Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 39 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 616 Dr. 3Blocb’$ MocdenscbrlN. Nr. 39 Siegm. Kauders, Vizepräsident Dr. G. K o h n sich beteiligten, wird der Antrag des Herrn Th. Ritter v. T a u s s i g, „Erhebungen in dem Sinne einzuleiten, ob die Voraussetzungen des § 60 des Statutes bei dem neuen Verein gegeben sind und in diesem Falle die Genehmigung zu erteilen", einstimmig zum Beschluß erhoben. In der vertraulichen Sitzung wurden auf die Adaptierungen des Leopoldstädter Tempels, auf die Unterbringung der Gemeindebibliothek, des Seminars und des Beth-ha-Midrasch bezughabende Beschlüsse gefaßt. Weiters wurden folgende Stiftungen verliehen, bzw. deren Verleihung nachträglich zur Kenntnis genommen: Klara Kahane Ausstattuugsstistung, 2 Plätze ä K 410.—; Benedikt Karplus- Gewerbeschülerstiftung, 2 Plätze ä K 50; Theresia Neumann- Lehrerswitwenstiftung, 2 Plätze a K 83.—; Anselm Freiherr von Rothschild-Waisenstiftung, 21 Plätze ä K 200.—; Jsak Kuffler-Ausstattungsstiftung, 1 Platz k K 400.—; Albert Gansl- Widmung für Arme, 19 Personen, zusammen K 390.—; L. G. Goldstein-Ausstattungsstistung, 1 Platz zu K 300.—; Salomon Altmann-Waisenstiftung, 2 Plätze ä K 60.—; Nathan und Jda Figdor-Widmung für Wöchnerinnen, 1 Platz zu K 16.—; Hermann und Regine Konrad-Stiftung, 2 Plätze k K 8.—; Abraham Adolf Kuh-Stiftung, 2 Plätze k K 20.—; Charlotte Rabatz-Widmung, 2 Plätze zusammen K 16.—; Heinrich Krall- Widmung für kranke Männer, 12 Plätze k K 40.—; Hermann Kohnberger-Stistung, 2 Plätze ä K 19.—; Betti Horschetzky- Armenwidmung, 2 Plätze ä K 8.40; Andreas Feigl-Witw enstiftung, 8 Plätze ä K 100; Heinrich Klinger-Widmung 1902 für Handels- oder Gewerbetreibende, 2 Plätze ä K 200.—. Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. Überproduktion in Partezetteln. Herr Redakteur! Der Umstand, daß zahlreiche Wohltätigkeitsvereine beim Hinfcheiden eines Mitgliedes besondere Partezettel veröffentlichen, bringt nicht nur ungerechtfertigte Auslagen für diese Vereine mit sich, sondern erregt auch Aufsehen und provoziert abfällige Urteile über das protzenhafte Vordrängen des jüdischen Elementes. So fanden sich jüngst in einer Nummer der „N. Fr. Pr." nicht weniger als 6 Partezettel für ein und dieselbe Person. Die Kosten einer solchen Veröffentlichung nur mit 60 Kronen berechnet, bedeutet eine Ausgabe von 360 Kronen, welcher — wenn diese Vereine eine einzige gemeinsame Veröffentlichung vorgenommen hätten — für 60 Kronen hätte geschehen können, während 300 Kronen für wohltätige Zwecke disponibel geblieben wären. — Vielleicht ergreift Ihr geschätztes Blatt die Initiative,. um eine Verständigung zwischen den betreffenden Vereinen für solche Fälle zu Stande zu bringen? Y. Z. Tempelspende und Tempelfeier in Göding. Orgeltöne durchziehen weihevoll das mit Palmen und exotischen Gewächsen geschmückte Gotteshaus und die vollzählig im Festgewande erschienene Gemeinde blickt in erwartungsvoller Andacht zur Türe. Von der Straße her ertönt Chorgesang und im Spalier feiertäglich gekleideter Schulkinder unter Vorantritt des Rabbiners und Oberkantors schreitet Herr Fritz Redlich unter dem Baldachin die neue Thorarolle im Arme, gefolgt von den jüdischen Hochschülern, von sechs weißgekleideten Mädchen, von einer Kortesche von Komiteemitgliedern und von einer großen Zahl seiner Beamten. Nun betritt er den Tempel und steigt zur Bundeslade empor, wo ihn der Kultusausschuß, mit dem Vorsteher an der Spitze, erwartet. Der Altar ist mit der herrlichen, in reicher orientalischer Goldstickerei ausgeführten Decke geschmückt, welche die Familie Redlich soeben für gottesdienstliche Zwecke gewidmet hat. Herr Fritz Redlich übergibt dem Kultusvorsteher die von ihm und seiner ebenfalls im Tempel anwesenden Gemahlin gespendete, mit wunderbarer Stickerei und Geräten aus Edelmetall in ebenso reichem als vornehmen Stile versehene Thorarolle mit einer längeren Ansprache, in der er der Kultusgemeinde und deren Mitglieder Glück und Heil wünscht, sie seiner steten Geneigtheit und Freundschaft versichert und ihr zum Zeichen seiner und seiner Gattin unverbrüchlichen Anhänglichkeit an die angestammte Religion die heilige Gesetzesrolle widmet. In bewegten Worten und längerer Rede dankt Herr Dr. Körner im Namen der Gemeinde für diese hochherzige Spende und