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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Dr Dlocb's Mocbenscbrfft Als sie seine zitternde Stimme hörte, schienen die jahrelangen, staubigen Grabsteine wie vom Erdboden verschwunden zu sein, all ihre Freuden und Kümmernisse lebten wieder auf, nicht so, wie sie einmal gewesen waren, sondern verändert von einem feierlichen Pathos. Als das Lesen des Gesetzabschnittes beendet war. hielt David ben Jesse, ein königlich aussehender Greis, die Rolle an den vier Enden, die dann von seinem Sohn, Salamon dem Prediger, wieder zusammengerollt wurde; das Hinauftragen zur Bundeslade besorgte der Rabbi ben Akiba, dessen Gesicht einen seltsamen, begeisterten, durch Leiden veredelten Ausdruck hatte. Die Gemeinde erhob sich und sang einen Freudenhymnus; das ganze Weltall schien von Freude erfüllt. Rebekka konnte nicht singen; jetzt erst vermißte sie ihren Gatten Moses. Warum war er nicht hier, wie alle anderen langjährigen Freunde, deren traute Gesichter in ihr ein süßes Gefühl der Sicherheit entstehen ließen? Was er wohl außerhalb dieser mächtigen Versammlung tun mochte? Warum war er nicht hier, um die heilige Pflicht, die ihm anvertraute Rolle zu tragen, auszuüben? Sie fühlte Tränen über die Wangen rieseln; sie war nahe daran, umzusinken, „Mutter, Mutter", schrie sie, „mir ist übel!" „Du mußt in die Luft, mein Kind, meine Rivkole", sagte die Mutter und die Erinnerung an ihre liebe Stimme in ihrer unveränderten Lieblichkeit erfüllte ihr Gedächtnis. Und sie streckte ihre Hand aus und o, sie wurde länger und länger, bis sie den Himmel erreicht hatü, auf einmal verschwand das heilige Dach und die frische Luft strich wie göttlicher Balsam über Rebekkas Stirn. Es fiel ihr auf, daß die Kerzen noch immer brannten und auf einmal öffnete sich der sternenlose Himmel in herrlicher Schönheit und der weiß beflügelte Cherubim sang: „Heilig, heilig ist der Herr, die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit." Und die ganze Gemeinde schrie: „Heilig, heilig ist der Herr, die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit." Dann hob Hoffnung Rebekkas Brust und sie sagte: „Herr im Himmel, verzeihe meinem Mann, denn er ist in der Hand des Versuchers, errette ihn aus der Hand des Bösen, mit Deiner mächtigen Hand. Rette ihn und verzeihe ihm in Deiner unendlichen Barmherzigkeit." Es folgte ein angstvolles Stillschweigen, bis endlich mitten aus dem Firmament ein Wort ertönte, das durch die Welt erschallte und das sich in die schönste Kadenz auflöste — Salachti. Und al§ das erste Wort des Verzeihens an ihre Ohren tönte und die beglückende Versicherung in ihr Herz eindrang, da erwachte Rebbekka Grinwitz und der helle Sonnenschein erglänzte und die frische Morgenluft drang durch das Tor ein, das Reb Jitzchok eben geöffnet hatte. (Schluß folgt.) Literat«». miKn “isd. Ha-Orah. Ritualwerk Rabbi Salomo ben Jsak (Raschi) zugeschrieben. Herausgegeben nach vier Handschriften mit Anmerkungen nebst einer ausführlichen Einleitung versehen von Salomon Buber. Lemberg 1905. Selbstverlag des Verfassers. Zu den Leuchten ersten Ranges, welche am Himmel unserer Geschichte glänzen, gehört unzweifelhaft unser Held Salomon ben Jsak, bekannt unter dem Namen „Raschi", dessen unvergängliche Leistungen das laufende Jahr der Weltära, das Jahr 5665, uns in besonders dankbare Erinnerung bringt. Am 29. Thamus dieses Jahres waren es, wie den Lesern dieses Blattes wohl bekannt ist, achthundert Jahre, daß Raschi in die Ewigkeit eingegangen ist. Zu dieser Gelegenheit bemühten sich alle Raschi-Freunde, die erhabene Lichtgestalt des „Parschandatha" zu verherrlichen. Bald hört man über Vorträge von großen Rednern, die die Bedeutung Raschi's hervorheben, bald lesen wir in den verschiedenen Zeitschriften gelehrte Abhandlungen über das Leben und Wirken dieses großen Meisters. Seite 637 Aber all die Reden und Schriften, so verdienstvoll und anerkennenswert sie auch find, werden von der Leistung des großen Gelehrten Buber beiweitem übertroffen. Salomon Buber