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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. BLoch's Wochenschrift, Seite 645 nur für die Ersatzwahlen im fünften und neunten Wiener Bezirke." Selbst ein Vergani könnte von der Methode der „Reichspost" lernen. Auch hier nur derselbe kleine Gedanke, der im großen sozialen und politischen Ringen der Gegenwart. keine andere Betätigung findet als die der antisemitischen Gehässigkeit, aber wie wird hier das Instrument, auf dem nur eine einzige Saite heil geblieben ist, behandelt! Die jesuitische Schule bildet doch ihre Leute. Zunächst wird die tückischeste Form der Rhetorik gewählt, die Aposiopese, die scheinbare Verschweigung, die doch alles sagt und das Gesagte durch die gewählte Form nur noch verstärkt. Die „Reichspost" sagt nicht, daß ein Sieg der Liberalen oder der Sozialdemokraten im 9. oder im 5. Bezirk ein Triumph des Judentums über das Christentum werden müßte — denn das wäre ganz ordinäre Aufwiegelung und Verbreitung von Gehässigkeit — sie sagt nicht, daß der ganze Wahlkampf nur ein Ringen zwischen christlicher und jüdisch-atheistischer Weltanschauung ist — jetzt sind die Juden Atheisten auch noch! — Denn das wäre eine faustdicke Lüge — sie sagt nicht, daß ein Erfolg der Gegner ein Erfolg der Erbfeinde des christlichen Volkes wäre — denn auch das wäre nichts anderes, als haßerfüllte religiöse Hetzerei — aber sie sagt es doch! Sie sagt es doch und niemand kann behaupten, baß sie es gesagt habe, denn es steht ausdrücklich dort: Wir wiederholen nicht. — Das also wäre das Eine und dann das so beliebte prinoipinrn petitum, ebenfalls in doppelter Anwendung — doppelt hält stärker. Alles, was die „Reichspost" vorbringt, sind „Wahrheiten". Der Beweis wird schuldig geblieben, die Behauptungen werden als bewiesen hingestellt und unversehens werden sie sodann dem arglosen Leser als „Wahrheiten" um die Ohren geschlagen. Man merkt die gute Schule. -i- * * Zum Schlüsse noch, um von der leidigen Politik wegzukommen, eine Perle aus der Tiefe deutschnationaler Selbstbekenntnisse/ Die „Unverfälschten Deutschen Worte" find bekanntlich von Herrn Schönerer auf den Jro gekommen. In dem letzten Hefte des genannten Blattes ist nun folgende schöne Stelle zu lesen: „Höchst beschämend ist es, daß der Deutsche ohne Suff nicht mehr zu leben vermag. Ohne ihn kann er sich nicht mehr fteuen, kann nicht mehr trauern, nicht mehr sich ärgern, nicht mehr begeistern, kein Ereignis feiern, nur im Alkoholdunst scheint ihm noch wohl zu sein". Was sagt Herr Schönerer dazu? Von ihm wenigstens ist es bekannt, daß er sich recht kräftig zu ärgern, sich zu freuen, zu trauern und Ereignisse zu feiern vermag. Korrespondenzen. Zangwill und die englische Regierung. Die erwartete Folge des ablehnenden Beschlusses des VII. Zionistenkongresses ist eingetreten. Das Ostafrika-Angebot der englischen Regierung, das nicht den Zionisten, sondern dem gesamten jüdischen Volk galt, wobei der Zionismus die Vermittlerrolle spielen sollte, ist jetzt endgiltig zurückgezogen worden. Wir lassen den Brief des Kolonialstaatssekretärs Mr. Lyttelton an Zangwill, in dem diese Tatsache bekannt gegeben wird, nachstehend folgen: Kolonialamt, 16. September 1905. Lieber Mr. Zangwill! Ich bin im Besitz Ihres : Briefes vom 8. d. M., in welchem Sie bitten, daß über das Territorium, das ursprünglich für eine zionistische Siedlung in Ostafrika in Aussicht genommen wurde, nicht anderweitig verfügt werden möge, bevor Sie Gelegenheit gehabt hätten, mit mir die Frage zu besprechen, mit Rücksicht auf die Bildung einer internationalen Gesellschaft zur 5 Weiterverfolgung des Planes. Ich wußte natürlich, daß Sie gegen die Entscheidung des