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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 648 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Nr. 41 8. Als Jahresgehalt eines Talmudlehrers, der im Sinne des Testaments an dem Sterbetage tes Testators das von ihm gewünschte „Elinole Rachmim“ und das Kadischgebet zu verrichten hat, ferner dazu berufen ist, den erweiterten hebräischen Religionsunterricht an hiesige Kinder armer Eltern unentgeltlich zu erteilen. S. Als AlterSzulage für zwei pensionierte Lehrer der Liptöszentmiklüser israelitischen Volksschule K 460. Die Jnterkalarzinsen werden folgendermaßen verwendet: Zum Neuaufbau der israelitischen Volksschule in LiptSszentmiklos K 40.000. 2. Zum Aufbau und zur Errichtung eines israelitischen Greisenheims K 20.000. Berlin. Professor Dr. Emanuel B a r u ch, einer der bekanntesten Aerzte New-Iorks, der als Delegierter den am 1. Oktober in Paris beginnenden internationalen Tuberkulosekongreß beiwohnen wird, weilte dieser Tage hier, um die hiesigen Hospitaleinrichtungen in Augenschein zu nehmen und seine zahlreichen Berliner Freunde zu besuchen, die er jenseits des Ozeans kennen gelernt hat. Professor Dr. Baruch steht nämlich auch zu vielen Vertreter der deutschen Kunst- und Gelehrtenwelt in engen Beziehungen. Felix Weingartner, den er vor einigen Tagen in München ausgesucht hat, Dr. Richard Strauß, Felix Mottl usw. gehören zu seinem Freundeskreise, wie denn Professor Baruch in New-Hork überhaupt als die ärztliche Persönlichkeit zu betrachten ist, zu der die Künstler, die dem Verband des Metropolitan Opera House angehören, im Bedarfsfälle ihre Schritte zu lenken pflegen. Professor Baruchs soziale Stellung in New-Iork kennzeichnet schon der Umstand, daß er der Präsident des dortigen geselligen wissenschaftlichen Vereins, sowie Ausschußmitglied der Vereinigung ehemaliger deutscher Studenten ist. Professor Baruch war auch einer der Organisatoren der großen Schillerfeier in New-Iork; auf dem Bankett, welches in Verbindung mit der Schillerseier zu Ehren des deutschen Botschafters, Baron von Sternburg, gegeben wurde, war er der Hauptredner. Vor allem aber gebührt Professor Baruch das Verdienst, der erste amerikanische Arzt gewesen zu sein, der von Anfang an bestrebt war. deutscher Wissenschaft und deutscher Kunst in Amerika den Weg zu ebnen. , Anstalt für jüdische Schwachsinnige. Se. Majestät der deutsche Kaiser hat kundgegeben, daß er zu Allerhöchstseiner und seiner erhabenen Gemahlin silbernen Hochzeit keine kostbaren Gaben, sondern die Begründung wohltätiger Stiftungen wünscht. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Berlin wird diesen Allerhöchsten Wünschen Nachkommen, indem er eine Anstalt für jüdische Schwachsinnige plant, für die ein statistisch und erfahrungsgemäß nachgewiesenes dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Er befolgt somit nur das Beispiel, das er schon zur silbernen Hochzeit weiland Kaiser Friedrichs durch die Begründung der Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung gegeben hatte, die Hunderten von israelitischen Kultusbeamten die Alters- und Reliktenversorgung ermöglicht hat. Obwohl streng rituell geführt und von jüdischen Beamten geleitet, wird, nach dem Vorgänge vieler anderer jüdischer Institutionen der Wohltätigkeit und der Erziehung, diese Anstalt, soweit der Raum es gestattet, auch christliche Pfleglinge aufnehmen. Wir fordern edle Wohltäter, die zumal schwachsinnigen Kindern den Weg ebnen wollen, möglichst nützliche und glückliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, auf, ihre Spenden für die Anstalt für jüdische Schwachsinnige an unser Bureau, Berlin W. 35, Steglitzerstraße 85, senden zu wollen. Ueber die Beiträge wird in den öffentlichen Blättern quittiert werden. Berlin, im Oktober 1905. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Ei« antisemitisches Hotel i« Frankfurt am Main. In dem in London erscheinenden Wochenblatte „Referee" finden wir folgende Notiz: „Ein jüdischer Gewährsmann, ein in London wohnender Engländer, schreibt mir, daß er am 29. August in Frankfurt angekommen, sich in ein nahe dem Bahnhofe gelegenes Hotel begeben und dort Zimmer genommen habe. Die übliche Meldeliste wurde ihm vorgelegt, in die er Namen, Wohnung und Beruf eintragen sollte. Darin war nichts besonderes. Es ist dies das gewöhnliche Verfahren in Hotels auf dem Festlande. Als er aber alles das in die Meldeliste bereits eingetragen hatte, wurde mein Gewährsmann noch aufgefordert, sein religiöses Bekenntnis anzugeben. Er antwortete, daß er Jude sei. Der Direktor teilte ihm hierauf mit, daß er die ihm angewiesenen Zimmer nicht behalten könne und daß er das Hotel sofort verlassen müsse, da dieses Juden nicht aufnehme. Man kann dergleichen in Rußland begreifen, aber in dem aufgeklärten Deutschland und noch gerade in Frankfurt scheint dergleichen unglaublich." Der Antisemitismus hat leider unser deutsches Vaterland im Auslande in schlechten Ruf gebracht. Gemeint ist mit dem in der Notiz des Londoner Blattes nicht genannten Hotel der „Kölnische Hof" des Herrn Laaß. Die Juden auf der skandinavischen Halbinsel. Mit Ausnahme von Spanien und Portugal hat kein Land Europas eine so geringfügige jüdische Bevölkerung, wie die Länder der skandinavischen Halbinsel, die jetzt wieder einmal im Vordergrund politischer Interessen steht. Dänemark zählt bei einer Bevölkerung von über 2 Millionen Einwohnern 3476, Schweden mit über 5 Millionen Einwohnern 2800 und Norwegen mit 2 74 Millionen kaum 600 Juden. Im ganzen leben in den drei Ländern mit einer Bevölkerung von ca. 10 Millionen Einwohnern nur 6876 Juden 0 06 Perzent. Der Grund dafür ist in erster Reihe in der Tatsache zu suchen, daß die Judenemanzipation in Skandinavien nur ganz jungen Datums ist. So durften die Juden bis 1860 beispielsweise in Schweden nur in 3 Städten wohnen und selbst da bedurfte die Niederlassung eines Juden jedesmal der ausdrücklichen Genehmigung des Königs. Im Jahre 1711 wurden in Schweden 3 Juden verbrannt und im Jahre 1779 sind die wenigen daselbst wohnenden Juden verhaftet, bestraft und ausgewiesen worden. Die in Skandinavien eingewanderten Juden stammen teils aus Hamburg und Amsterdam, meist aber aus Rußland. Da jedoch die Hamburger und Amsterdamer Juden es nicht nötig haben, nach Skandinavien auszuwandern, den russischen Juden aber das Land nicht gerade auf dem Wege liegt, so wächst die jüdische Bevölkerung daselbst sehr langsam. Es darf auch nicht vergessen werden, daß Skandinavien augenscheinlich trotz seines großen Umfanges und seiner dünn gesäeten Bevölkerung doch kaum seine eigenen Einwohner ernähren kann. Dieses beweist die Tatsache, daß im Jahre 1820—1904, also in 84 Jahren, die skandinavische Halbinsel 1,763.145 Emigranten nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika entsendet hat. Die erste jüdische Einwanderung in Schweden datiert vom Jahre 1760, wo einige Juden aus Pommern, Posen und Holland sich in den für sie damals eröffneten vier Städten Stockholm, Gotenburg, Norköping und Karlskrona, niederließen. Bis dahin scheiterten alle ihre Bemühungen, in Skandinavien einzudringen, an dem Antisemitismus der schwedischen Machthaber. Gustav Adolf, der Held des Protestantismus, der angeblich für die Glaubensfreiheit in den 30-jährigen Krieg zog, war ein erbitterter Antisemit. Bei der Gründung von Gotenburg lud er holländische Kausleute dringend ein, sich unter überaus glänzenden Privilegien in dieser neuen Stadt niederzulassen. Die Juden von Amsterdam aber wurden von dieser Einladung ausdrücklich ausgenommen. Auch Gustav Adolfs großer Kanzler, Oxenstjerna, war ein schlimmer Antisemit und erklärte, lieber Gotenburg zugrundegehen zu lassen, als die Regierer des Heilands da wohnen zu sehen. Schon aus dieser Erklärung Oxenstjernas ging hervor, daß die neubegründete Stadt Gotenburg ohne Hilfe des jüdischen Kapitals und des jüdischen Handelsgenies nicht recht aufkommen wollte. Der Mangel an diesen beiden städtebegründenden Faktoren, nämlich Kapital und Handelsgenie, hat im Mittelalter schon manchen Fürsten gezwungen, Juden unter den glänzendsten Versprechungen in seine Staaten zu locken, um sie freilich oft nach wenigen Jahrzehnten auszuplündern und wieder über die Landesgrenze zu jagen. Auch in Schweden macht sich der Mangel an Juden immer mehr fühlbar, und so erging bereits am Beginn des

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