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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Blocb 0 MOCbenSCDtUl. Seite 675 Vom Aabrmnrkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichle. (D ie Anträge des Abgeordneten Prohazka. — Biexohlawek und Hofrat v. Hock. — Die Gerechtigkeit in Oe st erreich und das Organ Verganis. — Die Verantwortung der christlichsozialen Partei. — Die Sünden der „Concordia" und Sienkiewicz'„Quo vaäis?" —Der Katholizismus und die historische Tatsache. — Die hypothetische Ewigkeit.) Der Antisemitismus als Erzieher. Der Abgeordnete Prohazka trägt einem jüdischen Advokaten im Gerichtssaale — Watschen an. Es kommt noch ärger. Landesausschuß Bielohlawek hält eine Rede über Freiherrn von Hock. Die antisemitischen Blätter leuchten dem Sozialdemokraten Schumeier ins Ehebett und derselbe Sozialdemokrat wird denunziert, weil er sein krankes Kind in Pflege gegeben, wo es in die Lage kommen konnte, von Barmherzigen Schwestern betreut zu werden. Man sieht, wie weit es bereits mit der Verrohung und Verwilderung des öffentlichen Verkehrstones in der Aera des Antisemitismus gekommen ist. „Warum die Entrüstung?" fragt das „Deutsche Volksblatt" mit Rücksicht auf die „Anträge" des Abgeordneten Prohazka. Es wundert sich nur. daß derartige Zwischenfälle nicht öfter Vorkommen. Denn wie bei unseren Gerichten oft die Kläger, Angeklagten und Zeugen behandelt werden, ist ein Skandal. „Insbesondere in jenen Fällen, wo der Angeklagte ein C h r i st. der Klageanwalt oder Verteidiger und der Richter Juden sind. Da ist der Angeklagte — um dessen Geschick es sich ja doch handelt — fast in der Regel Luft. Sein „Verteidiger" hat ja schon, bevor noch in die Verhandlung eingegangen wurde, die Sache mit dem gegnerischen Anwälte oder dem Richter abgemacht und entsprechend dieser Abmachung wird dasUrteil gefällt, das natürlich zuungunsten des Angeklagten ausfällt, auch wenn dieser im Rechte ist. Also mit der Majestät des Gerichtssaales ist es wirklich nicht so weit her, daß man dieserhalb einen solchen Lärm schlagen müßte, wie es jetzt der Judenpreffe gefällt." So also sieht es mit der Rechtspflege und der Gerechtigkeit in Oesterreich aus! Läge es damit nicht so im Argen, dann wäre ja wahrscheinlich auch Herr Vergani nicht genötigt gewesen, seine öffentlichen Ehrenstellen rkiederzulegen. So sprechen jene über Gerechtigkeit in Oesterreich, die den österreichischen Patriotismus bekanntlich gepachtet haben. Wenn ein „Judenblatt" Aehnliches zu schreiben sich unterfangen hätte, wäre das ein Haberfeldtreiben geworden! Das Organ des Vergani darf es, der Antisemitismus ist souverän. So darf auch ein Bielohlawek gegen einen der obersten Richter des Reiches losgehen. Ihm ist es ja nicht zu verübeln. Descartes nannte den Zweifel den Anfang aller Philosophie und alle Weisheit beginnt mit dem Satze: ich weiß, daß ich nichts weiß. So weit ist Herr Bielohlawek noch nicht. Erstens pfeift er auf die Weisheit überhaupt und zweitens hat er sie so schon mit Löffeln gefressen. Mit ihm also ist nicht zu rechnen, aber daß ihn die Partei losgelaffen hat auf einen Mann von Bildung und hoher Intelligenz, das fällt doch auf sie zurück. Wir reden durchaus nicht dem Bildungsprotzentum das Wort. Auch ein Greisler kann in seiner Sphäre Ehrenwertes und Tüchtiges leisten, aber daß man Herrn Bielohlawek gerade in Schulfragen hinausstellt, ihm das große Wort gibt über wichtige Bildungsanstalten, wie man ihn im Vorjahre an die Spitze des Patronanzkomitees für den internationalen Kongreß der Journalisten und Schriftsteller gestellt hat, das Alles trifft nicht sowohl ihn, wie die Partei, die es zuläßt, und wahrscheinlich darob selbst innerlich höchst vergnügt schmunzelt. Der tiefe Sinn dieser Konnivenz ist doch der: sie sollen sich nur giften! Wir meinen aber, daß auch die Welt dazu nur schmunzelt. * * * '„Wenn heute ein Schriftsteller sich einbildet, eine christliche Ueberzeugung haben zu dürfen, dann ist er in der Regel schon verloren. Er wird — und wenn er noch so viel Talent besäße — von dem eisernen Ring der jüdisch-freimaurerischen Klique erbarmungslos