Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Llocd's MocvenscbrM. Seite 687 Ein eigenes Kapitel ist dem Kultuspräses der israelitischen Gemeinde in Czernowitz im Jubiläumsjahre gewidmet. Es ist dies Dr. Beno Strauche r, Reichsratsabgeordneter rc. Mit Straucher's Wahl zum Kultusvorsteher wurde für die Czernowitzer Judengemeinde eine neue Aera eingeleitet, eine Epoche des Fortschrittes, der Entwicklung und der Prosperität. Straucher ist bekanntlich durch und durch von aufrichtiger Schul- und Lehrerfreundlichkeit beseelt, ein wahrer Freund der Volksbildung und Volksaufklärung — ist er ja im wahren Sinne des Wortes ein Kind des Volkes. Straucher hütet die Jubelschule wie den eigenen Augapfel, er betreut sie wie fein Herzenskind, er hält seine schützende Hand über sie und hat es meisterhaft verstanden, alle Attentate auf diesen seinen. Liebling mit Erfolg abzuwehren. Seiner eisernen Energie, seiner hervorragenden Befähigung, seiner rastlosen, selbstlosen, uneigennützigen Arbeit, seinem unermüdlichen Fleiße ist es, dank der nie erlahmenden Mithilfe des Kultusrates, des Lehrkörpers, vornehmlich aber des Direktors D ub e n s k y, gelungen, die israelitische deutsche Volksschule nicht nur auf ihrer früheren Höhe zu erhalten, sondern auch modern auszugestalten, sie den Erfordernissen der Jetztzeit anzupassen, alles dies aber, ohne sie des Charakters einer jüdischen Schule zu entkleiden und zu entfremden. Straucher's Aufgabe ist aber keine leichte. Er hat immer mit zwei Fronten zu kämpfen, gegen die Obskuranten auf der einen und gegen die allzugewaltig vorwärtsstürmenden Modernen auf der anderen Front, und es ist sein ureigenstes Verdienst, ein Erfolg seiner Weisheit und seines Taktes, daß er immer Sieger geblieben — ohne Besiegte a u f der Wahl statt zu lassen. Die Jubiläums-Denkschrift bringt weiters noch eine Fülle hochinteressanten statistischen Materiales, das zu veröffentlichen einem weiteren Artikel Vorbehalten bleiben soll. Alle, die mit Rat und Tat zur Errichtung und Förderung der Jubelschule, von der Zeit der Gründung bis zu ihrer Jubelfeier, mitgewirkt, sie seien wärmstens bedankt, sie alle können mit Befriedigung und Genugtuung auf ein wahrhaft humanitäres, gottgefälliges Wirken zurückblicken und sie haben sich unvergängliches Verdienst um ihre Gemeinde erworben. Es darf aber auch der Erwartung Raum gegeben werden, daß bei den maßgebenden Faktoren das Interesse für die israelitische deutsche Volksschule in Czernowitz sich stets auf gleicher Höhe wie bisher erhalten und dieser Bildung und Vertiefung des Judentums verbreitenden Lehranstalt seitens der jüdischen Bevölkerung von Czernowitz auch weiters die lebhafteste Sympathie zugewendet werden wird. Es sei nur noch der warm und aufrichtig gefühlte Wunsch zum Ausdruck gebracht, die israelitische deutsche Volksschule in Czernowitz möge nach wie vor eine segensreiche Wirsamkeit entfalten, es sei ihr von der gütigen Vorsehung beschieden, auch die Zentenalfeier mit gleichen Ehren und Erfolgen zu begehen, zum Wohle der Kultusgemeinde und der Judenschaft von Czernowitz und zur Heiligung des Judentums. Die Jubelschule blühe, wachse und gedeihe! Eduard Beer. Neue Bücher. Samson Rothschild, Lehrer an der Stadtschule zu Worms a. Rh. Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen GemeindeWorms. Mit vier Phototypien. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage, I. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1905. Max Herschel. „Im Tale Saron", Gedichte jüdisch-religiösen Inhalts, sowie hebräische Gebete, Lieder, Sprüche und Bibelstücke in freier poetischer Uebertragung. Preis elegant gebunden 5 Mark. Verlagsbuchhandlung von M. Poppelauer, Berlin C, Neue Friedrichstraße 59. Dr. A. Eitelberg. Unmoderne Ethik. Wien und Leipzig 1905. Preis K 3 60. Verlag von Robert C o 6 n, Verlagsbuchhandlung, Wien, IX/2, Alserstraße 6. Der Ausschuß des „Verbandes der Vereine für indische Geschichte und Literatur" hat, um vielfach an ihn herangetretenen Wünschen zu entsprechen, sich entschlossen, die Restauflage des Jahrbuches für jüdische Geschichte und Literatur von 18 >9, 1902 und 1905 allen Rabbinern, Lehrern und Kantoren in Deutschland und Oesterreich zum Preise von 1 Mark pro Exemplar einschließlich Porto, in den anderen