Baseler Zionistenkongreffes, nicht weiter auf die Materie, einzugehen, protestiert hatten und die Absicht Ihrer Partei, sich zu trennen und gesondert ihre Ziele weiter zu verfolgen, kundgegeben hatten. Aber ich hatte verstanden, daß ein Teil der Minorität, welche Sie repräsentierten, sich nachträglich mit der Majorität wieder vereinigte, und daß es unwahrscheinlich erschien, daß die Sezessionsbewegung bedeutende Dimensionen annehmen würde. Als ich daher durch Mr. Greenberg eine offizielle Bekanntgebung der Entscheidung, des Baseler Kongreffes erhielt, informierte ich den Kommiffär für das Ostafrikaprotektorat, daß das Land, welches für die Siedlung in Aussicht genommen war, nicht mehr länger reserviert werden sollte. Mit Rücksicht auf diese Umstande und mit Rücksicht darauf, daß ich aus Ihrem Brief in der „Times" ferner ersehe, daß Sie selbst keineswegs sicher find, daß das Land, von welchem Sie wünschen, daß darüber nicht anderweitig verfügt werde, Ihren Ansprüchen entspricht, sehe ich mich nicht in der Lage, Ihrem in dem Briefe vom 8. d. M. enthaltenen Verlangen zu entsprechen. Ich muß jedoch nachdrücklich hinzufügen, daß dies Sr. Majestät Regierung nicht hindern wird, jeden wohlerwogenen Vorschlag, den Sie selbst weiterhin zu machen in der Lage sein sollten, in Erwägung zu ziehen. (I need hardly add that this will be no obstacle to the consideration by Hys Majestys Government of any well-considered proposels which you may hereafter feel yonrself in a position to make.) Ihr sehr ergebener Alfted Lyttelton. 3. Hare Court, Temple, E. C. 20. September 1905. Lieber Mr. Lyttelton! Ich bestätige dankend den Empfang Ihres Briefes vom 16. d. M., in dem Sie mir mitteilen, daß infolge der Entsa eidung des Baseler Zionistenkongreffes, den Plan der Mischen Siedlung im Ostasrikaprotektorat nicht weiter zu verfolgen, das für die Siedlung in Aussicht genommene Land nicht länger mehr reserviert sei. Ich bemerke indeffen mit Dank, daß dies für die Regierung Sr. Majestät kein Hindernis bedeutet, weitere Vorschläge für eine derartige Siedlung, die Ihnen die neue Jüdische Territorial-Organisation unterbreiten würde, in Erwägung zu ziehen. Ich muß hierbei erwähnen, daß Sie den Charakter und die Aussichten der Jüdischen Territorial-Organisation ein wenig mißverstanden haben. Obgleich sie ihren Keim in der zionistischen Minorität hatte, war sie doch von Anfang an eine völlig unabhängige Körperschaft, die jetzt frische und machtvolle Elemente aus allen Klaffen des Jüdischen Volkes aller Länder in sich ausgenommen hat. Sobald der Rat und die Ehrenbeamten Zeit gehabt haben werden, die in ihrem Programm enthaltenen Fragen völlig durchzusprechen, hoffe ich in der Lage zu sein, von Ihrer fteundlichen Erlaubnis Gebrauch machen und Ihnen einen Territorialplan vorlegen zu können, den Sie als für die Regierung Sr. Majestät annehmbar finden werden. Ihr sehr ergebener Israel Zangwill. Juden als Soldaten. In der „Amtlichen Beilage" des „Militär-Verband" Nr. 36 vom 2. September 1905 lesen wir unter dem Schlagwort: „Reservistenverein FZM. Baron Kober, Olmütz E. B. B. Nr. 54" einen Bericht über die diesjährige Kaiserfeier. Und anschließend nachstehende Mitteilung: „Bei dieser Gelegenheit wollen wir anschließend einer Ehrung Erwähnung tun, die dem alten Radetzkyveteranen Kameraden Moritz P l a t s ch e k, welcher dem Vereine als Mitglied angehört, widerfuhr. Gelegentlich der heurigen Sommacampagna-Feier des Hausregimentes „Alt- Starhemberg" Nr. 54 wurde dem alten, 85jährigen Radetzky- ^Veteranen durch die Munifizenz des Herrn Obersten Schmidt i>eine Auszeichnung zuteil, die einzig dastehen dürste. Das ge-

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