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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Llocv s MlöcbenscdrM. Generalmajor Alfred Mordecai, ein anerkannter militärischer Schriftsteller, - Generalarzt Moses, Oberst Leon Dyer und Leutnant Henry Seligson. Zu jener Zeit hatten die Juden auch zur See ihre hervorragenden Vertreter. Der Kommodore Uriah Philipps Levy starb 1862 als Flaggoffizier der Flotte und auf seinem Grabstein zu Cypreß Hills prangen die Worte: „Er war der Vater des Gesetzes, durch welches die barbarische körperliche Züchtigung in der Flotte der Vereinigten Staaten aufgehoben wurde". Von Abraham Lincoln bis auf Theodor Roosevelt. Daß das freiheitliebende, von der Freiheit lebende jüdische Volk auch bei der Befreiung der Neger und dem daraus entstandenen Bürgerkrieg eine hervorragende Rolle spielte, braucht kaum besonders hervorgehoben zu werden. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß auch auf Seiten der Föderierten zahlreiche Juden gekämpft haben. Die Zahl der jüdischen Krieger war ganz außerordentlich groß. Der Staat' Newyork lieferte gegen 2000 jüdische Soldaten. Aus Ohio kamen 1004, aus Pennsylvanien 527. Im ganzen sollen von den Juden, deren Zahl sich damals auf 150.000 belief, nicht weniger als 7884 Soldaten auf beiden Seiten gekämpft haben. In diesem Kriege war es auch, wo Frederick Knefler den höchsten von einem Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika jemals erreichten militärischen Rang erklommen hatte. Er trat als Freiwilliger in das 79. Jndianer-Freiwilligenregiment ein, um sehr bald dessen Oberst zu werden. Rasch wurde er zum Brigadegeneral befördert, um schließlich wegen seiner großen Verdienste in der Schlacht bei Chickamauga in den Rang eines Generalmajors erhoben zu werden. Den Rang eines Brigadegenerals haben außerdem noch erreicht: der in Schleswig-Holstein 1836 geborene und noch jetzt in San Franzisko lebende Edward S. Salomvn, Leopold Blumenburg, Philipp I. Joachimsen und Leopold Newman. Letzterer wurde auf dem Schlachtfeld tötlich verwundet und auf dem Sterbebette von keinem geringeren als Abraham Lincoln selbst zum General ernannt. Auch Colonel Marcus M. Spiegel stand bereits auf der Liste der zu ernennenden Generale, als er auf dem Schlachtfelde den Heldentod fand. Ferner sollen er- . wähnt werden Max Einstein, Max Friedmann, Israel Moses, Jsaac Moses, H. H. Seligsohn, Anselm Hamberg, H. Newbold, David Manheim, welche sämtlich den Oberstenrang erreicht haben. Zu erwähnen sei noch Adolph A. Meyer, welcher durch das persönliche Eingreifen des Präsidenten Lincoln zum Generalinspektor ernannt wurde. Den spanisch-amerikanischen Krieg haben nicht wenigcr als 2000 Juden und zwar größtenteils aus Rußland als Freiwillige mitgemacht. Auch unter den von Theodor Roosevelt geführten rauhen Reitern befanden sich sieben Juden, deren Tapferkeit das Erstaunen ihres Obersten hervorgerufen habe. Wie im Kriege, so haben sich die Juden auch im Frieden ganz besonders hervorgetan. Schon 1791 wurde ein Jude, Israel Jacobs, vom Staate Pennsylvanien in den Kongreß geschickt. Derselbe Staat hat weitere sechs jüdische Kongreßmitglieder entsendet. Newyork entsandte acht, darunter den bekannten Senator H. M. Goldfogle, in den Kongreß. Auch die Staaten Louisiana, Maryland haben je zwei, und Texas, Massachusetts, Illinois, Florida und Oregon je einen jüdischen Senator in den Kongreß gewählt. In der Gegenwart. Gegenwärtig soll die Zahl der im Vordergrund des öffentlichen Lebens der Vereinigten Staaten stehenden Juden mehr als 900 betragen. Es ist das um so erfreulicher, als nur ein geringer Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bereits ein Menschenalter in den Vereinigten Staaten lebt, und wenigstens ein Menschenalter ist doch erforderlich, um im Leben einer Nation eine Rolle zu spielen. Nebst zahlreichen Aerzten, Schriftstellern, Lehrern und Schauspielern zählen wir jetzt in Amerika Hunderte von Juden, die sich als Künstler einen Namen gemacht, als Theaterdirektoren sich ausgezeichnet, oder als Politiker sich öffentlich hervorgetan haben. Sehr groß ist auch die Zahl der jüdischen Baumeister, Ingenieure und Erfinder. Nicht zu vergessen find endlich zahlreiche jüdische Beamte, Richter und Bürgermeister. Daß