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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Blorh's Wochenschrift. Seite 667 Israelitischen Kultusgemeinde Pohrlitz die herzlichsten Glückwünsche, welche vor allem darin gipfeln, der Allmächtige möge Euer Ehrwürden noch lange zur Zierde und zum Stolze des Judentums erhalten." Jüdische Studenten in Rußland. Ueber die Vorgänge, welche zur Aushebung der die Anzahl der jüdischen Studierenden in Rußland auf drei Perzent der Gesamtzahl beschränkenden Bestini'.r.ungen führten, schreiben die „Rußkija Wjedomosti": Gestern sandte der Rektor der Moskauer Universität, Fürst S. N. Trubetzkoi dem Minister der Volksaufklärung ein Telegramm folgenden Inhalts: „Dringend ersuche ich Euere Durchlaucht um die Genehmigung, 62 Juden des Moskauer Lehrbezirks über den Prozentsatz hinaus aufzunehmen. Hinsichtlich der allgemeinen Sachlage im Universitätsrate der Gesellschaft und Studentenschaft würde ich die schleunigste Entscheidung dieser Angelegenheit für höchst wichtig erachten". Gleichzeitig nahm der Universitätsrat den Vorschlag der Professorenkommission an, ein Gesuch einzureichen, um überhaupt die Beschränkungen bei der Aufnahme jüdischer Studenten an der Moskauer Universität auszuheben, indem er dieses Gesuch mit folgenden Gründen motivierte: „Die Norm, welche die Zahl der jüdischen Studenten an der Moskauer Universität auf drei Perzent beschränkt, ist ohne Zustimmug -der Universität aufgestellt und nach der Ansicht der Kommission durch keine Bedingung des Universitätslebens veranlaßt worden! Im Gegenteil stiftete die ungerechte und ganz willkürliche Beraubung der Rechte zur Bildung einer ganzen Kategorie russischer Bürger nur Verwirrung und vergrößerte nur die schwere Lage der Universität, da sie in den Augen der Gesellschaft und Studentenschaft durch den Eindruck dieser Anordnung in Mißkredit gelangte. Deshalb würde es im Namen der Gerechtigkeit und zur Wahrung der inneren Universitätsordnung schon heute für das künftige akademische Jahr notwendig erscheinen, den Perzentsatz der Juden aufzuheben. Es wäre vielleicht auch gerecht, diejenigen Juden aufzunehmen, welche die Gymnasien anderer Lehrbezirke absolvierten; aber das ist unmöglich, weil alle Universitätskurse überfüllt sind und die Aufnahme von Studenten anderer Lehrbezirke, auch nichtjüdischer Konfession, längst aufgehörl hat. Leider stieß hier die Kommission auf Widersprüche juridischen Charakters. Wirklich erfolgte die perzentuelle Beschränkung der Juden durch allerhöchste Genehmigung der Verfügungen des Ministerkomitees vom 5. Dezember 1686 und 26. Juni 1887; die Bekanntmachung dieser Verfügungen erfolgte nicht durch den Senat. Die Kommission konnte nirgends diese Verfügungen des Ministerkomitees vorfinden, und nur hierauf gestützt, hat der frühere Minister der Volksaufklärung Deljanow, wie ersichtlich aus den Papieren des Inspektors des Moskauer Lehrbezirks vom 2. Juli 1887 sub Nummer 6084, für die Moskauer Universität die Norm von drei Perzent für die Juden aufgestellt. Gleichzeitig damit ist im Statut (Ausgabe XI, 1899—1900) zum Artikel 787 eine Bemerkung hinzugefügt, daß „die Beschränkung der Aufnahme der Juden in den Verfügungen und besonderen Gesetzgebungen enthalten ist". Nach der juridischen Meinung der Kommissionsmitglieder und des zur Sitzung eingeladenen Privatdozenten N. W. Dawydow kann man diese Sachlage nicht ignorieren und die juridische Kraft .der Beschränkung bei der Aufnahme der Juden kann nicht bestritten werden. Man würde sich vielleicht darauf berufen können, daß die Verfügungen des Ministerkomitees vom Jahre 1886 und 1887 nicht veröffentlicht worden sind, und man könnte den Senat zur Verantwortung ziehen; allein das würde nur wenig das Schicksal der auf die Entscheidung des Rates wartenden 62 Juden fördern. Aus diesen Gründen findet es die Kommission für zweckentsprechend, sich an den Minister der Volksaufklärung mit dem Gesuche zu wenden, die Beschränkung bei der Aufnahme jüdischer Studenten an der Moskauer kaiserlichen Universität auf Grund der Verfügung des Ministerkomitees vom 5. Dezember 1886 und 26. Juni 1887 aufzuheben" Erfreulicherweise bat sich der russische Minister für Volksaufklärung dieser Argumentierung nicht verschließen können. Mohilew a. Dnjepr. Auf Befehl des Gouverneurs wurde am 23. September der Augenarzt Jakob Anatoljewitsch L u r j e nach dem