Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 43 (27.10.1905)
- Date
- 1905-10-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 680 Dr. Llocb's Mocbenscbrltt. Nr. 43 Was sind Reden, was Bücher, wenn die Tat laut nach uns schreit? Ich will leben, leben für mein Volk, und mögen meine Worte weniger gefallen, wenn ich nur sagen kann, ich habe geholfen, wo ich konnte, die Abfallenden habe ich auf den richtigen Weg gebracht, Tränen habe ich getrocknet, Arme getröstet und gestärkt . . . Was ist dagegen das leere Wort? Ein Mann der Tat will ich werden.*) Hachoseh. Das Atter der „Gotdminen König Salomos". Es ist kürzlich berichtet worden, daß der englische Archäologe R. MacJver in Bulawayo vor der British Association einen Vortrag über die „Goldminen König Salomos", d. h. über die Ruinen Süd-Rhodesiens gehalten und dabei erklärt habe, daß keine dieser Ruinen über das 16. oder 1b. Jahrhundert, nämlich über die Zeit deS Negerreichs Monomotapa zurückreiche. Der Gelehrte habe die Ruinen von Jnyanga, Kami „und anderen Orten" besucht und sei zu seiner Ansicht sowohl durch den Charakter der Baureste als auch durch das Fundergebnis (mittelalterliche Sachen wie Nankingporzellan, Fehlen von Inschriften) geführt worden. Diese Ansicht muß Verwunderung Hervorrufen, falls sie tatsächlich und in solcher Form ohne Einschränkung geäußert worden ist, und da es sich hier um eins der interessantesten Probleme vorgeschichtlicher Völkerbeziehungen handelt, werden einige Bemerkungen darüber nicht überflüssig sein. Die erste Kunde von großartigen Ruinen und Goldminen im Hinterland der Sofala-Küste hat man von portugiesischen Schriftstellern des 16. Jahrhunderts, die auch schon die Meinung äußerten, man habe dort die Stätte des alten O p h i r vor sich, von wo Salomo mit Hilfe Hirams Gold, Edelsteine und Tierkuriositäten bezogen hat. Aber diese Kunde verfiel der Vergeffenheit. und es blieb 1871 den deutschen Forscher Mauch Vorbehalten, die schönsten und stattlichsten der Ruinen die von Simbabye, von neuem zu entdecken. Seitdem sind die südostafrikanischen Ruinen häufig untersucht, beschrieben und diskutiert worden. Die Frage, auf wen sie zurückzuführen seien, welches Volk dort Kolonien gehabt habe, hat man verschieden beantwortet, doch nur bis zu einem gewissen Grade verschieden; denn während einige die Phönizier und Juden, die Ophirfahrer der Bibel, an der Sofalaküste kolonisierend austreten ließen, schlossen andere auf die Sabäer oder andere Südaraber — alle also jedenfalls auf Semiten einer weit zurückliegenden Epoche. Die Ruinen von Simbabye verraten einen ziemlich hohen Kulturgrad, weshalb zwei ihrer Erforscher, der Engländer B e n t und der Deutsche Schlichter, in der kulturellen Einschätzung der Erbauer vielleicht zu weit gegangen sind. Sie haben sie als große Astronomen und Mathematiker bezeichnet, was sich in der Orientierung gewisser Bauwerke, in der Aufstellung von Monolithen als Gnomone und in den Kegeltürmen zu erkennen gebe, und Schlichter hat aus allem gar die Schiefe der Ekliptik zur Zeit der Errichtung von Simbabye, die den Erbauern bekannt gewesen und von ihnen in der Tempelanlage berücksichtigt worden sei, berechnen zu können geglaubt und daraus wieder das Errichtungsjahr mit etwa 1100 v. Chr. konstruieren wollen! Das ist des Guten Wohl zuviel getan. Jedenfalls aber wurden fast allgemein bis vor wenigen Jahren alle bis dahin bekannt gewordenen Bauwerke Rhodesiens für sehr alt gehalten und als ihre Errichtcr zumeist die Sabäer bezeichnet. Das widersprach auch kaum der Meinung, derer, die dort das Goldland Ophir suchten; denn in der Zeit der biblischen Ophirfahrten war Saba dem König Salomo untertan. Selbst die Theorie Keanes paßt dazu, der zwar in Ophir nur den goldverteilenden Hafen sieht und ihn an die südarabische Küste verlegt, als goldproduzierendes, altsemitisches Kolonisatio nsgebict aber das heutige südliche Rhodesien annimmt. Es folgten die Forschungen Halls und Reals Ende der 90er Jahre, aus denen sich zunächst eine ungeahnt große Ausdehnung *) Wir haben den Ausführungen des Herrn Verfassers gerne Raum gegeben, würden aber doch wünschen, daß er bei den allgemein bekannten Voraussetzungen, unter welchen heute in den meisten Kultusgemeinden die Rabbiner wirken müssen, praktische Vorschläge über die Mittel und Wege für eine soziale Tätigkeit derselben formuliert hätte. des südrhodesischen Ruinengebiets ergab; es stellte sich heraus, daß das ganze Hochland zwischen Sambesi