Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Mocd s MlocvenscvrM. Seite 647 gemeine Dunkel erhellen! Sei es, wie es ist, der Wahrspruch der jüdischen Jugend soll sein: Liens sann in eerxore sano, und die Mittel zu dessen Erreichungen sind, glaube ich, in obigen Zeiten genügend bekannt gegeben. Arnold Pollak. Königgra'tz. (Lempeleinweihung.) Der 24. September d. I. war für unsere Gemeinde ein wahrer Freudentag, galt er doch der Weihe unseres neuerbauten Gotteshauses, das durch die Opferwilligkeit der hiesigen Gemeindemitglieder und die Mühe des Kultusvorstandes, besonders des tatkräftigen Vorstehers Herrn Jur.- Dr. I. Tausik in solcher Pracht erstand. Die Feier gestaltete sich zu einem Ereignisse, das unter tätiger Mitwirkung der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession sich vollzogen und weit über die Grenzen unserer Stadt hinausragt. Es haben sich als Gäste eingefunden : Herr k. k. Kreisgerichtspräsident Hofrat Ritter v. Koschin mit dem Herrn Vizepräsidenten Srb, Herr k. k. Bezirkshauptmann Statthaltereirat v. Steinfeld, ferner der Leiter des k. k. Bezirksgerichtes und andere Beamte der k. k. Behörden, eine Abordnung der hiesigen Garnison mit einem Herrn k. u. k. Oberstleutnant an der Spitze, der Herr Bürgermeister Dr. Ullrich, die Direktoren der hiesigen Mittelschulen, des Lehrerpädagogiums, der Volks» und Bürgerschulen, Abordnungen der Kultusgemeinden Adlerkosteletz, Horitz, Königinhof, Reichenau a. K. und viele andere Vereine und Gäste aus Nah und Fern. Die Feier begann mit dem gelungenen Matowu- Vortrag des hiesigen Kantors Herrn E i s n e r, begleitet von seinem geschulten Chor. Hierauf hat Herr Jur.-Dr. Tausik in kernigen Worten die Geschichte und Entstehung des Tempelbaues geschildert, den Behörden für ihr Erscheinen und den am Bau Beteiligten für ihre Mühe den Dank ausgesprochen. Der neue Rabbiner Herr Dr. Klauber entzündette dann, nachdem er in zu Herzen gehenden Worten die Bedeutung des ewigen Lichtes auseinandergesetzt, dasselbe, worauf der feierliche Einzug der festlich geschmückten Thorarollen erfolgte. Jetzt hielt der die Einweihung vollziehende Rabbiner Herr Dr. Klauber die Festrede, die allgemeine Begeisterung erweckte. Hierauf folgte das Gebet für Se. Majestät den Kaiser, die Behörden und die Bauleute, die Mildtätigen und die Vorsteher, die Stadtgemeinde und die Kultusgemeinde. Mit einem poetisch angehauchten Schluß ließ Se. Ehrwürden seine zündende Rede ausklingen, die auch in den Kreisen der k. I- Behörden lobende Anerkennung fand. Nun folgte die Absingung der Volkshymne und ein schön vorgetragener Schlußgesang, womit der offizielle Teil der äußerst gelungenen Feier beendet war. Reichenberg. (Ehruygen. Wahlen. Besetzung d e r A e m t e r.) Im heurigen Sommer waren 40 Jahre verflossen, während welcher der hiesige Privatier Eduard S o y k a, eine allgemein beliebte und geachtete Persönlichkeit, in bewundernswerter geistiger und körperlicher Frische dem Kultusgemeindevorstande angehörte und mit rastlosem Eifer sowie stets betätigtem Pflichtgefühl seines Amtes, namentlich als Tempelvorsteher, in vorzüglicher Weise waltete. Zum bleibenden Gedenken dieser seltenen Feier wurde dem jugendfrischen Jubelgreise auf Grund des Vorstandsbeschlusses durch eine dreigliedrige Abordnung (an deren Spitze der Vorsteher Dr. Schnürmacher) namens der Kultusgemeinde eine prachtvoll ausgeführte Adresse, worin der Anerkennung und dem wärmsten Danke für die rühmenswerten Leistungen, den herzlichsten Wünschen für das weitere Wohl des Gefeierten Ausdruck gegeben ist, mit einer gehaltvollen Ansprache des Dr. Schnürmacher am 21. September l. I. überreicht. In seiner letzten Sitzung vom 16. September l. I. beschloß der alte Kultusgemeindevorstand, den beiden Vorstandsmitgliedern S. Polaczek und Emil Deutsch, welche aus Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl trotz aller diesem Entschlüsse entgegengesetzter Bemühungen ablehnten, für die erfolgreiche Tätigkeit im Vorstande und die zur wesentlichen Förderung der Gemeindeinteressen selbstlos aufgewendete Mühe den wärmsten Dank durch Erheben von den Sitzen — was im Protokolle verzeichnet wurde — und durch eine entsprechende schriftliche Ehrung zu bekunden. S. Polaczek hat durch 27 Jahre in verschiedenen Aemtern und Abteilungen des Kultusgemeindevorstandes mit seiner reichen Erfahrung und guten Ratschlägen hervorragend gewirkt. Emil Deutsch, eines der pflichteifrigsten, opferfreudigsten Mitglieder des Vorstandes, der auf eine Amtsdauer von 6 Jahren zurückblickt, hat in dieser Zeit die Abteilungen, welchen