Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 650 Nr. 41 Dr. Dlocb's Mlocdenscbrttl. Erbitterung des Volkes gegen alles, was die Bezeichnung „Behörde" führt — das ist nichts anderes als eine Antwort des Volkes auf jenen Ukas des Zaren, in dem die Konstitution — verweigert wurde. Und andererseits: Die zügellose, brutale Wut, mit der Militär und Polizei die Staatsbürger behandeln, die tollen Orgien der Grausamkeit und Bestialität, die in den Straßen von Moskau aufgeführt werden — sie beweisen, daß der große ruffische „Tschin" sich vielleicht noch nie so wohl befunden hat wie in diesen Tagen der „Reformära". Sie dürfen schießen, prügeln, peitschen und foltern — nach Herzenslust. Selbst Murawiew, der Henker Polens, hat nie schönere Tage gesehen. . . . Auch im Kaukasus, auf diesem gefährlichsten Boden Rußlands, hat die Revolution wieder drohend ihr Haupt erhoben. In Tiflis gab es einen wahren Schreckenstag. Bomben an allen Ecken und Enden der Stadt. Das Ende dieses Krieges wird trotz der Verfassungskomödie, zu der man sich entschlossen, Wohl noch sehr lange auf sich warten lassen, und seine Liquidierung wird den Vertretern der Autokratie viel, viel teurer zu stehen kommen als jene des ostasiatischen Abenteuers, das dem Herrn v. Witte den Grafentitel eingetragen hat. Herimscbtes. Ehrung für den k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. Der Bethausvorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat, um der besonderen Verehrung für seinen hochverdienten Präsidenten Herrn k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn dauernden Ausdruck zu verleihen, ein weißes kostbares Porauches für die heilige Bundeslade im Leopoldstädter Tempel auf eigene Kosten anfertigen lassen und wurde die eingestickte Inschrift von Sr. Ehrwürden, dem Herrn Rabbiner Dr. Schmied! verfaßt. Am Samstag den 7. Oktober, anläßlich der Plenarsitzung des Bethausvorstandes, wurde dem Präsidenten von dieser Ehrung in solenner Form Mitteilung gemacht. Herr Hofrat Sigmund T a u s s i g hielt an den Gefeierten eine herzliche Ansprache, in welcher er demselben der besonderen Liebe und Verehrung der Kollegen versicherte und daran die Bitte knüpfte, diese Widmung als Zeichen der Sympathien des gesummten Kollegiums entgegenzunehmen. Präsident-Stellvertreter Herr Phil.- und Jur.-Dr. Markus Spitzer hebt die Bedeutung des Porauches in der Tempeleinrichtung und den innigen, geistigen Zusammenhang der dem Gefeierten gewordenen Auszeichnung mit seinem auf die Verherrlichung des Gottesdienstes gerichteten segensreichen Wirken hervor. Redner schildert sodann die glänzenden Verdienste, welche sich der Präsident um die Verwaltung unserer Bethäuser erworben und wie die freudige, neidlose und ungeteilte Anerkennung in der erwiesenen Ehrung den erhebendsten, trefflichsten Ausdruck gesunden. Tief gerührt dankte Herr Dr. Kohn den beiden Rednern für chre freundlichen Worte und allen Mitgliedern des Bethausvorstandes für die hohe Ehrung. Er betonte, daß er nur — gleich wie alle anderen Mitglieder des Bethausvorstandes — bloß seine Pflicht erfülle und dies im Kreise dieser Männer mit umso größerer Freude, als die Mitglieder des Bethausvorstandes nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde seien. In humorvoller Weise erwähnte er, daß man Monumente wohl den Lebenden nicht zu errichten pflegt, und er hoffe noch recht lange zu leben. Die Auszeichnung betrachte er als zu weitgehend und die ungewöhnliche Ehrung verdanke er nur der Freundschaft seiner Kollegen. Das Porauches, welches sich in höchster Weise würdig repräsentiert, wurde von der Firma I. M. B e l f verfertigt und gelangte am ersten Tage des Neujahrsfestes zur Verwendung und verdient der Vorsteher Herr S. A. Wasservogl für seine Mühewaltung, gelegentlich der Verwirklichung dieser Ehrung, die größte Anerkennung. Wien. (Vorlesung.) Der Hof- und Gerichtsadvokat Herr Dr. Philipp Meitner wird in einem