und Limpopo mit den Resten von Forts, Tempeln und Terrassen für Getreidebau förmlich übersäet ist. Es wurde aber ferner auch gewiß, daß diese Ruinen ein sehr verschiedenes Alter haben. Nur die Entstehung von zwei Bauten glaubten Hall und Real bis um das Jahr 2000 v. Chr. zurückdatieren zu können, die jüngsten mochten nach ihrer Ansicht aus der Zeit des Monomotapareichs stammen, eines Staates der Makalanganeger, über den die erwähnten portugiesischen Schriftsteller des 16. nachchristlichen Jahrhunderts berichten. Man fand außerdem einige Goldarbeiten zweifelhaften Alters, aber keine alten Inschriften und keine alten Gräber, deren Inhalt über die frühesten Kolonisatoren hätte Aufschluß geben können. Die Verwaltung Rhodesiens hat sich dann die weitere Erforschung der Ruinen angelegen sein lassen, vornehmlich die Freilegung von Simbabye, das aus dem sogenannten elliptischen Tempel, einer „Akropolis" auf einer nahen Kopje und einigen minder bemerkenswerten Resten befiehl. Hall, mit den Arbeiten beauftragt, hat 1902 bis 1904 Grabungen vorgenommen und in einem jüngst erschienenen Buch „Great Zimbabwe“ und in einigen anderen, ergänzenden Veröffentlichungen darüber berichtet. Mit allen Inschriften und Gräbern kann er wiederum nicht dienen, aber hat doch manche Tatsachen von neuem erhärtet, vor allem die, daß sich unter den etwa 300 bis jetzt bekannten Ruinenstätten Süd-Rhodesiens wenn nicht viele, so doch einige Dutzend von sehr hohem Alter befinden- Zu diesen gehören die erwähnten beiden Hauptbauwerke von Simbabye selbst, wenn schon sie die Spuren jüngerer Ergänzungen tragen. Die übrigen Reste sind jünger, zum Teil nur wenige Jahrhunderte alt und Negerbauten. Es scheint, daß, nachdem die altsemitischen Kolonisatoren und Ausbeuter Rhodesien verlassen haben, der Minenbetrieb durch fremde Elemente für viele Jahrhunderte aufgehört hat, daß er erst von den Arabern der mohammedanischen Zeit und schließlich durch die Makalanga fortgeführt worden ist, unter Benutzung und Ausdehnung der alten Baureste. Man könnte nun eiuwenden, hier stehe Ansicht gegen Ansicht und es lasse sich nicht beurteilen, ob Mac Jver mit Recht oder Unrecht das, was man bisher für Tatsachen gehalten hat, für Irrtum erklärt. Es fehlt aber doch nicht -an Material, das den antiken sabäischen oder semitischen Ursprung mancher Ruinen sicherstellt und die Vermutung, alle ohne Ausnahme rührten von den Negern des 16. oder 15. Jahrhunderts her, ausschließt. Dahin gehört zunächst der allgemeine Charakter der Ruinen von Simbabye: den konischen Turm im elliptischen Tempel sieht man auch auf einer in Byblos im alten Phönizien gefundenen antiken Medaille, die Ornamentierung der Mauern auch auf Bauwerken Südarabiens. Ferner ein Teil der Funde: ein in Symbabye ausgegrabener Seifensteinzylinder mit Rosetten, gleicht einem auf der Stätte des alten phönizischen Tempels von Paphos gefundenen Zylinder; dann erinnern die zahlreichen Vogelfiguren aus Seifenstein an den ostmittelländischen Kulturkreis. Die Makalanga werden das alles ebenso wenig erfunden haben wie den Zodiakus auf einer in Simbabye gefundenen Holzschale, obwohl diese als vielleicht nicht antikes Beweisstück ausscheiden mag. Wenig beweiskräftig mögen auch die vielen in Simbabye gefundenen Phalli sein, weil sie überall das Symbol von Naturreligionen sind; ebenso wird man auf die „semitische" Gesichtsbildung der Makalanga nicht viel geben dürfen, weil solche auch sonst in der Welt vorkommt, wo von Blutmischung mit Semiten nicht die Rede sein kann. Im übrigen sei noch darauf verwiesen, daß es gar nichts Merkwürdiges und Unerhörtes ist, daß Semiten, vielleicht gar Juden selbst, in alten Zeiten hier kolonisiert haben; denn der semitische Kulturkreis geht auch bis Madagaskar. Bezieht sich Mac Jver darauf, daß Scherben chinesischen Porzellans in den untersten, also ältesten Schichten der von ihm besuchten Ruinenstätten Vorkommen, so hat sie Hall in Simbabye und anderwärts in den obersten Schichten gefunden, so daß anznnehmen ist, die von Mac Jver erforschten Ruinen gehören zu den mittelalterlich-arabischen. Der Mangel an alten Inschriften hat nicht viel zu besagen; denn bisher sind nur etwa neun Zehntel der Baureste aufgedeckt. Hall meint, man könne also noch solche finden. Man darf es vielleicht bezweifeln, aber dieser Mangel wäre weiter nichts, als eine Bestätigung der Anschauung, daß die altsemitischen Kolonisatoren damals, als sie nach Südostafrika kamen, noch nicht schreiben konnten.