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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 668 Dr. Mocb's Mocbenscbrirr. Nr. 42 und glaubt, daß Rußland gegen den Plan Mr. Jone's nichts einzuwenden haben wird. Ein Mr. I. M. Grant, der Gehilfe des Agent General für Queesland gibt dem Vertreter der „Jewifh Chronicle" in London zu, daß Queensland dringend neuer Ansiedler bedarf. In Queensland gibt es noch Platz für Hunderttausende von Kolonisten, so daß die Regierung ganze Farmen im Umfange von 160—640 Acres zum Preise von 2 ‘/2 Shilling pro Acre, abzahlbar in 10 Jahren, gerne gibt. Dennoch sind die Aussichten für eine größere jüdische Auswanderung nach Queensland ziemlich gering. Trotz des billigen Bodens kostet da die Einrichtung einer Farm über 8000 Mk. und die einer Milchwirtschaft sogar 20.000 Mark. Dazu kommt noch die teuere Ueberfahrt. so daß sich vermutlich wohl sehr wenig Juden mit so viel Geld entschließen würden, gerade nach Queensland auszuwandern. Wie groß übrigens die den Einwanderern entgegengestellten Schwierigkeiten sind, ist aus der Vorschrift zu ersehen, wonach jeder Einwanderer nach Diktat des Hafenbeamten 50 Worte in einer vom letzteren gewählten europäischen Sprach? zu schreiben hat. Ein englischer Matrose soll deshalb zurückgewiesen worden sein, weil er die von dem Einwanderungsbeamten in griechischer Sprache ihm diktierten 50 Worte nicht schreiben konnte. Die erwähnte Zeitung „Israelis Messenger" erscheint einmal in zwei Wochen und es ist interessant, einen Blick in dieses im fernsten Osten erscheinende jüdische Organ zu werfen. In der oben zitierten Nummer berichtet das Blatt über das Eingehen einer anderen jüdischen Zeitung „Voice of Sinai" in Kalkutta. Die „Voice of Sinai" habe zwar niemals das wahre Judentum vertreten. Dennoch sei es zu bedauern, daß die Juden Indiens nunmehr ohne eigenes Organ sind. Interessant ist auch der Inseratenteil des Blattes. Chang-sing & Co. machen bekannt, daß sie eine Partie Herrenuud Damenkleider eben aus Amerika erhalten haben. Chang-sing & Co. bieten auch Hüte, Schuhe, Strümpfe und Taschentücher zu fabelhaft billigen Preisen an. Wu-ki repariert Uhren, Fahrräder und Schreibmaschinen. Tsching-sing & Co. führen pünktlich Ordres für Druckereiarbeiten aus. Wo-Shing empfiehlt sich den jüdischen Lesern des Blattes als Goldschmied und Graveur. Im Text des Blattes finden wir auch einen Auftuf zu Gunsten der beim Krawall von Shitomir geschädigten Juden. Vermischtes. Wien. (BarMizwah-Vorbereitungskurs.) Montag, den 23. Oktober d. I., um 6 Uhr abends, finden in der Religionsschule der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, die Einschreibungen für den Bar-Mizwah-Vorbereitungskurs statt. An dem Unterrichte, welcher unentgeltlich erteilt wird, können nur unbemittelte Schüler teilnehmen. Wien. Die Einschreibungen für den Unterricht an der Bibelschule der Israelitischen Kultusgemeinde, II., Tempelgasse 3, finden mit Rücksicht auf bauliche Veränderungen erst im Monate November d. I. statt. Tag und Stunde werden später bekanntgegeben werden. Wien. Der Beginn des Gottesdienstes, welcher am Schemini-Azeres (21. Oktober d. I.) vom Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Fleischmarkt 16, (Hotel Post) und im zweiten Bezirk, Praterstraße 34 (Nestroyhof) veranstaltet wird, i st nicht für 1/29 Uhr, sondern für '/2IO Uhr früh angesetzt. Wien. Vergangene Woche feierte Herr Josef Guttm a n n, Geschästsleiter der Firma Wilhelm Todesco, Konditorei, I., Rabensteig 2, sein 25jähriges Dienftjubiläum, aus welchem Anlässe ihm mehrfache, wohlverdiente Ehrungen zuteil wurden. Herr Guttmann, der durch 25 Jahre ununterbrochen bei obiger Firma tätig ist, erfreut sich allgemeiner Sympathien. Der Jubilar ist auch Mitglied mehrerer jüdischer Wohltätigkeits-Vereine und wurde anläßlich seines Jubiläums auch von diesen geehrt. Wien. Am Simchas Thora-Feste begeht der in weitern jüdischen Kreisen wohlbekannte und geschätzte Herr Adolf Schreiber seinen 70. Geburtstag. Der Vorstand des