Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 39 (29.9.1905)
- Date
- 1905-09-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Mocb's MocbenscvrM. Seite 615 Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des israelitischen Kultus- Vorstandes vom 24. September 1905 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alsred Stern. Der Präsident eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: Sehr geehrte Herren! Ich habe die Ehre, Sie nach den Sommerferien, welche das Plenum unseres Vorstandes hielt, freundlichst und freudigst zu begrüßen. Die Freude des Wiedersehens wird aber sehr arg getrübt, wenn wir auf die zwei leeren Plätze an diesem Tische blicken und uns vor Augen halten, daß wir die beiden vortrefflichen Kollegen, welche dieselben einnahmen, nicht mehr sehen, ihr kluges Wort bei unseren Beratungen nicht mehr hören werden, daß sie uns für immer entrissen sind. Dr. Isidor Schnabl gehörte nur wenige Monate unserem Kollegium an; aber der ausgezeichnete, vortreffliche Mann, der sich längst vorher schon in den Angelegenheiten unserer Gemeinde bei hervorragenden Vereinen derselben, so bei der Chewra Kadischa, bei dem Bene brith eifrigst und mit aller Wärme seines edlen Herzens betätigt hatte, war uns allen wohlbekannt. Als er zu Beginn dieses Jahres in den Vorstand eintrat, bekundete er mir seine Absicht, seine Tätigkeit insbesondere dem Unterrichtswesen und den Anstalten unserer Gemeinde auf dem Gebiete der Hygiene, dem Spitale, dem Versorgungshause, der Siechenanstalt zu widmen. Ihnen Allen ist es bekannt, mit welchem Eifer er seinen übernommenen Pflichten nachgekommen ist. Es sind uns noch in Erinnerung die trefflichen Referate, welche er im Vereine mit seinen anslMeichneten-Berufskollegen in unserer Mitte, insbesondere in letzterer Zeit bei Stellenbesetzungen und in anderen Angelegenheiten, welche für die Leitung unserer oberwähnten Anstalten von hoher Wichtigkeit sind, erstattet hat. Er war ein vortrefflicher Mann. Unser Aller Sympathien wurden ihm in reichem Maße zuteil. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten! Salomon R o s n e r gehörte unserem Vorstande seit dem Inkrafttreten des Judengesetzes vom Jahre 1890 und der auf Grund derselben stattgefundenen Einverleibung der damaligen Vorortegemeinden an. Lange Jahre vorher war er als Mitglied des Vorstandes und auch als Vorsteher der damaligen Ottakringer Kultusgemeinde tätig. Ihren Aufschwung, ihr Gedeihen, alles, was in derselben an jüdischen gemeinnützigen und humanitären Anstalten geschaffen wurde, war seiner Initiative, seiner energischen Mitwirkung zu danken. Er hat sich auch — durch die Regierung hiezu berufen — an der Verfassung unseres Kultusgelneindestatutes beteiligt. In den Kommissionen für Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten, für Friedhofsangelegenheiten, als Obmann des Bethauses für den XVI. und XVII. Bezirk und überhaupt in allen den Angelegenheiten, welche das- Plenum des Vorstandes beschäftigten, hat er sich stets als pflichteifriges Mitglied unserer Glaubensbrüderschaft betätigt, und wenn er es sich vorzugsweise angelegen sein ließ, das Interesse seines Bezirkes hier zu vertreten, so gebührt ihm auch das Verdienst, daß er in diesem Bezirke, in welchem Meinungen und Anschauungen zeitweilig sehr auseinander gingen, den Frieden und die Einigung zu erhalten verstand. — Wir haben unseren beiden Kollegen alle Ehre, deren sie in höchstem Grade würdig waren, erwiesen. Das Präsidium iu corpore, alle zur Zeit in Wien anwesenden Vorstandsmitglieder haben sie zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. Nebst den herzlichen, .ergreifenden Nachrufen, die ihnen seitens unserer Rabbiner Dr. Güdemann und Dr. Bach gehalten wurden, habe auch ich mich verpflichtet gefühlt, namens des