die Seite 643 Juden auch in der Armee und der Marine verhältnismäßig gut vertreten find, braucht nach dem über die Anteilnahme-der Juden an den verschiedenen Kriegen bereits Gesagten kaum besonders hervorgehoben zu werden. So werden in dem „American Jewish Mar Book" für das Jahr 1904 13 in dem kleinen amerikanischen Landheer und 7 in der noch jugendlichen Flotte dienende Juden aufgezählt. Von den jüdischen KünstleHi, die in Amerika einen hervorragenden Platz einnehmen, wollen Wir nur Moses I. Ezekiel und den feinen und weit gesuchten Illustrator Louis Loeb hervorheben. Unter den zahlreichen jüdischen Schauspielern und Theaterdirektoren ragt der durch die Aufführung des Parfisal in jüngster Zeit berühmt gewordene Heinrich Conried, Direktor der Metropolitan Oper, hervor. Sehr groß ist die Zahl der jüdischen Politiker. Das oben zitierte „Mar Book" führt 27 jüdische Namen aus, deren Träger sowohl in der demokratischen, als auch in der republikanischen Partei eine leitende Rolle spielen und von denen fünf noch gegenwärtig Staatssenatoren respektive Kongreßmitglieder find. Cs find das die Herren Isidor Rayuer, Senator des Staates Maryland, und die Kongreßmitglieder Martin Emmerich von Illinois, Adolf Meyer von Louisiana, Lucien Litauer von New-Mrk und der bekannte Henry Meyer Goldfogle, gleichfalls aus New-Mrk. Zahlreich find die jüdischen richterlichen Beamten, von denen sechs an den höchsten Gerichtshöfen fungieren. Daß unsere Glaubensgenossen in den Vereinigten Staaten gerne die Beamtenkarriöre einschlagen, beweisen auch Dutzende von Juden, welche als Staatsanwälte oder Militärärzte tätig find. Der Kuriosität wegen sei noch Charles Garfunkel erwähnt, der in seinem Geburtsort Savannah im Staate Georgia das Amt eines Polizeimeisters bekleidet. Im ganzen Staate Georgia wohnen gegenwärtig 7000 Juden, also kaum die Hälfte der jüdischen Bevölkerung von Homel, die unter der Schreckensherrschaft des berüchtigten Chlebnikow seufzt und wenig Aussicht hat, in absehbarer Zeit unter dem Regime eines jüdischen Polizeimeisters zu stehen. Auch in der Diplomatie find viele Juden tätig. Nebst Oskar Straus und Solomon Hirsch, die beide die Vereinigten Staaten in der Türkei vertreten haben, sowie Marcus Otterbourg, welcher außerordentlicher Botschafter in Mexiko war, heben wir hervor die Konsuln Adolf Danziger-Madrid, Solomon Berliner-Teneriffa, Adolf Frankenthal-Bern, George Peixotty- Lyon, sowie den ehemaligen Generalkonsul in Wien Max Judd. Endlich ist Lewys Einstein Sekretär der amerikanischen Botschaft in Paris. Von den 10 jüdischen Baumeistern, die in Amerika einen großen Ruf genießen, nennen wir den jungen Edgar Lazarus, der in 14 Jahren 120 öffentliche Bauten aufgeführt hat. Unter den neun berühmten Ingenieuren ragt Mendez Cohen, der erste Eisenbahningenieur der Vereinigten Staaten und Präsident mehrerer großer Eisenbahnlinien, hervor. Endlich kennt man in den Vereinigten Staaten nebst zahlreichen hervorragenden Gelehrten und Aerzten nicht weniger als 40 Professoren, die entweder an großen Anstalten und öffentlichen Kliniken, oder an den verschiedenen Universitäten ihres Amtes walten. Wir nennen von ihnen Franz Boas, Adolfe Kohn, Richard Gottheil, Julius Sachs, Edward Seligmann von der Columbia-Universität, Charles Groß von der Harvard-Universität, Maurice Bloomfield, Abraham Cohen, Jakob H. Holländer von der Johns Hopkins-Universität, Morris Loeb von der New-Mrker Universität, Simon Fexner, Leopold Greenbaum, Morris Jastrow, Leo S. Rowe von der Universität von Philadelphia respektive Pennsylvanien und Josef Jastrow von der Universität von Wisconsin. Welche Stellung und Bedeutung die jüdischen Finanziers in Amerika einnehmen und wie groß ihr Einfluß auf das ökonomische Leben des Landes ist, hat Rußland zu seinem großen Schaden am eigenen Leibe erfahren. Bereits unter den Gründern der Newyorker Stock-Exchange befanden sich vier Juden, darunter der spätere Senator Ephraim Hard, der ein Kompagnon von John Jakob Astor war. Bezeichnend ist, daß die amerikanischen jüdischen Millionäre ihr Vermögen weder als Eisenbahnkönige, noch durch Beteiligung an verschiedenen Trusten erworben haben. Vielmehr find sie mit sehr wenigen Ausnahmen

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