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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Jölocb s MocbenscbrM. Seite 631 Leitung seines Dirigenten die Weihepsalmen in exakter Weise vortrug. Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner unserer Muttergemeinde in Ung.-Ostra Dr. Friedmann hielt in schwungvollen, zu Herzen gehenden Worten die Festrede, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte, und wollen wir hoffen, daß seine Worte, betreffend die Mutter- und Tochtergemeinde, auf fruchtbaren Boden gefallen sind, die Mutter der Tochter Liebe und die Tochter der Mutter Vertrauen entgegenbringen wird. An der Feier selbst nahm außer den Gemeindemitgliedern ein zahlreiches Publikum teil und hatten sich an illustren Gästen eingefunden: Herr Graf Nikolaus Chorinsky, k. u. k. Major i. R., der Leiter der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Ung.-Hradisch Herr k. k. Statthaltereirat Wacha, der gräflich Chorinskysche Güterinspektor Herr Kunze u. m. A., Herrschafts¬ und Bahnbeamte, die Herren Bürgermeister der Stadt und Vorstadtgemeinde Wessely a. d. M. mit den Herren Gemeinderäten, Abordnungen der israelitischen Gemeinden Ung.-Ostra, Ung.-Hradisch, Bisenz und viele andere Gäste aus Wessely und Umgebung. Wer den alten Raum gekannt, in dem wir durch Generationen unsere Andacht verrichteten, wird es begreifen, wie sehr wir uns freuen, die herannahenden hohen Feiertage auf würdige Weise in einem würdigen Hause begehen zu können. Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit auch eines Trauerfalles, der an diesem Tage in unserer kleinen Gemeinde vorkam, zu erwähnen, und zwar starb in der Nacht vorher ein, wenn auch armer, aber bescheidener und allseits bestgelittener Mann, der Gemeindeangestellte Herr Jakob Rosenzweig, nach kurzem, schwerem Krankenlager; er freute sich > sehr auf dieses Fest und selbst in seinen Delirien kam nur dieser einzige Gedanke stets zum Ausdrucke; es war ihm nicht gegönt. Er ruhe sanft. W. 0. Teplih. (Tempelfei er.) Wir hatten am Schluffe des Jahres eine sehr erhebende, der Vollendung der seit Jahren im Zuge befindlichen Ausschmückung des Tempels gegoltene Feier, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Man muß dem hiesigen Tempelvereine, speziell seinem Vorstande eine unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit nachrühmen, die im Laufe einer fünfundzwanzigjährigen Dauer außerordentlich Ersprießliches leistete. Der Mann, der überhaupt die Erbauung des Tempels anregte und tatkräftig förderte, Dr. Oskar Willner weilt nicht mehr unter den Lebenden und seine Nachfolger quittierten den Dank der von ihm so trefflich geleiteten Gemeinde durch eine marmorne Gedenktafel in der Vorhalle des schönen Gotteshauses. Zum Glück fanden sich auch nach ihm Männer mit besten Absichten und löblichem Eifer für die gute Sache, die sie nun in erhebender Weise krönten. Es ist geradezu erstaunlich, wo die Herren angesichts des großen Jndifferentismus in der jüdischen Gemeinde das viele Geld hergenommen, das sie zu Tempelzwecken verausgabten. Man denke, daß der Verein bloß im lausenden Jahre für die letzte Ausschmückung nicht weniger als 31.320 Kronen verwendete, im Laufe seiner Tätigkeit aber mehr als 62.000 Kronen; außerdem widmete derselbe mehr als 10.000 Kronen für Bekleidung armer Kinder und 4500 Kronen für andere wohltätige Zwecke. Dies sind ja ganz respektable Summen für eine nicht allzu große Gemeinde, die man nur zusammenbringen kann, wenn man viel Eifer hat und sich aufs Betteln und auf Veranstaltungen versteht. Rabbiner Dr. Kurrein hat auch heute in seiner Festpredigt diese eminenten Verdienste des Vereines mit Recht anerkannt. Die von einem Dresdener Künstler durchgeführten Malereien und Vergoldungen im Tempel find brillant, ebenso glänzend die fast überreiche Beleuchtung, die jedoch den Fehler hat, daß die elektrischen Flammen zu nieder angebracht sind, das Auge unten blenden und den oberen Teil des Saales, die Gallerien mit den schönen Frauen, etwas im Schatten lassen. Für die Andacht ein Vorteil, aber für den Eindruck des weiten Raumes ein Nachteil. I*. H. F. Friedek-Mistek Am Sonntag den 24. September d. I. feierte die hiesige Kultusgemeinde ein schönes, seltenes Fest. Am 23. Elul waren es 40 Jahre, seitdem der hiesige Tempel seiner