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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 45 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 711 Von Herrn kais. Rat Naumann Schefftel anläßlich der Barmizwah-Feier seines Enkels Erich Maybaum für die Armenanstalt. . . . . K 50— Von der Tokayer Humanitären Tischgesellschaft. Maskirgeldsammlung für die hungernden Kindern in der Filiale der Kinderbewahranstalt in der Brigittenau, und zwar von den Herren: Alfred Guth K 2, Nathan Reitzes K 2, Moriz Bondy K 2, Ludwig Groß K 2, Emil Stern K 2, D. Klausschames K 4, Ignaz Beckmann K 4, Samuel Duschinsky K 2, N. Bielitz L 2, N. Hebak K 1, I. Groß L 4, W. Groß zun. L 2, Ignaz Hahn L 2, Moriz Ruff K 1, Adolf Freund K 1, Joachim Weiß K 2, Emil Katz Kl . . . . . „ 36.— Von Frau Betti Förster als Erlös der Weitervermietung des Tempelsitzes ihres seligen Gatten, für das israelitische Siechenhaus . - . . ... . . „ 32.— Von Herrn Heinrich Bauer anläßlich des israelitischen Neujahrsfestes für einen verarmten israelitischen Familienvater „ 20.— Von Herrn Rudolf Kohn für eine verarmte jüdische Familie „ 20.— Von Frau Frau Fanny Uiberacker für wohltätige Zwecke „ 20.— Von der Jugend der Villa „Kaiserkrone" in Preßbaum für fromme Wohltätigkeitsanstalten . . . - . . „ 13.— Von Herrn Adolf Pollitzer in Triest für den Fonds zur Ausspeisung israelitischer Häftlinge im Wiener k. k. Landesgerichte mit ritueller Kost an den israelitischen Feiertagen. - „ 10.— Von „Anonymus" für den israelitischen Frauenverein . . „ 4.— Von Herrn N. Mikolasch für die israelitische Armenanstalt „ 2.— Entnahme des Inhaltes der Sammelbüchsen im Fünfhauser Tempel - . .. - . „ 298.76 Von Frau Hedwig Kohn, Zeitschriften für die israelitische Versorgungsanstalt. Von Frau Sophie Weiß ein Krankenfahrstuhl für die israelitische Versorgungsanstalt. Von Herrn Moriz Brammer zum Simchas-Thorafeste Kuchen für die Insassen der Versorgungsanstalt. Vom Vereine „Ferienheim" diverse Viktualien für das israelitische Spital. Wien. Der Magistrat der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien ist derzeit vollständig judenrein — ftarf oder auch erheblich semitisch durchsetzt war er ja auch unter der Herrschaft des pseudoliberalen Regimes im Wiener Rathause nie gewesen — das ganze „Um und Auf", die ganze Regierungsweisheit der höheren Magistratssunktionäre derzeit erschöpft sich mit dem Pensum: zum Gabelfrühstück einen „Juden" zu verspeisen — und wie die Alten brummen, so die Jungen summen. Man kann sich daher so ungefähr einen schwachen Begriff von der erfolgreichen Tätigkeit der Wiener Kommunalbureaukratie machen. Daß es aber so weiter nicht gehen kann, daß man mit der ausschließlichen Judenfresserei zu einer unheilbaren Indigestion gelangen muß, zu dieser Einsicht scheint man endlich in der Wiener Gemeiudestube gelangt zu sein. Diese Einsicht scheint dem Magistratsdirektor Doktor Weißkirchner, derzeit wohlbestallter Vizeregent und Vizediktator in Wien die Feder in die Hand gedrückt zu haben, als er an den Obmann des Klub der rechtskundigen Beamten der Stadt Wien ein Schreiben richtete, das die größte Verwunderung in- und außerhalb des Rathauses wachgerufen hat. In diesem ebenso merkals denkwürdigen Schreiben heißt es unter anderem: „Die Verwaltung eines Organismus von der Bedeutung und dem Umfange einer Weltstadt, wie Wien, erheischt ebensosehr einen großen Blick, wie ein Anpassen an die stets fortschreitenden Bedürfnisse der Bevölkerung und die neuen Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens. Die modernen Verhältnisse verlangen gebieterisch einen modernen Zug in der Verwaltung. Für die rechtskundigen Beamten der Gemeinde Wien reicht die auf der Universität erlangte theoretische Schulung sn Rechts- und Staatswissenschaften gegenwärtig nicht mehr aus, um den an sie gestellten, hohen Anforderungen zu genügen. Heute, da die GemeindeWien selbst alsGroßindustrielle auftritt, da der Magistrat so mannigfache Beziehungen zu den gewerblichen Unternehmungen der Gemeinde Wien zu pflegen hat und so vielfach mit den gewerblichen und kaufmännischen Kreisen in Berührung kommt, erscheint es geboten, den rechtskundigen Beamten, und insbesondere den auf leitenden Posten