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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 642 Dr. Mocb's Mocdenscdrttr. Nr. 41 „Land, Land"! ausstieß. Endlich war der wegen seiner Kenntnisse der orientalischen Sprachen von Columbus als Dolmetscher mitgenommene Jude Louis de Torres der erste Weiße, der seinen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hat. Ihn schickte nämlich Columbus ans Land, um den „großen Khan von Indien", für den er irrtümlicherweise den Kazika von San Salvadore angesehen hatte, im Namen Spaniens zu begrüßen. Obwohl also 10 Juden sich an der ersten Columbus'schen ExpÄition in hervorragender Weise beteiligt haben, so hätten diese historischen Verdienste doch nur den Wert einer geschichtlichen Reminiszens und würden die Juden zu der von ihnen gegenwärtig in Amerika eingenommenen Stellung noch keineswegs berechtigen, wenn sie nicht auch nach erfolgter Entdeckung des Kontinents an der Entwicklung dieses Neulandes noch ferner in hohem Grade beteiligt wären. Bereits am Beginn des 16. Jahrhunderts haben Juden in dem damaligen Kulturzentrum der neuen Welt, dem von Romanen beherrschten Südamerika, sich zahlreich niedergelassen. Allein der Süden Amerikas war von der Vorsehung nicht zum Kernpunkt der Zivilisation der neuen Welt bestimmt. Dieses war der von Germanen bevölkerten nördlichen Hälfte Amerikas Vorbehalten. Und so sehen wir die Juden schon frühzeitig nach diesem Teil des Kontinents ihre Schritte lenken. Das Jahr 1905 wird in ganz Nordamerika als das 250. Jahr der ersten Ansiedlung von Juden in New- Aork angesehen und daher als Jubeljahr gefeiert. Die Feier kommt etwas verspätet. Schon im Jahre 1652 sind von der Leitung der holländischen West-Jndia-Company jüdische Soldaten und Matrosen nach Neu-Amsterdam, dem gegenwärtigen New- Iork, geschickt worden. Zwei Jahre später und zwar am 9. November 1654 kamen zwei Juden, Jacob Barsimson und Jacob Aboaf, mit dem Schiffe „Pear Tree" nach Neu-Amsterdam, um sich daselbst dauernd niederzulassen. Ihnen folgten im selben Jahre weitere 23 jüdische Familien mit dem Schiffe „St. Katarina" aus Brasilien, wo gerade eine heftige Judenverfolgung wütete. Da sie nicht in der Lage waren, die Ueberfahrtskosten zu bezahlen, so wurden zunächst ihre Habseligkeiten öffentlich versteigert, und als alrch dieses nicht ausreichte, um die ganze Schuldenlast zu tilgen, zwei von ihnen, David Israel und Moses Ambrosius, in Schuldarrest genommen. Den ersten Emigranten folgten im nächsten Jahre zahlreiche andere aus Brasilien, und als die Austreibung der Juden aus diesem Lande von der portugiesischen Regierung beschlossen wurde, wanderte ein ganz großer Teil der dortigen jüdischen Einwohnerschaft nach dem unter dem Szepter des toleranten Holland stehenden Neu- Amsterdam aus. Die rapide Zunahme der jüdischen Bevölkerung hat vor 250 Jahren in Neu-Amsterdam die gleichen Folgen wie heutzutage. Mit den Juden kam auch der Antisemitismus ins Land. Zwar hatte die tolerante Direttion der holländischen West-Jndia-Company dem Gouverneur Stuyvesant, auf dessen Anttag, die Juden aus Neu-Amsterdam auszuweisen, erklärt, „diese Forderung ist weder mit der Vernunft noch mit der Gerechtigkeit in Einklang zu bringen", und den Juden im Gegenteil das Recht erteilt, in ganz Neu-Niederland wohnen und daselbst ein Gewerbe treiben zu dürfen, solange sie selber für ihre Armen sorgen. Aber bereits elf Jahre später wurde Neu-Amsterdam von den Engländern erobert, und das Kolonialparlament nahm die Juden von der allen Ansiedlern und Bürgern gewährten religiösen Duldung ausdrücklich aus. Auch die Parlamente der einzelnen Staaten wetteiferten mit dem Kolonialparlament in der judenfeindlichen Gesetzgebung. So wurde im Jahre 1737 vom Parlamente des Staates Newyork den Juden das Wahlrecht genommen und ihnen das Recht, als Zeugen zu fungieren, abgesprochen. Selbst nach der Revolution wurden die Juden im Staate Maryland zu keinem öffentlichen Amte zugelassen und erst im Jahre 1825 erhielten sie in sämtlichen Staaten Nordamerikas die volle Gleichberechtigung. