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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 696 Dr. Llocb s MoebenscbrM. Nr. 44 Wien. (Todesfall.) Samstag den 21. Oktober starb Herr Dr. Oser Kokefch, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. Dr. Kokefch zählte zu den ältesten Wiener Zionisten; lange vor dem Auftreten Dr. H e r z l's war er ein begeisterter Kämpfer für zionistische Ideale und er zählte zu jenen Männern, welche Theodor Herzl für die zionistische Sache zu gewinnen wußten. Er war auch Mitglied des größeren und engeren Aktionskomitees und hat an allen zionistischen Aktionen hervorragenden Anteil genommen. Auch die Gegner des Zionismus achteten in ihm die lautere Gesinnung, feinen reinen Patriotismus, den makellosen Charakter und seine Liebe zum Judentum. Montag den 23. Oktober fand auf dem Zentralfriedhof das Leichenbegängnis unter allgemeiner Teilnahme der zionistischen Gefinnungsgenofsen und Verehrer des Verblichenen statt. Erster Kantor Don Fuchs trug die Trauerpfalmen vor. Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang widmete dem Verblichenen einen würdigen Nachruf. Im Namen des Aktionskomitees sprach Herr Hof- und Gerichtsadvokat^Dr. Leopold Kahn, im Namen des Landeskomitees Herr Ge witsch, im Austrage der deutschen Landsmannschaft Herr Kremenezky, im Namen der „Kadimah" Herr meä. Deutsch. Am offenen Grabe sprach im Namen seiner engeren Landsleute und persönlichen Freunde Herr Dr. Ha l b e r st a m m. In rührenden Worten führte er das Bild des verstorbenen Freundes vor und illustrierte dessen Eigenschaften und Tugenden an dem Psalm 15, die der Redner in glänzender Weise nach dem Urtexte auslegte. Herr Architekt Marmorek schüttete hierauf einige Schollen Erde aufs Grab im Aufträge des Aktionskomitees, worauf sich das Grab schloß. Eine Wage gegen das „Deutsche Bolksblatt". Vor einigen Tagen war beim Wiener Schwurgericht die Verhandlung über eine Anklage wegen Ehrenbeleidigung, die der Inhaber eines Putz- und Modewarengeschästes in Altona, Herr I. Aron, durch seinen Vertreter Dr. Oskar Hein gegen den verantwortlichen Redakteur des „Deutschen Volksblatt" beim Wiener Landesgericht erhoben hatte. Das genannte Blatt hatte nämlich wider den Kläger in einer unter dem Schlagwort: „So etwas bringt nur ein Jude fertig!" veröffentlichten Notiz die Beschuldigung erhoben, daß er durch Inserate Putzarbeiterinnen und Garniererinnen zur Probe aufnehme und nach Absolvierung einer eintägigen Probezeit ohne Entgelt entlasse und so ihre Arbeitskraft durch fälschliche Vorspiegelung einer voraussichtlichen Anstellung ausnütze. Im Verlaufe des Verfahrens hatte das „Deutsche Volksblatt" den Wahrheitsbeweis angetreten, und es waren umfangreiche Akten aus Altona requieriert worden. Auf Intervention des Vorsitzenden R. v. Böhm kam aber schließlich zwischen dem Klageanwalt Dr. Hein und dem Verteidiger Dr. Gruber ein Ausgleich zustande, demzufolge sich das „Deutsche Volksblatt" zur Zahlung der Prozeßkosten und zur Veröffentlichung einer Erklärung verpflichtete, daß es die in der erwähnten Notiz wider Herrn Aron erhobenen Beschuldigungen, als auf durchaus unrichtigen Informationen beruhend, ihrem ganzen Inhalt und Umfang nach widerrufe und bedauere, der Ehre des genannten Herrn in ungerechtfertigter Weise nahegetreten zu sein. Minister und Rabbiner. Man berichtet dem „Pester Lloyd" aus Locse: Der K6smäarker Fabriksdirektor Ferdinand Trebils ließ seinerzeit an seinem Sohne Johann die Circumcision nicht vollziehen, wünschte aber dessenungeachtet, daß der Knabe im Geiste der mosaischen Religion erzogen werde. Als nun der Knabe im Vorjahre in die Elementarschule ausgenommen wurde, schloß ihn der Religionslehrer auf Weisung des orthodoxen Rabbiners Grünburger von dem Religionsunterrichte aus. Der Vater führte Beschwerde beim Kultus- und Unterrichtsminister, worauf dieser den Rabbiner anwies, dem Knaben im Sinne des G.-A. XXXVIII : 1868 und des G.