Bestimmung durch die Einweihung zugeführt wurde. So beschloß der Kultusvorstand diese Erinnerung dadurch zu feiern, daß er drei Gedenktafeln in der Vorhalle des Tempels errichtete. Die erste gilt Sr. kais. Hoheit weiland Erzherzog A l b r e ch t, der durch die Schenkung des herrlichen, teueren Bauplatzes es dem damals bestandenen Kultusvereine ermöglichte, den Tempel zu bauen. Die zweite gilt ihrem von allen Schichten der Bevölkerung hochgeachteten Vorsteher Herrn Hermann L öw, der durch seine nahezu 50jährige Tätigkeit sich unvergängliche Verdienste um die hiesige Kultusgemeinde erworben hat. Die dritte Tafel gilt den 34 Gründern und Erbauern des Tempels, von denen nur noch 10 am Leben find. Das Fest wurde würdevoll und erhebend gefeiert. Herr Rabbiner Dr. Drobinsky hielt eine wahrhaft schöne, geistvolle, großangelegte, die Bedeutung dieses Tages würdigende Rede, die die Zuhörer in atemloser Spannung erhielt. Den gesanglichen Teil, der zwei Programmpunkte enthielt, brachte unser altbewährter Oberkantor Herr Salomon Weiß mit seinen schönen Stimmitteln und dem bestgeschulten Chore in wahrhaft künstlerischer Weise zur Auffführung und verdienen sowohl der Chor, wie auch der Chordirigent Herr Lehrer H a m p l volle Anerkennung und Lob. Als letzter Programmpunkt war die Enthüllung der Gedenktafeln angesetzt. Vorsteher-Stellvertreter Herr Alois R e i k hielt eine Ansprache an den Vorsteher Herrn Hermann L ö w mit der Bitte, die Enthüllung der Gedenktafeln vorzunehmen, was Letzterer mit einer allen Anwesenden zu Herzen gehenden Rede tat. In dieser seiner Rede sagte er, schlicht und einfach ohne jede Pose, vom Herzen kommend: „Ich will für mein Judentum und für unsere Gemeinde arbeiten, solange sich ein Blutstropfen in mir regt." Der Tempel selbst war sowohl von außen als auch von innen wunderbar dekoriert und geschmückt mit Fahnen der Landes- und Reichsfarben, ferner geschmackvoll arrangiert mit reicher Blumenzierde, was unser verdienstvoller Obmann-Stellvertreter der Tempelsektion Herr Adolf Reik zur Ausführung brachte. Dem Feste wohnten bei: Herr Oberförster Marker als Vertreter Sr. kais. und königl. Hoheit Erzherzog Friedrich, die Bürgermeister und Magistratsräte der Städte Friedek-Mistek und der Gemeinde Colloredo und Direktor und k. k. Bezirks-Schulinspektor Herr Havranek, ferner beinahe sämtliche Mitglieder der Kultusgemeinde, sowie eine Abordnung des Erzh. Albrecht-Veteranenvereines. Unter den zahlreichen Glückwunschschreiben und Depeschen befand sich auch ein Dankschreiben von dem Oberhofmeisteramte des Erzherzog Friedrich für die dankbare, pietätvolle Erinnerung für den Erzherzog Albrecht. Jeder, der dieser Feier beiwohnte, wird eine schöne Erinnerung an dieses Fest bewahren. Tempelweihe in Bisegrad. Am 12. v. M. war unser Städtchen der Schauplatz eines Ereigniffes, welches trotz seiner lokalen Natur eine weit über die engen Grenzen des Weichbildes unseres Ortes hinausragende Bedeutung besitzt. Am genannten Tage wurde der von der vereinigten sephardischen und österreichisch-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde mit großen Opfern erbaute schmucke Tempel feierlich eingeweiht. Was dieser Feier ihre Bedeutung gab, ist die erfreuliche Tatsache, daß sich dieselbe unter tätiger Mitwirkung der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfeffion vollzog. Den Weiheakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Weßel aus Sarajevo, welcher in Begleitung des greisen Präsidenten der Sarajevoer sephardischen Gemeinde Herrn Salomon eff. Salom und einer Deputation derselben Gemeinde am Tage vorher hier eintraf. Ein berittenes Banderium holte den ehrwürdigen Seelsorger und die Festgäste ein, die 5 km von der Stadt entfernt vom Bürgermeister Sutzaga Osmanagic nebst einigen Gemeinderäten, von der gesamten jüdischen Gemeinde und vom greisen serbisch-orthodoxen Erzpriester Popen Nikola erwartet und herzlich begrüßt wurden. Herr Dr. Weßel fuhr an der Seite des Erzpriesters ein. Auf der alten Drinabrücke. dieser den Jahrhunderten trotzenden Schöpfung des berühmten Bosniers Mehmed Pascha Sokolovic, bildete die Schuljugend Spalier und ein Schulmädchen überreichte dem Rabbiner nach einer schönen Begrüßungsansprache einen Blumenstrauß. Bor dem „Hotel

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