hatte die ausgezeichnete Idee, zum achthundertjährigen Todestag Raschis, zu welcher Gelegenheit Buber die Initiative zur Gründung einer Raschi-Stiftung ergriffen hat, dem größten Bibel- und Talmud-Erklärer durch die Herausgabe eines bis jetzt nur in Handschriften vorhanden gewesenen Ritualwerkes ein echt jüdisches Denkmal zu setzen. Dieses Ritualwerk besteht aus zwei Teilen.' Dem ersten Teil, der nach einer Handschrift des Rabbi Chajim Joseph David Asulai mit Vergleichung der Lesearten und Zusätze anderer drei Codices, im Besitze der Alliance IsraSIito zu Paris und der Bodlejana in Oxford (eoä. 563 und 564), sowie der Excerpte, die der Editor des Loxders ha-Parcles aus einer Handschrift hinzufügte, herausgegeben ist, geht eine ausführliche 167 Seiten umfassende Einleitung voraus. In dieser unterrichtet uns der gelehrte Herausgeber zunächst über die Beschaffenheit der genannten Manuskripte, über alle halakhischen Leistungen Raschis, sowohl die bereits gedruckten, als auch über die noch in Handschriften vorhandenen. Zu letzteren gehören „Issur-we- Hetter“, „Siddur“, „Sepher ha-Sedarim“ und diverse Responsen; dann zählt er auf die in diesem Werke angeführten Gelehrten und Schriften, sowie die Autoren und Werke, welche den Ha-Orah bringen. Nun folgen auf 162 Seiten 125 Kapitel des eigentlichen Ritualwerkes, die mit wenigen Ausnahmen die Vorschriften des ersten Teiles des Schulchan Aruch, des Orach Chajim, behandeln und von Buber mit einem ausführlichen Kommentar, enthaltend Quellennachweis, und zahlreiche kritische Bemerkungen versehen, wofür ihm die höchste Anerkennung gebührt. Auch der zweite Teil, der, herausgegeben nach der oberwähnten Handschrift der Bodlejana (Nr. 563) auf 76 Seiten 159 Nummern in das Gebiet des ganzen vierteiligen Schulchan Aruch einschlagend enthält, ist mit demselben Bienenfleiß ediert. Wir möchten nur auf manche Punkte Hinweisen. Buber weilt mit Recht die Weiß'sche Hypothese zurück, wonach Nathan ben Machir der Redakteur unseres Werkes gewesen sei (M. H. Weiß, Biographie Raschi's, x. 49), ohne jedoch btejer Frage näher zu treten. Es ist natürlich nicht leicht, eine definitive Entscheidung hierüber zu geben. Wir betrachten es jedoch als wahrscheinlich, daß R. Joseph b. Jsak, Schüler des Jakob Meir (Rabenn Tam), der Sammler wenigstens des zweiten Teiles des ."nis,i “isd war. Daselbst Nr. 124 folgt der eigentlichen Entscheidung eine Ergänzung, in der sich der Redakteur uns selbst vorstellt. Dieselbe beginnt nämlich mit den Worten 'rin2 onnm bv (pibrib) vb pnsr "12 *\qv '22.1 Wenn wir auch noch anderen Namen begegnen, besonders im zweiten Teile, z. B. Nr. 56 Jsak bar Jehuda, so kann dieser Umstand uns doch nicht veranlassen, diesen als Sammler des Ritualwerkes anzusehen. Vielmehr ist diese Nummer ein beigefügtes Responsum des genannten Jsak. Und in der Tat wird es wohl niemand Wunder nehmen, wenn wir behaupten, daß die späteren Zusätze zu diesem Werke noch viel dichter gesät sind, als im Raschi zu den Büchern Ezechiel und Hiob und ungefähr im gleichen Maße wie in den im Chofes Matmonim befindlichen Teschuboth Raschis. In beiden Werken wird jeder Kenner der Sprache Raschis viele Stellen finden, wo er sich sagen wird, es sei unmöglich, daß hiermit der erste Bibel- und Talmud-Kommentator zu ihm rede. Bei diesem sind wir nicht gewöhnt, Wiederholungen des Gesagten zu finden, vielmehr ist seine Sprache, überall, wo wir sie als die von seiner Feder hervorgegangene erkennen 'p:i 2p kurz, gedrängt, sinnvoll und dennoch klar und einleuchtend, Eigenschaften, die wir jedoch in unserem Ritualwerke vermissen. Wir verweisen bloß auf die Nummern 41, 62 und 63 des ersten Teiles, wo man mit Leichtigkeit die fremde Zusätze merken kann. Aber abgesehen von diesen kleinen Zusätzen, finden wir auch ganze Paragraphen, die nicht Raschi angehören. So z. B. Nr. 113 und Seite 148, wo Raschi mit Namen angeführt ist, daß er eine Halakha von seinem Lehrer Jsak b. Juda akzeptiert habe: rm '"12*7 bv nabr V2"i "jac a'Q' n»2

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