Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 41 (13.10.1905)
- Date
- 1905-10-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 646 Dr. Mocb's Mlocbenscbrttr. Nr. 41 nannte Regiment rückte vom Kirchengange in die nahegelegene Kaserne ein und defilierte im Austrage des genannten Obersten vor diesem Kriegshelden, der in der genannten Schlacht mit demselben Regimente im zweiten Treffen bei Sommacampagna im Jahre 1848 wacker mitkämpfte. Diese Episode würdigend, sah sich der Herr Oberst veranlaßt, unseren wackeren Kameraden Platschet als rühmliches Muster altösterreichischer Soldatentreue der Mannschaft des berühmten Regimentes „Alt-Starhemberg" voxzustellen." Auch der General-Oberststabsarzt Bittner hat aus diesem Anlaffe den greisen Helden zu sich geladen, um ihn im Kreise seiner Familie zu begrüßen und seine Freude auszudrücken über die ihm als Juden gewordene hohe Auszeichnung, welche jedem seiner Glaubensgenossen mit Stolz und mit ^Genugtuung erfüllen muß.. Die Fawilienreinheit und Familientreue bei dem Obergermanen. In dem wieder aufgenommenen Ehescheidungsprozeß des deutsch-nationalen Führers Abgeordneten K. H. Wolf hat das Zivillaudesgericht sein Urteil gefällt. Bekanntlich hat in dem ersten Ehescheidungsprozeß der Oberste Gerichtshof entgegen der Entscheidung der beiden unteren Instanzen, welche ein Verschulden beider Ehegatten annqhmen, auf Scheidung der Ehe aus dem alleinigen Verschulden des Mannes erkannt. Das Verschulden erblickte der Oberste Gerichtshof in der Verletzung der ehelichen Treue durch die bekannte Äffaire Seidl-Tschan. Diese Affaire sah der Oberste Gerichtshof aber auch für die Frau als genügenden Grund an, den ehelichen Haushalt zu verlassen, so daß ihre Flucht in die Schweiz nicht als „boshaftes Verlaßen" erscheine. Abgeordneter Wolf brachte nun durch Dr. Franz Rosa ein Wiederaufnahmsgesuch ein, in welchem er eine Reihe von Umständen anführte, die ein konkurrierendes Verschulden der Frau begründen sollen. Dem Wiederaufnahmsbegehren gab das Zivillandesgericht statt, das Oberlandesgericht wies es ab, der Oberste Gerichtshof gab ihm statt. In dem neuen Ehescheidungsprozeß wurde eine Reche von Zeugen, darunter die Abgeordneten Dr. Schall und Franko Stein, in geheimer Verhandlung vernommen. Nun wurde von dem Vorsitzenden LGR. Krauß in öffentlicher Sitzung das Urteil verkündet: es werde ausgesprochen, daß auch der geklagten Frau Mathilde Wolf ein Verschulden an der Scheidung der mit Urteil des Obersten Gerichtshofes aus dem Alleinverschulden des K. H. Wolf geschiedenen Ehe zur Last fällt. In der Urteilsbegründung wurde ausgesprochen, daß die meisten der von der Klage angeführten Tatsachen, wenn fie auch vom Standpunkt einer sittsamen und ehrbaren Hausftau nicht als einwandftei erscheinen, doch nicht als ein die Ehescheidung begründendes Verschulden der Frau erscheinen. Dagegen erblickte das Urteil in einem mit „Tristan" unterschriebenen Brief an Frau Wolf und in einem Antwortbrief der Frau den Beweis einer Verletzung der ehelichen Treue. Außerdem habe Frau Wolf in zwei Fällen sich eine Gefährdung der guten Sitten der Familie und eine Kränkung ihres Gatten zu Schulden kommen laffen. Linz. Die Antisemiten machen den Juden zum Vorwurf, daß sie körperlich , weit unter dem Niveau der Arier stünden und erachten dies als Beweis für die Minderwertigkeit der Raffe. Gegen dieses Argument hat nun die „Oesterr. Wochenschr." einen Artikel geschrieben und es wurden Männer ins Treffen geführt, welche in der Athletik, im Schwimmen, Fechten rc. ihre arischen Mitbürger weit übertroffen haben. Der Verfasser hat nicht hinreichend betont, daß es sich...hier nur um Einzelfälle handelt, daß aber die große Maße der jüdischen Jugend ganz bedeutend hinter chre»-— sagen wir — arischen Altersgenossen zurücksteht. Ein christlicher Freund, der kein Antisemit ist, machte mir einmal während einer Unterhaltung folgende Bemerkungen: „An den bezeichnten Erscheinungen, nämlich daß die Beteiligung der jüdischen Jugend am Sport, speziell Turnen, Fechten, Schwilnmen, Schießen, Athletik rc. so gering ist und daß dieselbe im Mußfalle z. B. Turnen mit Unlust betrieben werden, ist sehr wohl die Erziehung der Jugend daran schuld, wie