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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 38 Se-te 606 L-r. JBlocb’s Mocbenscbrltt. brach in Tränen aus. „Meine Rivkole sollte solche Gedanken gehegt haben", rief Moses ungläubig aus, indem er ihre Wangen streichelte. „Wenn meine Rivkole am Samstag ein neues Kleid anlegt, tut sie es doch nur, um Gott zu gefallen? ),Wo ist Dein neues Kleid." „Ich habe das alte angezogen", sagte sie „denn ich will den Teufel nicht mehr sehen." „Es gibt keinen Satan Mekatrig. sage ich Dir", entgegnete Moses aufgebracht. Unsere eigenen, innersten Gedanken machen uns zerstreut und hindern uns an der Ausführung der Gesetze, unsere eigenen Versuchungen verwirren uns Herz und Sinn." „Moses", rief Rebekka in entsetztem Tone, „habe ich also einen Sünder geheiratet? Mein Vater, der Rabbi, Friede seiner Asche, sagte immer, Du fragst zu viel." „Gut, ob es einen Satan gibt oder nicht, Du hast ihn nicht gesehen, die Erscheinung, die Du erblickt zu haben behauptest, ist der Mann, von dem ich Dir erzähle. Und Du hast mit einem Manne gesprochen, der sich über das Judentum lustig macht! Möge Dir Gott, der Allmächtige vergeben. Jetzt weiß ich, warum wir keine Kinder, keinen Kaddisch haben." Und Rebekka weinte bitterlich. Ihr steter Kummer, der ihr so plötzlich ins Gedächtnis zurückgerufen wurde, beruhigte sie beide und zerstreute ihre ärgerliche Aufregung. Beide hatten die traurige Vision ihrer Leichen, ohne daß ein Sohn dabei Kaddisch spräche. Oh, wenn ihre Seelen einst im Fegefeuer gerichtet würden, ohne daß das Gebet des Sohnes sie befreie! — Bald saßen sie Hand in Hand und lasen die Psalmen zusammen. Ein tiefer Friede war über Moses Grinwitz. So mußte der unsterbliche Allegorist John Bunyau empfunden haben, wenn er der wahnsinnigen Sehnsucht. Gotteslästerungen von der Kanzel herabzuschreien, Herr wurde, und wenn er seine Seele eins fühlte mit dem Geist Gottes. So empfinden alle die, die mit dem Geist der Finsternis kämpfen müssen und ihn besiegen. Sie waren beide seltsame Gegensätze; -..der große, blasse, breitschulterige, schwarzbärtige Mann und die kleine, scharfäugige, gefällige, wenn auch nicht hübsch aussehende Frau in ihrer schwarzen Perrücke und gestreiftem Kattunkleid. Und als sie standhaft so die ganze Anzahl der Psalmen in seltsam melancholischer Weise, getragen von eigentümlicher, unbeschreiblicher Feierlichkeit, durchgegangen waren, hatte sich tiefe Dunkelheit über das Haus gesenkt. Das eiserne Bett, die hölzernen Sessel, der goldrahmige Mizrach verloren ihre Umrisse in der Finsternis. Endlich waren die Psalmen beendigt und Mann und Frau saßen nun Hand in Hand, um Pläne für die kommende Woche zu schmieden. Keiner sprach davon, zum Abendgottesdienst ins Bethaus zu gehen, und als der Mond seine Silberstrahlen ins Zimmer fallen ließ, kündigte Rebekka Grinwitz, nachdem sie - lange zum Himmel emporgeschaut hatte, an, daß drei Sterne am Himmel sichtbar wären, und das fromme Paar wandte sich gegen Osten und sang den Hymnus, der den Sabbath beschließt. Als das Abendgebet vorüber war, nahm Rebekka aus der Kredenz den vollgesüllten Weinkrug und den metallenen Weinbccher, das grüne Wachslicht und die Gewürzbüchse, um damit das schöne symbolische Fest des Havdallah zu vollenden, das die Arbeit willkommen hieß, die sechs langen Tage mühsamer Plage, die der Wille des Schöpfers geschaffen hatte, er der Schöpfer der Ruhe- und der Werktage, des Lichtes und des Schattens, des Guten und des Bösen, alles durch Gottes Liebe und Weisheit zu göttlicher Harmonie geeint. Moses füllte den Becher mit Rebensaft und, indem er ihn mit seiner Rechten hochhielt, sang er ein kurzes, hebräisches Lied, das