moralisch totgeschlagen. Wie das gemacht wird, dafür gibt ein Muster die Wiener „Concordia", die seit Jahrzehnten alle Geldinstitute, Theater, den Hof usw. zu Abgaben zwingt, welche sie zur ausschließlichen Förderung ihrer jüdisch-liberalen Kliqueintereffen verwendet. Wer nicht dem Judentum seinen untertänigsten Kotau macht, wird nicht nur in die „Concordia" nicht Hineingelaffen, sondern überall grundsätzlich boykottiert, obwol sich die Vereinigung überall anmaßt, als eine Jntereffenvertretung der gesamten Wiener Publizistik zu erscheinen. Daß dieses infame Monopol, mit Hilfe dessen die unfähigsten Subjekte zu Göttern emporgeschraubt und ausgezeichnete Talente abgewürgt werden, auch behördliche Unterstützung findet, zeigte die kürzlich erfolgte Berufung von nur liberalen und jüdischen Vertretern zu Sachverständigen im Urheberrechte. — Selten gelingt es einem Genie, die scheußlichen Machenschaften der internationalen, literarischen Tammanyhall zu überwinden." Mit diesen Worten beginnt die klerikale „Reichspost" einen schmerzhaften Artikel. Was ist denn nur um Gotteswillen schon wieder geschehen?! Wo ist das ausgezeichnete Talent, das die „Concordia" schon wieder abgewürgt hat? Ist es am Ende gar Herr Masaidek, der sich mit seinem gefinnungstüchtigen Antisemitismus so reiche Lorbeeren erwirbt? Aber Herr Masaidek ist Mitglied der „Concordia", obschon er nicht seinen nntertänigsten Kotau vor dem Judentum gemacht hat, und Herr Masaidek wird von der „Concordia" nicht gewürgt, sondern unterstützt, und zwar durch ausgiebige Jahressubventionen! Es ließe sich vielleicht streiten über die Notwendigkeit und die Berechtigung dieser Subventionen. Denn Herr Masaidek ist streitbarer Mitarbeiter der „Deutschen Zeitung", die doch die Geistesperlen, die er allsonntäglich in ihren Spalten in Form seiner tiefsinnigen „Glossen" zu Tage fördert, sicherlich nicht nur hochzuschätzen, sondern auch hoch zu honorieren sich veranlaßt sehen wird. Das wäre ja nur natürlich. Wenn man schon das seltene Glück hat, über einen solchen Sonntagshumoristen zu verfügen — Masaidek ist wahrhaftig eine seltene Erscheinung im Wiener Journalismus — dann muß man doch auch ihm alle moralischen und materiellen Ehren erweisen. Also es ist nicht das, was der frommen „Reichspost" die oben zitierte schmerzliche Threnodie erpreßt hat, sondern etwas anderes, ganz anderes. Wir müffen es schon verraten. Denn von selber würde kein vernünftiger Mensch darauf verfallen. Das ist geschehen: In Reclams Universal-Bibliothek ist jüngst auch Sienkiewicz' „Quo vadis?" erschienen. Der Uebersetzer ist Paul Seliger, wahrscheinlich kein Wiener Journalist oder Schriftsteller und ganz bestimmt nicht Mitglied der „Concordia". Der Uebersetzer hat dem Werke eine Einleitung vorausgeschickt, von welcher folgende Sätze den Zorn der „Reichspost" erweckt haben: „Was den historischen Kern der in dem Roman dargestellten Ereigniffe betrifft, so muß allerdings hervorgehoben werden, daß vieles davon nicht unzweifelhaft feststeht. So ist die Erzählung von Petrus Aufenthalt in Rom und seiner Kreuzigung rein legendarisch, und auch die Darstellung des Verhältniffes von Paulus zu Petrus entspricht nicht den Tatsachen, da Paulus keineswegs gewillt war, Petrus als seinen Oberhirten anzuerkennen. Auch muß erwähnt werden, daß die alte Streitftage, ob der Brand Roms wirklich von Nero veranlaßt worden sei, gegenwärtig von einer Reihe namhafter Forscher im verneinenden Sinne entschieden wird." Darüber gerät die „Reichspost" nun ganz aus dem Häuschen. Sie sieht darin die listig-verschlagene Bemühung, dem Christentum zu schaden und das Werk des Dichters zu einem „reinen Phantafiegebilde" zu stempeln. Nebenbei gesagt, wäre letztere Bemühung einem Dichter gegenüber noch sehr verzeihlich. „Zu solchen historischen Seitensprüngen muß die im „freisinnigen" Geiste geleitete Bibliothek ihre Zuflucht nehmen, um dem herrlichen Zeugnisse eines Sienkiewicz für den Katholizismus die Kraft zu nehmen. Selbst ein Nero muß zu diesem Zwecke reingewaschen werden. Es geht doch nichts über den

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