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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Dlocb's Mocbenscbrltt. Gelte 605 gründen, die gewiß sehr viel zur Aufklärung über die jüdische Literatur, sowieüberdasJudent u m überhaupt beitragen würde. Das „Permanente Komitee" wählte eine „B ib l i o t h e k s k o m m i s s i o n", die sich speziell mit dem Vorschläge seines Obmannes Herrn Dr. Schornstein zu befassen hatte. Im Laufe des Frühjahres wurde an die Gemeindemitglieder ein Zirkular erlassen und eine Sammlung eingeleitet, die über alle Erwartungen gut ausfiel, umso mehr als sich daran auch die benachbartenGemeinden vonAuschaund Lobositz in höchst anerkennenswerter Weise beteiligten. Außer den zahlreichen Bücherspenden wurde eine große Anzahl Werke jüdischen Inhalts oder jüdischer Autoren angeschafft, so daß die Bibliothek bereits jetzt an vierhundert Bände zählt, die nunmehr eifrigst benützt werden und allen Mitgliedern der obgenannten Gemeinden zur unentgeltlichen Verfügung stehen. Erwähnt sei noch, daß die Kultusgemeinde der Bibliothek eine Subvention bewilligte. Paris. Den Abgebrannten in Adrianopel sandte die Alliance Jsraälite 3000, das Haus Rothschild 5000 Franken. Sofia. Zum Empfange des bulgarischen Exarchen wird gemeldet: Zur Begrüßung des Exarchen erschien auch der Großrabbiner von Bulgarien, Herr Dr. Ehrenpreis, begleitet vom Sofiaer Chacham. Der Großrabbiner, der Seiner Heiligkeit vom Herrn Ministerpräsidenten im fürstlichen Salon vorgestellt wurde, begrüßte den Exarchen und übermittelte ihm die Willkommgrüße der jüdischen Bevölkerung des Fürstentums, worauf Seine Heiligkeit sichtlich gerührt dankte, indem sie ihre Befriedigung hierüber Ausdruck gab. Feuilleton. Satan Mekatrig. Eine Ghettogeschichte. — Nach dem Englischen von Israel Zangwill (Fortsetzung.) Als er endlich vor einer Türe angelangt war, da hatte sich das Gefühl des Unbehagens in dem einen Gedanken konzentriert; eine Erinnerung war in sein Herz gedrungen und ließ es änstglich und schuldbewußt schlagen: seine Frau, seine reine, tugendhafte und gottesfürchtige Frau! Wie wird er sich mit ihr verständigen? Aber plötzlich kam eine Erleichterung über ihn: seine Frau war ja noch nicht zuhause; sie mußte noch im Bethaus weilen, wo sie, durch den trennenden Vorhang glücklich beschützt, vielleicht noch nichts von der Rolle wußte, die er heute gespielt. Plötzlich wendete er sich zu seinem Genossen und blickte in das finstere Gesicht, mit der hohen, weißen Stirn. Des Buckligen rote Haare brannten wie Feuer in der Dunkelheit, seine Augen schossen Blitze. „Gewiß ist meine Frau im Tempel," sagte Moses. „Wenn es so ist, hat sie den Schlüssel und wir können nicht hinein." „Das macht nichts," zischte der Bucklige, „aber vor allem mußt Du das Ding da herunterreißen! Moses Augen folgten verwundert der Richtung von seines Freundes langen, weißen Zeigerfinger und blieben an der Mezusah hängen, wo in einer Zinnhülse die heiligen Verse und der Namen des Herrn aus dem Türpfosten hing. „Das herunterreißen", rief Moses. „Ja, reiße es hinunter," wiederholte der Bucklige. „Niemals würde ich eine Wohnung betreten, wo so ein abergläubischer Tand die Türe schmückt." Moses zögerte; der Gedanke, was seine Frau dazu sagen würde, legte sich ihm schwer auf's Gewissen; alle seine gottlose Vermessenheit war wie weggeschmolzen. Aber ein spöttischer Blick der grausamen Augen traf ihn. Er legte seine Hände an die Mezusah, dann aber machte sich die Gewohnheit so vieler Jahre geltend und er küßte die Finger, die auf dem Namen des Herrn gelegen hatten. Plötzlich änderten sich seine Gedanken, er hätte den Arm ausstrecken, den Buckligen an der Kehle fassen mögen. Doch es war nur ein schwaches Verlangen. denn als ein leises Zischen wie im heftigen Zorn über die zusammengekniffenen Lippen kam, machte er eine rasche Bewegung nach der Mezusah. Er hatte