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es ihnen dennoch, in der neuen Wett immer fester Wurzel zu fassen, so daß wir im Jahre 1790 in Newyork einen gewissen Heymann Levy begegnen, den man als den ersten Großkaufmann Nordamerikas bezeichnen darf. Er unterhielt ausgedehnte Handelsbeziehungen zu den Noch damals sehr zahlreich und dicht bei Newyork wohnenden Indianern und ward von diesen wegen seiner Ehrlichkeit die „redliche Blaßhaut" genannt. In dem Geschäft dieses Heyman Levy arbeitete John Jakob Astor, der- Begründer der berühmten Millionärendynastie, als^Dommis.' Zur Zeit der Revolution waren die Juden Lauster NnMeyWork noch in vielen anderen Plätzen Nordamerrkas'd'zaIl-iMh anwesend. So in New-Port, das lange Zeit mit Erfolg New-Aork den Rang abzulaufen bemüht war. Ferner in Philadelphia, wo sie schon im Jahre 1655, also 20 Jahre, bevor William Penn, der Begründer des Staates Pennsylvanien, seinen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hat, in großer Anzahl vertreten waren. Von George Washington bis Abraham Lincoln. Immerhin war die Zahl der jüdischen Bevölkerung beim Ausbruch der Revolution noch verschwindend gering. Und es ist bewundernswert und als Beweis für den großen Patriotismus der Juden, wenn das so geringe jüdische Häuflein von kaum mehr als 2000 Seelen dennoch schon an dem Freiheitskampf der Amerikaner einen so hervorragenden Anteil genommen hat. Die berühmte, im Jahre 1765 gefaßte Resolution gegen die Einfuhr englischer Waren war von neun Juden unterzeichnet. Vier Jahre später entstand ein Freiwilligen-Regiment, das in Charleston, Südcarolina, ausgehoben und vom jüdischen Kapttän Lusington befehligt wurde, zum großen Teile aus Juden. Mr. Gompez aus New-Iork erbot sich trotz seines hohen Alters, eine Kompagnie zu formieren. Als man ihm auf seine 68 Jahre aufmerksam machte, erklärte er, er könne ebenso gut eine Flinte abschießen wie der jüngste Mann. Oberst Isaak Franks und Major Benjamin Nones dienten beide im Stabe Washingtons. Auch der berühmte Manuel Mordecai Noah hat als Offizier im Stabe Washingtons sich an den Freiheitskriegen beteiligt. Endlich weiß die Geschichte noch weitere 20 jüdische Offiziere namhaft zu machen, welche für die Errichtung der ersten großen Republik der Neuzeit auf dem freiheitlichen Boden Amerikas gekämpft haben. Nebst ihrem Blute haben die Juden auch mit ihrem Gut für die Freiheit nicht gespart. Der bereits erwähnte Mordecai Noah hat 100.000 Dollars für die Kriegskasse beigesteuert. Haym Salomon aus Philadelphia, ein polnischer Jude, soll nach und nach nicht weniger als 600.000 Dollars für Kriegszwecke gespendet haben, ohne davon je einen Pfennig wieder bekommen zu haben. Benjamin Lewy aus Philadelphia, Benjamin Jacobs und Samuel Lyon, beide aus New-Iork, zeichneten 1770 und 1779 große Summen für die erste Kriegsanleihe. Isaak Moses aus Philadelphia steuerte 15.000 Dollars und Herman Lewy, ebenfalls aus Philadelphia, unterstützte die Armee mit großen Beiträgen. Nach erfochtenem Siege über die Engländer und der Anerkennung der jungen Republik durch sämtliche europäischen Großmächte galt es nunmehr, die errungene Freiheit vor den Angriffen der Engländer, die den Verlust Nordamerikas noch lange nicht verschmerzen konnten, Jahrzehnte hindurch zu schützen. 1812 macht das perfide Albion einen zweiten und letzten Versuch, ganz Nordamerika wieder unter seine Botmäßigkeit zu bringen. An dem Siege New-Orleans, durch welchen die Unabhängigkeit der Republik sichergestellt wurde, hatten auch die Juden, deren Zahl damals auf zirka 3000 geschätzt wurde, ihren hervorragenden Anteil. Nebst dem Brigadegeneral Joseph Bloomfield, der sich seine ersten Lorbeeren im Befreiungskriege errang, fochten gegen die Engländer u. a. Colonel Nathan Myers, Leutnant Isaak Mertz, Kapitän Myer Moseh, Adjutant Jsaac Myers, sowie der bekannte Juda Touro, der nachmalige Freund Moses Montefiores. Im Jahre 1846, beim Ausbruch des Krieges mit Mexiko, belief sich die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten bereits auf 50.000 Seelen. Dementsprechend war auch die Anteilnahme der Juden an dem mexikanischen Krieg sehr groß. General David Mc. Leon hat in demselben zweimal den kommandierenden General zeitweilig vertreten. Ferner sind aus diesem Jahre bekanntgeworden:

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