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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 658 Dr. Vlocb's Miocvenscvnn. Nr. 42 autritt eines Handelsgewerbes wird einem Juden auf das Aeußerste erschwert werden. Die Erfahrungen, die bisher mit dem handwerksmäßigen Befähigungsnachweise gemacht wurden, berechtigen nur zu sehr zu dieser trüben Voraussicht. Und je größer die Befähigung, je begründeter der Anspruch des jüdischen Handelsbeflissenen auf selbstständige Etablierung ist, umso größere Prügel wird man ihni vor die Füße werfen. Denn, um es neuerlich und immer wieder zu sagen: Der Befähigungsnachweis hat nicht den Zweck, die Befähigten zu fördern, sondern er dient dazu, sie zu hemmen, zu unterdrücken. Aus drei Gründen also müssen die Juden mit dem Aufgebote aller Kraft gegen den Befähigungsnachweis für die Handelsgewerbe zu Felde ziehen: Erstens, weil sie vorwiegend Handeltreibende sind; zweitens, weil ihnen der Uebergang in andere Erwerbszweige verwehrt wird, und drittens, weil der Antisemitismus es unausgesetzt und überall auf ihren materiellen Ruin abgesehen hat und sie in die Zwangslage versetzt, die Möglichkeit des Uebertrittes aus einer Branche in die andere offen zu halten. * * * I« der Erwägung, daß der vom Gewerbeausschusse beschlossene Befähigungsnachweis für die Haudelsgewerbe die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Bevölkerung auf das Aeußerste gefährdet, beruft der Vorstand der „Oesterreichisch- Jsraelitischeu Union" für Dienstag den 24 Oktober in den großen Saal des „Hotel P o ft", Fleischmarkt 16, eine Versammlung ein, in welcher Herr Dr. Friedrich Hertz einen Bortrag über den „B efähigungs nach weis im Haudelsgewerbe" halten wird. An die jüdischen Kaufleute Wiens ergeht hiemit die Aufforderung, sich zu dieser Versammlung zahlreich eiuzufindeu und durch ihr Votum einen energischen Protest gegen die Beschlüsse des Gewerbe-Ausschusses zu ermöglichen. Dir Kosename« a«s — ries. In der letzten Nummer der zionistischen „Welt", die gegen jede Assimilation der Juden predigt, wird ein mährischer Bürgermeister Namens „A b e l e s" wegen seines Eintretens für die deutsche Partei angegriffen, und zwar auch mit Berufung darauf, daß die Namen auf — eles in der deutschen Grammatik nicht Vorkommen. Diese Behauptung beruht auf einem (in Oesterreich weit verbreiteten) Irrtum. Ein Blick in Fischer's Schwäbisches Wörterbuch (Tübingen 1901, Band I, S. 11) belehrt, daß die Namensform „A b e l e s" mehrfach in schwäbischen Ortsnamen als erster Bestandteil vorkommt. Ueberhaupt sind alle auf germanischem Boden entstand en e n Na men auf — eles deutsch, wie ich dies in zwei Abhandlungen (Beilagen zur „Münchener Allgemeinen Zeitung" Nr. 86 vom 14. April 1900 und Nr. 125 vom 3. Juni 1901) nachgewiesen habe. Schon in der althochdeutschen Periode kamen Namen auf — eles häufig vor, z. B. Rikelestorpe (Holstein), Bulseles botele (jetzt Wolsenbüttel), B r uw e l e s (Hessen), S a n w e l e s (Württemberg), Museleschirchen und H e c e l e s dorf (Steiermark). Ebenso bei den Angelsachsen in England z. B. W i n d e l e s ora (jetzt Schloß Windsor), KemelesHage, Thatteles weg, Pinrkelesfeü) (die Urkunde über die Schenkung der Herrschaft Pinnelesfeld seitens des Königs Ecgfrith an den Abt Willegoda stammt aus dem Jahre 796, also aus der Zeit KarldesGroßen!) Die mittelhochdeutsche Periode war zwar der Entstehung neuer