Staaten zum gleichen Preise exklusive Porto zu überlassen. Bestellungen bitten wir unter Beifügung des Betrages an Herrn Benas L e v y. Berlin 0 2, Poststraße 9, zu richten. Kriefkasterr. B. F. Die Ursachen der Londoner Vorfälle am Jom-Kippur sind klar. Die russisch-jüdischen Sozialisten in London haben nämlich ihren Klub dicht bei der Synagoge. Hier verbringen sie den heiligen Fasttag mit Essen und Rauchen zu und ärgern so die frommen Synagogenbesucher in hohem Grade. Außer diesen Letzteren gibt es in London noch Hunderte von konservativen fastenden Juden, die aus Mangel an Synagogenplätzen sich auf der Straße umhertrerben. Ihre Schar wird noch durch zahlreiche halbwüchsige Burschen verstärkt, die gleichfalls aus Platzmangel in den Synagogen den Jom-Kippur auf der Straße zubringen. Unter solchen Umständen sind Lärmszenen und Schlägereien zwischen den heißblütigen Orthodoxen und den „Jom- Kippurfressern", die nichts besseres zu tun haben, als die fastenden Juden zu necken, unvermeidlich. Glücklicherweise sind die Juden keine Italiener und brauchen bei ihren Schlägereien statt Dolch und Messer die nackten Fäuste, so daß die Sache keineswegs gefährlich werden kann. Wie wenig dieser Auslauf einem Krawall ähnlich war. beweist die Aussage eines Polizeibeamten, der die Nachrichten der englischen Presse als ein Lügengewebe bezeichnete und hin,'.»fügte, die Menge auf der Straße habe sich keineswegs aus den Besuchern der Synagoge in der Princelet Street rekrutiert, sondern sei von wo anders hergekouunen. Daß es keineswegs ernst war, ist ferner daraus zu ersehen, daß im ganzen nur 5 Personen vor dem Polizeirichter sich zu verantworten hatten. Davon wurden drei freigesprochen, einer erhielt eine Verwarnung und der fünfte wurde mit 10 Shilling bestraft. Bei dieser Gelegenheit sprach auch der Richter Mr. Einer sein Bedauern darüber aus, daß ein seit uralter Zett verfolgtes Volk seinerseits andere zu verfolgen beginnt. Den Sozialisten riet er, lieber am Jom-Kippur zu Hause zu essen. Sollten sie aber durchaus darauf bestehen, am Jom-Kippur öffentlich zu essen, so ist die Polizei allerdings verpflichtet, sie zu schützen. S. B. Am 14. September 1905 wurden in Kischenew gezählt 129.600 Einwohner, darunter 55.700 43u/0 Juden. Unter letzteren befanden sich 367 mit einer höheren Bildung. 55 Personen lebten vom Ackerbau. 12.303 vom Handwerk, 17.258 vom Handel, 13.898 als Taglöhner, während der Rest als Melamdim, Gemeiudebeamte und Luftmenschen sich ernährte. I. B. Nebst Sokolow, dem Redakteur der „Hazefirah", wurde auch Herr Ginzburg, einer der Herausgeber des „Framd" in Petersburg, zur Sitzung des Komitees für Preßreformen eingeladen. „Steiermark". Ein solcher Verein existiert in Wien nicht. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles'schen Stiftung für Hörer der juridisch-politischen Wissenschaften gelangen für das Schuljahr 1905/06 vier Stipendien äK 188. — an israelitische Hörer der juridischen Fakultät zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen bis io. November li)05 im Einreichung Protokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles'schen Stiftung für Hörer der medizinischen Wtffenschaften gelangen für das Schuljahr 1905/06 vier Stipendien ä K. 188.— an israelitische Hörer der medizinischen Fakultät zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen ins 15. November 1905 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles'schen Stiftung für Rabbinatskandidaten, welche zugleich ordentliche Hörer der philosophischen Wiffenschaften sind, gelangen im Studienjahre 1905/06 zwei Stipendien ä K 188.— an Hörer obgenannter Wissenschaften zur Verleihung. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien-, Geburts-, Moralitäts- und Mittellosigkeitszeugnissen bis i5. November 1905 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I, Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsftunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Aus den Zinsen der Fanni Jeiteles'schen Heirats-Ausstattungs- Stiftung gelangt der Betrag von K 588.— an eine arme, hier ansäffige Braut, israelitischer Konfession, für das Jahr 1905 zur Verleihung. Die Gesuche, belegt mit Geburts-, Sitten- und Mittellosigkeitszeugnissen, ferner mit dem Nachweise, daß die Bewerberin sich