Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-29 · 39 (29.9.1905) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021602-3021642--14833-3039565
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 620 Dr. Dlocb s Mocvenscvrttr. Nr. 39 9öiett. Die Einschreibungen in die Bibelschule für Mittelschüler werden Montag und Dienstag den 2. und 3. Oktober l. I. von ‘/25—V26 Uhr abends tu der Religionsschule, I. Seiten st ettengasse Nr. 2, II. Stock, vorgenommen. Der Unterricht ist sowohl für die untere Abteilung — Schüler der II. und III. Klasse der Mittelschulen — als auch für die obere Abteilung — Schüler der IV. und V. Klasse der Mittelschulen — Sonntag in den Vormittagsstunden. Die Unterrichtsstunde selbst wird den Schülern einer jeden Abteilung beim Einschreiben bekanntgegeben. Wie». Die Einschreibungen in die Talmud- und Bibelschule im II. Bezirke, Tempelgasse 3 werden Dienstag und Mittwoch am 17. und 18. Oktober d. I. von 5—6 Uhr nachmittags im B e t H-Hami dr as chlokale, 11., Tempelgasse 3, Parterre stattfinden. Wie». (Erster Wiener jüdischer Turn verein.) Das Damenturnen hat am 20. September d.' I. begonnen, und zwar wieder in denselben Zeiten wie im Vorjahre. Das Herrenturnen findet Montag und Donnerstag abends statt. Das Kinderturnen beginnt am 1. Oktober d. I. Auskünfte werden an den Turnabenden im Vereinslokale, Wien, 1., Mölkerbastei 5 bereitwilligst erteilt. Nene Kunst-Wohltätigkeitsmarken des Vereines „Frauenhort" in Wien. In den nächsten Tagen werden in sämtlichen Trafiken Oesterreich-Ungarns neue Siegelmarken zu dem Preise von 2 Hellern ausgegeben, welche in vollendet künstlerischer Weise in drei verschiedenen Typen ein Kind nach dem berühmten Original von della Robbia, einen Amor und einen Trauergenius darstellen. Die Marken bieten einen erhöhten Schutz des Briefgeheimnisses und eignen sich besonders zum Schmuck für Geburts-, Verlobungs-, Trauungs- und Todesanzeigen, sowie zu Anteilschreiben bei derartigen Anlässen. Ein durchschlagender Erfolg wäre im Interesse des eminent wohltätigen Zweckes zu wünschen, da das Erträgnis armen Kranken, Witwen, Waisen und armen Schulkindern zugute kommt. Wahren Menschenfreunden ist durch diese neue Erscheinung Gelegenheit geboten, nebst der Betätigung ihres Kunstsinnes ein wirklich wohltätiges Werk fördern zu helfen. Wien. (Gemeinderat Donat Zifferer.) Nächsten Samstag, den 30. d. M., begeht Gemeinderat Stadtbaumeister Donat Zifferer das 60. Geburtsfest. Einer strengreligiös veranlagten mährischen Familie entstammend, verstand es Herr Zifferer durch seine Fachkenntnis sowohl in Kollegenkreisen, sowie infolge seiner ausgebreiteten humanitären und philanthropischen Wirksamkeit in der großen Oeffentlichkeit sich einen glänzenden Namen zu machen. Im Gemeinderate ist Herr Zifferer namentlich während der Budgetdebatten auf seinem Platze; seine trefflichen mündlichen Ausführungen über die Gebahrung der bergt tt herrschenden Majorität, nicht minder aber die in der „Neuen Freien Presse" zu öfterenmalen erschienenen Auffätze bekunden stets die vollste Beherrschung der Frage durch Zifferer, der auch bei der letzten Landtagswahl in seinem Wahlbezirke als Kandidat nominiert war, wegen der bekannten Vorfälle jedoch seinem Gegner unterlag. Herr Zifferer, der aus dem I. Wahlkörper des IX. Bezirkes in die Gemeindestube entsendet wurde, vertritt dessen Interesse in vorzüglichster Weise. Er ist Obmann des „Vereines zur Beförderung der Handwerker unter den inländischen Israeliten", mit welchen Zifferer die stete und innigste Verbindung hat; ferner ist er Mitglied des Kuratoriums der „Baron Hirsch'schen Schulstiftung für Galizien", Vorstandsmitglied der „Israelitischen Allianz zu Wien", des „Philanthropischen Vereines" und sind es beinahe sämtliche humanitäre und wohltätig wirkenden Vereine der Residenz, die Herrn Zifferer zu ihrem Mitgliede zählen können. Das Geburtsfest, welches diesesmal auf den ersten Tag des israelitischen Neujahres fällt, wird dem sich allseits berechtigter Hochachtung und Beliebtheit erfteuenden Jubilar Ovationen in Hülle und Fülle bringen. Emil Jelinek. Die liilonumenla Judaica. Wir haben vor einigen Monaten über ein Werk berichtet, das geeignet schien, jüdische Kreise im höchsten Maße zu interessieren, nämlich die „Monumenta Judaica". Wie wir nunmehr erfahren, wird in den nächsten Tagen ein Probeheft der „M o n u m e n t a I u d a i c a" erscheinen. Durch die Freundlichkeit des Akademischen Verlages sind wir schon jetzt in der Lage, über den Inhalt dieses Heftes näher berichten zu können. Dasselbe wird enthalten: Faksimile einer hebräischen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, die Eigentum der k. k. Hofbibliothek ist; ferner das Umschriftalphabet für den hebräiichen Urtext, einen Teil der Literaturangaben und als Interessantestes