Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Skr. 42 Unter den vielen Tausenden von Leidtragenden, die dem Sarge Leb Groß' folgten, hätte man getrost, wenn dies fiir unsichtbare, geistige Leidtragende tunlich wäre — einen ersten Platz für die Thora reservieren müssen, denn diese hat in Leb Groß einen bewährten, unermüdlichen, unerschrockenen, ja heldenmütigen Vorkämpfer und Förderer verloren! Aus allen Gegenden des Landes waren sie herbeigeströmt die einstigen Freunde, Schüler, Schutzbefohlenen, der Landsturm, die Ersatzreserve, die Freiwilligen und die Alltagskombattanten der Thora, des Talmudstudiums, um den großen Toten die letzte Ehre zu erweisen. Die Rabbiner aus Pöstyen, Sommerein, Stampfen, Bösing, Karlsburg, Bittsee, Galantha, Tyrnau usw., sie alle waren herbeigeeilt, um dem Manne das letzte Geleite zu geben, der als Fahnen- und Fackelträger der Thora, des Talmudstudiums, ein halbes Jahrhundert hindurch Zehntausenden von Schülern die Wege ebnete, zeigte und erleuchtete, die sie zu wandeln haben. Wer Leb Groß war? Es existiert keine Stadt, kein Dorf, keine Gemeinde hüben und drüben, in Eiswie in Transleithanien, in Deutschland, in welcher der Name Leb (Leopold) Groß nicht geachtet und wohlbekannt wäre. Von seiner frühesten Jugend ausschließlich dem Talmudstudium sich widmend, kam Groß bald nach dem Tode des berühmten Chatam Sofer nach Preßburg, wo er von dem ebenso berühmten Sohne desselben, dem Kesow Sofer, an die Spitze der Rabbinatsschule gestellt wurde, zumal er durch hohe geistige Begabung, durch seltene Tugenden, durch wahre Frömmigkeit, sowie durch ein Herz voll Lieb und Güte für dieses verantwortungsreiche höhe Amt geradezu prädestiniert erschien. Was Groß in dieser, seiner Stellung leistete, das ist einfach unbeschreibbar. Von welchem Winkel der Welt auch immer Jemand kam, er bedurfte keiner weiteren Protektion, keines Fürsprechers, er fand in Leb Groß einen treuen Berater, einen Freund, einen Helfer, einen Wohltäter, einen Beschützer. Tausenden von unbemittelten Schülern hat er Wohnung, Kleidung, Verköstigung, den erkrankten Talmudhörern Arzt, Pflege, ja reichliche Geldmittel zu.verschaffen gewußt. Ebenso minutiös sorgte Groß für das geistige Wohl, für die tunlichste Vervollkommnung der Talmudschüler auf allen Gebieten jüdischen Wissens, er war ihnen allen Vater, ein Retter in der Not, ein Schutzengel. Seine Tätigkeit im Interesse der Rabbinatsschule brachte ihm zeitweilig auch manche Feinde ein, zumal er mit allen Mitteln des Geistes, des Wortes, der Satyre, des Witzes und der angebornen Beredt samkeit für seine Schutzbefohlenen, sowie für die makellose Lebensweise derselben kämpfte. Dabei war Groß von unsagbarer Bescheidenheit, jedes Lob, jeder Dank, jede Anerkennung seines Wirkens war ihm verhaßt. Die spontane Trauerkundgebung bei seinem Leichenbegängnisse zeigte es am besten, was Leb Groß für Preßburg war. Unaufgefordert schlossen sämtliche Kaufleute ihre Läden in den Gassen, durch welche der Trauerzug sich bewegte. Beim ifrael. Krankenhause wurde der Sarg vom Wageu gehoben und auf eine Tragbahre gestellt. Auf solch imposant-schaurige Weise wurde der tiefen Trauer auch äußerlich in prägnanter Weise Ausdruck verliehen. In seinen letztwilligen Anordnungen hatte es sich der Verstorbene verbeten, an seinem Grabe Trauerreden zu halten, ebenso ordnete er an, daß sein Grabstein nichts als seinen Namen enthalten darf. — Die hiesige Chewra-Kadischa hat, das mag besonders lobend hervorgehoben werden, dem Manne einen der schönsten Plätze als Grabstätte zugewiesen. — Am Friedhofe hielt der Sohn des hiesigen Rabbiners, Direktor-Stellvertreter Akiba Schreiber dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, dessen seltene Verdienste, dessen unermüdliche Tätigkeit im Interesse der Rabbinatsschule in markanten, eindrucksvollen Worten hervorhebend. Wie es heißt, wollen die Hörer der hiesigen Rabbinatsschule einen „Leb Groß"- Fonds anlegen und sammeln, dessen Zinsen am Todestage des Verstorbenen alljährlich verteilt und das Andenken an Leb Groß für ewige Zeiten aufrecht erhalten und sichern würden. — Wir wünschen vom Herzen, daß dieses Unternehmen von Erfolg begleitet sei, da dieser Mann es tatsächlich verdient hat, daß die Dankbarkeit der Nachwelt darin unzweideutig zum Ausdruck gelange. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die in allen Landen wohnenden zahlreichen Freunde, Verehrer und Schützlinge des Verstorbenen willig und gerne eine, wenn auch ganz kleine Beisteuer zu einem derartigen Fond spenden würden. Das geistige Monument, welches sich Leb Groß im Herzen der hiesigen Einwohner, bei seinen zahlreichen Gönnern und Verehrern errichtet hat, es wird ewig hier fortleben, makellos und rein wird dieser Name hier stets glänzen und als Wegweiser, als Leitstern, als Führer all derjenigen gelten, die in aller Zukunft an der hiesigen Rabbinatsschule ihre Kenntnisse vervollkommnen, ihre Fähigkeiten ausbilden, ihren Wissensdurst löschen werden. Der Name Leb Groß sowie sein Andenken bleibe stets gesegnet! Lasar Oe st erreiche r. Boskowitz. (Auszeichnung eines Lehrers.) Der Kaiser hat dem hiesigen Oberlehrer Herrn Hermann Spielmann das silberne Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Herr Spielmann, ein gebürtiger Mährer, wirkt seit 44 Jahren in Kremsier und Boskowitz als Lehrer. Mit seiner Frau Auguste lebt er seit 41 Jahren in glücklichster Ehe. Das Ehepaar hat neun Söhne und eine Tochter. Herr Spielmann ist in seinem Wirkungskreise und bei der ganzen Gesellschaft sehr beliebt. Seite 688 Kaposvar. Löbliche Redaktion! Zur Steuer der Wahrheit ersuche ich höflichst die Notiz Ihres Blattes (Nr. 39 vom 29. September 1905, Seite 616) aus „Kaposvar" gefälligst dahin berichtigen zu wollen, daß sich die betreffende Notiz unmöglich auf K a p o s v a r, Komitat Somogy, (soll vielleicht heißen K a P u v a r, Komitat Sopron) beziehen kann, da diese Gemeinde seit ihrem Bestände (zirka 70 Jahre) zur Kongreßpartei gehört. Mit Dank und Hochachtung Ben. David. Lemberg. Die Barmizwah-Feier des jungen Benedikt Zimetz, eines Sohnes des für die Wissenschaft des Judentums zu früh verstorbenen Rabbiners Dr. Bernhard Zimetz und Pflegesohnes unseres ehrw. Oberrabbiners Dr. Caro, vollzog sich am zweiten Sukkothfesttage unter besonderer Teilnahme der Gemeinde. Im Tempel hielt Se. Ehrwürden an den jungen Mann, der sowohl die Segenssprüche, als auch die Haftora mit besonderer Eloquenz vorgetragen hatte, eine ergreifende Ansprache. Zur Gratulation im Hause fanden sich die Spitzen der Gemeinde und der Verwaltung neben zahlreichen Freunden und Verwandten ein. Oberrabbiner Dr. Margulies aus Florenz, ein Onkel des Konfirmanden, gratulierte in einem erhebenden Schreiben. Lemberg. Ueber das Leichenbegängnis des Hingeschiedenen Oberrabbiners Schmelkes wird berichtet: Die Beerdigung begann Dienstag den 11. d. M. um 11 Uhr vormittags. Nicht nur die Judenschaft Lembergs und Vertreter der Behörden beteiligten sich an dem Trauerzuge, sondern auch aus der Provinz strömten Massen herbei, um an der Beerdigungsfeierlichkeit teilzunehmen. In allen Straßen, durch welche der Trauerzug seinen Weg nahm, waren die Geschäfte gesperrt. Vor verschiedenen Synagogen hielt der Leichenzug. Trauerreden hielten: der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner L e w i n aus Rzeszow: ein Enkel des Verblichenen, der Rabbiner von Sambor. der Rabbinatsassesor Brande und mehrere andere Rabbinen. Auf dem Friedhof hielt der Präsident der Gemeinde, Reichsratsabgeordneter Dr. Byk dem Verblichenen den Nachruf. Jaslo. Unsere hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den im Alter von 77 Jahren erfolgten Tod des Präsidenten Nastali W e l f e l d, der durch 30 Jahre an der Spitze der Gemeinde segensreich wirkte. Der Heimgegangene, welcher auch als ältester Gemeinderat, als Mitglied des Schulrates, als Vize-Präsident des Kreditvereines, seine Kräfte dem Gemeinwesen widmete, genoß allgemeine Verehrung, die sich auch bei der am 13. d. M. stattgehabten Beerdigungsfeier manifestierte. Alt und Jung ohne Unterschied der Konfession und des Standes war versammelt, um dem Verstorbenen das letzte Geleite zu geben. Herr Rabbiner Rubin hielt eine eindrucksvolle Trauerrede. Friede seiner Asche! Berlin. Am 8. Oktober hat sich der „Bezalel", Komitee für Entwicklung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina, definitiv konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Professor Doktor C. Marburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Paul Nathan, zum Schatzmeister Berthold Israel gewählt. Dem Komitee gehören ferner an: James Simon, Dr. E. Mittwoch, Dr. S. Sl^kin, Fabriksbesitzer S. Heppner, Dr. H. Hildesheimer, Dir. P. Lewy in Firma Gladenbeck u. Sohn, Dr. F. Oppenheimer, Professor Dr. M. Philippson, Dr. P. Schottländer. Den künstlerischen Beirat bilden: I. Bodenstein, Josef Jzraels, Max Liebermann, E. M. Lilien, H. Struck. Es wurde beschlossen, die Schule mit Beginn des Jahres 1906 zu eröffnen, zu welchem Zweck der Bildhauer Professor Boris Schatz und der Maler E. M. Lilien sich demnächst nach Palästina begeben werden. Eine Anzahl Schüler hat sich bereits angemeldet und es werden noch weitere Anmeldungen entgegengenommen. Der Unterricht in der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem findet völlig unentgeltlich statt. Auch das für den Unterricht nötige Material (Papier, Farben u. dgl.) erhalten die Schüler kostenlos. Es werden von den Schülern bei dem Wettbewerb keine fertig ausgeführten Werke verlangt, sondern irgend welche Arbeiten überhaupt, aus denen man ein Urteil Dr Mocb's Mocbenscbritt.