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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 644 Dr. Bwch's Wochenschrift. Nr. 41 als Fabrikanten und Inhaber von großen Warenhäusern zu Vermögen gekommen. Von ihrem Gelbe machen unstre Glaubensgenossen in Amerika einen edlen Gebrauch. In dem Zeitraum vom 26. August 1903 bis 12. August 1904, also in knapp einem Jahre, haben 166 Juden nicht weniger als 7,807.712 Mk; gespendet, respektive testamentarisch an öffentliche Institutionen vermacht. Dabei find nur Beträge von 2200 Mark aufwärts berückfichtigt worden. Welche enorme Summen in Gestalt von kleineren und kleinsten Gaben in diesem Zeitraum von den amerikanischen Juden noch weiter für wohltätige Zwecke ausgegeben wurden, entzieht sich jeder Kontrolle. Man weiß nur, daß allein in New-Iork, wo freilich die Hälfte des gesamten amerikanischen Judentums wohnt, 4 Millionen Dollars, also nahezu 17 Millionen Mark jährlich für jüdische Wohltätigkeit ausgegeben werden. Die Juden in den Vereinigten Staaten sind auch in dieser Hinsicht amerikanisiert worden und verstehen amerikanisch zu geben. Zum Schluß wollen wir es noch versuchen, die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika genauer zu präzisieren, was um so schwieriger ist, als die eingewanderten Juden in den offiziellen Berichten erst seit sieben Jahren als besondere Gruppe figurieren. In dem Zeitraum von 1898—1904 find 396.404 Juden in die Vereinigten Staaten, davon 333.644 8416 Perzent in die Staaten New-Aork, Pennsylvanien und Massachusetts eingewandert. Nimmt man diese 84'16 Perzent als Norm für die Einwanderung seit 1881 an, und berücksichtigt man die Tatsache, daß 827.427 Juden in die oberwähnten Staaten in den letzten 24 Jahren eingewandert sind, so läßt sich die Zahl der jüdischen Emigranten für diesen Zeitraum annähernd auf 958.487 berechnen. Dazu kommen noch 250.000 Juden, welche schon vor Beginn der jüdischen Massenemigration in den Bereinigten Staaten gelebt haben, sowie der Zuwachs durch die natürliche Vermehrung.während dieser Periode. Letztere dürfte bei einer Bevölkerungszunahme von 12 pro Mille jährlich 211,513 betragen haben. Summieren wir diese drei Faktoren, so werden wir nicht weit fehlgehen, wenn wir annehmen, daß Mitte des Jahres 1904 die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1,420.000 betragen und dürste gegenwärtig 1ya Millionen weit überschritten haben. Vom Jahrmarkt bes Lebens. Glosse« zur Tagesgeschichte. (Die jüdischen Mittel der Lüge und Verleumdung. — Die Ehre Wiens und ihr Hüter. — Der Kanzleigehilfe Gärtner erläßt einen Aufruf. — Die christlichenHausbesorger und der neueProgrammPunkt der christlich-sozialen Pari ei. — Die hohe Schule der „Reichspost." — Ein deutschnationales Bekenntnis) „Die Juden und ihr Anhang haben in den letzten Tagen kein Mittel der Lüge und Verleumdung unversucht gelassen, um die öffentliche Meinung zu fälschen und das Urteil der Wähler zu beirren, ihre Agitation hat mit Hochdruck gearbeitet im 9. Bezirk für den Liberalen, im 5. Bezirk für den Sozialdemokraten.^ So ließ sich das edle Organ Verganis am Wahltage vernehmen. Kein Mittel der Lüge und Verleumdung! Ja, wenn die Juden so find, dann allerdings hat Vergani vollkommen recht, wenn der ganze Wahlkampf für ihn nichts anderes zu bedeuten hat, als den willkommenen Anlaß, das ganze Judentum zu beschimpfen. Die Gelegenheit ist so schön und es wäre schade, sie sich entgehen zu laffen. Eine Kleinigkeit hat Herr Vergani dabei übersehen, nämlich auch nur den Schatten eines Beweffes für seine Behauptung zu erbringen. Sie ist nämlich auch nicht wahr, sondern einfach erlogen, und dann fteilich taucht eine andere Frage auf: Wer ist es denn, der mit den Mitteln der Lüge und der Verleumdung arbeitet? Es geht recht hübsch weiter: „Im 9. und im 5. Bezirk grinst immer der Jude entgegen, sobald man die trügerische Aufschrift der liberalen und der sozialistischen Wahlfirma