für diesen neuen Beweis tatkräftiger und opferfreudiger Betätigung des Religionsbewußtseins, und nun wurden unter Orgelbegleitung in exakter und vollendeter Weise das Ohr, der dichtgedrängten Gemeinde entzückend, unter Leitung des bewährten Oberkantors der Gemeinde Herrn Grunwald Festgesänge zum Vortrag gebracht. Hierauf ergreift der Rabbiner Dr. L. Lazarus das Wort, um nach dem Gebete für den Kaiser in längerer, formvollendeter Rede auszuführen, was die Israeliten als die ersten Monotheisten für die Weltgeschichte bedeuten, daß das einzige und wichtige Dokument, welches ihre Glaubenslehre verkörpert und Jahrtausende überdauert hat, die Thora bildet Er schloß mit einem weihevollen ergreifenden Gebete für den hochherzigen Spender und dessen Familie, welche auch diesen Gottesdienst nicht vorübergehen ließ, ohne den verschiedenen Armenfonds und dem Studenten-Unterstützungsverein munifizente Spenden zuzuwenden. Zum Schluffe ist noch zu erwähnen, daß das Arrangement in den Händen des Herrn Karl Lechner lag, welcher, von einem größeren Stabe umgeben, die erhebende Feier so schön und würdig zu gestalten wußte. Kaposvar. Sonntag den 17. September 1905 fand die Generalversammlung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde statt, welche darüber entscheiden sollte, ob die Gemeinde, welche bisher „Status quo“ war, sich den Neologen oder den „Lebaumrob hadas“ (Orthodoxie) anschließen werde. Es fand auf beiden Seiten eine intensive Agitation statt und es kamen auch einige Fremde hin, um zu korteschieren, doch alle ftemden Einflüsse wurden entschieden abgewiesen und alle mehr oder minder hitzigen Beratungen wurden nur unter den Einheimischen gepflogen. Endlich drang der Antrag des Vorstehers Herrn A. Rosenberger, der ein begeisterter Orthodoxer ist, mit erdrückender Majorität durch, und die jüdische Kultusgemeinde Kaposvar schloß sich den Orthodoxen an. Von zahlreichen Privaten und Gemeinden liefen Glückwunschtelegramme ein. Berlin. Sonntag den 17. September fand hier eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, die auch von zahlreichen auswärtigen Mitgliedern besucht war. Der Präsident des Hilfsvereins Herr James Simon gab eine Ueberficht über die finanzielle Lage, des Vereins, während der stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführer im Ehrenamt Herr Dr. Paul Nathan ein eingehendes Referat erstattet hat über die allgemeine Lage der Juden in Rußland und über die Maßnahmen, die zur Besserung ihres traurigen Loses unternommen worden sind. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat immer erneute Hilfsaktionen zu Gunsten der russischen Glaubensgenossen eingeleitet und nach Maßgabe seiner Kräfte überall helfend eingegriffen. Dabei wurden alle Pläne, die auf eine Besserung der Lage der Juden in Rußland selbst und auch außerhalb Rußlands hinzielten, sorgfältig geprüft, und wo es zweckentsprechend war, nach Möglichkeit gefördert. An den Vortrag knüpfte sich eine längere interessante Debatte, die die völlige Uebereinstimmung der Anwesenden mit den Ausführungen des Referenten dartat. Hierauf wurde eine große Reihe von Bewilligungen beschlossen. Dem Komitee zur Hilfe durchreisender rufsifcher Juden in Kopenhagen sind 2500 Mk., dem jüdischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg 2000 Mk., dem Bremer Komitee für hilfsbedürftige durchreisende Juden 1500 Mk. von neuem bewilligt worden. Alle diese Komitees stehen im engsten Zusammenhang mit dem Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, das dem Hilfsverein der Deutschen Juden und der Großloge „11. O. B.B." untersteht. Der jüdischen Gemeinde in Bialystok sind zur Verteilung an die durch die bekannten Exzesse ihrer Ernährer beraubten Familien 5000 Mk. zur Verfügung gestellt worden. Der neu gebildeten Gesellschaft „Bezalel" zur Förderung des Kunsthandwerks in Palästina sind für das Jahr 1906 unter gewissen Voraussetzungen 3000 Mk. bewilligt worden. Der Hilfsverein beschloß ferner, das Defizit der jüdischen Kindergärten in Jerusalem im Betrage von 1900 Frcs. zu decken. Es wurden ferner für eine Mädchenschule in Jerusalem und andere Schulzwecke in Palästina und Rumänien namhafte Beträge votiert. Mit Rücksicht darauf, daß die finanziellen Mittel des Hilfsvereins durch die trostlose Lage .in Rußland und durch die zunehmende Auswanderung auf das Aeußerste in Anspruch