ich es so häufig beobachtet habe. Der jüdische Jüngling liebt mehr das bequeme Leben, das Vergnügen ohne Mühe und den Genuß gegenüber dem arischen Jüngling, dessen Familie sich in den gleichen Vermögensumständen befindet. Sehen Sie sich einmal die Kaffeehäuser an, das größte Kontingent der Besucher stellen die Juden, welche auch an den schönsten Sonntagen geschlagene fünf Stunden Karten spielen, statt wie ihre christlichen Altersgenossen erfrischenden, stählenden Sport zu pflegen. Sehen Sie sich einmal z. B. die Fußballklubs an, pelche zu vielen Dutzenden alle Sonntage spielen. Die Fleischer, Bäcker, Arbeiter, Schüler rc. rc., alle haben ihren eigenen Klub, und wie viel, respektive wie wenig Juden sind darunter, wie gut z. B. hätten sich diese einen eigenen Klub gründen können. Tritt man aber mit diesem Ansinnen an dieselben heran, so bekommt man ungefähr folgende Antworten: Wozu soll ich mir die Schienbeine zertreten lassen? Das ist kein Vergnügen für uns. Schad um die Zeit!! Wie oft habe ich weiter beim Schülerturnen die Beobachtung gemacht, daß die jüdischen, mit sehr wenig Ausnahmen, mit der größten Unlust an die Uebungen gingen und keinen Ehrgeiz zeigten, es ihren Kollegen gleich zu tun! Wie viele Fälle lassen sich konstatieren, daß Eltern ihre Kinder, speziell Söhnchen vom Turnunterricht dispensieren ließen und lassen, der ihnen doch so wohl getan hätte. Einen großen Teil an der Schuld aber, daß die Jugend nicht so wehrfähig und selbstvertrauend ist, wie es sein sollte, tragen die lieben Eltern. Ich führe Ihnen nur alle selbsterlebten und beobachteten Fälle vor, welche ein Schlaglicht auf die heutige Elterngeneration werfen. Ein Junge kommt zu seinem Vater und bittet ihm, er möge ihm gestatten, fechten zu lernen. Welche Antwort gibt ihm der Vater, welcher recht gut die Mittel hätte, seinen Sohn in allen Sportzweigen unterrichten zu lassen? Er sagt: „Wozu willst Du fechten lernen? bist du a Student? oder a Offizier? Wozu brauchst Du fechten?" Ein anderer möchte wieder Schießübungen pflegen und sich auch zu diesem Zwecke ein Gewehr kaufen, Welche Antwort gibt ihm nun der Vater: „Wozu schießen, wozu a Gewehr, das ist nix für Dich, wozu braucht a Jud a Gewehr, bist Du a Anarchist, wieviel Unglück ist mit solchen Sachen geschehen!" Der Sohn wendet ein, daß es gut wäre, bei Krawallen eine Waffe zu haben, und daß er schon, da er kein Knabe mehr ist, vorsichtig damit umgehen werde. Der Vater sagt: Wenn ein Krawall ist, dazu haben wir Polizei, und willst Du allein mit Deinem Gewehr was ausrichten. Und so sprechen eben die meisten Väter und sehen es nicht gerne, wenn ihre Söhne Sportklubs rc. angehören, sie geben sich somit selber als inferior, so daß sie nicht im Stande sind, in dieser Beziehung mit den Ariern in Wettbewerb zu treten. Wenn man dagegen einwendet, daß der Antisemitismus den Juden die Teilnahme an solchen Klubs verschließt, so kann man replizieren, warum gründen die Heranwachsenden Juden nicht selbst solche Vereinigungen? Ist ein Sportklub, Turn-, Fecht- Athletikklub nicht besser und gesünder als ein ästhetischer, wässeriger Lesezirkel, in welchem ja doch hauptsächlich gefliertet wird? Würden die jungen Leute nicht zu hohem Selbstbewußtfein kommen, ihrer Kraft vertrauen und wehrfähig sein, Jünglinge, auf welche ihre Glaubensgenossen mit Vertrauen und Stolz Hinaufbicken könnten? Die ultima ratia — wenn's einmal dazu kommt", ist immer die physische Kraft und Gewandtheit und Mut und durch das Pflegen des Sports „Bekanntschaft mit der blanken und Feuerwaffe wird die ‘ sogenannte Judenfurcht" bald schwinden und die antisemitischen Gegner werden die Juden nicht mehr verachten, fie werden sie Haffen, aber auch achten. Und wir, die vorurteilslosen Christen, wir werden unseren jüdischen Brüdern mit umsomehr Heimlichkeit entgegenkommen können, wenn fie nicht nur geistig, sondern auch physisch sich uns nähern. Dies führte ein Christus aus — sind diese Aufzeichnungen nicht wert, als elftes Gebot der Jugend zu sein? Es werden sehr viele Einwendungen gegen vorstehende Zeilen gemacht werden und Klubs angeführt werden, welche in Ungarn, Böhmen rc. rc. schon bestehen, und diese leuchtenden Einzelheiten sollen dann das all-