Vorstandes ein Wort des Abschiedes zu sprechen. Auch habe ich namens des Vorstandes ein herzliches Beileidsschreiben gerichtet. Das Andenken unserer Hingeschiedenen Kollegen wird im Kreise des Vorstandes, sowie in unserer Gemeinde ein gesegnetes bleiben. Sie haben sich zum Zeichen der Trauer von Ihren Sitzen erhoben und Sie find einverstanden, daß diese Trauerkundgebung unserem heutigen Sitzungsprotokolle einverleibt werde. (Zustimmung.) Im Einlauf wird folgende Spendenliste verlesen: Von Herrn Direktor Moriz Bauer sel. And. als Legat zur beliebigen Verwendung für wohltätige Zwecke ..... L 9000.— Von Herrn kais. Rat Salomon Kohnberger anläßlich der hohen Feiertage für die Armenanstalt „ 400.— Von Herren Heinrich und Ludwig Schwarzmann zu wohltätigem Zwecke...... .. 300.— Von Herrn Arnold Fröhlich anläßlich der hohen Feiertage: für den Frauenhort ... ...... K 50.— „ „ Handwerkerverein . ... 25.— „ das Blindeninstitut .. „ 25.— „ „ Taubstummeninstitut.. 25.— „ den Wöchnerinnen-Verband.. 25.— „ „ Verein für Brustleidende . . . . * 25.— „ „ Lehrmädchenhort25.— „ „ Israelitischen Frauenverein I. . . „ 25.— „ „ Handwerkerverein (zur Unterstützung isr. Handwerker u. Kleingewerbetreibender) „ 25.— „ 250.— Von Herrn Dr Adolf Sattler noe. der Herren Ignaz Briefer und Fillipp I. Löw für einen gemeinnützigen jüdischen Zweck. . .„ 200.— Von Frau Louise Hechter anläßlich des Sterbegedächtnistages ihres seligen Gatten Herrn Salomon Hechter: für das Altersversorgungshaus . . . . X 10.— „ Blindeninstitut . 10.— „ die Kinderbewahranstalt. 10.— „ „ Volksküche . - ........ 10.— „ den Waisenverein.„ 10.— „ „ Handlungskrankenverein . . . „ 10.— „ 60.— Von Frau Julie Mandl als Kranzablösungsspende nach dem seligen Herrn Adolf Fleischer .... . . . * 30.— Von Herrn Siegmund F. Haider als Kranzablösungsspende für Herrn Wilhelm Meller, für den Waisenverein „ 20.— Von Frau Malvine Nadler für arme kranke Kinder ...» 6.— Im Präsidialberichte bringt der Präsident das finanzielle Ergebnis der wichtigsten Einnahmsquellen der Gemeinde in der Zeit vom 1. Jänner bis 31. August 1905 zur Kenntnis. Aus diesem Berichte geht hervor, daß die Einnahmen aus Kultussteuern und Jmmatrikulationsgebühren gegenüber den Einnahmen in der gleichen Periode des Vorjahres ein Plus von X 15.760*46, aus Beerdigungs- und Ueberführungs-Taxen ein Plus von X 48.402*44, aus Friedhof-Taxen ein Plus von X 14.838*23, aus Trauungs-Taxen ein Plus von X 9007*—, aus Betfitzen in den Gemeindetempeln ein Minus von X 9194*— aufweisen. Die Ernennung nachstehender Herren zu Mitgliedern des Bethausvorstandes in Ottakring wird nachträglich genehmigt: Samuel Fischer, Leopold K o h n, Salomon K o h n, Wckhelm Mandl gen., Eduard Politzer, Adolf W a r i n g e r, Sigmund Weiler. Nach Uebergang zur Tagesordnung wird beschloffen, die Ersatzwahlen für die verstorbenen Vorsteher Dr. Schnabl und S. R o s n e r erst mit den allgemeinen Neuwahlen im Herbste 1906 vornehmen zu lassen. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn referiert über die Supplenturen für den jüdischen Religionsunterricht an Mittelschulen und beantragt im Namen des Vertreterkollegiums, daß der Vorstand sich bereit erkläre, den dritten Teil der Kosten zu übernehmen, wenn die Notwendigkeit einer Supplentur eintritt. Dr. M. Spitzer erklärt sich gegen diesen Antrag und der Gegenstand wird zur nochmaligen Vorberatung zurückgelegt. Es gelangt die Petition eines orthodoxen Vereines im achten Bezirke um Bewilligung eines ständigen Bethauses zur Beratung. Die Bezirkskommisfion hat die Ablehnung dieses Gesuches empfohlen, was auch vom Vertreterkollegium beantragt wird. Kultusvorsteher Oscar Marmorek beantragt dagegen Genehmigung des Gesuches. Nach einer lebhaften Diskussion, an welcher die Herren Salo Landau, Dr. v. Berger,