abkratzt! Hie Jud, hie Christ ist auch heute wieder die Parole. Es gilt die Ehre unserer Partei, die Ehre Wiens —" u. s. f. Und das kämpft für die heiligsten Güter der Menschheit! Die gesamte politische Weisheit konzentriert sich in dem Schlachtruf: Hie Jud, hie Christ! Und die Massen schreien es mit, und so sieht die Ehre Wiens aus zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und der Hüter dieser Ehre ist — Ernst Vergani! » * * Herr Vergani „kämpft" nicht allein. Herr Rudolf Gärtner, Kanzleigehilfe im k. k. Finanzminsterium, 5. Bezirk Wimmergasse 21, kämpft unentwegt an seiner Seite. Er erläßt einen Aufruf an die Staatsbediensteten, die er über ihre „heiligste Pflicht" belehrt, für den antisemitischen Kandidaten zu stimmen. Ein Mahnruf von so autoritativer Stelle hat sichtlich seine tiefe Wirkung nicht verfehlt. Auch der christliche Hausbesorger- und Portierverein hat sich Herrn Vergani zugesellt und schwingt sein hehres Panier. Dieser Verein kämpft für das Christentum und für das Sperrgeld. Den Hauptredner hat es tief geschmerzt, daß die Justiz das Sperrgeld verurteilt, und er wundert sich und findet es widersinnig, daß Arbeiter gegen das Sperrgeld Stellung nehmen. Denn es gibt keinen Arbeiter, der in der Nacht umsonst arbeiten würde." Einer kleiner Irrtum, geehrter Hausbesorger! Weder der Arbeiter, noch sonst irgend ein vernünftiger Mensch verlangt, daß Jemand bei Tag oder bei Nacht umsonst arbeiten soll. Was verlangt wird, ist nur das, daß das Sperrgeld aus der unsicheren Form des gelegentlichen Trinkgeldes erhoben und ihm der Charakter einer fixen und anständigen Besoldung verliehen werde, daß dem Mieter jederzeit freier Eintritt in die von ihm bezahlte Wohnung eingeräumt werde, und endlich, daß der Hausherr seine Dienerschaft selber bezahle, sie aber nicht auf eine durch nichts zu rechtfertigende Steuer seiner Parteien verweise. Die Sache ist eine sehr klare, und es mußte erst die geistvolle Idee auftauchen' die Wahlkampagne zu einer Judenkampagne zu machen, um auch das Sperrsechserl zu einer Parteifrage zu erheben. Nun hat die christlichsoziale Partei einen wichtigen Programmpunkt mehr: Beibehaltung des Sperrsechsers. * * * Es ist eigentlich mitleiderregend, wie gering das geistige Kapital ist, mit dem die antisemitische Presse zu arbeiten gezwungen ist. Sie muß mit dem einen kleinen Gedanken ihr Auslangen finden: „Wähler, um Gotteswillen auf zur Urne, sonst triumphiert der Jude!" Das ist natürlich nur so geredet; denn es war gar kein Jude kandidiert, aber das tut gar nichts, da es doch eine ausgemachte Sache ist, daß Alles, was nicht christlich-sozial ist, im Solde der Juden steht. So vereinfacht sich die Geschichte ungeheuer. Die „Reichspost", das Organ des österreichischen Klerus, macht ihre Sache so: „Dem Ausgang der Landtagsersatzwahl auf dem Alsergrund und der Reichsratsersatzwahl in Margareten kommt diesmal, wie die Dinge liegen, eine erhöhte Bedeutung zu. Wir wiederholen hier nicht die hundert- und hundertmal von unseren Führern und der christlichen Presse betonte Wahrheit, daß jeder Sieg unserer Gegner ein Triumph des Judentums über das C h r i st e n t u m, der internationalen Ausbeutung über die seßhafte, schaffende Bevölkerung wäre; wir wiederholen nicht, daß der Kampf um jedes Mandat, daß der Ausgang jeder Wahl im politischen und Parteileben überhaupt, besonders aber im großen Ringen zwischen christlicher und jüdischatheistischer Weltanschauung, zwischen Arbeit und Großkapital, zwischen sozialer Reform und Umsturz, zwischen Patriotismus und Reichsflucht von größter Wichtigkeit ist; wir versagen es uns h ier,des längeren auseinanderzusetzen, welcher Ansporn auch nur ein vorübergehender, durch die Lässigkeit der christlichen Wähler herbeigeführter Erfolg der Gegner für die E r b f e i n d e des christlichen Volkes sein müßte. Das find Wahrheiten, die für jede Wahl gelten, nicht

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