Namen auf — eles nicht günstig. Trotzdem finden sich auch in dieser Periode solche Namen, z. B. Johannes de Oselestorpe im I. 1312, Ludeke de Cropeles- Hagen im I. 1343, Mechtildis Brechwinkele K im I. 1350 (Lüneburgs ältestes Stadtbuch, herausgegeben von Neinecke, 1903, S. 11, 117 und 129), Hinrik Dan eles irn I. 1378 (Codex diplomaticus Anhaltinns, Bd. IV. S. 522.). Der merkwürdigste Name auf — eles aus dieser Periode dürfte wohl der der Mutter Parcivals sein, die nach einer Version den Namen Kammueles geführt hat (Piper in der Ausgabe Wolframs von Eschenbach Teil I, S. 67.). Von einer wahren Renaissance solcher Personen- und Ortsnamen auf — eles kann man aber in der n e u h o chdeutschen Periode sprechen. Als Beispiele mögen hier angeführt sein: Aus Württemberg: die Orts- und Flurnamen Angeles, Bekenjokeles, Bummeles, Micheles, Geigerles, Zikeles - Holz, Stöffeles - Berg. Die Personennamen Dötterles Neas (d. i. Agnes Dötterle) und Z a ch e r l e s Max (in I. G. Scheifeles Schwäbischen Gedichten: Mucka und Wefzga, 1874, S. 11, 17 und 162.) Aus Baden: Bascheleshof, Jockeleshof, Haberleshof, Waideleshof, Dieterleshof, Gebeleshof; dementsprechend heißen die Hofbesitzer: Hanselesbauer, Waide lesbauer u. s. w. Aus dem Elsaß: Büsche les -Haus, Durbeles- Häusle. Der berühmte Wallfahrtsort St. Jago de Compostella heißt in Elsässer Mundart: Sankt Joggeles. „Es isch emol e Babbe g'sin un e Mamme, Uu e kleiner wunzijer Bue, Die sin mit'nander noch Sankt Joggeles zue." (Vgl. Martin ».Lienhart, Wörterbuch der elsässischen Mundarten, Bd. i, 1899, S. 405.) .. j;,, Aus Bayern: die Ortsnamen Dederles, Döbelesried, Hammerles, Oefeles mühle, der Berg M äd e lesgabel, der See Christeles -See. Besonders interessant ist der Name des Bauernknechts Jocke-Lippeles- Mathes in dem Ludwig Ganghofer'schen Bauerndrama „Der heilige Rat", welches vom Tegernseer Bauerntheater .im Sommer dieses Jahres auch in Wien aufgeführt wurde. Aus Tirol und Vorarlberg: Die Bergnamen O r t e l e s (d. i. der eigentliche Name des O r t l e r)> der I p p e l e s kogel, die Z i s ch g e l e s spitze, die A u e l e s wände, das H a r m e l e s joch, der S i m e l e s köpf, die U r b e l e & karspitze, der Zumeles, der A l P e l e s fee, der Hofname Zächerles (vgl. die tirolifchen Weisthümer, herausgegebenvon Zingerle u. Jnama-Sternegg, Bd. II, S. 386). Erwähnenswert ist auch die Sage vom Nörglein auf Ask.eles in Zingerle's Sagen und Märchen aus Tirol 1859, S. 73, und das Gedicht „Die Brautwahl" in Caspar Hagen's Gedichten in alemannischer Mundart, Bd. II, 1874, S. 204: Um Iokeles Amale ist 's G'riss' it gär so groß,. Die war ietz wieder ledig, die war ietz wieder los. Doch goht se halbfranzöstjch, o die war nint füer's Veäh; Der Guckar brächt' do's Hass uf, die soll a'n Herre neäh. As wär' koa Übels Mädle bi G u g e l e's die Jüngst, Verzöge wär' se schwerle, thät tanze, wie du singst. Aus Holland und Flandern: Die Familiennamen A n d e l e s, van B a t e l e s, S i e b el e s, Stiege l e s, Paeffeles, Vinkeles. Aus Friesland: Die Familiennamen Oebel es, Okeles, Reddeles, Wiggeles, Ja k k e l e s, Ab e l e s (vgl. Lexikon bzw. Onomasticon Frisicum von Dijkstra und H e t t e m a bzw. Winkler Leeuwarden 1898). Aus Böhmen: Die Ortsnamen S a t t e l e s, T ö p p e l e s (beide bei Karlsbad), H a b e r l e s und Sacherles.

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