also lautete: „Gott ist unser Heil und ich will ihm vertrauen und will mich nicht fürchten. Sei unser Licht, unsere Freude, Glück und Ehr." Dann segnete er den König des Weltalls, der die Früchte und den Wein geschaffen hatte, und nachdem er die Gewürzbüchse genommen, sprach er auch darüber den Segen. Hierauf roch er an der Büchse, reichte sie seiner Frau und indem er seine Hand zum Licht ausstreckte, sang er feierlich: „Gesegnet seist Du. König des Weltalls, der Du Feuer und Licht erschufst." Und wieder nahm er den Weinkrug und sang mit besonderer Innigkeit über die Heiligkeit und beseeligende Wirkung der Religion. „Gesegnet seist Du, o Herr, unser Gott, König des Weltalls, der Du heilig und unheilig, Finsternis und Licht unterscheidest." (Fortsetzung folgt) Literatur. Cbalomes von Alfred Nathan. (Kommissions - Verlag von S. Rosenberg, Fürth in B.) Das jüngst unter diesem Titel erschienene Buch des Verfassers der Gedichtsammlung „Aus kranken Tagen" bringt uns eine Sammlung humoristischer Gedichte in jüdisch-deutscher Mundart. Der Verfasser schildert jüdische Festgebränche. jüdisches Familienleben, weiß an entsprechender Stelle geschickt satirische Bemerkungen einzuflechten, die aber nie, selbst die Strenggläubigsten, verletzen werden. Das sind nicht mehr, wie der Autor sagt, „Klane Scherzlich", das ist poetisch vertiefte Detailmalerei. Mit Vergnügen lesen wir die Schilderung der Badereise, wenn die Familie „ins Geberg oder an der See" geht, noch interessanter sind die Fabrten nach Ostende, London, Paris skizziert. Als wahre Kablnetstücke können die Schilderungen des Gottesdienstes am Freitag- Abend und Noschhaschonoh gelten. Den Schluß des interessanten Buches bildet eine Serie horazischer Oden in jüdisch-deutscher Bearbeitung. „An Venus" nennt sich beispielsweise eine Ode, in der es, frei nach Wagner's Thannhäuser, heißt. „Ich will nix wissen von der Lieb', Will, daß mir mei Menuche blieb. So wahr ich leb', 's ist höchste Zeit, Daß von der Venus ich befreit!" Aber zum Schluffe der Ode, sogt der liebesmüde Dichter doch, das; „Wenn ich die Sarah sek', Hüpft mir das Herzle in die Höh', Die Lieb' ist mächtiger als ich, O, Venus ich sieh Eines bloß, Ich komm' von Dir denn doch nicht los." Jda Barber. Neue Bücher. Statistisches Jahrbuch deutscher Juden. Siebzehnter Jahrgang 1905. Im Aufträge des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Sir. 46, Preis 2 Mark. Hermann Klauber, Rabbiner, Religionslehrer und Matrikenführer in Ober-Cerekve. Hochzeits-Album. Zweite, bedeutend vermehrte Auflage. Selbstverlag. KriefkaKerr. G. Z. In allen Auswanderungsangelegenheiten wenden Sie sich an das Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in Berlin; dort wird Auskunft und Rat unentgeltlich erteilt. K. L. Der Vers lautet: Leben, leiden und vergehen Ist das Menschenlos auf Erden, Doch im Kampfe zu bestehen Sollst du nimmer müde werden. F. in Berlin. Der hiesige Bericht jenes Blattes ist natürlich barer Unsinn. Erfindung eines Verrückten. B. Th. in P. Es ist richtig, daß unter den Namen, welche die Fassade der Bibliothek Sainte-Geneviäve in Paris schmücken, sich auch der Raschis befindet. Dr. R. B. Der Brandkatastrophe, welche Adrianopel am 3. d. M. heimgesucht hat, sind zwölf Synagogen mit ihrem gesamten Inhalt zum Opfer gefallen. S. B. Die offizielle Statistik, wie sie die letzte Volkszählung lieferte, erbringt die Tatsache, daß von den 1,224.711 in Oesterreich gezählten Juden 622.235, das ist mehr als die Hälste, polnisch als Umgangssprache angegeben haben; mit deutscher Umgangssprache hatte man 419.210, das ist 34 2 Prozent aller Juden in Oesterreich, gezählt

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