Brigittenauer Tempelvereines, dessen langjähriges Mitglied Herr S ch r e i b e r ist, und der Brigittenauer israelitische Männer- Unterstützungsverein in dem er die Ehrenstelle als Obmann bekleidet, haben Vorbereitungen getroffen, um den Jubilar in entsprechender Weise zu ehren und die Sympathien der gesamten jüdischen Bevölkerung des XX. Bezirkes, welche derselbe im hohen Maße genießt, in eklatanter Weise zum Ausdrucke zu bringen. Herr Schreiber ist in der altjüdischen Stadt Boskowitz (Mähren) als der Sohn frommer und angesehener Eltern 1835 geboren, er ist also ein Kind aus dem Ghetto. Ein glückliches heiteres Naturell und ein goldenes, für seine Mitmenschen warm fühlendes Herz hat Herr Schreiber aus dem Ghetto in das Getriebe der Großstadt mit herübergebracht. Diese Eigenschaften haben nicht bloß dem Jubilar eine unverwelkliche Jugendsrische bewahrt, sondern auch viel Gutes und Edles gestiftet. „Ich weiß schon, wo Einem der Schuh drückt" pflegt der joviale, stets heitere Mann zu sagen; und seine Wirksamkeit auf humanitärem Gebiete, besonders aber als Vertrauensmann der Baron Hirsch-Stiftung hat schon manche Träne getrocknet, manche schwankende Existenz wieder aufgerichtet. Wien. (Todesfall.) Dienstag den 16. d. M. verschied hier im 86. Lebensjahre Herr Ezechiel P 0 l l a k, Beamter der israelitischen Armenanstalt in Pension. Er war durch 40 Jahre, bis zum Jahre 1895, Armenvater, suchte selbst die Hilfsbedürftigen in ihren Wohnungen auf und brachte ihnen gerne die Unterstützungen ins Haus. Auch für die arme, studierende Jugend war er ein wahrer Wohltäter. Der Verblichene war auch durch fünf Dezennien in der früheren Ankerschul, jetzt Schiffschul, als Vorbeter tätig und wußte durch seine schlichte, aber immer gefühlvolle und innige Vortragsweise die Gemeinde zu erbauen und zu wahrer Andacht hinzureißen. Mit Ezechiel Pollak, der auch ein gewiegter Talmudist war und in seiner Jugend die berühmte Talmudschule in Preßburg unter den Rabbinern Chatam und Kesow Sofer besuchte, ist ein Stück des echten, alten, konservativen Judentums aus dem Leben geschieden. Der Verblichene erfreute sich ob seiner Bescheidenheit, Frömmigkeit und Menschenliebe allgemeiner Anerkennung und Beliebtheit. Gar viele Arme wissen zu erzählen, welchen Wohltäter sie an ihm, der seine guten Taten gerne im Stillen geübt, verloren haben. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag vom Hause II., Große. Schiffgasse 6 aus statt; die Leiche wurde nach Baden überführt und dort um 2 Uhr nachmittags zur ewigen Ruhe bestattet. Wien. (Todesfall.) Am 12. d. M. starb im 84. Lebensjahre Frau Jeanette Z e r k 0 w i tz, Arztenswitwe, bei ihrer einzigen Tochter Sidonie Grünwald-Zerkowitz, Schriftstellerin in Wien, und wurde in ihre Heimat nach Holleschau in Mähren überführt, wo sie am 16. d. M. unter Begleitung der Honoratioren der israelitischen Kultusgemeinde beerdigt wurde. An ihrem Sarge trauern die genannte Tochter und die beiden Söhne Architekt und Stadtbaumeister Julius Zerkowitz und Dr. Johann Zerkowitz, I. Sekretär und Prokurist der Niederösterreichischen Eskompte-Gesellschaft. Die Verewigte stammt aus dem Hause Knöpfelmacher, welches durch drei Jahrhunderte in der Jsraelitenstadt Holleschau an der Spitze der Gemeinde stand. Leb Groß. Preßburg. Unsere altehrwürdige Gemeinde hat heute einen großen Toten zu Grabe gebettet. Seit Jahren hat Preßburg kein solch imposantes, durch riesenhafte Beteiligung ganz außergewöhnliches, des großen Toten würdiges Leichenbegängnis gesehen, als dasjenige war, welches Gemeinde und Chewra-Kadischa dem tags zuvor plötzlich verstorbenen Leopold (Leb) Groß zuteil werden ließen. Die Gasse weinte, Preßburg, die langjährige Stätte der unnachahmlichen, beispiellos segensreichen Tätigkeit des Dahingeschiedenen, Frauen. Männer, Kinder, sie alle weinten, vergossen bittere Tränen ob des unersetzlichen Verlustes, welchen die hiesige Rabbinatsschule, die Gemeinde ob des Hinscheidens dieses Mannes erlitten.

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