sie schon halb vom Holze losgelöst, als aus dem Zimmer die feierlichen, hebräischen Worte erklangen: „Gesegnet sei derjenige, der nie den Rat des Bösen befolgt, es nie mit dem Sünder hält und niemals dem Gottlosen ergeben ist." Es war Rebekka Grinwitz' Stimme, die eben, wie jeden Samstag das Buch der Psalmen las. Ein Schatten huschte über Moses Grinwitz' Gesicht; seine Hand an der Mezusah hielt inne, er kämpfte eine Weile mit sich selbst, dann küßte er seine Finger wieder und als er sich zu seinem Genossen wandte, um seinem Zorne zu trotzen, sah er, wie dieser lautlos die Stiegen hinabschlich. Ein Stöhnen der Erleichterung kam aus seinem Munde. „Rivkole, Rivkole," schrie er hysterisch, indem er an die Tür schlug, und einen Augenblick später war er im Hafen, lag er in den Armen seines Weibes. „Wer sagte Dir, daß ich es war," sagte Rebekka, nach dem für beide so glücklichen Augenblick. „Ich sagte Ihnen, sie möge dich weder beunruhigen, noch Dir den Genuß der Predigt stören, denn ich wußte, Du würdest das Bethaus verlassen, wenn Du erfahren würdest, daß ich ohnmächtig wäre." „Niemand sagte mir, daß Du in Ohnmacht fielest," rief Moses aus und hatte schon vollkommen seine eigene Verwirrung vergessen. „Und Du hast es vermutet," rief Rebekka und ein glückliches Lächeln huschte über ihr Gesicht „und folgtest mir." Dann bewölkte sich ihr Gesicht und sie sagte: „Der Satan Mekatrig hat uns aus der Synagoge vertrieben und selbst wenn ich zu Hause die Psalmen zu beten beginne, unterbricht er mich und schickt mir meinen lieben Mann." Moses küßte seine Frau und freute sich der liebevollen Schlußbemerkung, fügte aber unruhig hinzu: „Was hat meine Rivkole ohnmächtig gemacht"? Er war froh, daß das Mißverständnis ihn der Notwendigkeit von Erklärungen entbayd. „Sie hätten aber auch das rückwärtige Fenster öffnen sollen", sagte er. Rebekka schauderte. „Gott behüte", schrie sie, „es war ja nicht die Hitze, — er war Schuld dran." Ihre Augen starrten wie in einer unsichtbaren Vision. „Was", rief Moses, dessen sich Schrecken bemächtigte. „Er wäre hineingekommen." — „Wer wäre gekommen", keuchte er. „Der Satan Mekatrig" erwiderte seine Frau. „Er war draußen und stierte mich an, als ob ich sein Kommen verhindern würde. Ein beängstigendes Schweigen folgte. Moses Herz schlug ängstlich. Dann lachte er mit gräßlicher Freude auf. „Du bist durch die Hitze eingeschlafen. Du hattest einen bösen Traum." „Nein, nein", entgegnete seine Frau ernsthaft. „So sicher, wie ich hier stehe, nein. Ich schaute in mein Gebetbuch und folgte dem Vorleser, da plötzlich fühlte ich ein Brennen in den Augen, daß ich unwillkürlich aufblickte. Ich wunderte mich, daß der Satan Mekatrig meine Andacht beim Gottesdienst störe. Lange Zeit widerstand ich, aber als das Gebet zu Ende war, kam der Verführer wieder über mich, ich wendete mich um und sah ihn." „Wie sah er aus", fragte Moses flüsternd und mit Schaudern. „Ein kleiner, buckliger Dämon mit roten Haaren und einer Pelzkappe, weißem Gesicht und traurigen Augen und großen Klumpfüßen." Wieder lachte Moses, ein seltsames lautes Lachen. „Kleine Närrin", sagte er, „ich kenne den Mann". Er ist ein jüdischer Mitbürger, ein armer Schneider oder sonst etwas, der über das Judentum spottet, denn er hat keine Frau, die ihm das himmlische Licht zeigt. „Warum hast Du ihn später nicht gesehen. Aber nein. Du mußt schon fort gewesen sein, als er hineinkam." „Was ich sah, war kein Mensch", gab Rebekka zurück und schaute zu ihm auf. „Kein menschliches Auge hätte mein Herz so verwirren können." Es war der Satan Mekatr g selbst, der auf Erden auf und abwandelt. Ich habe vielleicht gesündigt, daß ich zuviel an mein Sabbat-Kleid gedacht habe, daß mich der Engel verlassen hat und der Zerstörer und Verführer mich ungehindert anfallen konnte." Das arme, gewiffenhaste Weib

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