Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021602-3021643--14849-3039582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 40 Dr. Blocb’s Mocdenscvritt. Sette 635 blick war seine Haltung während des 73er Krachs. Als die Deroute mit ihrem Feuerregen alles einäscherte, als allenthalben Wimmern und Klagelieder ertönten, hatte Herr Thorsch die Gewinne bereits in die Scheunen gebracht und konnte gewissermaßen von der Loge aus die hin und her fliegenden Ambulanzen, die Wegschaffung der finanziellen Leichen beobachten. Zu dieser seiner Vorsicht gesellte sich auch hohe Solidität und Rechtschaffenheit. Nichts vermochte ihn vom geraden Wege abzulenken. Daß er trotzdem so bedeutende Erfolge erzielte und insbesonders im Valutageschäft so dominierend wirkte, verdankte er ausschließlich seiner Initiative, seinem raschen Blick und seinem tiefgründigen Verständnis für alle bewegenden Fragen des Wirtschaftslebens. Er war lange Jahre Mitglied des Kultusvorstandes und bewährte dem Judentum warme Anhänglichkeit. Im Privatverkehre war der Verblichene von bescheidener Liebenswürdigkeit und hierbei von unermüdlichem Wvhltätigkeitssinne beseelt. Das von ihm gegründete Unternehmen wird von seinem Neffen und bisherigen Mitchef Herrn Dr. Alfons Thorsch und den Prokuristen Herren Ludwig Neurath, von Schmidt und Utitz in seinem Geiste fortgeführt. Unter großer Beteiligung hat am 2. d. M. das Leichenbegängnis stattgefunden. Im Trauerhause, Landstraße, Reisnerstraße- Nr. 51, hatten sich eingefunden: Der Leiter des Unterrichtsministeriums Freiherr v. B i e n e r t h, Sektionschef Freiherr v. O d e l g a vom Landesverteidigungsministerium, vom Handelsministerium Sektionsrat Dr. v. Wimmer, der Stellvertreter des Börsenkommissärs Sektionsrat Dr. Szarsky, der griechische Gesandte M a n o s, die Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav K o h n und kaiserlicher Rat Hirsch, Sekretär kaiserlicher Rat Lieben mit seinem Stellvertreter Dr. A d l e r, der Präsident der Prager israelitischen Kultusgemeinde Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, der Präsident der „Chewra-Kadischa" Salo Cohn mit den Vorstandsmitgliedern S. Steiner, Jakob Kann, von der Oesterreichischungarischen Bank der Vizegouverneur Leopold v. Lieben, Generalrat F. Sneß, Generalsekretär-Stellvertreter Alois Zuck, Regierungsrat Dr. C a l l i g a r i s und Sekretär Ernst Kuhn, der Präsident der Börsekammer Vinzenz Miller v. Aich- Holz und Generalsekretär Dr. L i ck h, von der Kreditanstalt die Direktoren N o s s a l und R a u m a n n, sowie Verwaltungsrat Norbert Benedikt, von der Bodenkreditanstalt Direktor Theodor Ritter v. T a u s s i g, vom Bankverein die Direktoren Stögermayer und Marcus, von der Eskomptegesellschaft Direktor K r a ß n y, von der Länderbank die Direktoren Lohn st ein und S ch u s ch n y, sowie Direktorstellvertreter Kraus, von der Unionbank Direktor W e i s h u t, von der Anglobank Generalrat Klein und Direktor Schwarz, vom Wiener Giro- und Kassenverein Präsident W o l l h e i m und Direktor Dr. Hammerschlag, von der Zivnostenska-Banka Direktor S pi t a l s k y, vom Bankhaus S. M. v. Rot hs ch i l d Kommerzialrat S t i e d r y, sowie die Prokuristen Horner und Kantor, ferner die Bankiers Richard L i eb e n, Stephan v. A u s p i tz, E l l i s s e n. Alfons Feldmann, Leopold Langer, D. W e i s w e i l l e r, Pichler. W ö l f l e r, Weiß v. W e l l e n st e i n, der Präsident des Sensalengremiums der Wiener Effektenbörse Josef Beck mit den Vorstandsmitgliedern Jg. G e w i t s ch, Wilhelm Fischer und Weis Hut, die Sensale Calm, Edmund Mayer und Siegfried F i s ch e l, die Großindustriellen David Ritter v. Gutmann, v. Seybel, Mauthner v. Markhof, Dr. Max Böhm, David F a n t o, Direktor Baron Karl F e r st e l und W. Löwenfeld (Prag), die Herren Hosrat v. Hahn, Herz v. Herten ried, ferner Hofrat C h r ob a k, Herrenhausmitglied Hofrat Dr. G r ü n h u t, Professor Baron Max Ferstel, Professor Dr. Freud, Professor Doktor K ö n i g st e i n, Professor Karl König von der Technik, Hofrat Professor Dr. P h i l i p p o v i ch, Hofschauspieler Ritter v. S o n n e n t h a l, die Advokaten Regierungsrat Dr. Rechen, Dr. Kornfeld, Dr. Otto F r a n ck e l, Gemeinderat Doktor Mittler, Dr. Moritz Singer, Dozent Dr. Dreier, akademischer Maler Seligmann, Oberingenieur Fritz Go lwig, Ritter v. Goldschmidt, Abg. Edler v. Rapoport, die Direktoren Straffer, Löwen st ein und Fluß vom „Vulkan", die kaiserlichen Räte Julius P o l l a k und Kann aus Prag, Schriftsteller Ludwig Felix, Fritz Singer und andere, weiters Vertreter der Kultusgemeinde in Mödling, die trauernden Familienmitglieder, die Beamten und viele Freunde des Hauses. Oberkantor Bela Guttmann brachte die Trauerpsalmen zum Vortrag. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Altbnrgermeister v. Kuffner. Aus Lundenburg wird berichtet: Der Heimgang des Altbürgermeisters v. K u f f n e r ist ein herber Verlust für unsere Stadt und für die hiesige jüdische Gemeinde, der er zahllose Wohltaten erwiesen. Die allgemeine Trauer fand ihren Ausdruck bei dem Leichenbegängnis, welches unter imposanter Beteiligung der Bevölkerung von Lundenburg und Umgebung stattfand. Um halb 4 Uhr setzte sich der lange Trauerzug vom Hauptplatze aus in Bewegung. Hinter dem Leichenwagen schritten der Sohn des Verstorbenen, Großindustrieller Ludwig Ritter v. Kuffner, dessen Tochter Anna, die Gemalin des Gödinger Zuckerfabrikanten Redlich, die Teilhaber der Lundenburger Aktiengesellschaft Moritz v. Kuffner und der Großindustrielle Redlich; außerdem waren von Wien aus mittelst Separatzuges die Direktoren und Beamten der Hernalser, Ottakringer und Döblinger Brauereien erschienen, die sich den nächsten Verwandten anschlossen. Ihnen folgten Deputationen der Stadtvertretung von Lundenburg mit dem Bürgermeister-Stellvertreter Eduard Kafka an der Spitze, der Stadt Nikolsburg mit dem Vizebürgermeister Dr. K r e y m l und des Gemeinderates von Göding, Bezirkshauptmann Baron Fries aus Göding, Bezirkshauptmann H l o u s ch e k, Vertreter der dreizehn Gemeinden des Lundenburger Gerichtsbezirkes, Landesgerichtsrat Dr. Zadraz il und Postverwalter Gerstberger und die Beamten der fürstlich Liechtensteinschen Gutsverwaltung, sowie Abordnungen zahlreicher israelitischer Kultusgemeinden. Dem Leichenbegängnis ging eine Trauerfeier der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde im Tempel voraus, bei der Rabbiner Dr. G r o ß den Dahingeschiedenen in einem Nachruf als Philanthropen feierte. Der Sarg wurde von Mitgliedern der Gemeindevertretung auf den Leichenwagen gehoben und nach Abfingung eines Trauerchores durch den hiesigen Männergesangverein beigesetzt. Die Grabstätte befindet sich neben dem Mausoleum des ehemaligen Bürgermeisters von Ottakring, Ignaz Ritter v. Kuffner. — In seinem Testament hat Hermann v. Kuffner folgende Legate hinterlaffen: 10.000 K. als Armenstiftung für die Stadtgemeinde Lundenburg; 10.000 K. als Armenstiftung für die Jsraelitengemeinde; 20.000 K. als Stiftung für erwerbsunfähig gewordene Arbeiter der Zuckerfabrik in Lundenburg; 20.000 K. für die Beamten und Angestellten dieses Unternehmens; 8000 K. zu einer Spitalsstiftung; 4000 K. zur Bekleidung armer Schulkinder christlicher Konfession; 2000 K. zur Bekleidung armer Schulkinder israelitischer Konfession und 6000 K. zu einer Kultussteuerstiftung. — Der Ausschuß der Stadtgemeinde Lundenburg hielt kürzlich anläßlich des Ablebens des Altbürgermeisters Edlen v. Kuffner eine Trauerversammlung ab, in welcher rühmend hervorgehoben wurde, daß Hermann v. Kuffner, abgesehen von der Förderung aller Gemeindeintereffen, stets für die Wahrung des deutschen Charakters der Stadt Lundenburg eingetreten sei. Aus Holleschau wird uns gemeldet, daß Herrn Gemeinderat und Stadtbaumeister Donat Z i f f e r e r anläßlich seines 60. Geburtstages von der israelitischen Stadtgemeinde Holleschau das herrlich ausgestattete Ehrenbürger-Diplom am 2. d. M. durch eine Deputation, bestehend aus Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Freimann, Bürgermeister I. Baumgarten und Ehrenbürger von Holleschau Albert Löw, feierlich überreicht wurde. Kolin. Als Mitglied des hiesigen städtischen Waisenrates wurde Herr Rabbiner Dr. Raphael Gugenheimer ernannt.