-A. XXXII : 1894 den Religionsunterricht erteilen zu lassen, umso eher, als im Sinne des Gutachtens der israelitischen Landeskanzlei Johann Trcbits — ohne Rücksicht darauf, ob an ihm die Circumcision vollzogen wurde — schon deshalb als zur mosaischen Religion gehörend zu betrachten sei, weil er von israelitischen Eltern und hauptsächlich von einer jüdischen Mutter abstammt. Der Minister gewährte dem Rabbiner behufs Rückäußerung einen Termin bis zum 30. September l. I. Nun ist die Frist abgelaufen; der Rabbiner beharrt indessen auch weiter auf seinem negativen Standpunkte, indem er erklärte, daß er als orthodoxer Rabbiner sich dem Gutachten der Landeskanzlei nicht unterwerfe. Berlin. Seit einiger Zeit wird Deutschland, Oesterreich und Rußland von Abgesandten des „Israelitischen Blindeninstituts" in Jerusalem besucht zur Einsammlung milder Gaben. Gegen die Ehrenhaftigkeit dieser Männer läßt sich nichts einwenden, aber das Publikum muß doch darüber aufgeklärt werden, daß diese Art von Sammlungen ebenso altmodisch wie kostspielig ist. Es hat sich herausgestellt, daß das im übrigen durchaus vertrauenswürdige Verwaltungskomitee in Jerusalem einen ganz unverhältnismäßig großen Perzentsatz vom Erlös I>er Sammlungen auf Propagandaspesen verwandte. Das liegt weder im Sinne der freundlichen Geber, noch im Interesse des Instituts. Da die Sache an und für sich bei dem bekannten Ueberfluß an Augenkranken und Blinden im heiligen Lande dringend notwendig ist, so hat sich in Frankfurt a. M. ein Komitee aus einflußreichen Männern gebildet, das versuchen wird, die Verwaltung des bereits stark verschuldeten Blindeninstituts in Jerusalem zu übernehmen, nötigenfalls ein neues Institut, verbunden mit einer Augenklinik, zu begründen. Diesem Komitee werden sich Zweigkomitees in den größeren jüdischen Gemeinden angliedern. Beiträge für das Blindeninstitut wird man gut tun, an das Komitee in Frankfurt a. M., zu Händen des Kassiers des Vereins „Lemaan Zion", Herrn Lismann Fürth in Firma Gebrüder Fürth & Co., zu senden, der die Freundlichkeit hat, vorläufig die für das Blindeninstitut eingehenden Gelder zu verwalten. Das Komitee beabsichtigt, sich an die größere jüdische Oeffentlichkeit zu wenden, sobald alle Vorfragen klar geregelt sind. Das wird hoffentlich recht bald der Fall sein. Die Juden in Rumänien. Der letzte Monatsbericht der ^.lllanee Isra61ite Universelle (August-Septemberl enthält die folgende bemerkenswerte Korrespondenz aus B u k a r e st: „Der Antisemitismus fährt hierzulande, seitdem die Konservativen ans Ruder gekommen sind, wieder mit vollen Segeln. Unsere Glaubensgenossen fragen sich, ob nicht das Regiment der sogenannten Liberalen dem gegenwärtigen vorzuziehen war. Man hatte sich hie und da der Hoffnung hingegeben, daß das Beispiel Rußlands, das die Lösung der Judenfrage wenigstens in Angriff nimmt und die Juden zur Wahlurne zuläßt, auf die Rumänen Eindruck machen und ihr Gewissen rühren würde. Bisher ist davon nichts zu merken. Niemals hat die Presse des Landes eine so brutale Gehässigkeit gezeigt, wie gerade in diesen Tagen. Einige Bezirkspräsidenten gehen in ihren Willkürmaßregeln so weit und die Regierung beweist sich ihnen gegenüber so schwach, daß man an die häßlichsten Vorgänge aus der Verwaltung des Herrn Sturdza erinnert wird. Zur Stunde muß Herrn V a s e s^c u, dem Präfekten des. Departements B o t o s a n i, der Rekord der Verfolgungen zugesprochen werden. Er sieht seine Aufgabe darin, die Juden seines Bezirks durch unsinnige Maßnahmen aufs Aeußerste zu quälen, und hat sich vorgenommen, auch diejenigen Juden, die seit Jahren die kleinen Städte und Dörfer bewohnen, in der Stadt Botosani einzupferchen, um sie direkt im Griffe zu haben. In mißbräuchlicher Auslegung des Landgemeindengesetzes fordert dieser Präfekt-Satrap, daß alle, welche die vom Gesetz geforderten Aufenthaltszeugnisse unter großen Mühen und Kosten bereits erlangt haben, sie noch einmal nachsuchen. In seiner Eigenschaft als Präfekt hat er die von den Gemeinderäten ausgestellten Zeugnisse annulliert und treibt die Unglücklichen, die sich schon seit Jahren im Besitz einer Art von Bürgerrecht dünkten, mitleidslos ohne Verzug hinaus. Noch unbegreiflicher ist es, daß Herr Vasescu seine Ausweisungsedikte nicht nur an die kleinen Händler in den Städten,

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