die A l l g e m e i n e Einleitung zu den „Monumenta", die von den Herausgebern gezeichnet ist. In dieser Einleitung ist mit größter Klarheit und Gründlichkeit und dennoch in einer Sprache, die Jedermann lesen kann, die Jedermann versteht, auseinandergesetzt, was die „Monumenta Judaica" wollen, wodurch sie von bisherigen Bearbeitungen und Uebersetzungen abweichen, welche Bedeutung ihnen für die gesamte abendländische Kultur, also nicht allein für die jüdische, zukommen wird. Wir sind in der Lage, Bruchstücke aus dieser Allgemeinen Einleitung veröffentlichen zu können. Die speziellen Zwecke der „Bibliotheca Targumica" werden also klargestellt. Dieselben bezwecken: I. „Das Buch der Bücher, das auf alle europäischen Kulturen und auf alle Zeiten den größten Einfluß ausgeübt hat, nämlich die Bibel, allen Laien und Forschern zugänglich zu machen. 2 Nicht nur, wie es bis jetzt Usus war, die Bibel als ein Thema des Theologen oder Philologen zu betrachten, sondern als ein Dokument der Menschheit." Wie dies zu verstehen ist, wird von den Herausgebern in ebenso präziser, wie allgemein verständlicher Sprache auseinandergesetzt. und weiter fortgefahren, daß die „Bibliotheca Targumica" speziell noch einen Zweck mir verfolgt, welcher den „Monumenta Judaica" selbst in ihrer Allgemeinheit zukommt. Hierüber sagen die Herausgeber: „Die Gegenüberstellung und Vergleichung der christlichen und semitischen Kultur war bisher insoferne verfehlt, als die wichtigste Voraussetzung dieser Behandlung noch nicht erfüllt war. Voraussetzung nämlich war, daß der Geist des Hebraismus, wie er sich in der Bibel in so einziger Weise verdichtet hat, wie er in ihr und durch sie zum Ausdrucke kommt, zur Gänze und unverfälscht erkannt werde. Auf keinem anderen Wege aber wird es möglich sein, die Grundlage für die Erfüllung dieser Voraussetzung zu schaffen, als durch wissenschaftlich einwandfreie Uebersetzung jener fremdsprachlichen Bibelversionen, von denen wir schon deshalb annehmen müssen, daß sie den Geist der Btbel besser verstanden als wir, weil sie der Bibel selbst zeitlich und kulturell umso viel näher standen. Erst dann wird es auch fernerhin möglich sein,' die Grundlagen zu schaffen für eine richtige Beurteilung des Problems, inwieweit und in welchem Umfange die in Betracht kommenden Kulturkreise auf einander gewirkt haben. Und endlich wird die Grundlage geschaffen sein für die Erörterung des letzten Problems, für das die Klärung des an zweiter Stelle angeführten wieder Voraussetzung ist, nämlich: Wie können wir es verstehen, daß anscheinend so verschiedene Gruppen der Menschheit, wie Hellenen, Römer, Germanen rc., semitische Kultur überhaupt in sich aufzunehmen und fortzuführen vermochten". Hieran knüpft sich eine kurze Erörterung der Methoden und endlich die Besprechung der Wichtigkeit des zweiten Teiles der „Monumenta", nämlich der „Monumenta Talmudica". Es wird auf die Wichtigkeit hingewiesen, welche die historischen Stellen des Talmud als historische Dokumente überhaupt besitzen, da es vielleicht kein Buch der Weltliteratur gäbe, in dem sich die Weltanschauungen der Völker des Altertums in tausenden von Inschriften so deutlich wiederspiegeM wie im Talmud. Auch treten die Verfasser dem Vorwurf, daß sie tendenziösen Quellen zum Worte verhelfen würden, entgegen und fügen zur Illustration Folgendes ein: „Ein spezielles Beispiel soll zeigen, mit welchem Rechte man dem Talmud parteiliche Entstellungen unterschoben hat. In ihm ist überliefert, daß Titus an Tumor starb. Man sagte, die Juden hätten dies dem römischen Kaiser aus Rache angedichtet. So war man bereit, ein historisch wertvolles Zeugnis aus leerer Voreingenommenheit kurz von der Hand zu weisen. In diesem Falle hat das Fortschreiten der Forschung die historische Glaubwürdigkeit der Talmud-Ueberlieferung erwiesen. Möbius hat in einem Aufsatze über Titus aus anderen Quellen nachgewiesen, daß dieser Kaiser in der Tat an Tumor gestorben ist. Man frage sich, in wie vielen anderen Fällen man aus grundloser Verdächtigungssucht talmudische Zeugnisse vernachlässigt haben mag, aus einer Verdächtigungssucht, die in unserem Falle nicht einmal erwägen wollte, daß außer Titus noch viele andere Persönlichkeiten den Juden Anlaß genug gegeben hätten, sie im Talmud aus Rache an einem Tumor sterben zu lassen". Aus diesen dürftigen Bemerkungen schon ist zu ersehen, welch ungeheure Wichtigkeit dieses Werk für das gesamte Judentum haben wird und daß man alles tun muß, um das Erscheinen desselben zu sichern und zu erleichtern. Nach dieser Richtung muß aber mit Bedauern konstatiert werden, daß die Beteiligung des Judentums an dieser Sache viel zu wünschen übrig läßt. Es ist nicht eben sehr erfreulich, zu wissen, daß die meisten katholischen Bibliotheken des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.