archangelschen Gouvernement in die Verbannung geschickt. An demselben Tage, da ihm der Verbannungsbefehl zugestellt wurde, mußte er seine Familie mittellos in der Stadt zurücklassen, wo er sein ganzes Leben verbracht und viel Gutes getan hat, denn die Polizei ließ eine Begleitung seiner Angehörigen nicht zu. Die Stadt hat in dem Unglücklichen einen beliebten und tüchtigen Arzt verloren, der unermüdlich tätig war, den armen Kranken seine Hülfe zu gewähren, und die jüdische Bevölkerung verlor in ihm einen Mann, der sich zu jeder Zeit ihren Jntereffen widmete. Die ganze Stadt — Juden und Christen — ist über die Verbannung, für welche kein Grund bekannt und sicherlich auch nicht vorhanden ist, aufgebracht. Ehrengeschenk für den Präsidenten Roosevelt. Petersburg. In den Kreisen der wohlhabenden jüdischen Bürgerschaft von Petersburg ist eine Subskriptionsliste für ein Ehrengeschenk für den Präsidenten in Umlauf. In dieser Form will die russische Judenschast dem Präsidenten ihren Dank dafür abstatten, daß Roosevelt in seinen wiederholten Konferenzen mit Witte und auf diplomatischem Wege auf die bedrängte Lage der russischen Juden hingewiesen, im Namen der Humanität bezügliche Vorstellungen bei der russischen Regierung erhoben und auf eine Linderung des traurigen Schicksals der jüdischen Massen Rußlands hingewirkt hat. Feier 250-jähriger israelitischer Anfiedlurrg in Amerika. Oeffentliche Feiern zum 250-jährigen Bestehen israelitischer Anfiedlung in New-Iork sollen am Danksagungstage, 30. November, in Carnegie Hall und am Samstag und Sonntag vorher in allen Synagogen und israelitischen Sabbathschulen veranstaltet werden. Die ersten Israeliten, die zu dauerndem Aufenthalt nach dem damaligen New-Amsterdam kamen, landeten am 1. September 1654, doch wurde das offizielle Dekret, das ihnen das Hierbleiben gestattete, erst am 26. April 1655 vom Gouverneur Stuyvesant erlaffen. Als Gründe für die Zulassung führte der Gouverneur die großen Geldverluste einiger Israeliten bei der Eroberung Brasiliens und die bedeutenden Kapitalien, die sie in der holländisch-westindischen Kompagnie angelegt hatten, an. Die Eröffnung der neuen Welt für die Israeliten war für diese umso bedeutungsvoller, als ihnen damals im westlichen Europa nur die Niederlande offen standen. Ueberall in den Vereinigten Staaten wird das Ereignis von den jüdischen Gemeinden gefeiert werden, und die Arrangements für die Veranstaltungen in New-Aork liegen in Händen des folgenden einflußreichen Komitees: Jakob H. Schiff, Vorsitzer, Cyrus Adler, Samuel Greenbaum, Daniel Guggenheim, Jacob H. Holländer, Edward Lauterbach, Adolph Lewisohn, Louis Marshall, Rev. Dr. H. Pereira Mendes, Louis Stern, Oscar S. Straus, Mayer Sulzberger, Jsaac N. Seligman, Schatzmeister, und Dr. Max I. Köhler, Ehrensekretär. New-Pork Mr. Philip Cowen, der Herausgeber des „American Hebrew", ist an Stelle des Herrn Markus Brown, der auf sein Amt verzichtet hatte, zum Einwanderungskommiffar auf Ellis Island ernannt worden. Dieses ist ein Beweis dafür, daß die amerikanische Regierung von dem bisherigen rigorosen Benehmen des Herrn Williams, sowie seines Nachfolgers Robert Watchorn, den einwanderungslustigen Fremden gegenüber wenig erbaut ist und wenigstens in Bezug auf die Juden eine mildere Praxis einzuschlagen gedenkt. — Die Bibliothek des verstorbenen Oberrabbiners von Budapest, Dr. Kayserling, ist an das Hebrew Union Kollege verkauft worden. Die Bibliothek hat 3500 bis 4000 Bände, sowie zahlreiche Handschriften, welche namentlich für die Geschichte Amerikas, sowie des amerikanischen Judentums von großem Werte find. Shanghai. Die australische Regierung, die seit vielen Jahren sich hermetisch gegen alle nicht englischen Einwanderer abschließt, speziell aber der Einwanderung von Juden die größten Schwierigkeiten bereitet, scheint allmählich die schlimmen Folgen ihrer Absperrungspolitik einzusehen und bemüht zu sein, etwas mehr frisches Blut in das dumpfe und stagnierende Australien einzuführen. Wie der in Shanghai erscheinende „Israels Messenger" mitteilt, ist der Vertreter Queensland für Ostafien Mr. F. Jones bei der tokiotischen Regierung vorstellig geworden, den jüdischen Kriegsgefangenen in Japan zu gestatten, nach Queensland auszuwandern. Der „Japan Chronicle" kommentiert diesen Vorschlag in seiner Nummer vom 30. Juli sehr günstig

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