befindlichen oder auf solche aspirierenden Beamten einen genauen Einblick in die lebendigen Formen des kommerziellen Verkehres zu vermitteln. Ich trage mich daher mit der Abficht, an der Wiener Handelsakademie einen Sonderkurs für die rechtskundigen (allenfalls auch für die technischen und Buchhaltungs-) Beamten der Gemeinde Wien ins Leben treten zu lassen, in welchem ihnen — unter Bedachtnahme auf ihre Vorbildung auf dem Gebiete der Volkstviffenschaftslehre und Wirtschaftspolitik, der Verwaltungslehre, des Handels- und Wechselrechtes — eine Ausbildung in den kommerziellen Fächern zuteil wird. Zu diesem Zwecke, hoffe ich, eine Subvention seitens der Gemeinde zu erlangen. Ich lade Sie, Herr Magistratsrat, ein, dieser Angelegenheit in Ihrer Eigenschaft als Obmann des Klubs der rechtskundigen Beamten der Stadt Wien näher zu treten, einen Ausschußbeschluß hierüber einzuholen und mir über den Gegenstand baldigst zu berichten, worauf ich eine gemeinschaftliche Besprechung einleiten werde." Wenn auch durch nichts anderes, so wird schon durch dieses, eine bureaukratische Hilflosigkeit und Schwäche bekundende Schreiben der blöde, trottelhafte Antisemitismus ad absurdum geführt, denn es wird in solennster Form anerkannt, daß Handel und Wandel, um deren Betätigung die Juden so grimmig angefeindet werden, die vollste Würdigung verdienen. Es liegt aber auch in dem Erlasse das traurige Zugeständnis, daß die Magistratur der Reichsmetropole einer Blutauffrischung bedarf, um sie vor der gänzlichen Verflachung zu retten und zu bewahren. Hätte man die wenigen Juden ans dem Gremium des Magistrates, in welchem sie eine geachtete Stellung einnahmen, nicht ausgemerzt und hinausgeekelt, es bedürfte jetzt keiner geistigen Infiltration, keines kommerziellen Einschlages in die Magistratur. Jeder simple polnische Handelsjude besitzt mehr Mischkel Rischen, zu deutsch Grütze, als die W e i ß k i r ch n e r, Hetlinger e tutti quanti zusammengenommen. Der rohe, brutale Rassenhaß hat in den tonangebenden Geistern Wiens verheerend gewirkt, in einem Maße, daß man endlich zur Einsicht gelangt, daß es auf dieser Bahn nicht so weiter gehe. Wird man aber die Moral aus der Affaire ziehen? Jeder neue Tag zeigt untrüglich, daß es der blödeste Unsinn ist, sich gegen die Juden zu kehren und sie anzufeinden, die eine so gewaltige Summe von Intelligenz, kommerzieller Tatkraft und industrieller Befähigung bergen, daß schon dieserwegen allein ihnen die größte Wertschätzung geleistet werden müßte. Wenn auch nicht offiziell, so wird ihnen diese Wertschätzung auch tatsächlich zuteil. Lueger als Bürgermeister, negoziert mit jüdischen Banken, P a t t a i verherrlicht Rothschild als Begründer des österreichischen Eisenbahnwesens, P o r z e r als Judenstämmling, V e r g a n i bringt gutbezahlte Inserate von Judenbanken, dazu stammelt Schneider im Fusel-Dusel, wahrlich, „rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht". Wenn Lächerlichkeit wirklich töten würde, lägen alle die antisemitischen Herren Wiens schon lange in kühler Erde. Eduard Beer. Heimatsrecht. Zum Kapitel „Wiener Zuständigkeit" erlaube ich mir folgende Mitteilung: Meine Mutter Ernestine Etie Fruchter, hat anfangs d. I. um ihre Aufnahme in den Wiener Heimatsverband angesucht, und zwar auf Grund der Heimatsgesetznovelle vom 5. Dezember 1896. Dem Ansuchen hat dieselbe eine polizeiliche Bestätigung über den 10 jährigen Aufenthalt in Wien, sowie einen auf ihren Namen lautenden Heimatschein der Gemeinde Ro^niatow in Galizien und endlich eine Bestätigung des Matrikelamtes und Kultusvorstandes daselbst beigeschlossen, daß sie in den Matriken nicht eingetragen erscheint, jedoch im Jahre 1830 in Ro^niatow geboren wurde. Das Bezirksamt IX verlangte nun, außer den beigebrachten Beilagen, auch noch einen Trauungsschein, sowie den Totenschein meines ges. Vaters. Ich bemerkte dem Herrn Magistrats-Referenten, daß meine Mutter vor 55—56 Jahren heiratete und zu dieser Zeit die Matriken nicht geführt wurden und wahrscheinlich ihre Trauung nur nach jüdischem Ritus erfolgt sei. Den Totenschein meines ges. Vaters, aus dem hervorgeht, daß er verheiratet war, habe ich vorgelegt.

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