ungefähr 8 Vorlesungen umfassenden Vortragszyklus K a n t's System der reinen Vernunft vollständig und gemeinverständlich darlegen. Die Vorträge, für die die niederösterreichische Advokatenkammer in dankenswerter Weise ihren Sitzungssaal zur Verfügung gestellt hat, werden ab 16. Oktober jeden Montag und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr abends unentgeltlich abgehalten. Schriftliche Anmeldungen wolle man an die niederösterreichische Advokatenkammer, I., Rothenthurmstraße 13 oder an Herrn Dr. Philipp Meitner, I., Eßlinggasse 15 richten. Gäste willkommen. Wien. Am 29. September wußte das „Deutsche Volksblatt" wieder einmal von einem aufsehenerregenden Mädchenmorde zu berichten. In der Nähe von Krakau wurde die Leiche eines 9jährigen Mädchens, der Hausbesorgerstochter Marie Kolas, aufgefunden, das augenscheinlich das Opfer eines Lustmordes geworden war. Das „Deutsche Volksblatt", welches ursprünglich gleichfalls dieses Motiv verzeichnet hatte, meldete nun am 29. September, daß in der nächsten Umgebung der Leiche trotz der so schrecklichen zwei Schnittwunden am Halse und anderer Verletzungen am ganzen Körper kein Tropfen Blut gefunden worden sei und erblickte darin den Beweis, daß die Leiche erst nach dem Morde an die Fundstelle gebracht worden sei. Es schloß seinen Bericht mit dem charakteristischen Satze: „In der Bevölkerung kursieren allerlei Vermutungen." Das Rechtschutzbureau der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hat unverweilt authentische Informationen über diesen Leichenfund eingezogen und teilt uns nun hierüber Folgendes mit: „Das ermordete Mädchen wurde mit mehreren Wunden am Halse vorgefunden, der Kopf der Leiche lag in einer großen Blutlache und die Kleider waren mit Blut förmlich durchtränkt". Damit scheint die Angabe des „Deutschen Volksblatt", daß in der Umgebung der Leiche kein Tropfen Blut vorgefunden worden sei, als eine freche Lüge. Wie«. Anläßlich seines 40jährigen Kantor- und 25jährigen Amtsjubiläums wurde I. Kantor I. Schiller am 2. Roschhaschonoh-Tage feierlich zur Thora gerufen, wobei der Chor den „Hallelujah" sang und I. Kantor Don Fuchs einen zu diesem Anlasse verfaßten Mischeberach für den Jubilar vortrug. Im Laufe des Tages erschienen in der Wohnung des Jubilars zahlreiche Gratulanten, Einzelpersonen und Deputationen, die herzliche Glückwünsche und sinnige Geschenke widmeten. Unter letzteren seien besonders erwähnt: das prachtvolle Silbergeschenk des Bethausvorstandes, das Geschenk des. Chorpersonales, der von den Kindern des Jubilars gewidmete silberne Kranz und sehr viele Blumenspenden. Am Nachmittage erschien eine Deputation der Wiener Kantoren unter Führung des Präsidenten des Kantorenvereines, wobei letzterer eine Ansprache an den jubilierenden Kollegen hielt und namens der Wiener Kantoren einen silbernen Becher überreichte. Unzählige Glückwünsche und Telegramme langten von Freunden und Kollegen ein. Wien. (Verlobung.) Fräulein Alice Huttrer, die Tochter des Spirituosenfabrikanten und Ortsschulrates Josef Huttrer, hat sich mit Herrn Jakob Engel, Kaufmann in Wien, verlobt. Wien. Infolge unvorhergesehener Hindernisse findet der für Sukkoth beabsichtigte Gottesdienst im XIX. Bezirke, Hofzeile 20, nicht statt. Wien. Vom Akademischen Verlag für Kunst und Wissenschaft erhalten wir folgende Zuschrift: „Um vielfachen an uns gerichteten Wünschen nachzukommen, erklären wir hiemit, daß wir die Subskriptionszeit auf die von uns veranstalteten Monumenta Judaica bis zum 15. N o v e m b e r a. c. verlängern. Der Akademische Verlag". Wien. Der Verein „Tefilas-Haneorim" veranstaltet am Sukkothfeste im Bet-Hamidrasch, 11., Tempelgasse 3, einen Gottesdienst für die Jugend. Beginn des Gottesdienstes abends halb 6 Uhr, morgens 8 Uhr. Wien. (Spende.) Aus Anlaß der Jahrzeit des sel. Herrn Saul P i n e l e s sind uns von Herrn Josef Kanner in Zolkiew K 4.— für die Chewra-Kadischa zugekommen.