er angehörte, insbesonders die Tempel-, Friedhof- und Schlachthausabteilung äußerst anregend beeinflußt und manche ersprießliche Einrichtungen herbeigeführt. Aus dem am 8. und 10. September l. I. vorgenommenen Neuwahlen in die Vertretung der Kultusgemeinde gingen hervor als 1) Mitglieder des engeren Vorstandes: Ludwig Edelstein, Kaufmann; Dr. Wilhelm Fleischer, Rechtsanwalt; Josef Gottlieb, Kaufmann; Max Langstein, Tucherzeuger; Josef Lazansky, Kaufmann; Siegmund Meller, Kaufmann; JUDr. Rudolf Neumann, öffentlicher Gesellschafter der Firma S. S. Neumann (neu); Dr. Emil Peres, Rechtsanwalt; Josef Pollak d. Ae., Privatier; Hugo Schnabel, Kaufmann; Dr. Wilhelm Schnürmacher, Rechtsanwalt; Dr. Isidor Schur, Rechtsanwalt (neu); Alois Soudek, Kaufmann; Eduard Soyka, Privatier. Ersatzmänner: Emil Deutsch, Kaufmann; Karl Deutsch, Kaufmann; Wilhelm Fleischner, Kaufmann; Edmund Raubitschek, Kaufmann (neu); Leo Schöngut, k. k. Professor; Dr. Alfred Soudek, Advok.-Kand. (neu). 2) Mitglieder des verstärkten Vorstandes: Johann Beer, k. k. Profeffor; Gustav Breslauer, Kaufmann (neu); Otto Fantl, Kaufmann; Benedikt Fischer. Kaufmann; Viktor Lederer, Kaufmann (neu); MUDr. Adolf Metzl, k. k. Bezirksarzt (Friedland, neu): Leo Neumann, Kaufmann (neu); Josef Rosenfeld, k. k. Gerichtssekretär; Arnold Schnitzer, Fabrikant; Dr. Siegfried Schulhof, Rechtsanwalt: Emanuel Spitz, Kaufmann; Moritz Taussig, Kaufmann; Alois Weidmann, k. k. Bezirkstierarzt (neu); Gustav Winternitz, Fabrikant (Grottau). 3) Rechnungsprüfer: Josef Freyberg, Kaufmann; Ludwig Schorr, Kaufmann. 4) Mitglieder des Umlageausschusses: Wilhelm Fischl, Kaufmann; Ignaz Hersch, Kaufmann; Ludwig Kraus, Kaufmann; Leopold Sternschuß, Kaufmann. Ersatzmänner: Samuel Kraus, Kaufmann (neu); Emil Meller, Fabrikant (neu). Am 21. September l. I. fand unter der Leitung des Altersvorfitzenden Eduard Soyka, die erste Sitzung des neuen Vorstandes zwecks Besetzung der einzelnen Aemter statt. Schon vor Beginn machte sich unter den Mitgliedern eine starke Erregung geltend, denn Dr. Schnürmacher, welcher seit 10 Jahren dem Kultusgemeindevorstande angehört, durch 5 Jahre als Vorsteher an der Spitze steht und sich wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und Tüchtigkeit der weitestgehenden Wertschätzung erfteut, hatte wiederholt öffentlich und nicht öffentlich seine feste Absicht geäußert, wegen seines Ruhebedürfnisses und infolge beruflicher Ueberanstrengung en.e Wiederwahl nicht mehr anzunehmen, obgleich man nichts unversucht gelassen, um ihn umzustimmen. Erst unmittelbar vor Eröffnung der Sitzung mußte er dem allgemeinen Anstürme nachgeben, und so ist dieser um die Kultusgemeinde so hoch verdiente Mann wieder gewonnen, wofür ihm sofort in herzlichster Weise gedankt wurde. Die Wahlen ergaben: Dr. Wilhelm Schnürmacher, Vorsteher; Dr. Emil Peres, Stellvertreter; JUDr. Rudolf Neumann, prov. Vorsitzender; Dr. Wilhelm Fleischer, Schriftführer: Josef Pollak d. Ae., Kaffier; Alois Soudek, Rechnungsführer; Eduard Soyka, Tempelvorsteher. Eine Halbe-Million-Stiftung. Aus Liptoszentmiklos schreibt man uns: Vor zehn Jahren hat, wie seinerzeit berichtet wurde, Philipp Herz der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa eine halbe Million Kronen hinterlassen. Nachdem laut Testament die Zinsen nur wohltätigen Zwecken zugeführt werden dürfen, entstanden unter den Gemeindemitgliedern bezüglich der Verwendung Meinungsverschiedenheiten. Der vom Vorstande ausgearbeitete Stiftungsbrief wurde von einer Minorität angegriffen, und der Kampf artete derart aus, daß zu befürchten stand, es werde in der Gemeinde eine Spaltung eintreten. Es ist als Glück zu betrachten, daß der Vorsteher der Gemeinde, Hermann Stark, unermüdlich seinem Ziele nachstrebte und keine Mühe scheute, beim Ministerium die Annahme des Stiftungsbriefes zu erwirken, was kürzlich auch geschah. Laut dem akzeptierten Stiftungsbriefe werden die Jahreserträgniffe des Stiftungskapitals in nachfolgender Weise zu verwenden sein: 1. Zur Erhaltung der Liptüszentmikloser israelitischen Volksschule K 4000. 2. Zur Unterstützung israelitischer Armer und Kranker im Rahmen des Gemeindebudgets K 2000. 3. Zur Unterstützung israelitischer Armer und Kranker im Rahmen des Budgets der Chewra» Kadisch K 4000. 4. Zur Erhaltung eines in Liptüszentmiklos m errichtenden Greisenheims K 2000. 5. Zur Erhaltung eines in Liptoszentmiklos zu errichtenden Alumneums K 2000. 6. Für Stipendien an arme israelitische Schüler und Schülerinnen L 1600. 7. Als Ansstattungsbeitrag zweier Mädchen mittelloser Gemeindemitglieder K 500.