung aus. Tiefe Bewegung herrschte im Hause und im Zuschauerraum, als Abgeordneter Dr. Straucher den Antrag begründete und die furchtbaren Greueltaten schilderte. Der Landtag votierte einstimmig die Dringlichkeit und wies den Antrag an den Verfassungsausschuß zur Berichterstattung während der gegenwärtigen Tagung. Karlsbad. Der Kultusvorstand sprach in einer außerordentlichen Sitzung seinen Abscheu über die aller Menschlichkeit Hohn sprechenden Massakres an wehrlosen Juden in Rußland aus. Es wurde beschlossen, als vorläufige Spende 1000 Kronen an die israelitische Allianz in Wien zu senden, ferner unter den Kultusmitgliedern Sammlungen einzuleiten und durch die Karlsbader Lokalblätter einen Aufruf um Spenden zu erlassen. Weiter wurde beschlossen, die israelitische Kultusgemeinde in Wien aufzufordern, eine Aktion für die russischen Juden einzuleiten, an der sich sämtliche Gemeinden Oesterreichs beteiligen sollen. Brünn, 13. November. Gestern fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung der Juden statt, welche eine Resolution beschlossen, in welcher die Brünner Kultusgemeinde, als die größte Judengemeinde Mährens, aufgefordert wird, sich an die Spitze einer Hilfsaktion für die Opfer der russischen Massakres zu stellen. Der Erzbischof von Canterbnry an den heiligen Synod. London, 13. November. Der Erzbischof von Canterbury sendete namens der gesamten anglikanischen Hierarchie ein Telegramm an den Heiligen Synod in Petersburg, worin die gegen die jüdische Bevölkerung verübten Verbrechen auf das Tiefste beklagt werden. London, 13. November. Die von Lord Rothschild eingeleitete Sammlung für die durch die jüngsten Massakres betroffenen jüdischen Familien in Rußland erhält, wie Lord Rothschild bekanntgibt, von allen Seiten Beiträge. Der bekannte Philanthrop Andrew Carnegie spendete 10.000 Dollars für den in New-Iork zu gleichem Zwecke eröffneten Fonds. Eine Protestversammlung. London, 13. November. Heute fand hier, von der zionistischen Föderation veranstaltet, eine große Protestversammlung gegen die Judenmassakres in Rußland statt, zu der viele Telegramme hervorragender Staatsmänner, unter anderen Balfours und Chamberlains, einliefen. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der ausgesprochen wird, daß die Juden vor solchen Katastrophen so lange nicht verwahrt sein werden, bevor sie nicht Palästina als Heimatland erhalten haben werden.

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